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Erhöhte Leberwerte

Blutprobe für Untersuchung der Leberwerte © istockphoto, Dizzy

Bei Lebererkrankungen werden Leberzellen geschädigt. Oft zeigt sich das auch im Blut: Als Zeichen der Schädigung beziehungsweise Belastung sind die Leberwerte ständig oder häufig erhöht. Zwar sterben Leberzellen auch in einem gesunden Organ irgendwann einmal ab und werden durch neue Zellen ersetzt, bei einer Lebererkrankung kann dieses Zellsterben aber selbst für ein regenerationsfähiges Organ wie die Leber auf Dauer zu viel werden. Dauert eine Leberkrankheit viele Jahre, kann ein Leberschaden bis hin zur Zirrhose entstehen. Lebenswichtige Funktionen wie Stoffwechsel, Verdauung und das Immunsystem sind bei chronischen Lebererkrankungen oft stark eingeschränkt.

Erhöhte Leberwerte sind nicht zu unterschätzen

Millionen von Bundesbürgern sind leberkrank, ohne etwas von ihrer Erkrankung zu ahnen. Über diese Zusammenhänge besteht ein zum Teil erheblicher Informationsbedarf in der Bevölkerung, aber auch bei vielen Ärzten. Leberkrankheiten sind kein Phänomen von Randgruppen: Sie können jeden treffen, auch ganz ohne Alkoholproblem.

Erhöhte Leberwerte sind keine Bagatelle, sondern häufig ein erster Hinweis auf eine Erkrankung. Wenn diese Werte erhöht sind, sollte man neben Alkohol unbedingt Virus-Erkrankungen wie Hepatitis B und C ausschließen. Auch Übergewicht, Diabetes, Eisenüberladung, Erkrankungen des Immunsystems, Medikamente und Giftstoffe im Beruf sind mögliche Ursachen und sollten im Zweifelsfall hinterfragt werden.

Welche Erkrankungen gibt es?

Entgegen herkömmlicher Meinung ist Alkohol bei weitem nicht die einzige Ursache von Lebererkrankungen. Die unterschiedlichen Erkrankungen lassen sich wie folgt unterteilen:

  1. Virale Lebeerenztündung (Virushepatitis)
  2. Toxische Erkrankungen
  3. Autoimmune Erkrankungen
  4. Stoffwechselerkrankungen

1. Virale Leberentzündung (Virushepatitis)

Die bekanntesten virusbedingten Entzündungen sind Hepatitis A, B und C. Die Ansteckungswege dieser Erkrankungen werden oft verwechselt.

  • Hepatitis A ist eine Reisekrankheit, die vor allem durch verunreinigte Nahrungsmittel und Schmierinfektionen übertragen wird. Da sie immer von selbst ausheilt, gilt sie als die harmloseste Form der Virushepatitis. Problematisch ist der Verlauf bei alten Menschen, chronisch Kranken und Menschen mit schwachem Immunsystem.
  • Hepatitis B ist ansteckend und kann über fast alle Körperflüssigkeiten übertragen werden (Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit, Vaginalsekret, Sperma). Sexualkontakte, Piercing, Tätowierungen ebenso wie Kontakt mit infiziertem Blut können zur Ansteckung führen. Ein weiteres Risiko ist eine Übertragung der Hepatitis B von Mutter zu Kind bei der Geburt. Bei Erwachsenen heilt die akute Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus in 95–98 % der Fälle aus, sodass nur 2–5 % der Fälle chronisch verlaufen. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem (zum Beispiel Kleinkinder, Senioren, chronisch Kranke) kommt es dagegen wesentlich öfter zu chronischen Verläufen.
  • Hepatitis C ist im alltäglichen Umgang kaum infektiös. Das Risiko einer sexuellen Ansteckung ist hier im Gegensatz zur Hepatitis B eher gering. Das Übertragungsrisiko ist vom Sexualverhalten abhängig. Zur Infektion kommt es meist durch direkten Blutkontakt, zum Beispiel durch Blutprodukte, Verletzungen, intravenösen Drogengebrauch, Piercing, Tätowierungen, Akupunkturnadeln und mangelhafte Hygiene bei medizinischen Eingriffen. Kommt es zur Infektion, verläuft die Hepatitis C unbehandelt in etwa 50–80 % der Fälle chronisch. Die heutige Hepatitis-C-Therapie hat starke Nebenwirkungen und wirkt nicht bei jedem Patienten. Durch verbesserte Medikamente wird die Hepatitis C jedoch immer häufiger zur heilbaren Erkrankung.

Eine Hepatitis A oder B lässt sich auch durch Impfung vermeiden, eine Hepatitis C nicht.

2. Toxische Erkrankungen

Hierzu gehören Erkrankungen durch Alkohol, Pilzvergiftungen, Umweltgifte und Medikamente. Auch rezeptfreie Arzneimittel wie zum Beispiel Schmerzmittel und pflanzliche Präparate können in Einzelfällen die Leber belasten.

3. Autoimmune Erkrankungen

Autoimmunhepatitis oder Gallenwegserkrankungen wie PBC oder PSC sind – genauso wie Stoffwechselerkrankungen – nicht ansteckend. Das Immunsystem des Körpers wendet sich hier aufgrund eines Defektes gegen körpereigenes Gewebe wie zum Beispiel die Leber. Eine langsame Organzerstörung kann die Folge sein. Lange Zeit waren solche Erkrankungen kaum bekannt, werden aber immer häufiger diagnostiziert.

4. Stoffwechselerkrankungen

Hierzu gehören vor allem die Eisen- oder Kupferspeicherkrankheit und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, die durch einen genetischen Defekt bedingt sind. Immer häufiger diagnostiziert wird die "nicht alkoholische Steatohepatitis" (NASH), die vor allem Übergewichtige und Diabetiker betrifft. Anders als die gewöhnliche Fettleber (die für sich genommen nur ein Befund, aber keine Krankheit ist) ist die NASH eine ernst zu nehmende Erkrankung. So unterschiedlich die Ursachen und der Verlauf chronischer Lebererkrankungen sind: In den Spätfolgen ähneln sich diese Erkrankungen sehr stark.

Ist die Leber durch dauerhafte Entzündung überlastet, kommt es zum Zellsterben. Die kranke Leber vernarbt und schrumpft. Das Endstadium nennt sich Zirrhose. Die Folgen einer Zirrhose können gravierend sein: Wasserbauch (Aszites), Störungen der Hirnleistung (Hepatische Enzephalopathie), Blutungen aus Krampfadern in Magen oder Speiseröhre (Varizenblutungen), in sehr ungünstigen Fällen auch Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Durch geeignete frühzeitige Therapien lässt sich ein solcher chronischer Verlauf oft erfolgreich verhindern.

Aktualisiert: 26.09.2017 – Autor: Udo Schmidt

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