Anhaltende Immunität nach Infektion mit Coronavirus?

Schutzschild gegen Coronaviren © iStock.com/loops7

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus und COVID-19 wird immer wieder über das Thema Immunität diskutiert. Denn Antikörper gegen das Virus sind wichtig, wenn es um die Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 geht. Kürzlich wurden Berichte laut, dass die Menge an Antikörpern bei genesenen COVID-19-Patienten mit der Zeit abnehmen. Was weiß man zum aktuellen Zeitpunkt?

Was bedeutet Immunität?

Grundsätzlich versteht man in der Medizin unter Immunität die Fähigkeit des Immunsystems, Krankheitserreger unschädlich zu machen, ohne dass der Mensch eine Krankheit mit Symptomen durchmacht. Die Immunität kann entweder durch eine Impfung erlangt werden oder weil der Körper beim Kontakt mit dem Erreger entsprechende Antikörper bildet. In beiden Fällen sind entweder noch Abwehrzellen im Körper vorhanden oder das Immunsystem kann auf die abgespeicherten Informationen zurückgreifen und schnell passende Antikörper bilden.

Wie steht es um die Immunität nach COVID-19?

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus führt dazu, dass der infizierte Körper Antikörper bildet, die sich gegen bestimmte Proteine auf der Virushülle richten. Ein Nachweis der Antikörper ist durchschnittlich in der zweiten Woche nach den ersten sichtbaren Symptomen möglich. Laut bisher veröffentlichten Studien bilden jedoch nicht alle Infizierten Antikörper aus:

In einer Studie konnten bei 10 von 175 Patienten keine gegen SARS-CoV-2 gerichteten Antikörper nachgewiesen werden. Eine andere Studie untersuchte COVID-19-Patienten mit mildem oder symptomlosem Verlauf – hier wurden nur bei knapp 60 Prozent der 228 infizierten Menschen entsprechende Antikörper nachgewiesen. Noch ist jedoch unklar, ob die Ergebnisse einzelner Studien Rückschlüsse auf die breite Bevölkerung zulassen.

Ob Menschen nach einer überstandenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus immun gegenüber einer erneuten Infektion mit SARS-CoV-2 sind, wird kontrovers diskutiert. Gingen Experten zu Beginn der Pandemie noch davon aus, dass infizierte Menschen genügend Antikörper gegen das Coronavirus bilden und somit vor einer Reinfektion geschützt sein müssten, gibt es inzwischen auch anders lautende Studienergebnisse zu COVID-19-Patienten.

Antikörper nach einer Infektion: Zahl nahm in Studien rasch ab

So konnten Bluttests in internationalen Studien recht schnell nach Abklingen der Coronavirus-Infektion nur noch wenige oder keine Antikörper mehr nachweisen – vor allem bei Infizierten, die nur milde oder gar keine Symptome gezeigt hatten. Da Antikörper eine wichtige Kennzahl für die Immunität sind, hinterfragen Experten, dass eine durchgemachte COVID-19-Erkrankung langfristig schützen kann. Für verlässliche Aussagen dazu ist es zum aktuellen Zeitpunkt jedoch zu früh. Denn die Forschung rund um das neuartige Coronavirus steht immer noch am Anfang.

Auch beim ersten deutschen COVID-19-Patienten, der sich Ende Januar mit dem Coronavirus angesteckt hatte, konnten drei Monate nach der Infektion keine Antikörper mehr im Blut nachgewiesen werden. Der Webasto-Mitarbeiter hatte allerdings kaum Symptome, was sich, wie oben beschrieben, mit den Ergebnissen bisheriger Studien deckt.

Eine bislang unveröffentlichte Studie zur möglichen Immunität nach durchgemachter Infektion mit SARS-CoV-2 hat COVID-19-Patienten aus Essen und dem chinesischen Wuhan untersucht. Unter ihnen waren auch 327 COVID-19-Patienten, die weltweit als erste erkrankt waren. Die Forscher kommen wohl zu dem Ergebnis, dass viele Erkrankte dauerhaft genügend Antikörper gebildet haben, um eine erneute Infektion mit dem neuartigen Coronavirus abwehren zu können. So wären bei 80 Prozent der untersuchten Menschen auch sechs Monate nach Genesung aktive Antikörper im Blut nachgewiesen worden. Es bleibt abzuwarten, welche Details die Studie noch enthält – sie soll demnächst einem Fachmagazin zur Begutachtung vorgelegt werden.

Erfahrungen mit SARS und MERS machen Hoffnung

Laut Robert Koch-Institut (RKI) haben Erfahrungen mit SARS und MERS gezeigt, die ebenfalls von Coronaviren verursacht werden, dass die Immunität über einen längeren Zeitraum anhalten kann. Bei diesen beiden Viruserkrankungen betrug die Immunität durchschnittlich ein bis drei Jahre. Ob dies auch beim neuartigen Coronavirus der Fall ist, müssen Längsschnittstudien zeigen, bei denen die Immunität von genesenen COVID-19-Patienten über einen längeren Zeitabschnitt beobachtet werden.

Neue Untersuchung zur Immunität in Heinsberg startet

Im Rahmen der neuen Gangelt-Studie soll die Immunität im deutschen Heinsberg untersucht werden. Dort kam es im Februar nach einer Karnevalsfeier zu einem Coronavirus-Ausbruch. Die erste Studie ergab, dass sich vermutlich rund 15 Prozent der Einwohner mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Nun will der Bonner Virologe Hendrik Streeck in der neuen Studie untersuchen, wie viele der ursprünglich untersuchten 919 infizierten Menschen immun gegen das neuartige Coronavirus sind.

Immunsystem: Nicht nur Antikörper sind wichtig

Neben Antikörpern spielen andere Faktoren wie Immunzellen eine wichtige Rolle, um Krankheitserreger erfolgreich abzuwehren. Zu solchen Immunzellen zählen beispielsweise T-Lymphozyten (T-Zellen), die Teil des erworbenen Immunsystems sind. Sie lernen von anderen Abwehrzellen und können so Krankheitserreger erkennen und erkrankte Zellen aufspüren. In kleinen Studien konnte bereits die Aktivität von T-Zellen bei Patienten mit COVID-19 entdeckt werden, die Zellen wurde als Kreuzreaktivität bereits bekannter Coronaviren und dem neuartigen SARS-CoV-2 gebildet. Daraus schließen die Studien, dass eine gewisse Immunität im Hintergrund abgelaufen ist, die Menschen vor einem schweren Verlauf schützen könnte. Die Ergebnisse müssen allerdings ebenfalls noch in größeren Studien bestätigt werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
U07.1!, U07.2!

Aktualisiert: 28.07.2020 - Autor: Dagmar Schüller

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