Herzrhythmusstörungen – wenn das Herz aus dem Takt gerät

Mann mit Herzrhythmusstörungen © istockphoto, fstop123

Plötzlich poltert es in der Brust, dann absolute Funkstille. Solche kurzzeitigen Attacken sind meist harmlos – manchmal sind sie aber auch Vorboten eines Herzleidens. Etwa 60 bis 80 Mal in der Minute zieht sich ein gesunder Herzmuskel zusammen, um sich kurz darauf wieder zu entspannen und so das Blut durch den Kreislauf zu pumpen.

Dass dieser Lebensrhythmus gewahrt bleibt, dafür sorgt ein Minikraftwerk, der Sinusknoten in der rechten Herzkammer. Regelmäßig sendet dieses kleine Sehnengeflecht elektrische Impulse aus, die dem Herz den Takt vorgeben. Das menschliche Herz verfügt also über spezialisierte Zellen, die zum einen der elektrischen Impulsbildung und zum anderen der Ausbreitung dieser Impulse über die gesamte Herzmuskulatur dienen.

Was passiert, wenn das Herz schlägt?

Fällt der Sinusknoten aus, herrscht längst nicht Funkstille. Ein anderes Areal der Stromleitung, AV-Knoten genannt, springt ein. Versagt auch diese Notversorgung, kann das His-Faserbündel die Rolle des Taktgebers übernehmen, allerdings mit deutlich herabgesetzter Impulsfolge von nur noch 40 Schlägen in der Minute.

Das ist auf Dauer zu wenig. Ärzte sprechen dann von einer gefährlichen Bradykardie. Der Kreislauf gerät ins Stocken und der Mensch kann sogar das Bewusstsein verlieren.

Auch bei anhaltenden Turbulenzen der Herzschlagfolge, in der Fachsprache Tachykardie, stimmt etwas nicht mit der "Herzelektrik".

Herzrhythmusstörungen: Ursachen

Herzrhythmusstörungen können Ausdruck einer organischen Erkrankung des Herzmuskels oder einer isolierten Schädigung der Reizbildungs- und Reizleitungsstrukturen des Herzens sein.

In einigen Fällen können die organischen oder funktionellen Grundlagen für Herzrhythmusstörungen bereits bei der Geburt eines Menschen angelegt sein. Hierbei können Herzrhythmusstörungen entweder bereits im frühesten Kindesalter oder aber erst später im Laufe des Lebens auftreten. Viel häufiger sind jedoch gerade in westlichen Industrienationen folgende Ursachen:

Aber auch eine Überfunktion der Schilddrüse oder Kaliummangel bringen den Lebensmotor manchmal aus dem Takt. Zum Teil kommen auch Elektrolytstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten als Auslöser von Herzrhythmusstörungen in Betracht.

Da die Herzfunktion in starkem Maße auch von Einflüssen des vegetativen Nervensystems bestimmt wird, können auch psychische Faktoren bei der Entstehung von Herzrhythmusstörungen eine wesentliche Rolle spielen.

Aber: Nicht hinter jedem Stolpern und unregelmäßigem Herzschlag steckt eine Erkrankung. Stress und körperliche Anstrengung, Koffein und Alkohol und auch bestimmte Medikamente können die "Stromversorgung" im Herzen stören. Die Folgen sind Herzjagen und Extraschläge, in der Fachsprache Extrasystolen genannt.

Symptome und Merkmale von Herzrhythmusstörungen

Weicht das Herz dauerhaft vom normalen Pumprhythmus ab, drohen schwere gesundheitliche Schäden und manchmal sogar komplettes Herzversagen.

Das Problem: Bei Herzrhythmusstörungen besteht oftmals ein deutlicher Unterschied zwischen der Einschätzung der Störung durch den Arzt und der Beeinträchtigung des Patienten.

 

So kann es vorkommen, dass selbst minutenlange, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen von Patienten kaum wahrgenommen werden. Andere Patienten wiederum können sich selbst durch vereinzelt wiederkehrende, an sich völlig harmlose Extraschläge des Herzens in ihrem Befinden schwer beeinträchtigt fühlen.

Je nach Art und Dauer kann es bei Herzrhythmusstörungen zu folgenden Symptomen kommen:

  • Herzklopfen und Herzrasen
  • unregelmäßiger Pulsschlag
  • Schwindel
  • Kollaps
  • Ohnmachtsanfälle

Im Extremfall kann es zu einer bösartigen Rhythmusstörung oder zum plötzlichen Herztod kommen. Wichtige Unterscheidungskriterien bei Herzrhythmusstörungen sind zum einen ihr Entstehungsort (Herzvorhof oder Herzkammer), zum anderen ihre Dauer sowie auch die Frage, ob sie im Rahmen einer akuten Herzerkrankung, zum Beispiel beim Herzinfarkt, oder bei einem chronisch geschädigten Herzen auftreten.

Häufig: Vorhofflattern

Grundsätzlich gilt, dass Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung im Vorhof haben, eher harmloser Natur sind, während Herzrhythmusstörungen, die in der Herzkammer entstehen, zum Teil besonders bei fortgeschrittener organischer Herzerkrankung lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können.

Das unkoordinierte und schnelle Zucken der Herzvorhöfe ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen. Besonders Ältere und Menschen mit Herzschwäche sind von solchem Vorhofflimmern oder -flattern betroffen.

Obwohl stets die zugrundeliegende Erkrankung an erster Stelle behandelt werden soll, muss auch das Vorhofflimmern abgestellt werden, damit sich eine Herzschwäche nicht verschlimmert. Dies geschieht durch eine sogenannte Kardioversion, bei der das Herz mit Medikamenten oder mit Hilfe eines Elektroschocks wieder in seine normale Schlagfolge gebracht wird.

Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Behandlung des Vorhofflimmerns nicht nötig ist. Das können zum Beispiel Patienten sein, die trotz Rhythmusstörungen eine normale Herzfrequenz haben und beschwerdefrei sind. Gebannt werden muss bei ihnen aber immer die erhöhte Gefahr von Blutgerinnseln, die Gefäße verstopfen und im schlimmsten Fall einen Schlaganfall auslösen können.

Lebensbedrohliches Kammerflimmern

Gefährlich werden Taktstörungen des Herzschlags immer, wenn sie zu einem drastischen Absinken der Pumpleistung führen. Das passiert, wenn bei rasendem Herzschlag dem Herzmuskel keine Zeit bleibt, sich vollständig zusammenzuziehen, und sich die Herzkammern nicht mehr mit Blut füllen können. Der Extremfall ist das gefürchtete Kammerflimmern, bei dem der Herzmuskel nur noch unkoordiniert zuckt.

Auf bis zu 300 solcher unregelmäßiger Schläge pro Minute kann sich das Tempo erhöhen. In dieser Höllengeschwindigkeit gelingt es dem Herz nicht annähernd, den Kreislauf mit Blut zu versorgen. Ohne raschen Eingriff heißt die Folge Herzversagen. Rettung bringt ein elektrischer Schock, der von einem Defibrillator abgegeben wird. Das kleine Gerät kann die Gefahr, an einer lebensbedrohlichen Rhythmusstörung zu sterben, nahezu ausschalten.

Verlauf von Herzrhythmusstörungen

Was den Verlauf der Rhythmusstörungen anbelangt, sind im Einzelfall keine genauen Vorhersagen möglich. Herzrhythmusstörungen können entweder lebenslang oder nur in einem bestimmten Lebensabschnitt auftreten, oder sie werden zu permanenten, unangenehmen Wegbegleitern mit zunehmendem Voranschreiten der organischen Herzerkrankung.

Um ihren Charakter genauer einschätzen zu können und einen möglichen Behandlungsplan aufzustellen, ist es für den Arzt wesentlich, die Herzrhythmusstörung im Ruhe- oder Langzeit-EKG zu dokumentieren. Das heißt, dass zum Zeitpunkt der laufenden Rhythmusstörung ein Elektrokardiogramm geschrieben werden muss.

Ist die Rhythmusstörung eindeutig diagnostiziert, kann der Arzt entscheiden, ob eine sofortige medikamentöse Therapie in Betracht kommt und der Patient im Anschluss beschwerdefrei nach Hause gehen kann oder ob ein längerer Krankenhausaufenthalt zur weiteren Abklärung nötig ist.

Aktualisiert: 04.10.2018

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