Digitaler Corona-Immunitätsausweis ab Juni geplant

Frau mit Digitalem Corona-Immunitätsausweis © Getty Images/LeoPatrizi

Hinter dem Corona-Immunitätsausweis steht die Idee, dass Menschen nach überstandener Infektion oder zweifacher Impfung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 eine Bescheinigung über ihre Immunität erhalten. Damit sollen es immune Menschen zukünftig wieder leichter im Alltag und auf Reisen haben.

Digitaler Corona-Immunitätsausweis ab Juni in Deutschland

Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2021 soll in Deutschland der digitale Corona-Immunitätsausweis eingeführt werden.

Die vier Firmen IBM, Ubirch, Govdigital und Bechtle wurden mit der Entwicklung der digitalen Lösung beauftragt. Es soll sich um eine Open-Source-Anwendung handeln, bei der die personenbezogenen Daten geschützt sind und die fälschungssicher ist. Mit der App sollen Geimpfte zukünftig wieder mehr Freiheiten zurückbekommen und Erleichterungen im Alltag erleben.

Grünes Zertifikat in der EU ab Sommer 2021 geplant

Innerhalb der EU soll es einen digitalen Corona-Impfpass geben, der als "Grünes Zertifikat" bezeichnet wird. In diesem Impfpass soll festgehalten werden, ob und mit welchem Impfstoff der*die Besitzer*in gegen Corona geimpft wurde. Außerdem sollen dort Informationen darüber enthalten sein, ob der*diejenige eine Corona-Infektion bereits überstanden oder einen negativen Corona-Test hat.

Damit das Grüne Zertifikat in allen Ländern verwendet werden kann, soll es in der Landessprache des*der Pass-Inhaber*in und auf Englisch verfügbar sein. Der deutsche digitale Corona-Immunitätsausweis soll mit dem Grünen Zertifikat der EU technisch kompatibel sein.

Vorteile des Immunitätsausweises bei COVID-19

Mit einem Immunitätsausweis sollen es immune Menschen im Alltag leichter haben: Sie könnten ohne Kontaktbeschränkungen ihrer Arbeit nachgehen oder Menschen aus Risikogruppen unterstützen, indem sie Besorgungen erledigen. Besonders wichtig wäre das für Menschen, die beruflich viel Kontakt zu anderen haben: Zum Beispiel Angestellte im medizinischen Bereich, Lehrkräfte, Polizist*innen, Bedienungen oder Fahrer*innen von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Denkbar wäre, dass zukünftig ein Nachweis zur Immunität gegenüber SARS-CoV-2 zur Bedingung für die Einreise in ein Land wird. In Ländern mit hohem Risiko für Gelbfieber beispielsweise ist dies bereits seit langem gängige Praxis.

Deutscher Ethikrat und WHO rieten bisher von Immunitätsausweis ab

Da lange Zeit große Unsicherheit zur Immunität nach überstandener COVID-19-Erkrankung bestand, riet der Deutsche Ethikrat noch im September 2020 von der Einführung eines Immunitätsausweises ab.

Im April erklärte Alena Buyx, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, gegenüber dem Deutschlandfunk, dass sich die Situation inzwischen geändert habe und stellte Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Geimpfte in Aussicht. Da Geimpfte nicht mehr ansteckend seien, können man ihnen aus rechtlicher Sicht nur schwer weiterhin ihre Freiheit beschränken. Schließlich entfalle mit der Immunität der Sachgrund für die harten Maßnahmen. So könne die Quarantäne beispielsweise entfallen – Maskenpflicht und Abstand zu anderen Menschen halten wird aber vermutlich auch für Geimpfte weiterhin gelten.

Auch die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bisher ausdrücklich vor einem Dokument zur Immunität nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion. Angesichts neuer Erkenntnisse aus Untersuchungen und Daten aus Langzeitstudien zur Immunität steht eine entsprechende Stellungnahme noch aus.

Spaltung der Gesellschaft als Folge des Immunitätsausweises

Die Einführung eines Immunitätsausweises kann auch Gefahren bergen. Denn die Gesellschaft würde sich zwangsläufig in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Privilegien und Verhaltensregeln teilen. Diejenigen mit Immunität dürften ihr Leben normal fortführen. Für die zweite Gruppe ohne Immunität und entsprechenden Ausweis würden weiterhin Kontaktbeschränkungen und eingeschränkter Bewegungsfreiheit gelten.

Eine solche Spaltung der Gesellschaft würde vermutlich große soziale Spannungen und Konflikte hervorrufen. Zumal sich die Menschen wohl ungleich behandelt fühlten – obwohl vor dem Grundgesetz in Deutschland alle gleich sind.

Aktualisiert: 28.04.2021 - Autor: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin

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