Lifeline Logo

Leberzirrhose (Schrumpfleber)

Mann mit Leberzirrhose © istockphoto, Zinkevych

Chronische Krankheiten oder Entzündungsprozesse in der Leber können zu einer Fettleber führen und im Verlauf das Gewebe zerstören. Leberzellen werden dann durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt. Die Folge: Die Leber kann nicht mehr oder nur eingeschränkt ihre Aufgaben im Stoffwechsel und zur Entgiftung leisten. Solch eine Leberzirrhose ist unumkehrbar und im Endstadium lebensbedrohlich. Von einer Leberzirrhose sind mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen.

Ursachen einer Leberzirrhose

Nahezu jede chronische Erkrankung der Leber kann in eine Leberzirrhose münden. In rund der Hälfte der Fälle ist chronischer Missbrauch von Alkohol die Ursache. Bei gut einem Drittel der Betroffenen liegt eine chronische Virushepatitis zugrunde.

Seltenere Ursache sind beispielsweise Autoimmunerkrankungen im Bereich der in der Leber gelegenen Gallenwege, die zu ständigen Entzündungsreaktionen führen, und Stoffwechselkrankheiten wie die Wilson-Krankheit oder die Hämochromatose, bei der Kupfer beziehungsweise Eisen in der Leber gespeichert werden und dort zum Zelluntergang führen.

Leberzirrhose: Symptome und Folgen

Die Leberzirrhose selbst verursacht meist erst relativ spät Symptome; je nachdem stehen zunächst Beschwerden der Grunderkrankung im Vordergrund. Die Symptome der Leberzirrhose resultieren aus der eingeschränkten Leistung der Leber.

Die Hauptfolgen sind ein veränderter Eiweiß- und Hormonhaushalt, die Ansammlung giftiger Substanzen wie Ammoniak im Blut, welche auch ins Gehirn gelangen und dieses schädigen (hepatische Enzephalopathie), sowie eine Druckerhöhung in der Pfortader. Da das Blut durch die narbige Schrumpfung der Leber diese nur noch schwer durchfließen kann, schafft es sich Umgehungskreisläufe, die wiederum zu lebensgefährlichen Blutungen im Bereich der Speiseröhre führen können. Darüber hinaus erhöht sich bei der Leberzirrhose das Risiko für Leberkrebs.

Zu den entsprechenden Leitbeschwerden einer Leberzirrhose gehören:

  • Allgemeinsymptome: verminderte Leistungsfähigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust
  • Hautauffälligkeiten: Gefäßsternchen (Spider naevi), Lacklippen und -zunge, gerötete Handinnenflächen, Weißnägel, Venenerweiterungen unter der Bauchhaut (Zeichen eines Umgehungskreislaufs)
  • Blutungsneigung, aber auch eine Gerinnungsneigung ist möglich
  • Bauchwassersucht (Aszites): aufgetriebener Bauch, möglicherweise mit Druckgefühl und Oberbauchschmerzen
  • Hormonelle Störungen: Libidoverlust, beim Mann Brustbildung und Bauchglatze (Verlust der männlichen Behaarung am Bauch), bei der Frau Menstruationsstörungen
  • Gelbsucht (Ikterus) mit gelber Verfärbung von Haut und Augenbindehaut sowie starkem Juckreiz
  • Zeichen von Hirnstörungen: Orientierungsstörung, Gedächtnisprobleme, psychische Verstimmung oder Stimmungsschwankungen, unangemessenes Verhalten, später Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit (Leberausfallkoma)

Bei der Untersuchung, etwa beim Abtasten oder mittels Ultraschall, zeigt sich die Leber zu Beginn infolge der Krankheitsprozesse vergrößert. Schreitet die Leberzirrhose fort, schrumpft die Leber infolge der narbigen Veränderungen und sie wird klein, fest und höckerig.

Diagnose Leberzirrhose

Um die Diagnose Leberzirrhose zu stellen, reichen oft bereits die typischen Beschwerden und Befunde bei der körperlichen Untersuchung. Laboruntersuchungen, Ultraschall und Bauchspiegelung oder Leberbiopsie werden durchgeführt, um nach Ursachen zu fahnden, das Stadium der Leberzirrhose einzuschätzen und die Therapie zu planen.

Mit einer Magenspiegelung wird geprüft, ob an der Speiseröhre bereits – potenziell lebensbedrohliche – Umgehungskreisläufe der Blutgefäße, sogenannte Speiseröhrenkrampfadern (Ösophagusvarizen) vorhanden sind.

Therapie der Leberzirrhose

Einmal verändertes Lebergewebe lässt sich nicht mehr in funktionsfähige Leberzellen rückverwandeln. Deshalb ist das primäre Ziel der Therapie, ein Fortschreiten der Leberzirrhose zu vermindern. An erster Stelle steht somit die Behandlung der Grunderkrankung. Zudem müssen zwingend Substanzen gemieden werden, die die Leber weiter schädigen können – vor allem Alkohol, doch auch Medikamente, welche häufig über die Leber entgiftet werden. Zudem ist auch eine an die Leberzirrhose angepasste Ernährung sinnvoll.

Daneben werden die Symptome und möglichen Komplikationen der Leberzirrhose behandelt. So wird ein Aszites mittels Medikamenten oder einer Bauchpunktion reduziert oder eine Blutung aus Speiseröhrenkrampfadern mit einer Spiegelung gestoppt. In manchen Fällen wird auch eine nicht ungefährliche Shuntoperation durchgeführt, bei der eine künstliche Umgehung des Pfortadersystems geschaffen wird. Dieser portosystemische Shunt schützt vor Krampfaderblutungen, erhöht allerdings das Risiko für ein Leberkoma.

In manchen Fällen kann durch eine Lebertransplantation die Leberfunktion wieder hergestellt werden. Allerdings kommen aufgrund einiger Ausschlusskriterien, etwa Alkoholabhängigkeit, viele Betroffene dafür nicht infrage.

Leberzirrhose: Verlauf und Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Leberzirrhose hängt zum einen von der Ursache ab, zum anderen davon, wie weit die Leberzirrhose fortgeschritten ist und wie gut es gelingt, ihre Verschlimmerung zu verhindern. Wird nichts getan oder beispielsweise die Leber weiter mit Alkohol geschädigt, endet die Leberzirrhose in Monaten bis wenigen Jahren tödlich. Häufigste Todesursache sind Blutungen von Speiseröhrenkrampfadern, gefolgt vom Leberkoma und einem kombinierten Leber- und Nierenversagen (hepatorenales Syndrom).

Um die Prognose abzuschätzen, benutzen Ärzte den Child-Pugh-Score. Mit dessen Hilfe wird die Leberzirrhose in Stadien eingeteilt (Child 1 bis Child 3). Relevant sind dabei fünf Kriterien (drei Laborwerte sowie der Aszites und die Ausprägung der Gehirnstörungen), für die jeweils eine Punktzahl von 1 bis 3 vergeben werden. Je höher die erreichte Punktzahl ist (maximal 15), desto geringer ist die Lebenserwartung.

Aktualisiert: 28.10.2015 – Autor: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?