Wechseljahre: Wie gut helfen Medikamente, Mönchspfeffer & Co.?

Die Wechseljahre (Klimakterium) sind eine Phase der hormonellen Umstellung des Körpers, die insbesondere mit einer verminderten Produktion von Östrogenen und Progesteron einhergeht. Letzteres gehört zur Gruppe der Gestagene, den sogenannten Gelbkörperhormonen. Die Umstellung geht für viele Frauen mit verschiedenen körperlichen und zum Teil auch psychischen Beschwerden einher. Dazu gehören Hitzewallungen, Müdigkeit, Scheidentrockenheit oder depressive Verstimmungen.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Symptome zu lindern, die im Rahmen der Wechseljahre auftreten können? Von der klassischen Hormonersatztherapie über pflanzliche Mittel bis zu Änderungen des Lebensstils haben wir unterschiedliche Methoden zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden unter die Lupe genommen.

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Hormone: Ersatztherapie in den Wechseljahren

Frau nimmt Hormone in den Wechseljahren © Getty Images/Tetra Images - Daniel Grill
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Bei starken Beschwerden in den Wechseljahren kann eine Therapie mit synthetisch hergestellten Hormonen erfolgen. In der Regel handelt es sich um eine Kombinationstherapie, bei der sowohl Östrogene als auch Gestagene, zu denen Progesteron gehört, eingesetzt werden. Die Einnahme der Medikamente erfolgt entweder in Form von Tabletten beziehungsweise Kapseln oder lokal, beispielsweise in Form von Hormongel oder Hormonpflastern.

Seltener wird eine Behandlung nur mit Östrogenen (Monotherapie) durchgeführt, da diese Therapieform zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut führen kann. Die Ausnahme ist hier die lokale Anwendung von östrogenhaltigen Salben oder Zäpfchen zur Behandlung von Scheidentrockenheit.

Eine Hormonersatztherapie kann zahlreiche Nebenwirkungen, wie Wassereinlagerungen (Ödeme) oder Übelkeit, hervorrufen. Zudem kann sich bei der Durchführung einer Hormontherapie über einen längeren Zeitraum das Risiko für bestimmte Krankheiten wie Thrombosen oder Brustkrebs erhöhen. Der Einsatz von Hormonen in den Wechseljahren ist daher umstritten und sollte nur nach einer gründlichen Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam mit dem*der Gynäkolog*in erfolgen.

Bioidentische Hormone

Frau nimmt bioidentische Hormone © Getty Images/Thanit Weerawan
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Bioidentische Hormone sind halb-synthetisch hergestellte Hormone. Das heißt, ein Teil der zur Produktion der Hormone benötigten Stoffe wird aus Pflanzen, wie beispielsweise Soja oder der Yams-Wurzel, gewonnen. Daraus ergibt sich die Namensgebung "bioidentisch".

Bioidentische Hormone weisen deshalb jedoch nicht unbedingt weniger Nebenwirkungen auf als synthetisch hergestellte Hormone. Häufig werden sie individuell für betroffene Frauen auf Rezept erstellt, eine behördliche Kontrolle findet also in der Regel nicht statt. Eine intensive ärztliche Beratung ist daher auch bei der Einnahme bioidentischer Hormone äußerst wichtig.

Mönchspfeffer (Agnus castus) gegen die Beschwerden

Mönchspfeffer © Getty Images/Westend61
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Mönchspfeffer wird in den Wechseljahren als phytotherapeutisches Mittel eingesetzt. Der Begriff Phytotherapie ist ein anderer Name für die Pflanzenheilkunde.

Für die Wirkung von Mönchspfeffer in den Wechseljahren gibt es wissenschaftliche Belege, auch wenn die Studien aufgrund der geringen Anzahl von untersuchten Personen nur bedingt aussagekräftig sind. So konnte im Rahmen einer kleineren Studie mit 178 Teilnehmerinnen nach dreimonatiger Einnahme eines Mönchpfefferextraktes die Verbesserung einiger Wechseljahresbeschwerden, wie Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen, festgestellt werden.

Die Einnahme von Präparaten mit Mönchspfeffer erfolgt, wenn nicht anders verordnet, einmal täglich in Form einer Kapsel oder Tablette. In seltenen Fällen können Nebenwirkungen in Form von allergischen Reaktionen auftreten.

Schüßler-Salze und Homöopathie in den Wechseljahren

Homöopathische Mittel © Getty Images/Birgit R / EyeEm
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Schüßler-Salze enthalten Mineralstoffe, wie Magnesiumphosphat oder Kalziumfluorid, in homöopathisch Dosen, also stark verdünnt. Die Tabletten sollen in den Wechseljahren beispielsweise gegen Hitzewallungen helfen oder die Funktion der durch den Östrogenmangel verdünnten Schleimhäute verbessern.

Auch homöopathische Mittel werden häufig in den Wechseljahren eingesetzt, insbesondere bei Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen. Neben einzelnen Homöopathika werden auch Komplexmittel eingesetzt. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe soll mehrere Beschwerden gleichzeitig lindern. Die Wirkung von Schüßler-Salzen oder homöopathischen Mitteln konnte bisher jedoch nicht wissenschaftlich belegt werden.

Jiaogulan: Wunderkraut für Probleme in den Wechseljahren?

Jiaogulan-Tee © Getty Images/Viktoriia Leontieva / EyeEm
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Bei Jiaogulan handelt es sich um ein Kürbisgewächs, das in Südchina zu Hause ist. Dort wird es auch als "Kraut der Unsterblichkeit" bezeichnet. Die Blätter werden getrocknet und können als süßlich-herber Tee getrunken werden.

Neben Saponinen enthält Jiaogulan einen hohen Anteil an Flavonoiden. Beide Pflanzenstoffe wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Im Rahmen von Tierversuchen und Versuchen im Labor konnten unter anderem positive Auswirkungen auf den Blutzucker oder Entzündungsprozesse im Körper nachgewiesen werden. Einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden gibt es bisher nicht. Zudem fehlen Studien zu den beobachteten Effekten beim Menschen.

In Deutschland gilt Jiaogulan als "Novel Food" (neuartiges Lebensmittel). Lebensmittel mit Jiaogulan sind deshalb bisher nicht zugelassen.

Pflanzliche Mittel: Traubensilberkerze, Soja & Co.

Pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden © Getty Images/Pakin Songmor
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Bei Wechseljahresbeschwerden können verschiedene pflanzliche Mittel zum Einsatz kommen, bei denen es sich um sogenannte Phytoöstrogene handelt. Diese sekundären Pflanzenstoffe ähneln in ihrer chemischen Struktur dem Östrogen. Besonders häufig werden Isoflavone aus Soja oder Sojaextrakt zur Behandlung eingesetzt, aber auch Präparate aus Rotklee oder Traubensilberkerze.

Eine Metaanalyse von 62 wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit von Phytoöstrogenen gegen Wechseljahresbeschwerden ergab, dass durch die Einnahme von Phytoöstrogenen auf Sojabasis gegenüber der von Placebos die Häufigkeit von Hitzewallungen und Probleme mit Scheidentrockenheit verbessert werden konnten. Die Ergebnisse zur Einnahme von Mitteln mit Traubensilberkerze und Rotklee waren hingegen weniger eindeutig – zum Teil besserten sich die Symptome, zum Teil konnten keine Effekte festgestellt werden.

Die Studien wiesen jedoch mitunter qualitative Mängel auf, weswegen ihre Aussagekraft begrenzt ist. Zudem wurde nicht untersucht, ob durch die langfristige Einnahme von Phytoöstrogenen Nebenwirkungen auftreten können.

Granatapfel zur Linderung der Beschwerden?

Granatapfel © Getty Images/Luxy Images
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Extrakte aus Granatapfel oder Kapseln mit Granatapfelsamen-Öl werden immer wieder als Mittel zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden beworben. Noch liegen keine Langzeitstudien zu möglichen Effekten vor. Im Rahmen einer Studie der medizinischen Universität Wien mit 81 Frauen über einen Zeitraum von drei Monaten konnten jedoch keine Verbesserungen von Hitzewallungen durch die Einnahme von Präparaten mit Granatapfelsamen-Öl festgestellt werden.

Frauenmanteltee in den Wechseljahren

Frauenmanteltee © Getty Images/Dimitri Otis
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Frauenmantel gehört zu den Rosengewächsen. Die Pflanze enthält neben Gerbstoffen und ätherischen Ölen auch pflanzliches Progesteron, welches in seiner chemischen Struktur dem im menschlichen Körper ähnelt. Frauenmantel soll sich als Tee in den Wechseljahren deshalb positiv auf das Vorkommen von Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen auswirken.

Die empfohlene Tagesdosis liegt bei zwei bis drei Tassen Tee. Bei Personen mit empfindlichem Magen können die Gerbstoffe Übelkeit auslösen. Auch bei Bluthochdruck sollte der Genuss des Getränks ärztlich abgeklärt werden, da Frauenmantel die Durchblutung fördert.

Sport und Ernährung als wichtige Bausteine

Frau treibt Sport in den Wechseljahren © Getty Images/kali9
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Eine gesunde Lebensweise kann auch in den Wechseljahren dazu beitragen, einen Teil der Beschwerden zu lindern. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit helfen bei Hautproblemen. Da in den Wechseljahren der Energiebedarf sinkt und die Muskelmasse abnimmt, kann auch hier eine leichte Ernährungsumstellung mit weniger fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln positive Effekte haben – auch um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Daneben hilft Sport, den Energiebedarf zu steigern und an Muskelmasse zuzulegen. Zudem reduziert die körperliche Aktivität Stress und hilft gegen Schlafstörungen. Spezielle Beckenbodenübungen können einer Blasenschwäche entgegenwirken.

Auch bei depressiven Verstimmungen können Sport und eine gesunde Ernährung dazu beitragen, das Wohlbefinden wieder zu steigern.

Mehr innere Ruhe in den Wechseljahren

Frau meditiert © Getty Images/Compassionate Eye Foundation
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Auch Psyche und Seele brauchen in den Wechseljahren oft besondere Aufmerksamkeit. Entspannungstechniken, wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation, sind gute Methoden, um Reizbarkeit und Nervosität entgegenzuwirken und Stress zu reduzieren. Bei schwerwiegenden psychischen Problemen sollte aber immer ärztlicher Rat gesucht werden.
 

Hautpflege in den Wechseljahren

Hautpflege in den Wechseljahren © Getty Images/Luka
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Die richtige Hautpflege in den Wechseljahren ist besonders wichtig, da die Haut durch die hormonelle Umstellung weniger Wasser speichert. In der Folge wird sie trockener und verliert an Elastizität. Auch Juckreiz kann entstehen. Rückfettende Waschlotionen sowie die ein- bis zweimal tägliche Anwendung milder, rückfettender Cremes unterstütz die Haut bei der Regeneration.

Zusätzlich gilt: viel trinken. Etwa zwei Liter Wasser, Saftschorlen oder ungesüßte Tees pro Tag sind in den Wechseljahren (und darüber hinaus) ideal. Die Anwendung von Sonnenmilch mit höherem Lichtschutzfaktor und die Meidung intensiver Sonneneinstrahlung kann darüber hinaus der Bildung von Pigmentflecken vorbeugen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
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Aktualisiert: 13.07.2021 - Autor: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin