Coronavirus-Risikogruppen: Für wen COVID-19 gefährlich ist

Älterer Mann trägt Maske zum Schutz vor Coronavirus © istockphoto, coldsnowstorm

SARS-CoV-2, so der Name des aktuell umgehenden Coronavirus, breitet sich weltweit mit rasanter Geschwindigkeit aus. Auch in Deutschland werden täglich neue Fälle registriert. Und obwohl die Erkrankung COVID-19, also eine Infektion mit dem Virus, in den meisten Fällen mild oder sogar symptomfrei verläuft, gab es auch in Deutschland zahlreiche Todesfälle. Für bestimmte Risikogruppen gilt eine Infektion mit dem Coronavirus dabei als besonders gefährlich. Wer diese Risikogruppen sind und wie diese Personen geschützt werden können, lesen Sie hier.

Coronavirus: Wer sind die Risikogruppen?

Wie hoch die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion mit dem Coronavirus ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, da die aktuellen Zahlen zwischen den betroffenen Ländern stark variieren. Durchschnittlich liegt die sogenannte Mortalität von COVID-19 bei 3,15 Prozent (Stand: 17.09.2020).1 In Deutschland liegt sie derzeit im Schnitt bei 3,5 Prozent. (Stand: 17.09.2020)2

Dabei zeigt sich, dass Angehörige bestimmter Risikogruppen stärker gefährdet sind. So sind Männer häufiger von einem tödlichen Verlauf betroffen als Frauen. Besonders riskant ist eine Coronavirus-Infektion darüber hinaus für:

  • ältere Menschen
  • Personen mit einem geschwächten Immunsystem
  • Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Menschen mit Lungenerkrankungen
  • gegebenenfalls Raucher
  • Personen mit Übergewicht
  • möglicherweise Menschen mit Blutgruppe A und einem positiven Rhesusfaktor

COVID-19: Männer sterben häufiger als Frauen

Die bisherigen Statistiken zeigen, dass Männer häufiger von einem tödlichen Verlauf der Erkrankung COVID-19 betroffen sind als Frauen. Demnach liegt laut einer WHO-Analyse in China die durchschnittliche Sterblichkeitsrate von Männern bei 4,7 Prozent, bei Frauen hingegen nur bei 2,8 Prozent (Stand: 10.03.2020).3

Experten vermuten die Ursache darin, dass Männer öfter rauchen sowie häufiger an Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck leiden. Somit treffen auf sie häufiger Kriterien zu, die einen ungünstigen Verlauf der Krankheit begünstigen. Frauen sollen zudem ein stärkeres Immunsystem haben. Darüber hinaus reisen Männer im Schnitt mehr als Frauen, was eine Ansteckung begünstigen kann.

Auch haben Forscher herausgefunden, dass Männer in ihren Lungen und Bronchien mehr der sogenannten ACE2-Proteine besitzen – diese Rezeptoren sind es, an die das Virus andockt und über die es in die Zellen eindringt. Je mehr dieser ACE2-Rezeptoren es gibt, desto mehr Möglichkeiten findet das Virus, in die Zellen einzudringen.

Hormonell bedingter Haarausfall als Risikofaktor?

Doch es gibt noch eine weitere möglich Erklärung, so unwahrscheinlich sie im ersten Moment auch klingen mag: Eine US-Studie hat Hinweise darauf gefunden, dass Menschen – und insbesondere Männer – mit Glatze besonders häufig einen schweren Verlauf erleiden.15 Dies führen die Forscher darauf zurück, dass die Androgene (männliche Sexualhormone), welche den sogenannten anlagebedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) begünstigen, zugleich auch die Fähigkeit des Coronavirus erhöhen, Zellen anzugreifen.

Sollten weitere Studien diesen Zusammenhang bestätigen, könnten Androgen-unterdrückende Medikamente möglicherweise bei der Behandlung von COVID-19 eine Rolle spielen. Bereits jetzt weist eine Untersuchung darauf hin, dass Männer mit Prostatakrebs, die diese Mittel einnehmen, ein deutlich niedrigeres Risiko für COVID-19-Infektionen aufweisen.

Frauen nach den Wechseljahren stärker gefährdet

Eine Studie aus London liefert Hinweise darauf, dass Frauen nach den Wechseljahren häufiger von einem starken Verlauf betroffen sein könnten als Frauen vor der Menopause.18 Demnach zeigten die befragten Frauen jenseits der Menopause stärkere Symptome und mussten häufiger im Krankenhaus behandelt werden.

Als Ursachen vermuten die Forscher auch hier den Hormonspiegel, genauer gesagt den Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen, der mit den Wechseljahren abnimmt. Dies könnte demnach eine weitere Erklärung dafür sein, warum Frauen (insbesondere junge Frauen) seltener schwere Verläufe von COVID-19 erleben als Männer. Auch bestärkt es die These, dass Hormonbehandlungen bei der Therapie von COVID-19 von Bedeutung sein könnten. Weitere Forschung zu diesem Thema steht jedoch noch aus.

Ältere Menschen stärker durch Coronavirus gefährdet

Menschen mittleren und höheren Alters sind die größte Risikogruppe. Ab 50 bis 60 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit zunehmendem Alter an. Während etwa bei Kindern unter zehn Jahren bislang kaum Infektionen zu verzeichnen sind, liegt die Sterblichkeitsrate bei über-80-jährigen Infizierten in China bei 14,8 Prozent (Stand: 12.03.2020).4

Die Ursache dafür liegt vermutlich in dem bei älteren Menschen oft schwächeren Immunsystem – altersbedingt oder aufgrund von Vorerkrankungen. Typische Symptome einer COVID-19-Erkrankung, wie beispielsweise Fieber, sind eigentlich nur eine Reaktion des Immunsystems auf die Infektion. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, treten solche Symptome oft nur abgeschwächt oder gar nicht auf, weshalb Betroffene oft erst spät zum Arzt gehen.

Geschwächtes Immunsystem als Risikofaktor

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind generell anfälliger für Infektionskrankheiten als gesunde Menschen. Zu dieser Risikogruppe können beispielsweise Menschen mit einer Erkrankung gehören, die die Abwehrkräfte schwächt.9

Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose (MS), entzündlichem Rheuma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, müssen Betroffene in manchen Fällen Medikamente einnehmen, welche das Immunsystem unterdrücken – sogenannte Immunsuppressiva. Solche Medikamente werden beispielsweise auch von Menschen nach einer Organtransplantation eingenommen, um eine Abstoßung des fremden Gewebes zu verhindern. Zu den Medikamenten, die das Immunsystem hemmen, zählt beispielsweise Kortison.

In Bezug auf Erkrankungen der Schilddrüse, auch wenn es sich dabei um Autoimmunerkrankungen handelt, gibt es bislang keine entsprechenden Studien oder Hinweise.

Vorerkrankungen und Coronavirus: Risikogruppen

Erkrankungen der Niere oder der Leber sowie andere schwere Krankheiten, beispielsweise Krebs, können das Immunsystem stark beeinträchtigen, weshalb unabhängig vom Alter bei betroffenen Personen eine Coronavirus-Infektion einen schwereren Verlauf nehmen könnte.

Ebenso führt auch Diabetes mellitus bei Betroffenen zu einem geschwächten Immunsystem durch einen gesundheitlich vorbelasteten Körper. Ein schwerer Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus gilt deshalb bei Diabetikern als wahrscheinlicher.

Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen bei einer COVID-19-Infektion das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören beispielsweise die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler oder erhöhter Blutdruck.

Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko

Für Personen, die bereits an einer Lungenerkrankung leiden, ist die Atemwegserkrankung COVID-19 besonders gefährlich. Betroffen sind beispielsweise Menschen mit COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), chronischer Bronchitis oder Asthma (auch allergischem Asthma).

Menschen mit Heuschnupfen haben nach Auskunft der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) kein erhöhtes Risiko, denn sie gelten nicht als immungeschwächt. Begonnene Hyposensibilisierungen gegen eine Pollenallergie sollten weitergeführt werden.

Auch eine Therapie mit Kortison bei schwerem Asthma sollten Betroffene unverändert fortsetzen. Denn Experten gehen davon aus, dass Menschen mit einem gut eingestellten Asthma kein höheres Risiko haben als andere. Möglicherweise könnte die Asthma-Medikamente es den Viren sogar erschweren, in den Körper zu gelangen, da sie die erforderlichen ACE2-Rezeptoren blockieren.

Rauchen als Risikofaktor?

Ob Raucher gefährdeter sind als Nichtraucher, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch ein Zusammenhang vermutet, da Rauchen das Lungengewebe schädigt.5 Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist auf eine schwache Evidenz, also schwache statistische Hinweise auf einen Zusammenhang hin. Daher gilt es als ratsam, das Rauchen zum Schutz vor schweren Verläufen einer COVID-19-Infektion einzustellen.

Französische Wissenschaftler vermuten hingegen sogar eine Schutzwirkung durch Nikotin, da der Stoff sich möglicherweise an dieselben Rezeptoren setzt, an die auch das Virus anbindet. So könnte das Virus daran gehindert werden, sich an die Zellen zu setzen und in den Körper einzudringen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Vermutung stehen jedoch noch aus.10

Einen ähnlichen Zusammenhang vermuten kanadische Forscher beim medizinischen Einsatz von Cannabis. Cannabis-Sorten, die einen hohen Anteil des entzündungshemmenden Wirkstoffes Cannabinoid (CBD) und weniger berauschendes Tetrahydrocannabinol (THC) aufweisen, sollen die Fähigkeit des Coronavirus verringern, in die Lunge zu gelangen und sich dort festzusetzen.

Ihre Schlussfolgerungen ziehen die Forscher aus Studien zu Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Arthritis. Ähnlich wie bei Nikotin gibt es jedoch aktuell noch keine weiteren wissenschaftlichen Belege, die diese Vermutung stützen.13

Übergewicht erhöht das Risiko für schwere Verläufe

Verschiedene Datenanalysen haben gezeigt, dass Übergewicht (Adipositas) ebenfalls das Risiko für schwere Verläufe bei COVID-19 erhöht. Die Daten deuten darauf hin, dass vor allem Personen mit einem BMI über 30 besonders gefährdet sind.12,19 Insbesondere bei jüngeren Betroffenen lassen sich schwere Verläufe oft darauf zurückführen.

Ein möglicher Erklärungsansatz ist, dass das Übergewicht die Atmung erschwert, weil Zwerchfell und Lunge weniger Platz haben, sich auszudehnen. Gleichzeitig geht mit dem erhöhten Körpergewicht jedoch auch ein höherer Bedarf an Sauerstoff einher. Hinzu kommen oft Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme sowie ein erhöhtes Thrombose-Risiko.

Eine weitere Vermutung ist, dass das überschüssige Fett im Bereich der inneren Organe die bei COVID-19 mögliche Überreaktion des Immunsystems begünstigen könnte. Darüber hinaus könnte eine ungesunde Ernährung, die oft mit Übergewicht einhergeht, für einen Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen verantwortlich sein.

Die Blutgruppe als Risikofaktor?

Forscher aus Norwegen und Deutschland haben herausgefunden, dass bestimmte Blutgruppen des Risiko für schwere Verläufe beeinflussen könnten.14 In ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler genetische Faktoren von schwer an COVID-19 erkrankten Personen. Dabei fanden sie Hinweise darauf, dass Blutgruppe A mit einem positiven Rhesusfaktor das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen könnte. Blutgruppe 0 scheinen hingegen besonders selten schwer zu erkranken. Beide Blutgruppen (A+ und 0+) kommen in Deutschland etwa gleich häufig vor.

Der mögliche Zusammenhang war zuvor auch von chinesischen und US-amerikanischen Forschern aufgezeigt worden. Weitere Untersuchungen zu dem Thema stehen jedoch noch aus.

Kombination mehrerer Risikofaktoren

Das Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass das Vorliegen mehrerer Risikofaktoren die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs weiter erhöhen kann.6 Wenn also verschiedene Grunderkrankungen vorliegen oder wenn ältere Menschen Vorerkrankungen haben, ist von einem höheren Risiko auszugehen als bei Vorliegen eines einzelnen Risikofaktors.

Ob Sie selbst zu einer der Risikogruppe gehören, können Sie mit unserem Selbsttest herausfinden.

Wie hoch ist das Risiko für Schwangere?

Auch wenn viele Krankheiten für Schwangere und Kinder besonders bedrohlich sind, schien COVID-19 nach dem ersten Erkenntnisstand nicht dazu zu gehören.7,8 Frühe Daten aus China deuteten darauf hin, dass Frauen während einer Schwangerschaft nicht gefährdeter sind als andere Frauen. Neuere Erkenntnisse liefern jedoch Hinweise darauf, dass das Risiko für schwere Verläufe bei schwangeren Frauen leicht erhöht sein könnte.20 Dies sollte zwar keinen Anlass zur Sorge bieten, doch zumindest sollten sich Schwangere besonders gründlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen.

Eine Übertragung auf das ungeborene Kind oder über die Muttermilch wurde bislang nur in seltenen Fällen beobachtet. Möglich ist jedoch eine Übertragung auf neugeborene Babys durch Tröpfcheninfektion.

Da die Datenlage bislang noch zu gering für gesicherte Erkenntnisse ist, kann eine erhöhte Gefährdung schwangerer Frauen durch eine Coronavirus-Infektion nicht ausgeschlossen werden. Auch könnte hohes Fieber besonders während des ersten Trimenons der Schwangerschaft das Risiko für Komplikationen erhöhen. Schwangere Frauen sollten daher sicherheitshalber besondere Vorsicht walten lassen, um eine Ansteckung nach Möglichkeit zu vermeiden.

Sind Kinder besonders gefährdet?

Auch bei Kindern gibt es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Im Gegenteil: Beobachtungen aus China deuten darauf hin, dass Kinder sich zwar genauso oft anstecken, aber meist schwächere oder sogar überhaupt keine Symptome zeigen. Möglicherweise äußert sich die Erkrankung bei ihnen auch durch andere Symptome, wie Erbrachen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Ein schwerer oder gar tödlicher Verlauf ist bei Kindern äußerst selten.

MIS-C: Syndrom bei Kindern als Folge von COVID-19

In verschiedenen Ländern wurden bei Kindern vereinzelt Fälle eines Entzündungssyndroms beobachtet, das dem Kawasaki-Syndrom ähnelt und möglicherweise mit COVID-19 in Verbindung stehen könnte.11 Mediziner sprechen vom pädiatrischen entzündlichen Multisystem-Syndrom, beziehungsweise dem "Multisystem inflammatory syndrome in children" (MIS-C).

Zu den Symptomen zählen unter anderem Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen sowie Fieber, beschleunigter Herzschlag und Hautausschlag. Diese überschießende Immunreaktion ist normalerweise gut behandelbar, es werden jedoch weltweit etwa 1.000 Todesfälle darauf zurückgeführt.

Ob tatsächlich ein Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion besteht, wurde in einer US-Studie untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MIS-C nur sehr selten und erst etwa einen Monat nach einer Corona-Infektion auftritt. Im Vergleich zum Kawasaki-Syndrom sind von MIS-C eher ältere Kinder betroffen, auch fallen die Entzündungsreaktionen heftiger aus.16,17

Warum sterben auch Menschen aus Nicht-Risikogruppen an COVID-19?

Eine Infektion mit dem Coronavirus ist jedoch nicht ausschließlich für Angehörige von Risikogruppen gefährlich. Bei ihnen ist zwar die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht, doch auch bei jungen, gesunden Menschen ist ein schwerer Verlauf nicht ausgeschlossen.

Da Risikogruppen prozentual den kleineren Anteil der Bevölkerung ausmachen, stammen die meisten Infizierten (in absoluten Fallzahlen) aus Nicht-Risikogruppen. Es wurden daher auch zahlreiche Todesfälle unter Personen verzeichnet, die keiner der Risikogruppen angehören. Die Infektion kann also auch für junge, gesunde Menschen tödlich verlaufen. Warum dies so ist, ist noch nicht erforscht.

Eine mögliche Erklärung ist, dass diese Menschen möglicherweise besonders viele von den Proteinrezeptoren in ihrer Lunge haben, die von dem Virus angegriffen werden. Eine andere Erklärung könnte sein, dass diese Personen bereits vorher an einer Immunschwäche oder Vorerkrankungen litten, die bis zu diesem Zeitpunkt unerkannt war.

Weitere Vermutungen sind, dass diese Menschen einer besonders hohen Dosis des Virus ausgesetzt waren oder dass das Virus bei ihnen direkt in die Lunge gelangt ist, anstatt sich zuerst im Rachen zu vermehren, was dem Körper Zeit geben würde, entsprechende Antikörper zu bilden.

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Risikogruppen vor dem Coronavirus schützen

Doch was können Angehörige einer Risikogruppe tun, um sich von einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen? Das Robert-Koch-Institut empfiehlt diesen Personen, ganz besonders vorsichtig zu sein und erhöhten Wert auf die empfohlenen Hygienemaßnahmen zu legen.6 Folgende Tipps können Ihnen helfen, sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen:

  1. Halten Sie Abstand von anderen Personen, insbesondere wenn diese Symptome einer Erkrankung zeigen. Geben Sie anderen Personen nach Möglichkeit nicht die Hand.
  2. Waschen Sie sich regelmäßig gründlich die Hände mit Seife, insbesondere nach Kontakt mit anderen Menschen oder Gegenständen, die mit dem Coronavirus kontaminiert sein könnten. Eine vorsorgliche Desinfektion ist nicht erforderlich.
  3. Versuchen Sie, sich nicht ins Gesicht zu fassen, um mögliche Erreger auf Ihren Händen nicht an Ihre Schleimhäute und somit in den Körper gelangen zu lassen.
  4. Bitten Sie gegebenenfalls Angehörige von Nicht-Risikogruppen, Einkäufe und Erledigungen für Sie zu übernehmen, damit Sie es leichter haben, Orte mit vielen Menschen zu meiden. Achten Sie jedoch auch hier darauf, direkten Kontakt möglichst zu vermeiden.
  5. Sagen Sie Reisen und Termine ab und versuchen Sie, sich möglichst viel zu Hause aufzuhalten. Beachten Sie diesbezüglich stets die aktuellen Maßnahmen von Regierungsstellen.
  6. Sofern kein Corona-Verdacht besteht, sollten Sie nur zum Arzt gehen, wenn es nötig ist.
  7. Lassen Sie sich gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) impfen – insbesondere gegen Krankheiten, welche die Lunge schwächen könnten. Dazu gehören Influenza, Pneumokokken und Keuchhusten.
  8. Stärken Sie Ihr Immunsystem, beispielsweise durch gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.
  9. Informieren Sie sich über mögliche Anzeichen von COVID-19 und achten Sie auf Ihren Körper. Kontaktieren Sie beim ersten Auftreten möglicher Symptome der Erkrankung Ihren Arzt oder andere beratende Stellen (bitte unbedingt telefonisch).
  10. Sollten in Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld Fälle einer Coronavirus-Infektion bekannt sein, teilen Sie dies unbedingt mit, um die Diagnose zu beschleunigen.

Informieren Sie sich darüber hinaus über aktuelle Meldungen und beachten Sie etwaige neue Warnhinweise. Hier finden Sie die neusten Meldungen rund um das Coronavirus.

Das können andere zum Schutz von Risikogruppen tun

Auch für Menschen, die mit Angehörigen von Risikogruppen umgehen, ist es besonders wichtig, die gängigen Hygieneempfehlungen gründlich einzuhalten. Vermeiden Sie Händeschütteln, denken Sie ans Händewaschen und achten Sie auf die Einhaltung der Nies- und Hustenetikette. Das vorsorglich Tragen eines Mundschutzes kann ratsam sein, um andere Menschen vor den möglicherweise ansteckenden Tröpfchen zu schützen, die man beim Sprechen, Niesen oder Husten ausstößt. So könnte verhindert werden, dass Infizierte ohne Symptome das Virus unbemerkt weiter verbreiten.

Bieten Sie Angehörigen von Risikogruppen an, die Einkäufe für sie zu übernehmen und achten Sie darauf, sich selbst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen, um andere nicht anzustecken. Trotz geschlossener Schulen und Kindergärten wird darüber hinaus empfohlen, Kinder nicht mehr zur Betreuung zu ihren Großeltern zu bringen.

Ibuprofen und Coronavirus: Was ist zu beachten?

In den sozialen Netzwerken verbreitete sich kurzzeitig die Nachricht, dass die Einnahme des Wirkstoffs Ibuprofen die Verbreitung der Viren unterstütze, wodurch sich der Krankheitsverlauf verschlimmere, wie die Universität Wien angeblich herausgefunden haben soll. Dies ist eine Falschmeldung. Die Universität Wien distanzierte sich ausdrücklich von dieser Meldung.

Dennoch warnte ein Sprecher der WHO (Weltgesundheitsorganisation) vorsichtshalber vor der Einnahme von Ibuprofen ohne ärztlichen Rat, wenn der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht oder COVID-19 bereits diagnostiziert wurde. Eine Gefährdung ist zwar noch nicht eindeutig belegt, die blutgerinnende Wirkung des Schmerzmittels könnte jedoch möglicherweise negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben. Daher empfahl die WHO zwischenzeitlich, bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion gegen Schmerzen und Fieber – sofern überhaupt ohne ärztlichen Rat eine medikamentöse Behandlung nötig ist – besser auf Paracetamol zurückzugreifen.

Diese Empfehlung ist unter Medizinern jedoch stark umstritten, da wissenschaftliche Belege dafür fehlen. Sie weisen darauf hin, dass eine begonnene und vom Arzt verordnete Behandlung mit Ibuprofen keinesfalls abgebrochen werden sollte. Die WHO hat ihre Empfehlung kurze Zeit später wieder zurückgezogen und rät nicht mehr von der Einnahme von Ibuprofen ab.

Quellen

Aktualisiert: 17.09.2020 - Autor: Silke Hamann, Medizinredakteurin

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