Herpes genitalis

Herpes Genitalis © istockphoto, DomenicoGelermo (Symbolfoto)

Die Infektion im Bereich der Geschlechtsorgane mit dem Herpes-simplex-Virus gehört zu einer der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Allerdings wissen über der Hälfte der Betroffenen nichts von ihrer Infektion und verbreiten so das Virus unbemerkt weiter.

Von Mikroben und Menschen

"Herpes" ist die umgangssprachliche Abkürzung für eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV). Meist sind damit die Bläschen an den Lippen und im Gesicht gemeint (Herpes labialis). Diese werden in der Regel vom HSV Typ 1 verursacht und treten das erste Mal meist bereits in der Kindheit auf.

Dass es auch eine Herpes-Infektion im Genitalbereich gibt, ist weniger bekannt. Verantwortlich dafür ist meist sein Bruder, der HSV Typ 2, wobei in 20-30% der Fälle Typ 1 der Missetäter ist. Beiden Formen gemeinsam ist, dass sie nach der Erstinfektion nicht mehr aus dem Körper verschwinden, sondern sich häuslich in Nervenenden niederlassen. Sobald die Aufmerksamkeit der Immunabwehr des Körpers nachlässt oder sich anderen Dingen zuwendet, vermehren sich die Viren und wandern zu ihren bevorzugten Stellen an Haut und Schleimhaut. Meist geht das dann mit einem typischen Bläschen-Schub einher.

Häufigkeit

Wie oft sich die Viren Jahr um Jahr wieder bemerkbar machen, variiert von Mensch zu Mensch sehr stark. Insgesamt nehmen Häufigkeit und Ausprägung der Ausbrüche mit dem Alter ab. Solche Reaktivierungen können allerdings auch ohne Symptome ablaufen. Dies ist besonders tückisch, da sich die Viren trotzdem vermehren und - vom Betroffenen unbemerkt - über die Schleimhäute ausgeschieden und damit weitergetragen werden können.

Der zweite gefährliche Aspekt ist, dass Herpes- und Aids-Viren sich gegenseitig verstärken, d.h. wechselseitig das Risiko erhöhen, sich mit der jeweils anderen Krankheit zu infizieren sowie deren Ausprägung zu steigern. Experten tragen Sorge, das dies einen Teufelskreis auslösen könnte, die zu einer HIV-Epidemie führt. So liegt laut Weltgesundheitsorganisation z.B. im östlichen und südlichen Afrika der Anteil der HIV-Infektion, die erst durch eine HSV-Infektion entstanden sind, schätzungsweise bei 60-80%!

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Beide Virentypen sind weltweit sehr häufig. In Deutschland kommen knapp 90% der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens mit dem Typ 1 in Kontakt; bei Typ 2 sind es etwa 15%. In den USA liegt der Anteil mit 22% etwas höher. Insgesamt scheinen sich die Infektionsraten weltweit in den letzten Jahren langsam zu erhöhen; hiesige Studien lassen allerdings vermuten, dass die Infektion in Deutschland eher rückläufig ist.

Bei Schwangeren mit Herpes genitalis besteht die Gefahr, dass sie die Infektion während der Geburt auf ihr Kind übertragen (Herpes neonatorum). Dies kommt bei etwa einer von 7.500 Geburten vor. Besonders hoch (30-50%) ist das Übertragungsrisiko, wenn sich die Schwangere im letzten Drittel der Schwangerschaft infiziert. Folgen sind beim Kind dann in 25-40% eine lebensbedrohliche Hirnentzündung (Enzephalitis) und Blutvergiftung (Sepsis), die bei 80-90% tödlich endet. Die Entbindung in solchen Fällen erfolgt per Kaiserschnitt. Litt die Schwangere bereits in der Vergangenheit an einer Herpes-Infektion, ist die Gefahr für das Neugeborene weitaus geringer.

Es wird diskutiert, ob ein generelles Screening hilft, um rechtzeitig mögliche Risikogeburten zu identifizieren. Derzeit wird dies nur für Patienten mit einem hohen Risiko für Geschlechtskrankheiten, HIV-Infizierte und Personen, deren Partner mit HSV-2 infiziert sind, für sinnvoll erachtet.

Symptome und Verlauf

Nach der Erstinfektion kommt es 2-7 Tage später zu einer Rötung und Schwellung der Genitalien - beim Mann v.a. Eichel, Vorhaut oder Penisschaft, bei der Frau Schamlippen und Scheide -, die häufig mit Spannungsgefühl, Juckreiz, Brennen und Schmerzen sowie glasigem Ausfluss einhergeht. Wurden die Viren beim Oral- oder Analverkehr übertragen, zeigen sich die Symptome an entsprechender Stelle. Wenig später entwickeln sich gruppiert stehende, flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die 1-2 Tage später aufbrechen, dann eintrocknen, verkrusten und etwa 2-3 Wochen später ohne Narbenbildung abheilen. Während dieser Zeit besteht Ansteckungsgefahr.

Die Lymphknoten in der Leiste können anschwellen und es kann - vor allem bei der Erstinfektion - zu allgemeinen Krankheitssymptomen wie Mattigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Fieber kommen. Prinzipiell sind Herpes-genitalis-Infektionen wesentlich schmerzhafter als "normale" Lippenbläschen. Komplikationen sind das Aufpfropfen einer bakteriellen Infektion auf der vorgeschädigten Haut und - v.a. bei Patienten mit einer Immunschwäche - die Ausbreitung der Infektion im ganzen Körper mit Entzündung von Lunge, Leber oder Gehirn.

Nachweis und Therapie

Meist geben Krankheitsverlauf und Symptome bereits entscheidende Hinweise. Der Nachweis der Viren erfolgt durch Anzüchtung von Bläscheninhalt auf speziellen Nährböden. Eine zusätzliche Blutuntersuchung zeigt, ob das Immunsystem Antikörper gebildet, also eine Infektion stattgefunden hat. Zur Behandlung werden virenhemmende Mittel (Virostatika, z.B. Aciclovir) in Form von Tabletten oder Salben eingesetzt. In schweren Fällen können auch Infusionen gegeben werden.

Die Medikamente lindern die Beschwerden und verkürzen die Heilungsdauer; die Viren verbleiben allerdings im Körper. Während der Symptome und Behandlung sollte auf Sex verzichtet werden. Die Berührung der betroffenen Stellen sollte vermieden werden, um den Erreger nicht auf andere Körperstellen zu übertagen.

Aktuelle Arzneimittelstudien lassen hoffen, dass in absehbarer Zeit auch ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Derzeit sind zwei Mittel in Prüfung, allerdings noch mit einigen Kinderkrankheiten: So schützt das eine nur Frauen, das andere stimulierte zwar das Immunsystem, zeigte dann aber keine Wirksamkeit in der klinischen Prüfung.

Auf den Punkt gebracht

  • Herpes genitalis ist weltweit häufig und wird meist vom HSV Typ 2 verursacht. Das Virus bleibt lebenslang im Körper.
  • Herpes- und Aids-Viren verstärken sich gegenseitig.
  • Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Infektion. Die Infektion erfolgt durch Schleimhautkontakt bzw. Kontakt mit dem Bläscheninhalt.
  • Kondome (auch beim Oralsex) schützen vor einer Infektion.
  • Die Therapie mit Aciclovir beseitigt nur die Symptome.

Aktualisiert: 20.08.2012 – Autor: Dagmar Reiche

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