Pollenflug: Kraftprobe für die Augen

Frau zwischen Blumen: Blütenpollen belasten die Augen © istockphoto, PatriciaEnciso

Alle Jahre wieder im Frühling: Kraftprobe für Allergiker, denn kaum fliegen die ersten Pollen, jucken und brennen die Augen. Bindehautentzündung heißt die Diagnose, die bei Menschen, die an Heuschnupfen leiden, oft saisonal auftritt. Das sogenannte "Rote Auge" ist die häufigste Augenerkrankung, die neben Allergien auch viele andere Ursachen, wie zum Beispiel Zugluft, Bakterien, Viren oder Allgemeinerkrankungen haben kann. Warum Pollen-Allergiker besonders oft unter Bindehautentzündung leiden und was dann hilft, lesen Sie hier.

Die Pollenflugsaison

Bei den meisten Pollen-Allergikern beginnt die Leidenszeit zwischen Februar und Mai. Sobald der Frühling auf dem Vormarsch ist, wird die Luft für einige Menschen zur Belastung. Denn der Wind transportiert den Blütenstaub von Frühblühern wie Hasel und Erle in unsere Atemwege – sehr zu Lasten der Menschen, die von Heuschnupfen betroffen sind. Je nachdem, gegen welche Pollen man allergisch ist, kann die Pollenflugsaison bis hinein in den September dauern.

Die allergische Reaktion auf Pollen

Wenn die Pollen bei Allergikern mit den Schleimhäuten in der Nase und den Atemwegen in Kontakt kommen, werden Proteine im Körper freigesetzt, die eine Abwehrreaktion hervorrufen: Die Nase läuft, man muss ständig niesen und das Atmen fällt schwerer als sonst.

Doch auch die Augen werden oftmals in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Pollen geraten nicht nur in Nase und Atemwege, sondern kommen auch unmittelbar mit der Bindehaut des Auges in Berührung. Diese ist jedoch nicht wie Nase und Bronchien durch die Schleimhäute geschützt, sodass die Bindehaut besonders anfällig für allergische Reizungen bis hin zur allergischen Bindehautentzündung durch Pollen ist.

Symptome gereizter Augen bei Heuschnupfen

Allergiebedingte Reaktionen der Augen sind anhand verschiedener Anzeichen zu erkennen. Dazu zählen:

  • juckende und brennende Augen
  • tränende, aber gleichzeitig auch oft trockene Augen
  • gerötete und geschwollene Augen
  • Ringe unter den Augen
  • ein Fremdkörpergefühl im Auge
  • Sehprobleme
  • Lichtempfindlichkeit

Was hilft bei akut gereizten Augen?

Am besten ist es, wenn man versucht, die Allergieauslöser – im Falle von Heuschnupfen also die umherfliegenden Pollen – zu meiden. Da man sich aber schlecht über Monate nur im Haus aufhalten kann, gibt es noch andere Möglichkeiten, die Beschwerden gereizter Augen zu lindern.

Bei leicht gereizten Augen können kalte Kompressen helfen. Denn sie verengen die durch die allergische Reaktion erweiterten Blutgefäße und schaffen so Linderung. Auch Tropfen, die das Auge mit Tränenersatzflüssigkeit versorgen, wirken besänftigend.

Leidet man unter stärker gereizten Augen, kann zur Behandlung auf Medikamente zurückgegriffen werden, wie zum Beispiel:

  • gefäßverengende Augentropfen
  • Augentropfen oder Tabletten mit Antihistaminika
  • Augentropfen oder Tabletten mit Mastzellstabilisatoren
  • entzündungshemmende Augentropfen (mit Kortison)

Desensibilisierung: Hilfe auf Dauer

Eine Desensibilisierung (auch Hyposensibilisierung) kann langfristig allergische Reaktionen abschwächen und sogar verhindern. Der Betroffene bekommt in der Regel über einen Zeitraum von drei Jahren mit steigenden Dosierungen das Allergen gespritzt, gegen das er allergisch ist. Dadurch wird die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber den Allergenen nach und nach verringert.

Die allergische Bindehautentzündung

Häufig ist die Ursache einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) eine Allergie. Die sogenannte Rhinokonjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) entsteht durch eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Allergenen und geht meist mit Heuschnupfen einher.

Die Symptome einer allergischen Bindehautentzündung sind die gleichen wie die einer allergischen Reaktion im Auge. Zusätzlich treten jedoch noch folgende Beschwerden auf:

  • Absonderung eines wässrigen Sekrets
  • verklebte Augenlider
  • Schleim und Sekret auf der Hornhaut trüben die Sicht

Unterschiede zur normalen Bindehautentzündung

Eine durch Allergien und äußere Reize ausgelöste Bindehautentzündung ist nicht ansteckend – im Gegensatz zu einer durch Bakterien oder Viren hervorgerufenen Konjunktivitis.

Besonders wenn die Symptome an beiden Augen gleichzeitig in Erscheinung treten, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Rhinokonjunktivits. Tauchen die Anzeichen nur an einem Auge auf, liegt eher die Möglichkeit einer bakterien- oder virenbedingten Bindehautentzündung nahe.

Bei Bindehautentzündung zum Arzt

Da sich hinter jeder Bindehautentzündung auch schwerwiegende Augenkrankheiten, wie zum Beispiel eine Regenbogenhautentzündung oder ein grüner Star verbergen können, ist es wichtig, dass Betroffene bei einer Bindehautentzündung unbedingt einen Augenarzt aufsuchen.

Denn bei jeder Bindehautentzündung, die länger als 24 Stunden unbehandelt andauert oder aufgrund von Eigendiagnose falsch behandelt wird, besteht die Gefahr, dass die Augen einen irreparablen Schaden nehmen. Augenärzte empfehlen dringend: Jede Bindehautentzündung ernst nehmen!

Ursachen einer Bindehautentzündung

Das "Rote Auge" kann neben Allergien und Umweltreizen, Bakterien und Viren, auch durch Verletzungen oder anderweitige Entzündungen im Auge hervorgerufen werden.

In jedem Fall sollten die vielfältigen möglichen Ursachen der Bindehautentzündungen von einem Augenarzt untersucht werden, um mögliche Langzeitschäden am Auge zu vermeiden.

Warnsignal Bindehautentzündung

Nicht immer sind die entzündeten, roten Augen Ausdruck einer allergischen Reaktion oder das Ergebnis von entzündungsfördernden Umweltreizen. Vielmehr ist die vermeintliche Bindehautentzündung oft nur Symptom einer anderen Augenkrankheit.

So werden auch Verletzungen der Hornhaut, Regenbogenhaut oder Lederhaut sowie Entzündungsprozesse in anderen Bereichen des Auges von den Betroffenen oftmals zunächst als unangenehme, aber vermeintlich harmlose Bindehautentzündung wahrgenommen und der Arztbesuch erst einmal verschoben.

Schwerwiegende Augenkrankheiten möglich

Augenschmerzen, die als tiefliegend empfunden werden, Sehverschlechterung oder eine einseitige Veränderung der Pupillen können signalisieren, dass sich hinter der scheinbaren Bindehautentzündung eine ernstere Augenerkrankung verbirgt.

Spätestens wenn diese Warnsignale auftreten, sollten die Betroffenen unbedingt einen Augenarzt aufsuchen, da die Beschwerden ernster Augenkrankheiten teilweise nicht von denen einer harmlosen Bindehautentzündung zu unterscheiden sind. Oft können irreparable Augenschäden dann nur noch vermieden werden, wenn der Arzt schnell die richtige Behandlung einleitet.

Besondere Gefahr geht von der plötzlichen Steigerung des Augeninnendrucks aus, dem sogenannten akuten Glaukomanfall, der auch Symptome einer Bindehautentzündung aufweisen kann und deshalb oft unterschätzt wird. Gerade in solchen Fällen kann das Sehvermögen nur durch eine sofortige augenärztliche Behandlung gerettet werden.

Aktualisiert: 21.06.2018 – Autor: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA); überarbeitet: Nadja Weber

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