Corona und Immunität: Was bisher bekannt ist

Schutzschild gegen Coronaviren © iStock.com/loops7

Wie es bei Corona um die Immunität steht, wird aktuell weltweit in Studien untersucht. Von zentraler Bedeutung sind Antikörper gegen das Virus, denn sie schützen vor einer erneuten Infektion und helfen bei der Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2.

Noch ist allerdings unklar, ob die Immunität bei allen Menschen vergleichbar ist und wie lange sie tatsächlich anhält. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen Experten davon aus, dass Menschen nach überstandener COVID-19-Erkrankung ein sehr geringes Risiko für eine erneute Infektion haben. Was weiß man zum aktuellen Zeitpunkt?

Was bedeutet Immunität?

Grundsätzlich versteht man in der Medizin unter Immunität die Fähigkeit des Immunsystems, Krankheitserreger unschädlich zu machen, ohne dass der Mensch eine Krankheit mit Symptomen durchmacht. Die Immunität kann entweder durch eine Impfung erlangt werden oder weil der Körper beim Kontakt mit dem Erreger entsprechende Antikörper bildet. In beiden Fällen sind entweder noch Abwehrzellen im Körper vorhanden oder das Immunsystem kann auf gespeicherte Informationen von einer Erstinfektion zurückgreifen und schnell passende Antikörper bilden.

Wie steht es bei Corona um die Immunität?

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus führt dazu, dass der Infizierte Antikörper bildet, die sich gegen bestimmte Proteine auf der Virushülle richten. Ein Nachweis der Antikörper ist durchschnittlich in der zweiten Woche nach den ersten sichtbaren Symptomen möglich.

Laut Robert Koch-Institut und internationalen Studien nimmt der Titer, also die messbare Konzentration von Antikörpern, mit der Zeit ab – vor allem bei Menschen ohne oder mit nur leichten Corona-Symptomen. Auch beim ersten deutschen COVID-19-Patienten, der sich Ende Januar mit dem Coronavirus angesteckt hatte, konnten drei Monate nach der Infektion keine Antikörper mehr im Blut nachgewiesen werden. Der Webasto-Mitarbeiter hatte allerdings kaum Symptome.

Laut zwei neuer Studien der Harvard Medical School und der Universität Toronto waren bei den meisten der insgesamt über 700 untersuchten Corona-Patienten Antikörper im Blut und Speichel nachweisbar. Am höchsten war die Konzentration zwei bis vier Wochen nach der Infektion, danach nahm sie ab. Dennoch waren im Blut von nahezu allen Studienteilnehmern nach drei Monaten immer noch Antikörper nachweisbar, in manchen Fällen sogar noch sechs Monate später.

Erfahrungen mit SARS und MERS machen Hoffnung

Laut Robert Koch-Institut (RKI) und anderen Gesundheitsexperten haben Erfahrungen mit SARS und MERS gezeigt, die ebenfalls von Coronaviren verursacht werden, dass die Immunität über einen längeren Zeitraum anhalten kann. Bei diesen beiden Viruserkrankungen betrug die Immunität durchschnittlich ein bis drei Jahre. Ob dies auch beim neuartigen Coronavirus der Fall ist, müssen Längsschnittstudien zeigen, bei denen die Immunitäten von genesenen COVID-19-Patienten über einen längeren Zeitabschnitt beobachtet werden.

Manche Menschen haben keine Antikörper gegen Corona gebildet

In einer Studie aus Shanghai vom April 2020 konnten bei 10 von 175 Patienten keine gegen SARS-CoV-2 gerichteten Antikörper nachgewiesen werden. Eine andere Studie untersuchte COVID-19-Patienten mit mildem oder symptomlosem Verlauf – hier wurden nur bei knapp 60 Prozent der 228 infizierten Menschen entsprechende Antikörper nachgewiesen. Noch ist unklar, ob die Ergebnisse solcher einzelner Studien Rückschlüsse auf die breite Bevölkerung zulassen.

Einzelfälle über erneute Corona-Infektion bekannt

Weltweit gibt es Berichte über einzelne Menschen, die sich nach überstandener Infektion erneut mit SARS-CoV-2 infiziert haben. In den Niederlanden erkrankte etwa ein älterer Mensch mit geschwächtem Immunsystem zum zweiten Mal, in Belgien infizierte sich eine Frau nur drei Monate nach der ersten COVID-19-Erkrankung erneut. Offensichtlich konnte ihr Körper nach der ersten Infektion nicht ausreichend Antikörper bilden, um das Coronavirus bei der zweiten Infektion erfolgreich abzuwehren. Aus Hongkong ist der Fall eines jungen Mannes bekannt, der im April an COVID-19 erkrankt war und ein paar Monate später erneut positiv auf Corona getestet wurde.

Bei allen drei Patienten war das Coronavirus bei der zweiten Infektion eine genetisch veränderte Variante. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen US-amerikanische Forscher der University of Nevada, die einen Patienten mit Zweitinfektion nach überstandener COVID-19-Erkrankung untersucht hatten. Für Experten ist dieser Fund nicht überraschend, da sich auch Erkältungsviren immer wieder verändern und so das Immunsystem nach überstandener Infektion umgehen können.

Aktuelle Studien zu Corona und Immunität in Deutschland

Im Rahmen der zweiten Gangelt-Studie soll die Immunität im deutschen Heinsberg untersucht werden. Dort kam es im Februar nach einer Karnevalsfeier zu einem Corona-Ausbruch mit besonders vielen Infizierten. Die erste Studie ergab, dass sich vermutlich rund 15 Prozent der Einwohner mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. In der zweiten Studie will der Bonner Virologe Hendrik Streeck untersuchen, wie viele der ursprünglich untersuchten 919 infizierten Menschen immun gegen das neuartige Coronavirus sind.

Auch das Robert Koch-Institut untersucht in drei großangelegten Studien, wie es nach einer Infektion mit Corona um die Immunität steht. Dabei wird das Blut der Studienteilnehmer auf Antikörper gegen das Coronavirus untersucht.

Immunsystem: Nicht nur Antikörper sind wichtig

Neben Antikörpern spielen auch andere Faktoren wie Immunzellen eine wichtige Rolle, um Krankheitserreger erfolgreich abzuwehren. Zu solchen Immunzellen zählen beispielsweise T-Lymphozyten (T-Zellen) und B-Zellen, die Teil des erworbenen Immunsystems sind. Sie lernen von anderen Abwehrzellen und können so Krankheitserreger erkennen und erkrankte Zellen aufspüren.

In kleinen Studien konnte bereits die Aktivität von T-Zellen bei Patienten mit COVID-19 entdeckt werden. Die Zellen wurden als Kreuzreaktivität bereits bekannter Coronaviren und dem neuartigen SARS-CoV-2 gebildet. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass bereits eine gewisse Immunität im Hintergrund abgelaufen ist, die Menschen vor einem schweren Verlauf schützen könnte. Die Ergebnisse müssen allerdings ebenfalls noch in größeren Studien bestätigt werden.

In einer im Juni 2020 in der Fachzeitschrift "Cell" veröffentlichten Studie konnten T-Zellen nachgewiesen werden, die spezifisch für SARS-CoV-2 waren. Diese T-Gedächtniszellen wurden bei Familienangehörigen von COVID-19-Patienten, die selbst keine Antikörper besaßen, sowie bei genesenen Patienten mit asymptomatischem oder mildem Krankheitsverlauf gefunden. Aus den Ergebnissen der kleinen Studie schließen die Autoren, dass durch die Ausbildung von T-Zellen eine Reinfektion mit schwerem Verlauf möglicherweise verhindert werden könnte.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
U07.1!, U07.2!

Quellen

Aktualisiert: 27.11.2020 - Autor: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?