Herzinfarkt: So gelingt die Nachsorge

Nachsorge bei Mann mit Herzinfarkt © istockphoto, vadimguzhva

Etwa 300.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzinfarkt, nur knapp zwei Drittel davon überleben die ersten vier Wochen danach. Doch selbst wenn die akute Gefahr gebannt ist, bleibt die Angst davor, wie es weitergeht. Durchaus begründet – etwa ein Drittel der Überlebenden wird erneut eine Herzattacke erleiden. Die Sorge vor körperlicher Beeinträchtigung, die Frage, wie sich der Alltag in Beruf und Familie ändert, die Furcht, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden und diesem beim nächsten Mal zu erliegen – schnell weicht die anfängliche Erleichterung, es überlebt zu haben, der Angst vor der Zukunft. Doch Vieles kann der Herzinfarkt-Patient selbst beeinflussen, vorausgesetzt er ist bereit – mit professioneller Hilfe und auch Unterstützung seiner Familie – seinen Lebensstil der neuen Situation anzupassen.

Nach Herzinfarkt: Behandlung zunächst stationär

Bereits in der Akutklinik greifen die ersten Maßnahmen zur Nachsorge. Zunächst wird die lebensbedrohliche Situation unter Kontrolle gebracht und der Patient die ersten Tage auf Intensivstation betreut. Um Komplikationen vorzubeugen, wird eine Frühmobilisation angestrebt. So ist – je nach Schweregrad des Herzinfarkts – bereits am 1. oder 2. Tag der Patient gefordert: Am Anfang wird er bei der Körperpflege mithelfen und leichte Übungen durchführen, die nach und nach gesteigert werden. Bereits nach ein bis zwei Wochen sollte er wieder fähig sein, kurze Strecken zu gehen oder sogar Treppen zu steigen. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Mobilisation stimmen die Fachkräfte individuell auf den jeweiligen Herzinfarkt-Patienten ab.

Nach der Zeit im Krankenhaus schließt sich optimalerweise direkt ein etwa dreiwöchentlicher Aufenthalt in einer stationären Rehabilitationseinrichtung an (Anschlussheilbehandlung = AHB). Der Antrag dazu wird am besten schon während des Krankenhausaufenthalts gestellt. Die AHB dient dazu, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern, bei der Krankheitsbewältigung zu helfen, den Betroffenen über die Ursachen, Risikofaktoren und Folgen seiner Erkrankung aufzuklären und ihm Wege aufzuzeigen, diese Faktoren positiv zu beeinflussen.

Hilfe bei der Umstellung

Um diese Zeit optimal zu nutzen, ist es wichtig, am Anfang eine genaue Diagnose des aktuellen Zustandes zu erstellen und die optimale Medikamentendosierung zu finden. Erst wenn der Herzkranke stabilisiert ist, kann mit Bewegungs- und Entspannungstraining, Ernährungsseminaren und psychosozialer Beratung gestartet werden. Dafür steht ein Stab an entsprechend ausgebildeten Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Diätassistenten, Psychologen und Sozialarbeitern zur Verfügung.

Diese sorgen dafür, dass der Herzinfarkt-Patient nicht nur die Zeit während der Rehabilitation optimal nutzt, sondern auch auf das Leben danach vorbereitet wird. So werden auch den Themen Arbeitsplatz, Umschulungen, Familie und der Vermittlung von Herzsport- oder Selbsthilfegruppen ausreichend Platz eingeräumt. Für Patienten, die diese Zeit nicht ohne ihre Familie verbringen möchten, gibt es auch ambulante Rehabilitationsangebote in sogenannten Tageskliniken.

Herzinfarkt: Ambulante Nachsorge

Nachdem der Herzinfarkt-Betroffene wieder zu Hause ist, fängt die Arbeit erst richtig an. Nur wenn die eingeleiteten Maßnahmen dauerhaft fortgeführt werden, können sie ihre positive Wirkung entfalten und das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt senken. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Praxis leider oft anders aussieht – bereits nach wenigen Wochen waren viele Patienten wieder in alte Verhaltensmuster gefallen.

Sie nahmen ihre Medikamente nicht regelmäßig ein, rauchten erneut, aßen wieder so ungesund und unregelmäßig wie vorher, hatten Stress am Arbeitsplatz und verbrachten ihre Abende vor dem Fernseher statt bei einem Spaziergang. Kein Wunder, dass die Waage wieder mehr Pfunde zeigte, der Blutdruck erneut in die Höhe schoss und die Cholesterinwerte in gefährliche Höhen kletterte. Und damit auch nicht erstaunlich, dass sich etliche Betroffene mit einem zweiten oder dritten Herzinfarkt in der Klinik wiederfanden.

Eigenverantwortung ist notwendig

Um einen erneuten Herzinfarkt zu vermeiden, ist Eigenverantwortung und Selbstdisziplin gefragt. Kürzer treten und Grenzen erkennen, Stress zu reduzieren, geduldig und behutsam mit sich umzugehen und die Lebensgewohnheiten konsequent umzustellen, sind lebenswichtige Voraussetzungen für den Betroffenen.

Der regelmäßige Kontrollbesuch beim Hausarzt zunächst halbjährlich, dann jährlich sollte genauso selbstverständlich sein wie regelmäßige Bewegung. Geeignet sind vor allem Ausdauersportarten wie:

  • schnelles Gehen
  • langsames Laufen
  • Radfahren
  • Wandern
  • Skilanglauf

Besonders hilfreich ist ein individuell zugeschnittenes und kontrolliertes Training unter medizinischer und physiotherapeutischer Aufsicht. Dazu dienen "Koronarsportgruppen", die außerdem den Kontakt zu anderen Betroffenen ermöglichen. Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige geben vor allem durch Erfahrungsaustausch zusätzlich Unterstützung und Ermutigung.

Aktualisiert: 21.10.2016 - Autor: Dagmar Reiche

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