Paukenerguss – was tun bei Flüssigkeit hinter dem Trommelfell?

Mann mit Paukenerguss hält schmerzendes Ohr
© iStock.com/Aleksej Sarifulin

An einem Paukenerguss können sowohl Kinder als auch Erwachsene erkranken. Typisch für diese Ohrenerkrankung, die auch Mittelohrerguss genannt wird, sind ein Druckgefühl und Schmerzen im Ohr oder auch eine Hörminderung. Bei Betroffenen entsteht der Eindruck, es befände sich Wasser hinter dem Trommelfell. Die nicht ansteckende Krankheit ist gut behandel- und heilbar. Wir informieren Sie in diesem Artikel, wie Sie einen Paukenerguss – in Abgrenzung zu einer Mittelohrentzündung – erkennen und sowohl schulmedizinisch als auch mit Hausmitteln behandeln können.

Symptome: Wie äußert sich ein Paukenerguss?

Ein Paukenerguss geht in der Regel mit folgenden Symptomen einher:

  • Ein Paukenerguss führt in erster Linie zu einem Druck- oder Völlegefühl im Ohr. Auch Knackgeräusche werden beschrieben.
  • Später entwickeln sich Schmerzen des betroffenen Ohres. Der Schmerz ist eher dumpf und in der Tiefe des Ohres verankert.
  • Ein weiteres typisches Symptom ist die Hörminderung auf der erkrankten Seite. Sie kann aber auch beidseitig auftreten. Die eigene Stimme wird als besonders laut wahrgenommen.
  • Ist das Trommelfell verletzt, kann es passieren, dass trübe Flüssigkeit aus dem Ohr läuft.
  • Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen können auftreten.
  • Oft wird der Paukenerguss durch einen Infekt der oberen Atemwege ausgelöst und dann von entsprechenden Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und Husten begleitet.

Flüssigkeit im Ohr beim Paukenerguss

Subjektiv entsteht bei einem Paukenerguss das Gefühl, es befände sich Wasser hinter dem Trommelfell. Tatsächlich handelt es sich um ein eitriges oder auch nicht-eitriges Sekret. Dieses wird durch Schleimhäute im Mittelohr (Auris media, auch Paukenhöhle genannt) produziert. Schwillt die Eustachische Röhre (Ohrtrompete), die die Verbindung zwischen Mundrachenraum und Mittelohr bildet, bei einem Infekt an, wird das Mittelohr nicht mehr richtig belüftet. Durch die Belüftungsstörung verändern sich die Schleimhautzellen des Mittelohrs und produzieren vermehrt dickflüssigen, zähen Schleim. Dadurch sammelt sich Sekret in der Paukenhöhle an.

Beim Paukenerguss füllt schließlich diese Flüssigkeit die Paukenhöhle aus. Die Paukenhöhle stellt den Verbindungsraum zwischen dem Innenohr und dem Außenohr dar und hat die Aufgabe, die von der Außenwelt eintreffenden akustischen Schallwellen mithilfe des schwingenden Trommelfells und den Gehörknöchelchen in Richtung Innenohr zu transportieren. Im Innenohr befindet sich das eigentliche Hörorgan, die Hörschnecke ("Cochlea").

Durch die Flüssigkeit in der Paukenhöhle kann der Schall nicht adäquat zum Innenohr weitergetragen werden, was zu einer Hörminderung führt.

Schmerzen im Ohr beim Paukenerguss

Auch Schmerzen sind ein typisches Symptom bei einem Paukenerguss. Dies liegt daran, dass der Druckausgleich mit der Ohrtrompete nicht richtig funktioniert. Die Ohrtrompete ist ein luftgefüllter Verbindungsgang vom Nasenrachenraum zum Mittelohr.

Der allseits bekannte Druckausgleich durch Pressen mit geschlossenem Mund bei gleichzeitigem Zuhalten der Nase ist ein Manöver zum Öffnen der Ohrtrompete und Entweichen von Luftdruck aus dem Mittelohr. Ist dieser Mechanismus durch Flüssigkeit im Mittelohr gestört, verursacht die Druckzunahme Schmerzen im Mittelohr.

Häufige Ursachen beim Kind: Wie kommt es zum Paukenerguss?

Grundsätzlich lässt sich sagen: Ein Paukenerguss ist keine Krankheit, die ansteckend ist.

Die Flüssigkeit in der Paukenhöhle bildet sich durch eine Belüftungsstörung des Mittelohrs und der Ohrtrompete, bei Kindern meistens verursacht durch Wucherungen des Drüsengewebes im Nasenrachenraum ("Adenoide", im Volksmund "Polypen" genannt). Betroffen sind die Drüsen der sogenannten Rachenmandeln, die nicht mit den Gaumenmandeln zu verwechseln sind. Oft werden diese an sich harmlosen Polypen erst durch einen Paukenerguss entdeckt, vorher bereiten sie keine Probleme.

Auch entzündete Rachenmandeln können einen Paukenerguss zur Folge haben. Außerdem kann die Flüssigkeitsansammlung infolge einer Mittelohrentzündung entstehen. Eine weitere mögliche Ursache ist insbesondere bei Kindern eine Refluxkrankheit (gastroösophagealer Reflux).

Bei Kindern ist die Ohrtrompete zudem noch sehr weich und nicht richtig ausgebildet ("unreif"). Deshalb kann sie schneller in ihrer Funktion beeinträchtigt werden, weshalb Kinder häufiger an Mittelohrergüssen leiden als Erwachsene.

Der Tubenkatarrh als Auslöser bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen sind häufig Virusinfekte der Nasennebenhöhlen ("Rhinitis" oder "Sinusitis") Schuld. Durch die Erkältung schwillt die Schleimhaut an und es kommt ebenfalls zu einer Belüftungsstörung der Ohrtrompete und des Mittelohrs. Das daraufhin entstehende entzündliche Sekret wird in der Medizin "Tubenkatarrh" genannt ("-tube" = Tuba auditiva = Ohrtrompete, "-katarrh" = Flüssigkeitsansammlung) und stellt eine Vorstufe des Paukenergusses dar.

Weitere Ursachen für einen Paukenerguss

Allergien und Verkrümmungen der Nasenscheidewand können ebenfalls einen Erguss im Ohr verursachen.

In sehr seltenen Fällen und fast nur bei Erwachsenen sind Belüftungsstörungen durch bösartige Tumoren die Ursache. Hierbei handelt es sich meistens um Krebserkrankungen ("Karzinome") der Schleimhaut des Nasenrachenraums.

Auch angeborene Fehlbildungen, wie beispielsweise die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, können die Entstehung der Beschwerden begünstigen.

Wie lange dauert ein Paukenerguss?

Man unterscheidet zwischen akuten, also plötzlich auftretenden und dabei kurz anhaltenden, und chronischen (langanhaltenden) Verlaufsformen. Bei Kindern sind chronische, teilweise auch innerhalb weniger Monate wiederkehrende, Verläufe typisch. Über die Dauer der Zeit verändert sich auch die Zusammensetzung des Sekrets, es wird dickflüssiger und zäher und fließt noch schlechter ab.

Bei Erwachsenen, bei denen ein kurzzeitig andauernder Virusinfekt häufiger die Ursache ist, beobachtet man eher akute Erkrankungen, die nach wenigen Tagen bis Wochen von allein wieder ausheilen.

Paukenerguss – was tun?

Gerade wenn Kinder betroffen sind, die ihre Beschwerden nicht genau benennen können, sollte man ärztlichen Rat suchen.

Dabei wird zunächst in einem Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese) geklärt, welche Symptome auftreten und ob gegebenenfalls auslösende Erkrankungen (wie eine Mittelohrentzündung oder eine Sinusitis) vorliegen oder vor kurzer Zeit vorlagen.

In einer Hals-Nasen-Ohrenpraxis kann der*die Arzt*Ärztin mittels eines Ohrenspiegels in die Ohren schauen ("Otoskopie") und eine Einziehung oder Verletzung des Trommelfells oder auch das Sekret hinter dem Trommelfell sehen. Je nachdem, wie lange die Flüssigkeitsansammlung schon besteht, erscheint diese klar (frisch) bis gelblich-braun (älter). Dies hängt damit zusammen, dass das Sekret im Laufe der Zeit zähflüssiger und damit weniger durchscheinend wird.

Außerdem kann die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells getestet ("Tympanometrie") und somit eine Aussage über das Ausmaß des Paukenergusses getroffen werden. Des Weiteren kann ein Hörtest aufschlussreich sein, um eine Beeinträchtigung des Hörvermögens zu erkennen.

Durch eine Spiegelung des Nasenrachenraums können etwaige ursächliche Polypen entdeckt werden.

Wie wird ein Paukenerguss behandelt?

Wird ein Paukenerguss festgestellt, ist die Therapie abhängig von der Ursache.

Ein akuter Paukenerguss im Rahmen eines Virusinfekts heilt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen von alleine aus und hat eine gute Heilungstendenz.

Zur Linderung der Symptome können abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays sowie schleimlösende Medikamente eingesetzt werden. Dadurch wird insgesamt der Druck auf die Nasennebenhöhlen verkleinert und die Schmerzen werden gelindert. Auch Schmerzmittel werden eingesetzt. Ist eine Allergie die Ursache der Beschwerden, können zusätzlich Medikamente wie Antihistaminika angewendet werden.

Paukenerguss bei Kleinkindern und Kindern

Bei Kindern wird ebenfalls zunächst ein abwartendes Verhalten bevorzugt, denn auch ein chronischer Paukenerguss aufgrund von Polypen kann sich innerhalb einiger Monate von allein zurückbilden. In der Regel wird der Verlauf der Beschwerden über drei Monate hin beobachtet.

Unterstützend wirken auch hier die oben bereits genannten abschwellenden und schmerzlindernden Maßnahmen und Medikamente, wobei darauf zu achten ist, ob die Mittel für Kinder geeignet sind.

Wird der Erguss im Ohr nicht behandelt, kann das dadurch eingeschränkte Hörvermögen bei Kleinkindern auf Dauer zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung führen.

Kommt also eine relevante Schwerhörigkeit hinzu, sollte der Paukenerguss entlastet werden – um die Sprachentwicklung nicht zu gefährden. Ebenso sollte gehandelt werden, wenn das Kind an wiederkehrenden Paukenergüssen leidet.

Die Parazentese als Therapie des Paukenergusses

Bei der Entlastung wird im Rahmen einer Operation ein Schnitt in das Trommelfell gemacht ("Parazentese"), der Erguss abgesaugt und gegebenenfalls (wenn das Sekret nicht vollständig entfernt werden kann) ein sogenanntes "Paukenröhrchen" ins Trommelfell eingelegt.

Dabei handelt es sich um ein dünnes Röhrchen aus Silber, Gold, Titan oder Plastik, durch das die Flüssigkeit nach außen so lange ablaufen kann, bis die Belüftung des Mittelohrs wieder normal funktioniert. Das Paukenröhrchen wird dann entweder im Rahmen eines kleinen Eingriffs wieder herausgenommen oder es wandert nach einem Zeitraum von drei bis zwölf Monaten durch den Gehörgang nach vorne und fällt von allein heraus. In jedem Fall sollte aber in dieser Zeit eine regelmäßige ärztliche Kontrolle stattfinden.

In seltenen Fällen kann der Einsatz eines Paukenröhrchens eine Infektion auslösen. Auch ein Nichtabheilen des Trommelfellschnitts oder ein Abrutschen des Röhrchens ins Mittelohr sind möglich. Dann muss ein weiterer operativer Eingriff erfolgen.

Behandlung mit Paukenröhrchen – das ist zu beachten

Wichtig ist, in der Zeit der Therapie vorsichtig im Umgang mit Wasser zu sein, da prinzipiell Wasser über das Paukenröhrchen ins Mittelohr gelangen und so eine Infektion begünstigen kann. Allerdings muss nicht grundsätzlich auf Schwimmen oder Baden verzichtet werden. Zumindest sollten Betroffene aber darauf achten, den Kopf nicht unter Wasser zu tauchen. Seifenwasser kann dabei etwas leichter in die Ohren eindringen, da die Seife die Oberflächenspannung des Wassers beeinflusst. Das präventive Tragen von Ohrstöpseln im Wasser als Schutz ist in aller Regel nicht notwendig.

Weitere Operationen beim Paukenerguss

Wurden Adenoide, also Polypen, nachgewiesen, werden diese meist durch eine Operation entfernt ("Adenotomie"). Dabei werden die vergrößerten Rachenmandeln weggeschnitten. Oft kann man in der gleichen Sitzung den beschriebenen Trommelfellschnitt und gegebenenfalls die Einlage eines Paukenröhrchens durchführen. Normalerweise kann diese Operation ambulant erfolgen.

Ist eine verkrümmte Nasenscheidewand nachweislich für den Paukenerguss verantwortlich, kann auch hier eine Operation zur Korrektur durchgeführt werden.

Hausmittel und Übungen beim Paukenerguss

Vor allem, wenn es sich um eine leichte Form eines Paukenergusses und um einen vorübergehenden Paukenerguss bei einem Virusinfekt handelt, können neben den ärztlichen Empfehlungen bestimmte Hausmittel und Übungen die Heilung unterstützen.

Zum Abschwellen der Nasennebenhöhlen können folgende Tricks beim Behandeln helfen:

  • Nasentropfen oder Nasensprays
  • Dampfbäder
  • Inhalationen
  • Rotlicht
  • Nasenspülungen

Für Kleinkinder gibt es spezielle abschwellende Nasentropfen. Ätherische Öle mit Eukalyptus-, Fichte- oder Kieferduft wirken schleimlösend und entzündungshemmend und sind daher gut für die Anwendung im Dampfbad oder zur Inhalation geeignet. Auch eine gut befeuchtete Raumlauft kann bei Kleinkindern und Erwachsenen dazu beitragen, das Abschwellen der Nasenschleimhäute zu beschleunigen.

Folgende Übungen können zudem bei einem Paukenerguss hilfreich sein:

  • Valsalva-Überdruck-Manöver: Dabei wird der Mund geschlossen und die Nase zugehalten. Dann atmet man gegen den geschlossenen Mund und die geschlossene Nase aus. Durch den dabei entstehenden Druckausgleich wird das Mittelohr besser belüftet.
  • Politzer-Verfahren: Dazu benötigt man einen sogenannten Politzer-Ballon. Bei der Übung wird ein Nasenloch verschlossen, das andere mit der Öffnung des Ballons verbunden. Dann muss die betroffene Person mehrere Male Worte sagen, die besonders häufig ein "K" enthalten (wie beispielsweise "Kakadu"). Dadurch verschließt sich der Rachen. Anschließend wird kräftig Luft durch die Nase in den Ballon gepustet und das Ohr besser belüftet.

Insbesondere letzteres Verfahren sollte erst nach ärztlicher Einweisung zu Hause durchgeführt werden.

Fliegen bei einem Paukenerguss

Aufgrund des erhöhten Luftdrucks ist bei einem Paukenerguss von Reisen mit dem Flugzeug abzuraten. Halten Sie am besten ärztliche Rücksprache.

Mittelohrentzündung oder Paukenerguss?

Eine Mittelohrentzündung ("Otitis media") von einem Paukenerguss zu unterscheiden, ist für Betroffene mitunter nicht einfach – zumal sich ein Paukenerguss auch als Folge einer Mittelohrentzündung bilden kann.

Bei der Mittelohrentzündung handelt es sich um eine durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Schleimhaut des Mittelohrs, die mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Schwäche und Schmerzen einhergeht.

Bei Ohrenschmerzen, die sehr stark sind oder länger als zwei Tage andauern, bei Flüssigkeitsabsonderungen aus dem Ohr oder Schwerhörigkeit sollte unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden.

Wasser hinterm Trommelfell? Ist das möglich?

Ist das Trommelfell intakt, kann kein Wasser dahinter gelangen. Besteht dieses Gefühl, handelt es sich deshalb in aller Regel um einen Paukenerguss.

Wasser im Gehörgang ist dagegen nicht unüblich. Es kann beispielsweise beim Duschen oder Schwimmen hineingelangen. Bei Wasser im Ohr hilft es, das betroffene Ohr mit der ganzen Hand zu verschließen. Danach muss man die Hand wieder lösen. Durch den so entstehenden Unterdruck kann das Wasser hinausgelangen. Auch ein Auf-und-ab-Hüpfen mit leicht geneigtem Kopf kann das Wasser aus dem Ohr befördern.

Helfen diese Tipps nicht weiter und kommt es zu Schmerzen oder einer anhaltenden Hörminderung, sollte eine Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis aufgesucht werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
H65.-, H66.-,

Aktualisiert: 08.08.2022
Autor*in: Dr. med. Lisa Rosch, Ärztin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?