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Hypophyse – Hormondrüse im Türkensattel

Hypophyse im menschlichen Kopf (Illustration) © istockphoto, janulla

Klein wie eine Haselnuss, riesig in der Wirkung: Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) steuert durch Hormone die verschiedensten Funktionen im Körper – vom Körperwachstum über die Milchproduktion nach einer Geburt bis hin zur Harnausscheidung. Hier erfahren Sie mehr über die Schaltzentrale unseres Hormonsystems.

Wie sieht die Hypophyse aus und wo liegt sie genau?

Der griechische Name Hypophyse bedeutet wörtlich "das unten anhängende Gewächs". Das beschreibt ihre anatomische Position ziemlich gut: Die Hypophyse "hängt unter" unserem Gehirn. Sie sitzt auf der Sella turcica (Türkensattel), einer Vertiefung der Schädelbasis mitten in unserem Schädel, etwa auf Höhe der Nase und der Ohren. Sie ist einen knappen Zentimeter groß und etwa ein Gramm leicht.

Die Hypophyse besteht aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL, Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (HHL, Neurohypophyse). Die Region zwischen beiden Lappen wird Pars intermedia genannt. Über den Hypophysenstiel ist die Hypophyse mit dem Hypothalamus verbunden, einem Teil des Zwischenhirns.

Die Neurohypophyse ist ein Teil des Gehirns, nämlich eine Ausstülpung des Zwischenhirns. Die Adenohypophyse ist eine Hormondrüse. Hypothalamus und Hypophyse bilden zusammen eine wichtige Funktionseinheit.

Welche Funktion hat die Hypophyse?

Der Hypophysenvorderlappen produziert Hormone, der Hypophysenhinterlappen ist Speicherort für Hormone, die der Hypothalamus herstellt. Die Pars intermedia gehört funktional zum HVL, da sie ebenfalls ein Hormon erzeugt.

Was passiert im Hypophysenvorderlappen?

Die Adenohypophyse stellt folgende Hormone her:

  • das Nebennierenrinden stimulierende (adrenocorticotrope) Hormon (ACTH)
  • das Wachstumshormon (auch: growth hormone = GH oder Somatotropin = STH)
  • das Schilddrüsen stimulierende Hormon (TSH)
  • das Follikel stimulierende Hormon (FSH)
  • das luteinisierende Hormon (LH)
  • Prolaktin

ACTH regt die Nebennieren an, Kortison, Aldosteron und Androgene zu bilden.

GH beziehungsweise STH fördert das Wachstum, indem es Energie zur Verfügung stellt: Leber und Fettgewebe setzen Fette und Zucker frei. Außerdem regt die Leber das Knochenwachstum an. Zusätzlich fördert GH die Eiweißbildung.

TSH wirkt auf die Schilddrüse, so dass diese mehr Hormone produziert.

FSH und LH regen die Produktion von Geschlechtshormonen in Hoden beziehungsweise Eierstöcken an. Bei der Frau lassen sie die Eizellen reifen und lösen den Eisprung aus, bei Männern sind sie für die Spermienbildung verantwortlich.

Prolaktin fördert das Wachstum der Brustdrüse und die Milchproduktion, gleichzeitig hemmt es den Eisprung. Auf diese natürliche Form der "Verhütung“ bei stillenden Müttern sollte man sich allerdings nicht ausschließlich verlassen.

Die Aktivität der Adenohypophyse wird durch den Hypothalamus kontrolliert, der "Steuerhormone" freisetzt: Inhibiting-Hormone bremsen die Produktion, Releasing-Hormone fördern sie. Auch "Rückmeldungen" der jeweiligen Zielorgane beeinflussen die Funktion des HVL.

Was geschieht im Hypophysenhinterlappen?

Der HHL besteht aus Nervenzellen, deren Köpfe im Hypothalamus sitzen, weshalb er auch Neurohypophyse genannt wird. Er dient als Speicherort für zwei Hormone, die im Hypothalamus gebildet werden und über die Nervenzellen in den Hypophysenhinterlappen gelangen:

Das antidiuretische Hormon (ADH, auch Vasopressin oder Adiuretin) wirkt in den Nieren auf die Wasserresorption. Die Harnausscheidung vermindert sich und Wasser wird im Körper zurückgehalten. Der Urin ist stärker konzentriert, was man an Farbe und Geruch merkt. Außerdem kann ADH die Blutgefäße verengen und den Blutdruck erhöhen.

Oxytocin löst bei Schwangeren die Wehen aus, indem die Muskeln der Gebärmutter sich zusammenziehen. Daneben sorgt es nach der Geburt für den "Milcheinschuss".

Was macht die Pars intermedia?

Die Pars intermedia produziert das Melanozyten-stimulierende Hormon (MSH, Melanotropin). MSH regt in unseren Hautpigmentzellen (Melanozyten) die Produktion von Melanin an, das uns vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Zusätzlich steuert MSH unseren Appetit und unsere sexuelle Erregung.

Aktualisiert: 02.10.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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