Lernen in der Coronakrise: Folgen für Schüler, Studenten und Azubis

Leeres Klassenzimmer mit Stühlen auf den Tischen © iStock.com/Nikada

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gibt es zahlreiche Einschränkungen im öffentlichen Leben. Auch der Betrieb an Universitäten, Schulen oder in Ausbildungsstätten befindet sich im Ausnahmezustand. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Lernen in der Coronakrise.

Bundesweit wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dazu gehört auch die Schließung von Lehreinrichtungen. Auf diese Weise sollen die sozialen Kontakte minimiert und es soll verhindert werden, dass es in Schulen oder Universitäten zu Ansteckungen mit dem neuartigen Virus kommt, das die Lungenerkrankung COVID-19 auslöst.

Die aktuelle Situation entwickelt sich sehr dynamisch, weshalb es laufend neue Informationen zu diesem Thema gibt. Zuletzt haben Bund und Länder am 15. April 2020 mit einem Beschluss Vereinbarungen über das weitere Vorgehen getroffen. An dieser Stelle verschaffen wir Ihnen einen Überblick und beantworten die wichtigsten Fragen. Bitte beachten Sie darüber hinaus, dass die Bundesregierung, die einzelnen Landesregierungen und auch die jeweiligen Lehreinrichtungen fortlaufend aktuelle Informationen veröffentlichen.

FAQ zu Schule und Corona

Wie lange sind die Schulen geschlossen?

Am 15.04.2020 beschlossen Bund und Länder, den Schulbetrieb ab dem 04.05.2020 wieder schrittweise aufzunehmen – und zwar mit der Priorität auf Abschlussklassen, qualifikationsrelevante Jahrgänge und die letzte Klasse der Grundschule. Wichtig zu wissen: Wann und wie die Schulen wieder öffnen, hängt vom jeweiligen Bundesland ab, denn die Regionen Deutschlands sind unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Während in Nordrhein-Westfalen eine frühe Öffnung angestrebt wird, sollen die Schulen in Bayern noch länger, nämlich bis zum 11.05.2020, geschlossen bleiben. Über den Startzeitpunkt des Unterrichts für die jeweiligen Klassenstufen berät sich die Bundeskanzlerin mit den Regierungen der Länder unter Berücksichtigung der Entwicklung der Infektionszahlen. Die Kultusministerkonferenz soll bis zum 29.04.2020 ein Konzept erarbeiten, um Hygiene- und Schutzmaßnahmen für den zukünftigen Unterricht festzulegen.

Was genau bedeuten die Schulschließungen?

In der Zeit der Schulschließungen findet kein Unterricht in der Schule statt. Schülerinnen und Schüler müssen der Schule fernbleiben. Auch sonstige, schulische Veranstaltungen sind in dieser Zeit ausgesetzt. Das heißt: Es entfallen zum Beispiel ebenfalls Klassenfahrten, Schüleraustausche oder Sportfeste. Schüler- und Betriebspraktika finden nicht statt.

Wie läuft der Unterricht stattdessen ab?

Je nach Bundesland und Schule gibt es dazu andere Regelungen. Um das Lernen während der Schulschließungen fortzuführen, können Lehrer ihren Schülern Aufgaben für den Unterricht zu Hause per E-Mail oder über Online-Lernplattformen zukommen lassen. Diese Aufgaben sollen von den Kindern möglichst selbstständig erledigt werden. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Fragestellungen zur Vertiefung oder Wiederholung des bereits gelernten Stoffs. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer Schule, wie genau die Situation bei Ihnen gehandhabt wird. Da der entfallene Unterricht nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird, sollten Schülerinnen und Schüler das Unterrichtsangebot für zu Hause wahrnehmen: Es kann den Schulunterricht zwar nicht ersetzen, soll ihn jedoch möglichst auffangen.

Finden Prüfungen statt?

Prüfungen sind verschoben worden oder fallen aus und stattdessen gibt es Ersatzleistungen. Nach aktuellem Stand vom 15.04.2020 sieht die beschlossene Leitschnur von Bund und Ländern vor, dass Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen dieses Schuljahrs nach entsprechenden Vorbereitungen wieder stattfinden können. Ihre Schule informiert Sie darüber, wie genau die Regelungen zu den Prüfungen an Ihrer Lehreinrichtung lauten.

Gibt es während der Schulschließungen Noten?

Während der Schulschließungen bis zum 19. April 2020 finden keine Bewertungen der Leistungen in Form von Noten statt. Wie mit den fehlenden Leistungsnachweisen umgegangen wird, steht noch nicht fest. In vielen Bundesländern werden zurzeit Sonderregelungen erarbeitet. (Stand: 08.04.2020) Da das heimische Lernen unter den verschiedensten Voraussetzungen stattfindet, verfolgen alle ein oberstes Ziel: Es darf keine Benachteiligungen geben und die fairen Bedingungen müssen für alle Schülerinnen und Schüler erhalten bleiben.

Gibt es eine Notbetreuung für Schüler?

Eltern, die in einem systemrelevanten Beruf arbeiten und gerade unabkömmlich sind, haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch darauf, ihr Schulkind (in der Regel von der ersten bis zur sechsten Klasse) in einer Notbetreuung unterzubringen. Betroffen sind zum Beispiel Erziehungsberechtigte, die als Arzt oder Altenpfleger arbeiten. Welche Kriterien genau erfüllt sein und welche Nachweise dazu erbracht werden müssen, geben die jeweiligen Ministerien der Bundesländer vor. Mit den am 15.04.2020 beschlossenen Lockerungen des Lockdown soll die Notbetreuung auf weitere Berufs- und Bedarfsgruppen ausgeweitet werden.

Wo finde ich zuverlässige, aktuelle Informationen?

FAQ zur Universität und Corona

Wann startet das Sommersemester?

Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung der einzelnen Länder und Hochschulen, wann die Vorlesungszeit beginnt: Die meisten Bundesländer haben den Start des Sommersemesters vorerst auf den 20. April 2020 verschoben, einige auf den 4. Mai 2020. Die Länder verständigten sich aber einheitlich darauf, dass das Sommersemester trotz allem stattfindet. Bei der Kultusministerkonferenz ist die Rede davon, dass es ein ungewöhnliches, aber kein verlorenes Semester sein soll. Der Wintersemester-Start wurde vorerst einheitlich auf den 01. November 2020 gelegt. (Stand: 08.04.2020)

Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) hat eine digitale Karte zum Semesterstart in den Bundesländern erstellt. Die Informationen werden laufend aktualisiert.

Wie werden die Lerninhalte gestaltet?

Die Hochschulen haben bereits auf digitale Lernangebote wie Videoseminare umgestellt, damit das ganze Semester lang der Lehrbetrieb auf diese Weise aufrechterhalten werden kann. Wenn Ihre Universität ein Online-Lehrangebot zur Verfügung stellt, ist die Teilnahme daran verpflichtend. Unter bestimmten Hygieneauflagen können Praxisveranstaltungen, die spezielle Labor- oder Arbeitsräume an den Hochschulen erfordern, wieder aufgenommen werden. Bibliotheken und Archive dürfen unter Ergreifung von Maßnahmen öffnen. (Stand: 15.04.2020) 

Wird BAföG gezahlt, auch wenn die Hochschulen geschlossen sind?

Empfänger von BAföG müssen sich keine Sorgen machen: Die Förderung wird wie gewohnt weitergezahlt. Der Zeitraum der Schließungen wird als vorlesungsfreie Zeit betrachtet. Auch Studienanfänger, deren Erstsemester sich aufgrund der Coronavirus-Maßnahmen verzögert, bekommen ihr BAföG zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt ausgezahlt. Verlängert sich die Studienzeit, weil Prüfungen pandemiebedingt ausgefallen sind, wird das BAföG in den allermeisten Fällen trotzdem weitergezahlt.

Gelten Abgabetermine für Prüfungen noch?

Ob Abgabetermine wie vereinbart eingehalten werden, müssen Sie bei Ihrer Hochschule erfragen. In vielen Fällen gelten aufgrund der Coronavirus-Pandemie Sonderregelungen. Die Abnahme von Prüfungen soll unter bestimmten Hygieneauflagen wieder stattfinden können. (Stand: 15.04.2020)

Finden die Prüfungen zum Staatsexamen statt?

Ob Lehramt, Zahnmedizin oder Rechtswissenschaft – bestimmte Studiengänge müssen mit einem Staatsexamen abgeschlossen werden. Das bedeutet, der Staat und nicht die Hochschule gibt Inhalte und Anforderungen vor. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus herrschen für das Staatsexamen in diesem Frühjahr Sonderregelungen. Informationen halten die jeweiligen Landesregierungen bereit.

Was ist, wenn ich im Ausland studiere?

Das Auswärtige Amt hat eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen: Auf alle nicht notwendigen, touristischen Reisen soll verzichtet werden. Auch Studierende sollten daher keine Reisen ins Ausland unternehmen und anstehende Auslandssemester nicht antreten. Befindet man sich bereits im Ausland, kann das Semester dort aufgrund der aktuellen Situation abgebrochen werden. Eine Rückkehr nach Deutschland wird empfohlen. Studierende, die eine Förderung durch Programme wie "Erasmus" oder "Promos" erhalten, sollten sich genau informieren, welche Gelder Sie jetzt noch in Anspruch nehmen können. So ist es zum Beispiel möglich, dass eine Förderung bestehen bleibt, wenn die Studienleistungen in Online-Kursen erbracht werden.

Wenn Sie sich als Deutscher im Ausland befinden, wird Ihnen empfohlen sich freiwillig in die Krisenvorsorgeliste (ELEFAND) einzutragen.

Wo finde ich zuverlässige, aktuelle Informationen?

FAQ zur Ausbildung und Corona

Läuft meine Ausbildung weiter?

Generell haben Ausbilder eine sogenannte Ausbildungspflicht: Die Ausbildung sollte so organisiert werden, dass sie auch unter diesen außergewöhnlichen Umständen weiterläuft. Es kann sein, dass der Arbeitgeber dazu Änderungen an Arbeitsabläufen oder -orten vornimmt. Obwohl zum Beispiel das Arbeiten im Homeoffice für Auszubildende eigentlich nicht geeignet ist, kann dies zurzeit eine vorübergehende Option sein, solange ein Ausbilder beratend telefonisch zur Seite steht und die Arbeit kontrolliert wird. Auch die Möglichkeit der sogenannten Teilzeitberufsausbildung kommt gegebenenfalls infrage. Hierbei kann die Arbeitszeit des Auszubildenden auf 50 Prozent reduziert werden und die Ausbildungszeit verlängert sich entsprechend. Das könnte zum Beispiel bei einer kurzzeitigen Betriebsschließung der Fall werden.

Update vom 15. April 2020: Alle Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie, Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen (unabhängig von der Verkaufsfläche) dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Ab dem 4. Mai sollen auch Friseure unter Auflagen ihren Betrieb wieder aufnehmen können.

Kann ich der Ausbildungsstätte aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus fernbleiben?

Auszubildende müssen grundsätzlich zu ihrer Ausbildung erscheinen. Besteht eine konkrete Gesundheitsgefahr, hat man das Recht auf Arbeitsverweigerung. Ob es sich um eine Gefahr handelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Arbeitgeber sind dazu aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Angestellten vor einer Infektion zu schützen. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, um Lösungen zu finden. 

Ist die Berufsschule geschlossen?

Berufsschulen sind ebenfalls von den bundesweiten Schulschließungen betroffen. Findet kein Unterricht in der Schule statt müssen Auszubildenden im Betrieb erscheinen. Um den Lehrbetrieb durch die Berufsschule aufrechtzuerhalten, werden die Schüler von ihren Lehrern mit Aufgaben und Materialien versorgt. Arbeitgeber sollen ihren Auszubildenden Zeitfenster zur Verfügung stellen, in denen sie von der Arbeit im Betrieb befreit sind, um diese Aufgaben zu erledigen. 

Finden Prüfungen statt?

Einige Zwischenprüfungen wurden ersatzlos gestrichen, andere könnten noch nachgeholt werden. Schriftliche Arbeiten sollen teilweise wie geplant eingereicht werden. Abschlussprüfungen wurden auf spätere Nachholtermine verlegt. Ob diese Termine eingehalten werden können, ist aktuell noch nicht zuverlässig abzusehen. Betriebe und Auszubildende werden über neue Zeitpläne informiert. Die Ausbildungszeit verlängert sich nicht automatisch, wenn Prüfungen verschoben werden. Verlängerungen können aber gegebenenfalls beantragt werden.

Was ist, wenn mein Betrieb vorübergehend schließen muss?

Eine vorübergehende Schließung des Betriebs hat in der Regel keine Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Das Gehalt wird weiterhin gezahlt. Der Ausbilder kann seinem Azubi zur Fortsetzung der Ausbildung zum Beispiel eine Projektarbeit für zu Hause erteilen. 

Kann mein Betrieb mir kündigen?

Nur in ganz speziellen Fällen hat ein Ausbildungsbetrieb ein sogenanntes "außerordentliches Kündigungsrecht". Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Ausbildung nicht mehr ordnungsgemäß stattfinden kann, weil der Betrieb für längere Zeit komplett stillgelegt wird und eine Betriebsaufgabe geplant ist. Der Ausbilder muss eine Frist einhalten und sich bemühen, einen anderen Betrieb für seinen Azubi zu finden. Im Falle einer Insolvenz bliebe der Ausbildungsvertrag bestehen. Anstelle des Ausbildungsbetriebs würde dann ein Insolvenzverwalter treten, der für die Erfüllung der Ausbildungspflichten zuständig ist.

Ist Kurzarbeit für Auszubildende eine Option?

Normalerweise sind Auszubildende von Kurzarbeit nicht betroffen, denn sie stehen unter einem besonderen Schutz. Der Arbeitgeber muss ermöglichen, dass die Ausbildung weiterläuft – zum Beispiel, indem der Azubi in einer anderen Abteilung untergebracht wird. Die aktuelle Situation bietet Betrieben hier aber kaum flexible Gestaltungsmöglichkeiten, daher ist Kurzarbeit auch für Auszubildende denkbar, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind. Bevor das Kurzarbeitergeld greift, haben Auszubildende mindestens sechs Wochen lang Anspruch auf ihr volles Gehalt.

Wo finde ich zuverlässige, aktuelle Informationen?

Aktualisiert: 21.01.2021 - Autor: Viola Lex

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