Allergische Reaktion auf Wespenstich, Mückenstich & Co.

Allergische Reaktion nach Wespenstich © Getty Images/Inna Kozhina

Bei einem Bienen- oder Wespenstich gibt das Insekt sein Gift in die menschliche Haut ab. Um die Einstichstelle kommt es zu Rötungen, Schwellung oder Juckreiz. Diese Hauterscheinungen sind zwar schmerzhaft, heilen aber in den meisten Fällen schnell wieder ab. Allerdings gibt es gefährliche Ausnahmen. In Deutschland reagieren etwa ein bis fünf Prozent der Erwachsenen allergisch auf Insektenstiche – allen voran die von Wespen, gefolgt von Bienen. Stiche von Hornissen, Hummeln, Mücken und Bremsen führen seltener zu Allergien.

Körperliche Ursachen der Insektengiftallergie

Bei den Betroffenen mit schwerer Insektengiftallergie kann ein einziger Stich lebensgefährlich sein. Bei der Allergie gegen Wespenstiche, Bienen- oder Mückenstich reagiert des körpereigenen Abwehrsystems überschießend: Nach dem ersten Stich wird ein Abwehrmechanismus in Gang gesetzt, bei dem zahlreiche Antikörper speziell gegen dieses Gift gebildet werden. Konkret reagiert der Körper auf bestimmte Eiweiße und Aminosäureverbindungen, die über das Insektengift direkt ins Blut gelangen.

Gerät das Insektengift bei einem erneuten Stich wieder in den Körper, reagiert das Immunsystem heftig: Es lässt die Antikörper in Massen ausschwärmen, um das vergleichsweise harmlose Gift zu eliminieren. Die Folge ist eine massive Abwehr- und Entzündungsreaktion, die wenige Minuten nach dem Stich beginnt und den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen kann.

Jährlich endet diese Überreaktion in einigen Fällen in Deutschland tödlich. Besonders häufig sind solche Fälle im Spätsommer in Zeiten der Obsternte – die Ende August/Anfang September geschlüpften Wespen sind dann auf Nahrungssuche und damit besonders aggressiv.

Da eine Insektengiftallergie lebensbedrohlich sein kann, muss die betroffene Person nach einem Stich sehr schnell ärztlich betreut werden. Um bei erneuten Insektenstichen prompt selbst reagieren zu können, sollten Betroffene ein Allergie-Notfallset mit sich führen.

Normale und verstärkte Reaktion auf Insektenstiche

Die Reaktionen des Körpers setzen meist schon Sekunden bis Minuten nach dem Stich ein. Bei nicht-allergischen Menschen entsteht rund um die Einstichstelle eine kleine gerötete Schwellung (bis zu 10 Zentimeter Durchmesser), die juckt und spannt oder schmerzt. Diese Schwellung bildet sich normalerweise innerhalb einer Stunde zurück und ist am nächsten Tag nahezu abgeklungen.

Bei einer verstärkten lokalen Reaktion ist die Schwellung größer als zehn Zentimeter und sehr schmerzhaft. Die Beschwerden können länger als einen Tag anhalten und mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einhergehen. Bei Stichen am ganzen Körper ist auch bei Nichtallergiker*innen Vorsicht geboten: Gleichzeitige Stiche von vielen Insekten (mehr als 50 bei Kindern und 100 bei Erwachsenen) oder Stiche im Kopf- oder Halsbereich können auch bei nicht sensibilisierten Menschen lebensbedrohlich sein.

Insektengiftallergie: Symptome

Bei Allergiker*innen ist typisch, dass zum einen die lokalen Veränderungen an der Einstichstelle besonders ausgeprägt sind (große Quaddeln, flächenhafte Rötung) und sich weiter ausbreiten (starker Juckreiz, Schwellung, Brennen und Rötung am ganzen Körper, Schwellungen an Hals und Gesicht), zum anderen allgemeine Beschwerden auftreten – als Zeichen, dass der Gesamtorganismus betroffen ist. Dazu gehören:

  • Übelkeit bis um Erbrechen
  • Schwächezustände
  • Atemnot
  • Benommenheit, Ohnmacht
  • Schwindelgefühle, Herzrasen
  • Blutdruckabfall
  • Schluckstörungen, Sprachstörungen
  • Angst oder Verwirrung

Dies sind ernst zu nehmende Warnzeichen, dass sich eine Notfallsituation entwickeln kann, ein anaphylaktischer Schock. Dieser ist durch einen lebensbedrohlichen Kreislaufkollaps mit stark beschleunigtem Puls und drohender Bewusstlosigkeit gekennzeichnet. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand.

Allergie auf Mückenstiche

Ein Mückenstich löst in der Regel nur eine lokale allergische Reaktion an der Einstichstelle aus. Umfassende körperliche Reaktionen oder ein anaphylaktischer Schock sind selten.

Lokale allergische Reaktionen zeigen sich durch eine verstärkte, langanhaltende Rötung und Schwellung. Beides kann auch großflächiger ausgeprägt sein. Antihistaminika oder abschwellende, entzündungshemmende Salben können hier helfen.

Was tun nach einem Wespen- oder Bienenstich?

Sind Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gestochen worden und leiden Sie nicht an einer Allergie gegen Wespen-, Wespen- oder Bienenstiche, können Sie folgende Hinweise beachten:

  • Entfernen Sie den Stachel möglichst schnell, aber vorsichtig – am besten mit einer Pinzette, notfalls auch durch Abkratzen. Der Stachel sollte nicht zerdrückt werden, damit weniger Gift in den Körper gelangt.
  • Kühlen Sie die Stelle danach mit Eiswürfeln oder kaltem Wasser.
  • Antiallergische Salben können den Juckreiz lindern, auch eine aufgeschnittene Zwiebel, auf den Stich gepresst, leistet gute Dienste.
  • Erste Maßnahmen bei bekannter Insektengiftallergie

Auch ohne eine Insektengiftallergie kann ein Insektenstich unangenehm sein. Für Allergiker*innen kann ein solcher Stich jedoch lebensbedrohlich sein. Deshalb gilt es, im Ernstfall schnell zu reagieren.

Falls bei Ihnen eine Allergie bekannt ist, gelten nach einem Stich folgende Maßnahmen:

  • Wenden Sie sofort Ihr ärztlich verordnetes Notfallset an.
  • Legen Sie sich auf den Rücken, lagern Sie die Beine hoch.
  • Wählen Sie gegebenenfalls den Notruf.

Allgemein sollte nach jeder – auch noch so geringen – allergischen Reaktion ärztlicher Rat werden. Nehmen Sie aber eine Begleitperson mit und fahren Sie in keinem Fall selbst Auto – Sie könnten bewusstlos werden!

Allergie-Notfallset

Ist schon einmal eine Allergie aufgetreten, verschreibt der*die Arzt*Ärztin ein Notfallset, mit dem Betroffene vor Ort direkt reagieren können. Es enthält vor allem eine Spritze oder ein Spray mit Adrenalin zur Bekämpfung der Atem- und Kreislaufbeschwerden, sowie Kortison und Antihistaminika. In einigen Fällen kann auch ein Asthmaspray enthalten sein.

Hyposensibilisierung gegen Insektengift

Eine etablierte Möglichkeit der Behandlung bei einer Bienen- oder Wespengiftallergie ist die Hyposensibilisierung, die auch als spezifische Immuntherapie (SIT) oder Allergie-Impfung bezeichnet wird. Dabei wird zuerst ein Allergietest gemacht, um genau herauszufinden, worauf der Patient allergisch reagiert. In einer anschließenden Beratung wird entschieden, ob eine Hyposensibilisierung in Frage kommt.

Bei dieser Methode wird das entsprechende Gift in stark verdünnter Form in langsam steigender Dosierung unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie = SCIT) beziehungsweise – unter die Zunge geträufelt oder als Tabletten eingenommen (sublinguale Immuntherapie = SLIT). Dadurch wird das Immunsystem angeregt, Antikörper gegen das Gift zu bilden. So reagiert der Organismus mit der Zeit immer unempfindlicher darauf.

Ziel der Hyposensibilisierung ist es, die Empfindlichkeit des Allergikers auf Insektengift zu senken und möglichst lang haltenden Schutz zu gewährleisten. Der Therapieerfolg bei Wespen- und Bienengiftallergie liegt bei 80 bis 90 Prozent. Bei beiden Formen der Hyposensibilisierung kann es besonders zu Beginn zu leichten Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören Juckreiz, Rötungen oder Schwellungen.

13 Tipps zum Schutz vor Insektenstichen

Am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zu einem Stich kommt. Diese Tipps helfen Ihnen, einem Insektenstich vorzubeugen:

  1. Machen Sie keine hektischen Bewegungen, wenn sich eine Biene oder Wespe nähert, und pusten Sie die Tiere nicht an.
  2. Gehen Sie im Gras nicht barfuß, denn Bienen und Wespen halten sich gerne am Boden auf.
  3. Schützen Sie sich vor Insektenstichen mit langärmeligen Kleidungsstücken und Hosen (insbesondere bei der Gartenarbeit).
  4. Vorsicht bei offenen Getränkedosen – es könnte sich eine Biene oder Wespe darin verirrt haben. Für Gläser und Becher gibt es im Handel spezielle Aufsätze, um das zu vermeiden. Auch ein dünner Strohhalm kann helfen.
  5. Stark duftende Kosmetika ziehen Insekten ebenso an wie Schweiß.
  6. Vermeiden Sie grelle Farben und Blumenmuster auf Kleidern – auch diese locken Insekten an.
  7. Süßigkeiten oder Fleisch- und Wurstwaren sollten nach dem Essen sofort wieder weggeschlossen werden.
  8. Waschen Sie sich nach dem Essen gründlich Gesicht und Hände.
  9. Tragen Sie immer insektenabweisende Mittel auf, bevor Sie ins Freie gehen.
  10. Meiden Sie Abfallkörbe im Freien. Der Müll lockt Bienen und Wespen an.
  11. Halten Sie Fenster tagsüber geschlossen oder bringen Sie Insektenschutzgitter an.
  12. Seien Sie vorsichtig beim Obstpflücken, da Wespen sich häufig in der Nähe von Fallobst aufhalten.
  13. Auch Kinder sind gefährdet. Erklären Sie auch Ihnen, was im Umgang mit Insekten zu beachten ist.

Als Allergiker*in müssen Sie in den Sommermonaten immer Ihre Notfallapotheke mitnehmen. Sie sollten sicher sein in ihrer Anwendung – lassen Sie sich sonst noch einmal ärztlich einweisen. Informieren Sie auch Familie, Freund*innen und Kolleg*innen von Ihrer Allergie und erklären Sie ihnen, was im Notfall zu tun ist.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
T63.4

Aktualisiert: 08.07.2021 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Jasmin Rauch

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?