Lebererkrankungen – eine Übersicht

Besorgter Mann leidet an Lebererkrankung © istockphoto, AVAVA

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an einer Lebererkrankung. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen eine Leberentzündung (Hepatitis), eine Leberzirrhose (Schrumpfleber), eine Fettleber sowie Leberkrebs. Oftmals bleiben Lebererkrankungen lange Zeit unbemerkt, da sie sich in einem frühen Stadium lediglich durch unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit äußern. Wir stellen Ihnen die häufigsten Lebererkrankungen vor und verraten, wie Sie diese erkennen und behandeln können.

Ursachen von Lebererkrankungen

Lebererkrankungen können verschiedene Ursachen haben. Ein häufiger Auslöser ist chronischer Alkoholmissbrauch – er ist etwa für die Hälfte aller Lebererkrankungen verantwortlich. Daneben kommen aber auch chronische Virusinfektionen, Stoffwechselkrankheiten oder Medikamente als Ursache in Frage.

Lebererkrankungen: Symptome

Eine Lebererkrankung wird oftmals spät erkannt, da sie erst in einem fortgeschrittenen Stadium deutliche Beschwerden hervorruft. Lange Zeit treten dagegen nur schwache und unspezifische Symptome auf. Dazu gehören unter anderem:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Appetitverlust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Konzentrationsstörungen
  • ein Druckgefühl im rechten Oberbauch

Halten solche Symptome über einen längeren Zeitraum an, sollten Sie immer an eine Lebererkrankung denken und vorsorglich einen Arzt aufsuchen. Die für viele Lebererkrankungen typische Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute tritt nämlich erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Spätestens, wenn Sie dieses Symptom bemerken, ist ein Arztbesuch dringend nötig.

Fettleber

Bei einer Fettleber wird – wie der Name schon sagt – vermehrt Fett in der Leber eingelagert. Ursache ist meist ein ungesunder Lebensstil mit einer kalorienreichen Ernährung, wenig Bewegung und einem hohen Alkoholkonsum. Daneben können aber auch Erkrankungen wie Diabetes oder eine Fettstoffwechselstörung sowie die Einnahme bestimmter Medikamente zu einer Fettleber führen.

Eine Fettleber bereitet erst dann Beschwerden, wenn sich das Organ bereits stark vergrößert hat. Dann kann es zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen kommen. Ebenso kann ein Druckgefühl im rechten Oberbauch auftreten.

Wird eine Fettleber diagnostiziert, sind eine Reduzierung des Körpergewichts sowie ein Verzicht auf Alkohol von entscheidender Bedeutung. Wird dies konsequent befolgt, kann die Leberverfettung häufig wieder rückgängig gemacht werden.

Erfolgt keine Umstellung des Lebensstils, kann sich die Leber entzünden – dadurch steigt das Risiko für Folgeerkrankungen wie eine Leberzirrhose oder Leberkrebs.

Leberentzündung (Hepatitis)

Bei einer Leberentzündung wird zwischen vier bekannten Typen unterschieden, die allesamt durch Viren ausgelöst werden. Daneben kann eine Hepatitis aber auch als Folge einer Fettleber oder durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus sowie andere Stoffwechselerkrankungen entstehen.

  • Hepatitis A: Das Hepatitis A-Virus wird per Schmierinfektion sowie über verunreinigte Lebensmittel – vor allem Trinkwasser – übertragen. Die Infektion heilt meist von selbst aus und gilt deswegen als relativ harmlos. Bei alten Menschen oder chronisch Kranken kann es jedoch zu Komplikationen kommen.
  • Hepatitis B: Hepatitis B zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Das Hepatitis B-Virus wird durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Speichel übertragen. Meistens heilt die Infektion von selbst wieder aus. In seltenen Fällen kann sie jedoch einen chronischen Verlauf nehmen. Dann ist es wichtig, dass frühzeitig eine Therapie eingeleitet wird, um eventuelle Spätfolgen wie eine Leberzirrhose zu vermeiden.
  • Hepatitis C: Eine Infektion mit dem Hepatitis C-Virus erfolgt in erster Linie auf dem Blutweg. Wird die Ansteckung nicht rechtzeitig erkannt, nimmt sie in über 50 Prozent der Fälle einen chronischen Verlauf. Ist dies der Fall, steigt das Risiko für eine Leberzirrhose und für Leberkrebs an.
  • Hepatitis E: Eine Infektion mit Hepatitis E wird überwiegend durch verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen. Meist heilt die Infektion von selbst wieder aus, gerade während der Schwangerschaft kann es aber auch zu Komplikationen kommen.

Gegen Hepatitis A und Hepatitis B liegen Schutzimpfungen vor. Diese sind insbesondere für gefährdete Personen wie medizinisches Personal oder Reisende, die in Risikogebiete fahren, zu empfehlen.

Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose entsteht als Folge einer dauerhaften Belastung oder Schädigung der Leber. Häufige Ursachen sind ein überhöhter Alkoholkonsum sowie eine Infektion mit Hepatitis-Viren.

Zunächst kommt es durch die Belastung der Leber zu einer noch reversiblen Vermehrung von Bindegewebe in der Leber. Später werden dann Leberzellen durch Bindegewebe ersetzt. Dieser Vorgang ist irreversibel und führt dazu, dass die Leber ihre Funktionen nicht mehr richtig wahrnehmen kann.

Wird eine Leberzirrhose nicht rechtzeitig behandelt, kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben: So zählen eine Aszites (Wasserbauch), eine hepatische Enzephalopathie (Störung der Hirnleistung), Varizenblutungen (Blutungen aus Krampfadern) sowie ein hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs) zu den Folgen. Allerdings lassen sich diese schwerwiegenden Folgen durch eine frühzeitige Therapie verhindern oder zumindest hinauszögern. Heilbar ist eine Leberzirrhose allerdings nicht.

Leberkrebs

Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) wird oftmals erst spät diagnostiziert, da der Krebs lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Zu den ersten Anzeichen gehören Übelkeit und Gewichtsabnahme, ebenso können Schmerzen im Oberbauch sowie eine Gelbsucht auftreten. Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen sind die Heilungschancen umso besser, desto früher der Leberkrebs entdeckt wird.

Zu den häufigsten Ursachen von Leberkrebs zählen Infektionen mit dem Hepatitis B- oder Hepatitis C-Virus. Sie machen etwa die Hälfte aller Leberkrebserkrankungen aus. Weitere 40 Prozent werden durch Alkohol oder Übergewicht ausgelöst. Gerade in diesem Bereich können Sie einiges tun, um einer Leberkrebserkrankung vorzubeugen.

Weitere Lebererkrankungen

Neben den genannten, häufig auftretenden Lebererkrankungen gibt es auch noch andere, weniger bekannte:

  • Autoimmune Lebererkrankungen: Aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems greift der Körper seine Leberzellen an. Erkrankungen wie die autoimmune Hepatitis, die primär biliäre Zirrhose sowie die primär sklerosierende Cholangitis sind jedoch relativ selten.
  • Eisenspeicherkrankheit: Bei dieser Erbkrankheit speichert der Körper große Mengen an Eisen in der Bauchspeicheldrüse, dem Herzen und der Leber. Dadurch kommt es in der Leber zunächst zu einer Bindegewebsvermehrung. Spätfolgen können eine Leberzirrhose oder Leberkrebs sein.

Lebererkrankungen vorbeugen

Um einer Lebererkrankung vorzubeugen, sollten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten und Alkohol nur in Maßen konsumieren. Lassen Sie sich bei Bedarf außerdem gegen Hepatitis A und Hepatitis B impfen. So können Sie beispielsweise bei einer Reise in ein Risikogebiet einer Erkrankung vorbeugen.

Lassen Sie in regelmäßigen Abständen Ihre Leberwerte kontrollieren. So können Sie schnell und sicher feststellen, ob mit Ihrer Leber alles in Ordnung ist. Achten Sie außerdem darauf, ob Sie bei sich immer wieder Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitverlust oder Übelkeit feststellen. Dies können nämlich Anzeichen für eine Lebererkrankung sein.

Treten bei Ihnen die typischen Symptome einer Gelbsucht wie eine Gelbfärbung von Augen und Haut auf, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Denn bei vielen Lebererkrankungen ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend. Wird die Erkrankung dagegen erst sehr spät erkannt, bleibt manchmal nur noch eine Lebertransplantation als Behandlungsoption.

Aktualisiert: 10.12.2018 – Autor: Kathrin Mehner

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