Koronare Herzkrankheit – Behandlung

Je nach Stadium der Erkrankung kommen folgende Maßnahmen in Betracht, die einzeln oder in Kombination angewandt werden können:

  • Kontrolle der Risikofaktoren
  • Medikamente
  • Aufdehnung von Herzkranzgefäßverengungen durch spezielle Herzkatheter
  • Bypassoperation

Kontrolle der Risikofaktoren

Basis jeder Behandlung bei der koronaren Herzerkrankung stellt die konsequente Kontrolle der Risikofaktoren dar, um ein Voranschreiten der Erkrankung möglichst zu verhindern und im günstigsten Fall eine Rückbildung der Verkalkung am Herzen zu erreichen. Dies bedeutet konkret:

  • Gewichtsregulierung bei Übergewicht
  • Alkohol- und Nikotinabstinenz
  • Diätmaßnahmen bei Zuckerkrankheit
  • ärztliche Behandlung der Fettstoffwechselstörung oder Gicht
  • Abbau von psychischen Stressfaktoren
  • ausreichende körperliche Betätigung

Reichen die beschriebenen Maßnahmen und gegebenenfalls die Behandlung der anderen Krankheiten nicht aus, werden unterstützend Herzmedikamente verordnet. Auch nach einem Herzinfarkt schließt sich eine Behandlung mit Tabletten an, um den Blutdruck einzustellen, den Blutfluss zu verbessern und dem geschwächten Herzmuskel die Arbeit zu erleichtern.

Operation bei der koronaren Herzerkrankung

Direkte Eingriffe an den Herzkranzgefäßen bei chronischen Durchblutungsstörungen oder beim akuten Herzinfarkt sind im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung möglich. Mittels spezieller aufblasbarer Ballons an der Spitze von Herzkathetern, die in die Herzkranzgefäße selbst eingeführt werden, können einzelne Engstellen aufgedehnt und die Durchblutung damit normalisiert werden.

Leider kommt es in ungefähr 20 bis 30 Prozent der primär erfolgreich behandelten Fälle zu erneuten Engstellen (Restenose) an derselben Stelle, die allerdings erneut durch Ballonkatheter aufgedehnt werden können. Um das hohe Risiko einer Wiederverengung zu reduzieren, werden oft Stents eingesetzt – dehnbare, maschenartige Röhrchen aus Edelstahl, die das Gefäß offen halten. Manche davon geben zusätzlich langsam Medikamente ab.

Bei schwerer Verkalkung an allen wichtigen Herzkranzgefäßen kommt in manchen Fälle nur noch eine Bypassoperation in Betracht. Bei dieser großen Herzoperation werden aus anderen Körperstellen (meist Unterschenkel) des Patienten entnommene Venen als Gefäßbrücken über die verengten Herzkranzgefäße genäht. Aufgrund des zunehmenden Operationsrisikos werden erneute Bypassoperationen bei Funktionsuntüchtigkeit der primär angelegten Bypässe nur in wenigen Einzelfällen durchgeführt.

Behandlung der Komplikationen

Entsprechend den komplexen Erscheinungsbildern der koronaren Herzerkrankung müssen auch chronische Folgeerscheinungen von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels oder von abgelaufenen Herzinfarkten speziell behandelt werden. Als Folge akuter oder chronischer Durchblutungsstörungen können bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung die unterschiedlichsten Rhythmusstörungen auftreten, die sowohl mit einem zu langsamen als auch mit einem zu schnellen Herzrhythmus einhergehen können.

  • Ein besonderes Problem stellen hierbei chronische, immer wiederkehrende Rhythmusstörungen aus den Herzkammern dar, deren Entstehung durch Infarktnarben begünstigt wird. Da nach heutigen Erkenntnissen eine hundertprozentig sichere medikamentöse Therapie dieser Herzrhythmusstörungen leider nicht möglich ist, wurden seit Mitte der 80er Jahre implantierbare automatische Defibrillatoren von der Größe eines Zigarettenetuis entwickelt, die unter den Brustmuskel links oberhalb des Herzens eingesetzt werden. Diese verhindern Rhythmusstörungen zwar nicht, können sie aber durch die notfallmäßige Abgabe eines Elektroschocks wirkungsvoll behandeln.
  • Eine Herzinsuffizienz nach einem oder mehreren Herzinfarkten wird in der Regel medikamentös, in schwerwiegenden Fällen auch durch Herztransplantation behandelt.
  • Durchblutungsbedingte Funktionsstörungen der Herzklappen erfordern eine medikamentöse Behandlung oder den operativen Ersatz der geschädigten Herzklappe durch künstliche Klappenprothesen.
  • Liegen akut oder chronisch auftretende Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, Gerinnungsstörungen oder in die Herzkranzgefäße verschleppte Blutgerinnsel vor, müssen lebenslang blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Die beste Heilung einer Erkrankung ist bekanntlich ihre Vorbeugung. Gerade bei der koronaren Herzerkrankung bestehen eine ganze Reihe von Möglichkeiten, durch die Kontrolle von individuellen Risikofaktoren, wie oben beschrieben, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung deutlich zu senken.

Wichtig ist es vor allem, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass unser moderner, bewegungsarmer Lebensstil und unsere westlichen Ernährungsgewohnheiten Gefäßerkrankungen im allgemeinen und die koronare Herzerkrankung im besonderen außerordentlich fördern. Bestehen Risikofaktoren wie eine genetische Belastung, sollte in besonderem Maße auf zusätzliche vermeidbare oder behandelbare Risiken geachtet werden.

Aktualisiert: 13.02.2018 – Autor: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?