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Herzschrittmacher - kleines Gerät mit großer Wirkung

Untersuchung nach Einsetzen eines Herzschrittmachers © istockphoto, vadimguzhva

An viele medizinische Errungenschaften sind wir mittlerweile so gewöhnt, dass wir ihre Existenz als selbstverständlich hinnehmen: Künstliche Hüft- oder Kniegelenke, Hör- oder Sehhilfen und auch der Herzschrittmacher sind für uns heute Normalität. Hier erfahren Sie, was ein Herzschrittmacher genau ist und wann er eingesetzt wird.

Was ist ein Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmacher unterstützt das Herz, in seinem normalen, das heißt situationsangepassten Rhythmus zu schlagen. Ein moderner Herzschrittmacher ist kaum größer als eine Streichholzschachtel, besteht aus einer Lithiumjodidbatterie sowie raffinierter Elektronik und hat eine Umhüllung aus Titan.

Er wiegt ungefähr sieben Gramm (soviel wie ein gehäufter Teelöffel Salz) und gibt über eine oder mehrere dünne Elektroden, die im Herzen verankert werden, elektrische Impulse an das Herzgewebe ab, um den Herzrhythmus zu unterstützen.

Was ist der Herzrhythmus?

Das Herz besteht aus Muskelgewebe, das sich nacheinander in einer bestimmten Reihenfolge zusammenzieht (kontrahiert) und so zu einer Bewegung des Blutes führt. Jede regelhaft ablaufende Kontraktion spüren wir normalerweise als Herzschlag. Die Weiterleitung kann man am Handgelenk als Puls ertasten. Die Kontraktion und der Herzschlag werden normalerweise von einem Nervenpunkt im Herzen – dem Sinusknoten – aus gesteuert. Von dort aus führen Nervenfasern in alle Regionen des Herzens.

Sobald der Sinusknoten einen Nervenimpuls abgibt, führen die Nervenfasern zu einer Kontraktion und Erschlaffung der verschiedenen Herzkammern, so dass das Herz seiner Pumpfunktion nachkommen kann. Diese Pumpfunktion kann aber nur geregelt ablaufen, wenn die Nerven, die das Muskelgewebe beeinflussen, funktionieren und auf Belastungen wie Treppensteigen oder Aufregung auch reagieren.

Unregelmäßigkeiten des Herzschlags

Mit fortschreitendem Lebensalter kommt es bei vielen Menschen zu Unregelmäßigkeiten des Herzschlags. Wenn beispielsweise beim Sick-Sinus-Syndrom der Sinusknoten zu wenig Impulse abgibt, kommt es zu einer Abnahme der Herzfrequenz (Bradykardie). Aber auch wenn die Impulsweiterleitung in den Nervenbahnen gestört ist – z. B. durch Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden – schlägt das Herz unregelmäßig oder zu selten.

Für den Betroffenen kann sich das in unangenehmem Herzstolpern oder Schwindelattacken äußern, die in ihrer extremsten Form zu Bewusstlosigkeit führen können (Morgagni-Stokes-Anfall). Oft kommt es allerdings "nur" zu einer zunehmend geringeren Belastbarkeit: Jede noch so kleine Anstrengung fällt schwer, man wird immer schlapper und gerät schnell außer Atem.

Wann wird ein Herzschrittmacher eingesetzt?

Ein Herzschrittmacher wird immer dann benötigt, wenn die Regulation des eigenen Herzrhythmus gestört ist, der Betroffene die oben genannten Symptome zeigt oder zu erwarten ist, dass durch die Unregelmäßigkeit des Herzschlags eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann.

Dabei muss geklärt werden, weshalb genau der Herzrhythmus unregelmäßig ist: Arbeitet der Sinusknoten nicht mehr richtig, an welcher Stelle stimmt die Überleitung zu den Nervenfasern nicht oder liegt etwa eine andere Grunderkrankung vor (beispielsweise eine Schilddrüsenfehlfunktion), die den Herzschlag beeinträchtigt?

Auch Medikamente gegen zu hohen Blutdruck oder gegen Herzinsuffizienz können für die Rhythmusstörung verantwortlich sein. Mit dem Langzeit-EKG und verschiedenen anderen Testmethoden können die Nervenfasern stimuliert und ihre Funktion überprüft werden. Sobald die Ursache feststeht, wird der passende Schrittmacher ausgewählt.

Aktualisiert: 21.06.2016 – Autor: Nathalie Blanck

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