Verdacht auf Coronavirus – was tun?

Frau mit Coronavirus-Verdacht telefoniert © iStock.com/RuslanGuzov

Die Nachrichten über das neue Coronavirus mit dem Namen SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Atemwegserkrankung COVID-19 reißen nicht ab. Ständig werden steigende Zahlen von bestätigten Fällen und Verdachtsfällen aus Deutschland und der Welt gemeldet. Doch was können Sie tun, falls Sie den Verdacht haben, sich mit dem Virus infiziert zu haben? Wann müssen Sie sich in Quarantäne begeben? Wir informieren über die richtigen Schritte.

Symptome bei Coronavirus erkennen

Die Krankheitsverläufe können bei einer Infektion mit dem Coronavirus – man spricht dann von COVID-19 – unterschiedlich sein. Generell unterscheidet man zwischen einer mild verlaufenden Form, die bei über 80 Prozent der Infizierten auftritt, und einer schweren Form, die nach aktuellem Stand bei ungefähr 14 Prozent der Betroffenen eintritt. In den restlichen sechs Prozent der Fälle ist der Verlauf kritisch bis lebensbedrohlich.

Die Symptome von COVID-19 sind äußerst variabel und teilweise schwer von der normalen Grippe (Influenza) abzugrenzen. Am häufigsten treten bei Corona-Patienten folgende Symptome auf:

Darüber hinaus kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Erkennen der Symptome einer Coronavirus-Infektion.

Wie verhalte ich mich bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion?

Wichtig ist bei einem Verdachtsfall, die Ruhe zu bewahren und nicht direkt in die erste Notaufnahme zu fahren. Das örtliche Gesundheitsamt ist die zentrale Meldestelle für alle Coronafälle und für die generelle Koordinierung verantwortlich.

Um die Gesundheitsämter zu entlasten, wird empfohlen, sich bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion telefonisch bei seinem Hausarzt zu melden. Am Wochenende beziehungsweise außerhalb der Sprechzeiten kann auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 kontaktiert werden.

Entscheidungshilfe bei Verdacht auf Corona-Infektion (Infografik)

 

Wann wird ein Test durchgeführt?

Ein Test auf COVID-19 wird empfohlen, wenn für eine Infektion mit dem Coronavirus typische Symptome vorliegen und/oder Kontakt zu einer Person bestand, die positiv auf COVID-19 getestet wurde.1,2 Gemäß der aktuellen Coronavirus-Testverordnung werden Tests außerdem bei Personal, Bewohnern oder Besuchern vom Gemeinschaftseinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften, wie Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Schulen, durchgeführt, in denen es Infektionsfälle gegeben hat. Im Rahmen von individuellen Testkonzepten können in solchen Einrichtungen auch vorsorglich Tests durchgeführt werden. Auch nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet (innerdeutsch oder im Ausland) werden Corona-Tests durchgeführt.4

Es handelt sich um einen meldepflichtigen Verdachtsfall, wenn neben dem Auftreten möglicher COVID-19-Symptome zusätzlich höchstens 14 Tage vor Erkrankungsbeginn Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person bestand. Das gilt auch, wenn Hinweise auf eine virale Lungenentzündung vorliegen und ein Zusammenhang mit einer Häufung von Lungenentzündungen in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus besteht.1

Die letztendliche Entscheidung, ob ein Test erfolgen sollte, liegt immer beim behandelnden Arzt oder dem Arzt des zuständigen Gesundheitsamts.

Rückreise aus Risikogebieten

Für Personen, die aus Risikogebieten nach Deutschland einreisen, besteht die Möglichkeit, sich auch ohne das Vorliegen von Symptomen innerhalb von zehn Tagen nach Rückreise kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen. An Flughäfen kann der Test direkt vor Ort durchgeführt werden. Reist man auf anderem Weg ein, beispielsweise mit dem Auto oder dem Zug, muss dem Gesundheitsamt die Aufenthaltsadresse in Deutschland mitgeteilt werden. Gegebenenfalls gibt der zuständige Beförderer, wie beispielsweise das Bus- oder Zugunternehmen, dazu sogenannte Aussteigekarten aus.

Unabhängig von einem bestehenden Verdacht muss nach Einreise aus einem Risikogebiet eine häusliche Quarantäne eingehalten werden. Die genauen Regelungen variieren hierbei von Bundesland zu Bundesland. Das zuständige Gesundheitsamt kann zudem einen Nachweis über einen erfolgten Test anfordern.

Reisende, die aus Nicht-Risikogebieten nach Deutschland einreisen, haben seit dem 15. September 2020 keinen Anspruch mehr auf kostenlose Tests.

Hier können Sie sich ausführlich über den Test auf das Coronavirus informieren.

Verdachtsfall mit Kontaktperson 1. Grades

Das Coronavirus wird von Mensch zu Mensch hauptsächlich durch Niesen und Husten übertragen (Tröpfcheninfektion). Außerdem kann das Virus einige Zeit auf Oberflächen überleben, weshalb auch unsere Hände als Überträger infrage kommen, gerade wenn wir uns ins Gesicht fassen.

Aufgrund dieser Verbreitungsweise von COVID-19 kann direkter Kontakt mit einer erkrankten Person bedeuten, dass Sie ebenfalls erkrankt sein könnten. Man bezeichnet solche Fälle als Kontaktpersonen 1. Grades.

Direkter Kontakt meint in diesem Zusammenhang zum Beispiel ein persönliches Gespräch von mindestens fünfzehn Minuten und Berührungen wie Küssen oder Husten. Auch Personen, die im selben Haushalt wie eine infizierte Person leben oder in Situationen waren, in denen es zu einer Aerosol-Übertragung gekommen sein kann (etwa bei Chorproben oder gemeinsamen Feiern in Innenräumen) gelten als Kontaktpersonen. Darüber hinaus werden auch Personen, die über die Corona-Warn-App eine entsprechende Warnung erhalten haben, als Kontaktperson gezählt.

Die infizierte Kontaktperson muss positiv auf das Coronavirus getestet sein, es muss also mehr als nur ein Verdacht bestehen.

Ich hatte Kontakt zu einem Menschen mit bestätigtem Coronavirus – was ist zu tun?

Wenn Sie wie zuvor beschrieben direkten Kontakt mit einem nachweislich an COVID-19 erkrankten Menschen hatten und Sie verspüren mögliche Symptome der Erkrankung, ist Ihre erste Meldestelle Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Das gleiche Vorgehen gilt, wenn ein solcher Kontakt nicht bekannt ist, Sie aber dennoch Symptome verspüren, die auf COVID-19 hindeuten könnten. Je nach Ausprägung Ihrer Symptome wird Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt evaluieren, was die nächsten Schritte sind und ob Sie getestet werden müssen.

Auch hier gilt: Bitte fahren Sie nicht eigenständig in die Notaufnahme oder in die Arztpraxis. Die Gefahr, dass Sie das Virus dadurch verbreiten, ist enorm groß. Falls es Ihnen akut schlecht geht und Sie Atemnot bekommen, rufen Sie den Notarzt.

Falls Sie bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt niemanden erreichen, versuchen Sie in dringenden Notfällen, telefonisch das örtliche Gesundheitsamt zu kontaktieren. Wichtig dabei ist, eine Liste von Personen zu erstellen, mit denen Sie in den zwei Tagen vor Ausbruch Ihrer Symptome Kontakt hatten. Auf diese Weise kann das Gesundheitsamt auch diese Verdachtsfälle kontaktieren.

Sollten Sie weder Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt noch das Gesundheitsamt erreichen, dann begeben Sie sich in häusliche Quarantäne und versuchen Sie es später noch einmal.

In häusliche Quarantäne sollten Sie sich immer unmittelbar dann begeben, wenn der direkte Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person bekannt wird, auch dann, wenn Sie noch keine Symptome verspüren. Auch in diesem Fall sollte ein Corona-Test durchgeführt werden. In einigen Fällen werden Sie auch vom Gesundheitsamt angerufen und über den Kontakt und die entsprechenden Maßnahmen informiert. Bis zum 14. Tag nach dem Kontakt mit der infizierten Person sollten Sie Ihren Gesundheitszustand genau kontrollieren, beispielsweise durch Messen der Körpertemperatur. Bemerken Sie erste Symptome, sollten Sie sofort das Gesundheitsamt oder den Hausarzt benachrichtigen.

Verdachtsfall mit Kontaktperson 2. Grades

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie selbst gar keinen direkten Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatten, aber eine zweite Person, zu der Sie auch persönlichen Kontakt hatten oder haben, befand sich nachweislich in der Nähe eines Menschen mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion. Dies wird als Kontaktperson 2. Grades bezeichnet.

Wie sollen Sie in dieser Situation vorgehen? In diesem Fall sollten Sie die diagnostischen Schritte bei der Person abwarten, die im direkten Kontakt mit dem Virus stand (Kontaktperson 1. Grades). Sie müssen als Kontaktperson zweiten Grades nicht das Gesundheitsamt anrufen.

Wenn Ihre Kontaktperson allerdings ebenfalls positiv getestet wird – auch wenn Sie selbst noch keine Symptome entwickeln – ändert sich die Situation. Jetzt hatten Sie direkten Kontakt und sollten sich in häusliche Quarantäne begeben. Entweder werden Sie in diesem Fall selbst vom Gesundheitsamt kontaktiert oder Sie rufen Ihre Hausärztin beziehungsweise Ihren Hausarzt an.

Kontaktpersonen der Kategorie II

Als Kontaktpersonen der Kategorie II klassifiziert das Robert-Koch-Institut Personen mit geringerem Risiko. Dazu zählen beispielsweise Menschen, die sich weniger als 15 Minuten im selben Raum mit einer nachweislich infizierten Person aufgehalten haben und weniger als eine Viertelstunde direkten Gesichts- oder Sprachkontakt hatten. Auch medizinisches Personal, das sich zwar ohne Schutzkleidung im selben Raum aufhielt wie ein Infizierter, dabei aber mindestens zwei Meter Abstand einhielt, gehört zu dieser Gruppe.

Falls es das Gesundheitsamt im jeweiligen Fall als sinnvoll erachtet, werden solchen Personen Informationen zur Kontaktreduktion, zum Erkennen der Symptome und zum Verhalten beim Auftreten erster Anzeichen vermittelt. Bei medizinischem Personal kann je nach Ermessen des Gesundheitsamtes ein Vorgehen wie bei Kontaktpersonen ersten Grades erforderlich sein.

Kontaktpersonen der Kategorie III

Gerade das medizinische Personal ist im Arbeitsalltag ständig Infektionskrankheiten ausgesetzt. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen besteht ein bedeutendes Restrisiko, dass sich diese Menschen mit dem Virus infizieren. Aus diesem Grund hat das RKI eine weitere Kategorie festgelegt, die nur für das medizinische Personal gilt, das mit entsprechender Schutzbekleidung die Pflege oder medizinische Untersuchung von Menschen mit einer bestätigten Infektion durchführt.

Hier wird vor allem durch entsprechende Schulung, Selbstmonitoring und Dokumentation der Ergebnisse eine Verminderung des Risikos und eine engmaschige Kontrolle angestrebt. Beim Auftreten erster Symptome werden betroffene sofort isoliert und von der Arbeit freigestellt.

Die umfassenden Empfehlungen können Sie auf der Seite des Robert-Koch-Instituts nachlesen.3

Aktuelle Infos zum Coronavirus

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Häusliche Quarantäne – wie sollte ich mich verhalten?

In den meisten Fällen werden Sie bei einem bestehenden Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus gebeten, für 14 Tage in häuslicher Quarantäne zu bleiben. Die 14 Tage sind notwendig, da die Inkubationszeit des Virus ungefähr so lange beträgt. Damit vermindert man das Risiko, unbemerkt andere Mitmenschen anzustecken.

Meiden Sie so gut es geht soziale Kontakte und verlassen Sie das Haus auch nur im absoluten Notfall. Falls die Symptome andauern oder schlechter werden, kontaktieren Sie einen Arzt. Dieser kann am besten entscheiden, ob Sie zur Quarantäne ins Krankenhaus verlegt werden sollen.

Falls Sie weitere Informationen benötigen, wie Sie sich bei einer häuslichen Quarantäne verhalten sollen, hat das RKI ein FAQ erstellt, das sie wichtigsten Fragen zum Coronavirus beantwortet. Weitere Hinweise zur häuslichen Quarantäne finden Sie auch in unserer Fotostrecke.

Kann ich Ibuprofen bei Verdacht auf COVID-19 einnehmen?

Die Verbindung zwischen Coronavirus und Ibuprofen ist vor allem zu Beginn der Pandemie kontrovers diskutiert worden. Sowohl Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran als auch der Sprecher der WHO (Weltgesundheitsorganisation) Christian Lindmeier haben dazu aufgerufen, bei Verdacht auf COVID-19 auf die Einnahme von Ibuprofen ohne ärztlichen Rat zu verzichten. Sollte die Einnahme eines Schmerzmittels oder fiebersenkenden Mittels überhaupt nötig sein, sei es besser, Paracetamol einzunehmen.

Diese Behauptung stützte sich auf einen Beitrag der Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine, in dem beschrieben wird, dass bei COVID-19-Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, das Risiko, einen schweren Verlauf zu entwickeln, bei Einnahme von Ibuprofen leicht erhöht ist. Allerdings gibt es nach dem aktuellen Stand keine Beweise dafür. Diese Behauptung hat sich lediglich aus den Beobachtungen bei wenigen Patienten heraus entwickelt. Es wird davon ausgegangen, dass sich bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche unserer Körperzellen bei Einnahme von Ibuprofen vermehren. Über diese Rezeptoren könnte das Coronavirus leichter in die Zellen eindringen und den Körper infizieren.

Die WHO hat diese umstrittene Empfehlung mittlerweile wieder zurückgezogen, rät nun also nicht mehr von der Einnahme von Ibuprofen ab. Falls Sie Ibuprofen vom Arzt verschrieben bekommen haben, sollten Sie das Medikament daher in jedem Fall weiter einnehmen.

Es wird erwartet, dass sich diese Informationen aber ständig aktualisieren werden, sei es bezüglich der Einnahme von Ibuprofen oder zu anderen Aspekten des Virus. Um stets aktuell informiert zu bleiben, empfiehlt es sich, die offiziellen Webseiten anerkannter Institute, wie des RKI, aufzusuchen. Dort finden Sie noch detailliertere und tagesaktuelle Informationen.

Quellen

Aktualisiert: 15.10.2020 - Autoren: Yannis Diener, Student der Humanmedizin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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