Coronavirus-Risikogruppen: Für wen COVID-19 gefährlich ist

Älterer Mann trägt Maske zum Schutz vor Coronavirus
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SARS-CoV-2, auch bekannt als Coronavirus, hat sich weltweit mit rasanter Geschwindigkeit ausgebreitet. Auch in Deutschland werden weiterhin täglich neue Fälle registriert. Und obwohl die Erkrankung COVID-19, also eine Infektion mit dem Virus, in vielen Fällen mild oder sogar symptomfrei verläuft, gab es auch in Deutschland mittlerweile unzählige Todesfälle. Für bestimmte Risikogruppen gilt eine Infektion mit dem Coronavirus dabei als besonders gefährlich. Warum das so ist, wer diese Risikogruppen sind und wie diese Personen am besten geschützt werden können, lesen Sie hier.

Coronavirus: Wer sind die Risikogruppen?

Wie hoch die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion mit dem Coronavirus ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, da die aktuellen Zahlen zwischen den betroffenen Ländern stark variieren. Durchschnittlich liegt die sogenannte Mortalität von COVID-19 bei 2,16 Prozent (Stand: 07.12.2021).1 In Deutschland liegt sie derzeit im Schnitt bei 2,05 Prozent. (Stand: 07.12.2021)2

Dabei zeigt sich, dass Angehörige bestimmter Risikogruppen stärker gefährdet sind. So sind Männer deutlich häufiger von einem tödlichen Verlauf betroffen als Frauen. Besonders riskant ist eine Coronavirus-Infektion darüber hinaus für:

  • ältere Menschen
  • Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen
  • Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Menschen mit chronischen Nieren-, Leber- oder Lungenerkrankungen
  • Raucher*innen
  • Personen mit Übergewicht
  • Menschen mit Bewegungsmangel
  • Personen mit psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen
  • Menschen mit Blutgruppe A+
  • Personen mit Trisomie 21
  • schwangere Frauen

Kommen bei einer erkrankten Person mehrere Risikofaktoren zusammen, also beispielsweise eine Vorerkrankung und Übergewicht oder erhöhtes Alter, kann dies wiederum auch das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen.

COVID-19: Männer sterben häufiger als Frauen

Die bisherigen Statistiken zeigen, dass Männer häufiger von einem tödlichen Verlauf der Erkrankung COVID-19 betroffen sind als Frauen. Laut unterschiedlichen Studien ist die Wahrscheinlichkeit von Männern, an einer Infektion mit dem Coronavirus zu sterben, weltweit betrachtet etwa doppelt so hoch wie die von Frauen.

In Deutschland sind die Unterschiede etwas geringer: Im Schnitt starben laut Daten von März 2021 etwa 3,1 Prozent der erkrankten Männer an COVID-19, bei den Frauen waren es 2,7 Prozent.

Expert*innen vermuten die Ursache der erhöhten Sterblichkeit von Männern darin, dass Männer öfter rauchen und mehr Alkohol konsumieren sowie häufiger an Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck leiden. Somit treffen auf sie häufiger Kriterien zu, die einen ungünstigen Verlauf der Krankheit begünstigen. Frauen sollen zudem ein stärkeres Immunsystem haben. Darüber hinaus reisen Männer im Schnitt mehr als Frauen, was eine Ansteckung begünstigen kann.

Auch haben Forschende herausgefunden, dass Männer in ihren Lungen und Bronchien mehr der sogenannten ACE2-Proteine besitzen – diese Rezeptoren sind es, an die das Virus andockt und über die es in die Zellen eindringt. Je mehr dieser ACE2-Rezeptoren es gibt, desto mehr Möglichkeiten findet das Virus, in die Zellen einzudringen.

Hormonell bedingter Haarausfall als Risikofaktor?

Doch es gibt noch eine weitere möglich Erklärung, so unwahrscheinlich sie im ersten Moment auch klingen mag: Eine US-Studie aus dem Jahr 2020 hatte Hinweise darauf gefunden, dass Menschen – und insbesondere Männer – mit Glatze besonders häufig einen schweren Verlauf erleiden.12 Dies führten die Forschenden darauf zurück, dass die Androgene (männliche Sexualhormone), welche den sogenannten anlagebedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) begünstigen, zugleich auch die Fähigkeit des Coronavirus erhöhen, Zellen anzugreifen.

Sollten weitere Studien diesen Zusammenhang bestätigen, könnten Androgen-unterdrückende Medikamente möglicherweise bei der Behandlung von COVID-19 eine Rolle spielen. Eine Studie aus Brasilien mit 588 Teilnehmenden konnte einen positiven Einfluss des androgenunterdrückenden Mittels Proxalutamid in Bezug auf die Behandlungsdauer im Krankenhaus und die Sterblichkeit feststellen. Auch hier stehen jedoch noch weitere Studien aus.

Frauen nach den Wechseljahren stärker gefährdet

Eine Studie aus London liefert Hinweise darauf, dass Frauen nach den Wechseljahren häufiger von einem starken Verlauf betroffen sein könnten als Frauen vor der Menopause.15 Demnach zeigten die befragten Frauen jenseits der Menopause stärkere Symptome und mussten häufiger im Krankenhaus behandelt werden.

Als Ursachen vermuten die Forschenden auch hier den Hormonspiegel, genauer gesagt den Spiegel der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron, der mit den Wechseljahren abnimmt. Beide Hormone sowie ein Abbauprodukt von Progesteron (das Neurosteroid Allopregnanolon) sollen das Immunsystem unterstützten, indem sie beispielsweise die Produktion von Antikörpern anregen. Zudem gibt es Hinweise auf die antientzündliche Wirkung von Progesteron.

Dies könnte demnach eine weitere Erklärung dafür sein, warum Frauen (insbesondere junge Frauen) seltener schwere Verläufe von COVID-19 erleben als Männer. Auch bestärkt es die These, dass Hormonbehandlungen bei der Therapie von COVID-19 von Bedeutung sein könnten. Weitere Forschung zu diesem Thema steht jedoch noch aus.

Ältere Menschen stärker durch Coronavirus gefährdet

Menschen mittleren und höheren Alters sind die größte Risikogruppe. Ab 50 bis 60 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit zunehmendem Alter an. Während etwa bei Kindern unter zehn Jahren zunächst kaum Infektionen zu verzeichnen waren, lag die Sterblichkeitsrate bei über-80-jährigen Infizierten in China zu Beginn der Pandemie bei 14,8 Prozent (Stand: 12.03.2020).3

In Deutschland wurden bis Mitte November 2021 insgesamt 98.127 Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 verzeichnet. Davon waren über 20.000 aus der Gruppe der über-70-jährigen, über 43.000 der Todesfälle betraf die Altersgruppe der über-80-jährigen.

Die Ursache dafür liegt vermutlich in dem bei älteren Menschen oft schwächeren Immunsystem – altersbedingt oder aufgrund von Vorerkrankungen. Typische Symptome einer COVID-19-Erkrankung, wie beispielsweise Fieber, sind eigentlich nur eine Reaktion des Immunsystems auf die Infektion. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, treten solche Symptome oft nur abgeschwächt oder gar nicht auf, weshalb sich Betroffene oft erst spät in ärztliche Behandlung begeben.

Geschwächtes Immunsystem als Risikofaktor

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind generell anfälliger für Infektionskrankheiten als gesunde Menschen. Als immungeschwächt gelten beispielsweise Menschen mit einer Erkrankung, die die Abwehrkräfte schwächt.7

Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose (MS), entzündlichem Rheuma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, müssen Betroffene in manchen Fällen Medikamente einnehmen, welche das Immunsystem unterdrücken – sogenannte Immunsuppressiva. Solche Medikamente werden beispielsweise auch von Menschen nach einer Organtransplantation eingenommen, um eine Abstoßung des fremden Gewebes zu verhindern. Zu den Medikamenten, die das Immunsystem hemmen, zählt beispielsweise Kortison. Menschen, die regelmäßig Kortison einnehmen, zählen laut Robert Koch-Institut weiterhin zur Risikogruppe für schwere Krankheitsverläufe – auch wenn das Glukokortikoid Dexamethason mittlerweile eingesetzt wird, um Corona-Patient*innen, die künstlich beatmet werden müssen, zu behandeln.

In Bezug auf Erkrankungen der Schilddrüse gibt es bislang keine entsprechenden Studien oder Hinweise, auch wenn es sich dabei um Autoimmunerkrankungen handelt. Allerdings kann auch zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen Kortison notwendig sein. Hierdurch kann sich wiederum das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung erhöhen.

Vorerkrankungen und Coronavirus: Risikogruppen

Erkrankungen der Niere oder der Leber sowie andere schwere Krankheiten, beispielsweise Krebs, können das Immunsystem stark beeinträchtigen, weshalb unabhängig vom Alter bei betroffenen Personen eine Coronavirus-Infektion einen schwereren Verlauf nehmen könnte.

Ebenso führt auch Diabetes mellitus bei Betroffenen zu einem geschwächten Immunsystem durch einen gesundheitlich vorbelasteten Körper. Ein schwerer Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus gilt deshalb bei Menschen mit Diabetes als wahrscheinlicher.

Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen bei einer COVID-19-Infektion das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören beispielsweise die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler oder erhöhter Blutdruck.

Auch wenn Organe durch eine Erkrankung geschädigt werden, kann dies das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöhen – dies ist in der Regel nicht der Fall, wenn zwar Organe durch eine Funktionsstörung im Körper betroffen sind, aber dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, wie dies beispielsweise bei der ungefährlichen Stoffwechselstörung Morbus Meulengracht der Fall ist.

Gerinnungsstörungen und Vorerkrankungen

Studien zufolge begünstigt COVID-19 die Entstehung von Gerinnungsstörungen, erhöht also das Risiko für Thrombosen oder Lungenembolien. Besonders hoch ist das Risiko für einen schweren Verlauf deshalb für Menschen, die ohnehin bereits ein stark erhöhtes Risiko haben, eine Thrombose, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder eine Lungenembolie zu erleiden. In solchen Fällen werden oft schon bereits bei Verdacht auf COVID-19 Gerinnungshemmer verabreicht.
Dies gilt etwa für Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck und anderen Gefäßerkrankungen.

Nach Einschätzung von Expert*innen ist bei Menschen, deren Grundrisiko aufgrund anderer Vorbedingungen leicht erhöht ist, etwa durch die Einnahme der Pille oder bei einem Faktor-V-Leiden, das Risiko für einen schweren Verlauf nicht erhöht, sie werden also nicht zu den Risikogruppen gezählt. Da ein längerer Krankenhausaufenthalt das Thromboserisiko jedoch erhöhen kann, sollte unbedingt der*die behandelnde Arzt*Ärztin über solche Vorbedingungen informiert werden.18,19

Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten diese weiterhin einnehmen, zusätzlich aber auch auf ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung achten.

Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko

Für Personen, die bereits an einer Lungenerkrankung leiden, ist die Atemwegserkrankung COVID-19 besonders gefährlich. Betroffen sind beispielsweise Menschen mit COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), chronischer Bronchitis oder schwerem Asthma (auch allergischem Asthma).

Menschen mit Asthma lassen sich jedoch nicht pauschal zur Risikogruppe zuordnen – hier kommt es sehr stark auf das Alter und den allgemeinen Gesundheitszustand der betroffenen Person an sowie darauf, ob das Asthma mit Medikamenten gut eingestellt ist.

Expert*innen gehen davon aus, dass Menschen mit einem gut eingestellten Asthma kein höheres Risiko haben als andere. Möglicherweise könnten die Asthma-Medikamente es den Viren sogar erschweren, in den Körper zu gelangen, da sie die erforderlichen ACE2-Rezeptoren blockieren. Auch aus diesem Grund sollten Betroffene eine Therapie mit Kortison bei schwerem Asthma unverändert fortsetzen

Menschen mit Heuschnupfen haben nach Auskunft der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) kein erhöhtes Risiko, denn sie gelten nicht als immungeschwächt. Eine Studie der Queen Mary University of London lieferte zudem erste Hinweise, dass Allergiker*innen sogar ein geringeres Risiko haben könnten, sich mit COVID-19 zu infizieren. Ein Grund könnte sein, dass Menschen mit Allergien durchschnittlich eine geringere Anzahl an ACE-2-Rezeptoren haben. Begonnene Hyposensibilisierungen gegen eine Pollenallergie sollten weitergeführt werden.

Rauchen als Risikofaktor?

Eine Studie aus Großbritannien, die 2021 veröffentlich wurde, lieferte mittlerweile eindeutige Hinweise darauf, dass Raucher*innen nach erfolgter Infektion mit dem Coronavirus ein doppelt so hohes Risiko haben, einen schweren Verlauf zu erleiden, wie Nichtraucher*innen. Insgesamt werteten die Forschenden in ihrer Studie die Daten von über 1.600 Personen aus, die nachweislich mit COVID-19 infiziert waren.

Grund für das erhöhte Risiko sind sowohl die durch das Rauchen entstehenden Schäden an der Lunge als auch die Schädigung der Blutgefäße (Verkalkung der Arterien). Aufgrund dieser Ergebnisse gilt es als ratsam, das Rauchen zum Schutz vor schweren Verläufen einer COVID-19-Infektion einzustellen.

Ob Rauchen das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, senken könnte, wird derzeit noch untersucht. Unterschiedliche Wissenschaftler*innen vermuten eine gewisse Schutzwirkung durch Nikotin, da der Stoff sich möglicherweise an dieselben Rezeptoren setzt, an die auch das Virus anbindet. So könnte das Virus daran gehindert werden, sich an die Zellen zu setzen und in den Körper einzudringen. Laufende Studien beschäftigen sich beispielsweise damit, ob Nikotinpflaster die Heilung bei Personen fördern könnten, die sich wegen COVID-19 auf der Intensivstation befinden.

Einen ähnlichen Zusammenhang vermuten kanadische Forschende beim medizinischen Einsatz von Cannabis. Cannabis-Sorten, die einen hohen Anteil des entzündungshemmenden Wirkstoffes Cannabinoid (CBD) und weniger berauschendes Tetrahydrocannabinol (THC) aufweisen, sollen die Fähigkeit des Coronavirus verringern, in die Lunge zu gelangen und sich dort festzusetzen.

Ihre Schlussfolgerungen ziehen die Forschenden aus Studien zu Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Arthritis. Ähnlich wie bei Nikotin gibt es jedoch aktuell noch keine umfassenden wissenschaftlichen Belege, die diese Vermutung stützen.10

Übergewicht erhöht das Risiko für schwere Verläufe

Verschiedene Datenanalysen haben gezeigt, dass Übergewicht (Adipositas) ebenfalls das Risiko für schwere Verläufe bei COVID-19 erhöht. Die Daten deuten darauf hin, dass vor allem Personen mit einem BMI über 30 besonders gefährdet sind.9,16 Insbesondere bei jüngeren Betroffenen lassen sich schwere Verläufe oft darauf zurückführen. In einer britischen Studie war bereits ab einem BMI von 23 das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt erhöht, das Sterberisiko stieg ab einem BMI von 28.23

Ein möglicher Erklärungsansatz ist, dass das Übergewicht die Atmung erschwert, weil Zwerchfell und Lunge weniger Platz haben, sich auszudehnen. Gleichzeitig geht mit dem erhöhten Körpergewicht jedoch auch ein höherer Bedarf an Sauerstoff einher. Hinzu kommen oft Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme sowie ein erhöhtes Thrombose-Risiko.

Eine weitere Vermutung ist, dass das überschüssige Fett im Bereich der inneren Organe die bei COVID-19 mögliche Überreaktion des Immunsystems (Freisetzung von Entzündungsstoffen) begünstigen könnte. Darüber hinaus könnte eine ungesunde Ernährung, die oft mit Übergewicht einhergeht, für einen Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen verantwortlich sein.

Bewegungsmangel sorgt für erhöhtes Risiko

Auch Bewegungsmangel gehört zu den möglichen Risikofaktoren. Eine großangelegte Beobachtungsstudie aus den USA kam zu dem Schluss, dass mangelnde körperliche Aktivität das Risiko erhöht, einen schweren COVID-19-Verlauf zu erleiden oder an der Erkrankung zu versterben.21

Auch wenn die Studie aufgrund ihres Studiendesigns den Zusammenhang nicht eindeutig beweisen kann, so liefert sie doch einen Hinweis darauf, dass regelmäßige Bewegung helfen kann, sich vor einem schweren Erkrankungsverlauf zu schützen.

Darüber hinaus ist sportliche Betätigung wichtig, um andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv zu beeinflussen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass man sich pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten bewegen sollte.

Die Blutgruppe als Risikofaktor?

Forschende aus Norwegen und Deutschland haben herausgefunden, dass bestimmte Blutgruppen das Risiko für schwere Verläufe beeinflussen könnten.11 In ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler genetische Faktoren von schwer an COVID-19 erkrankten Personen. Dabei fanden sie Hinweise darauf, dass Blutgruppe A mit einem positiven Rhesusfaktor das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen könnte. Blutgruppe 0 scheinen hingegen besonders selten schwer zu erkranken. Beide Blutgruppen (A+ und 0+) kommen in Deutschland etwa gleich häufig vor.

Der mögliche Zusammenhang war zuvor auch von chinesischen und US-amerikanischen Forscher*innen aufgezeigt worden. Weitere Untersuchungen zu dem Thema stehen jedoch noch aus.

Das Robert Koch-Institut sieht einen Zusammenhang zwischen Blutgruppe A und Schwere des Verlaufs als möglich an. Zur Bedeutung des Rhesusfaktors macht das Institut keine Angaben. Spezielle Antikörper, die sich an SARS-CoV-2 binden und je nach Blutgruppe unterscheiden, könnten eine Infektion verhindern. Andererseits könnten blutgruppenspezifische Antigene und Unterschiede im Gewebe das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen. Laut Robert Koch-Institut sind diese Unterscheidungsmerkmale jedoch nicht schwerwiegend und spielen im Vergleich zu anderen Risikofaktoren für den Verlauf der Erkrankung eine eher untergeordnete Rolle.

Wie hoch ist das Risiko für Schwangere?

Auch wenn viele Krankheiten für Schwangere und Kinder besonders bedrohlich sind, schien COVID-19 nach dem ersten Erkenntnisstand nicht dazu zu gehören.5,6 Frühe Daten aus China deuteten darauf hin, dass Frauen während einer Schwangerschaft nicht gefährdeter sind als andere Frauen. Neuere Erkenntnisse lieferten jedoch Hinweise darauf, dass das Risiko für schwere Verläufe bei schwangeren Frauen erhöht sein könnte.17,20 So kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 eine Präeklampsie begünstigen, auch Früh- und Totgeburten traten in einer Beobachtungsstudie häufiger auf.22

Eine im September 2021 veröffentlichte Analyse unterschiedlicher Studien zu COVID-19 Erkrankungen in der Schwangerschaft kam zu dem Schluss, dass bei etwa zehn Prozent der im Rahmen der Studien untersuchten an COVID-19 erkrankten Schwangeren ein schwerer Verlauf auftrat. Vier Prozent mussten intensivmedizinisch behandelt werden. Insgesamt wurden innerhalb der Studien 41.664 Fälle weltweit berücksichtigt. Das Risiko schwangerer Frauen für einen schweren Verlauf war damit erhöht.

Die Untersuchungsdaten sind mit Blick auf die Sterblichkeit weniger aussagekräftig, da die entsprechenden Studien verhältnismäßig nur eine geringe Anzahl an Probandinnen (circa 4.800 Frauen) untersuchten. Die Ergebnisse weisen jedoch trotz der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs nicht auf eine erhöhte Sterblichkeit bei schwangeren Frauen hin.

Um die mit einer Corona-Infektion einhergehenden Risiken in der Schwangerschaft bestmöglich zu reduzieren, sollten sich Schwangere und deren enge Kontaktpersonen besonders gründlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen und nach Möglichkeit impfen lassen.

Eine Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind oder über die Muttermilch wurde bislang nur in seltenen Fällen beobachtet. Möglich ist jedoch eine Übertragung auf neugeborene Babys durch Tröpfcheninfektion.

Sind Kinder besonders gefährdet?

Bei Kindern gibt es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Im Gegenteil: Bisherige Daten zeigen, dass Kinder sich zwar mit dem Coronavirus infizieren können, aber meist schwächere oder sogar überhaupt keine Symptome zeigen. Etwas häufiger äußert sich bei ihnen die Erkrankung auch durch andere Symptome, wie Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Ein schwerer oder gar tödlicher Verlauf ist bei Kindern äußerst selten.

Ob die neue Virusvariante Omikron zu einer höheren Hospitalisierungsrate bei Kindern führen könnte, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht geklärt.

MIS-C: Syndrom bei Kindern als Folge von COVID-19

In verschiedenen Ländern wurden bei Kindern vereinzelt Fälle eines Entzündungssyndroms beobachtet, das dem Kawasaki-Syndrom ähnelt und möglicherweise mit COVID-19 in Verbindung stehen könnte.8 Mediziner*innen sprechen vom pädiatrischen entzündlichen Multisystem-Syndrom, beziehungsweise dem "Multisystem inflammatory syndrome in children" (MIS-C).

Zu den Symptomen zählen unter anderem Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen sowie Fieber, beschleunigter Herzschlag und Hautausschlag. Diese überschießende Immunreaktion ist normalerweise gut behandelbar, es werden jedoch weltweit etwa 1.000 Todesfälle darauf zurückgeführt.

Ob tatsächlich ein Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion besteht, wurde in einer US-Studie untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MIS-C nur sehr selten und erst etwa einen Monat nach einer Corona-Infektion auftritt. Im Vergleich zum Kawasaki-Syndrom sind von MIS-C eher ältere Kinder betroffen, auch fallen die Entzündungsreaktionen heftiger aus.13,14

Kombination mehrerer Risikofaktoren

Das Robert-Koch Institut weist darauf hin, dass das Vorliegen mehrerer Risikofaktoren die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs weiter erhöhen kann.6 Wenn also verschiedene Grunderkrankungen vorliegen oder wenn ältere Menschen Vorerkrankungen haben, ist von einem höheren Risiko auszugehen als bei Vorliegen eines einzelnen Risikofaktors.

Ob Sie selbst zu einer der Risikogruppe gehören, können Sie mit unserem Selbsttest herausfinden.

Warum sterben auch Menschen aus Nicht-Risikogruppen an COVID-19?

Eine Infektion mit dem Coronavirus ist nicht ausschließlich für Angehörige von Risikogruppen gefährlich. Bei ihnen ist zwar die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht, doch auch bei jungen, gesunden Menschen ist ein schwerer Verlauf nicht ausgeschlossen.

Da Risikogruppen prozentual den kleineren Anteil der Bevölkerung ausmachen, stammen die meisten Infizierten (in absoluten Fallzahlen) aus Nicht-Risikogruppen. Es wurden daher auch zahlreiche Todesfälle unter Personen verzeichnet, die keiner der Risikogruppen angehören. Die Infektion kann also auch für junge, gesunde Menschen tödlich verlaufen. Warum dies so ist, ist noch nicht abschließend erforscht.

Eine mögliche Erklärung ist, dass diese Menschen möglicherweise besonders viele von den Proteinrezeptoren in ihrer Lunge haben, die von dem Virus angegriffen werden. Eine andere Erklärung könnte sein, dass diese Personen bereits vorher an einer Immunschwäche oder Vorerkrankungen litten, die bis zu diesem Zeitpunkt unerkannt war.

Weitere Vermutungen sind, dass diese Menschen einer besonders hohen Dosis des Virus ausgesetzt waren oder dass das Virus bei ihnen direkt in die Lunge gelangt ist, anstatt sich zuerst im Rachen zu vermehren, was dem Körper Zeit geben würde, entsprechende Antikörper zu bilden.

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Risikogruppen vor dem Coronavirus schützen

Doch was können Angehörige einer Risikogruppe tun, um sich von einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen? Das Robert Koch-Institut empfiehlt diesen Personen, ganz besonders vorsichtig zu sein und erhöhten Wert auf die empfohlenen Hygienemaßnahmen zu legen.4 Folgende Tipps können Ihnen helfen, sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen:

  1. Halten Sie Abstand von anderen Personen, insbesondere wenn diese Symptome einer Erkrankung zeigen. Geben Sie anderen Personen nach Möglichkeit nicht die Hand.
  2. Waschen Sie sich regelmäßig gründlich die Hände mit Seife, insbesondere nach Kontakt mit anderen Menschen oder Gegenständen, die mit dem Coronavirus kontaminiert sein könnten. Eine vorsorgliche Desinfektion ist nicht erforderlich.
  3. Versuchen Sie, sich nicht ins Gesicht zu fassen, um mögliche Erreger auf Ihren Händen nicht an Ihre Schleimhäute und somit in den Körper gelangen zu lassen.
  4. Bitten Sie gegebenenfalls Angehörige von Nicht-Risikogruppen, Einkäufe und Erledigungen für Sie zu übernehmen, damit Sie es leichter haben, Orte mit vielen Menschen zu meiden. Achten Sie jedoch auch hier darauf, direkten Kontakt möglichst zu vermeiden.
  5. Sagen Sie Reisen und Termine ab und versuchen Sie, sich möglichst viel zu Hause aufzuhalten. Beachten Sie diesbezüglich stets die aktuellen Maßnahmen von Regierungsstellen.
  6. Lassen Sie sich gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) impfen – insbesondere gegen Krankheiten, welche die Lunge schwächen könnten. Dazu gehören Influenza, Pneumokokken und Keuchhusten.
  7. Stärken Sie Ihr Immunsystem, beispielsweise durch gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.
  8. Informieren Sie sich über mögliche Anzeichen von COVID-19 und achten Sie auf Ihren Körper. Suchen Sie beim ersten Auftreten möglicher Symptome der Erkrankung ärztlichen Rat oder kontaktieren Sie andere beratende Stellen (bitte unbedingt telefonisch).
  9. Sollten in Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld Fälle einer Coronavirus-Infektion bekannt sein, teilen Sie dies unbedingt mit, um die Diagnose zu beschleunigen.
  10. Lassen Sie sich gegen das Coronavirus impfen. Eine Impfung bietet den bestmöglichen Schutz vor schweren oder tödlichen Krankheitsverläufen bei COVID-19.

Informieren Sie sich darüber hinaus über aktuelle Meldungen und beachten Sie etwaige neue Warnhinweise. Hier finden Sie die neusten Meldungen rund um das Coronavirus.

Das können andere zum Schutz von Risikogruppen tun

Auch für Menschen, die mit Angehörigen von Risikogruppen umgehen, ist es besonders wichtig, die gängigen Hygieneempfehlungen gründlich einzuhalten.

Vermeiden Sie Händeschütteln, denken Sie ans Händewaschen und achten Sie auf die Einhaltung der Nies- und Hustenetikette. Das vorsorglich Tragen eines Mundschutzes kann ratsam sein, um andere Menschen vor den möglicherweise ansteckenden Tröpfchen zu schützen, die man beim Sprechen, Niesen oder Husten ausstößt. So könnte verhindert werden, dass Infizierte ohne Symptome das Virus unbemerkt weiterverbreiten.

Bieten Sie Angehörigen von Risikogruppen an, die Einkäufe für sie zu übernehmen und achten Sie darauf, sich selbst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen, um andere nicht anzustecken.

Doch auch hier gilt: Durch eine Impfung wird der bestmögliche Schutz von Risikogruppen gewährleistet, da nur so eine Verbreitung des Coronavirus vermindert werden kann.

Quellen

Aktualisiert: 05.01.2022
Autor*in: Silke Hamann, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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