Chronic Fatigue Syndrome (CFS)

Frau mit Chronic Fatigue Syndrome © Cocoparisienne

Vom Winterschlaf direkt in die Frühjahrsmüdigkeit: Für viele Menschen eher eine Entschuldigung als eine ernsthafte Erkrankung. Doch für schätzungsweise 300.000 Menschen in Deutschland ist der Satz "Ich bin so entsetzlich müde" bittere Wahrheit: Sie können sich nicht mehr erholen.

Was ist das Chronic Fatigue Syndrome?

Der Begriff leitet sich aus dem amerikanischen Englisch ab, wo das "Chronic Fatigue Syndrome" (Chronisches Erschöpfungssyndrom) Anfang der Achtziger Jahre beschrieben wurde. In Deutschland wird auch manchmal der Begriff "Burnout-Syndrom" verwendet.

Inzwischen trägt man in den USA mit der weiteren Bezeichnung "Chronic Fatigue/Immune Dysfunction Syndrome" (CFIDS) der Tatsache Rechnung, dass möglicherweise ein Immundefekt die Ursache der Erkrankung ist.

CFS: Mysteriös und vielschichtig

Zu Anfang verläuft CFS grippeähnlich. Die Patienten klagen über Hals- und Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Dazu kommen Gedächtnisstörungen, die schwerwiegend sein können, und erhebliche Konzentrationsstörungen.

Eine Reihe anderer Symptome, die individuell ganz verschieden sein können, wie zum Beispiel Fiebergefühl, Schlafprobleme und Übelkeit kommen hinzu. Den Ausschlag für die Namensgebung gab die jahrelange, lähmende Erschöpfung der Patienten, die sich auch durch Schlaf und Ruhe nicht beseitigen ließ.

Diesen Menschen fehlt die Energie für die einfachsten Aufgaben des täglichen Lebens. Ob Kaffee kochen oder Zähneputzen: Qualvoll schleppen sich die Betroffenen durch den Tag. Zusätzlich zu den krankheitsbedingten Beschwerden müssen sie erhebliche Einschränkungen ihres sozialen Umfeldes hinnehmen.

Diagnose und Therapie beim chronischen Erschöpfungssyndrom

Die Vielzahl der Symptome und ihrer individuellen Kombinationen ist mit ein Grund, warum die Diagnose CFS so schwierig ist. Es gibt kein einzelnes Symptom, anhand dessen die Diagnose CFS gestellt werden kann. Die zahlreichen Beschwerdebilder sind nur unzureichend wissenschaftlich zu fassen.

Im Vordergrund der Diagnose steht daher eine schwere, lang anhaltende Erschöpfung, die sich nicht beheben lässt. Andere Erkrankungen, die ähnlich schwere Erschöpfungszustände auslösen, müssen ausgeschlossen werden. Dazu gehören unter anderem Fibromyalgie (eine rheumatische Erkrankung), Leukämie (Blutkrebs) oder auch psychische Störungen wie Depressionen.

Sind alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen, so gibt es folgende international anerkannte Diagnosekriterien:

  • Dauerhafte oder wiederkehrende Müdigkeit über sechs Monate, die sich bei Bettruhe nicht ändert und den täglichen Tätigkeitsumfang um mehr als 50 Prozent einschränkt
  • Leichtes Fieber, Halsschmerzen
  • Schmerzhafte Lymphknoten
  • Muskelbeschwerden
  • Konzentrationsschwäche, Depressionen
  • Sehstörungen, Vergesslichkeit, erhöhte Reizbarkeit
  • Verschlechterung des Zustandes für mehr als 24 Stunden nach Anstrengungen

Kommen alle Kriterien zusammen und sind alle anderen möglichen Erkrankungen sicher ausgeschlossen, kann von CFS gesprochen werden. Studien in den USA zeigen, dass die Betroffenen vor ihrer Erkrankung ein besonders aktives Leben geführt haben. Die meisten Patienten sind zwischen 30 bis 50 Jahre alt. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Therapie des Chronischen Fatigue-Syndroms

Ähnlich schwierig wie die Diagnose gestaltet sich auch die Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms. Es gibt kein einzelnes Medikament, das hilft. Ganz im Gegenteil wird eine möglichst sanfte Behandlung der Symptome empfohlen, bei der die Dosierung der eingesetzten Medikamente oft noch unter der üblichen Minimaldosierung liegt. Viele CFS-Patienten weisen eine erhöhte Sensibilität gegenüber Medikamenten auf.

Ausgewogene Ernährung, geregelte Schlaf- und Ruhezeiten, die Sanierung erkrankter Zähne und Beseitigung bestehender Infekte gehören zum Behandlungsplan.

Über den Krankheitsverlauf oder über Heilungschancen gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben. Britische Forscher schätzen, dass 35 Prozent aller Betroffenen sich langsam, aber kontinuierlich erholen. Dies und eventuell eine komplette Besserung zieht sich jedoch über Jahre hin.

Krankheitsbewältigung bedarf meist Hilfe

Großen Wert wird auf eine psychische Behandlung gelegt, denn die Patienten brauchen kompetente Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Erkrankung. Nach dem Beginn der Behandlung kommt es oft zu einer Phase, in der die Beeinträchtigungen besonders ausgeprägt sind: Viele Patienten können dann nur im Bett liegen und sind nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen.

Ziel einer Behandlung ist es, die verbliebenen Energiereserven so sinnvoll wie möglich einzusetzen. Für die Betroffenen und ihr Umfeld bedeutet das eine Anpassung ihres Lebensstils an die Erkrankung, die von der jeweiligen Tagesform und der individuellen Einschätzung des jeweiligen Patienten abhängig ist.

CFS: Ursache und Forschung

Die genauen Ursachen des Chronic Fatigue Syndrome sind nicht bekannt. Forscher diskutieren zahlreiche Varianten: Viren, Pilze oder Umweltgifte können die Auslöser sein. Ebenso kommen auch Hormonstörungen sowie eine permanente mentale oder körperliche Überbelastung in Frage.

Das Interesse der Forscher richtet sich unter anderem auf ein Protein, das normalerweise während der Virusabwehr vom Körper gebildet wird. Dieses Eiweiß ist bei vielen, aber nicht allen CFS-Patienten stark erhöht. Ob sich aber über diesen Weg eine Virus-Beteiligung am chronischen Erschöpfungssyndrom festlegen lässt, ist noch unklar.

Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass es sich um eine Störung ähnlich einer Autoimmunerkrankung handelt, die meist in Folge einer Infektion auftritt. Bei einer Autoimmunkrankheit richtet sich das Immunsystem durch eine Fehlsteuerung gegen körpereigene Strukturen wie Zellen oder Rezeptoren. Neueste Untersuchungen deuten zudem auf einen gestörten Energiestoffwechsel hin.

Aktualisiert: 19.01.2018 – Autor: Sandra Baumann, überarbeitet: Nadja Weber

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?