Krankheiten durch Zecken

Zecke sticht in Haut © Getty Images/Ladislav Kubeš

Weltweit gibt es etwa 900 Arten von Zecken. In Deutschland ist es vor allem Ricinus ixodes, der Holzbock, der wegen der Übertragung von Krankheiten gefürchtet ist. Unter den durch einen Zeckenbiss (genau genommen handelt es sich um einen Stich) ausgelösten Krankheiten können vor allem FSME und Borreliose schwerwiegende Konsequenzen haben. Was steckt hinter diesen Erkrankungen und wie hoch ist das Risiko, durch einen Zeckenstich daran zu erkranken? Welche Krankheiten können außerdem durch Zecken übertragen werden? Das lesen Sie hier.

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

In Deutschland sind die bedeutendsten durch Zecken übertragbaren Krankheiten die Lyme-Borreliose, auch bekannt als Borreliose oder Lyme-Krankheit, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wenn eine Zecke mit einem dieser Krankheitserreger infiziert ist, kann schon ein Stich genügen, um FSME oder Borreliose auf den Menschen zu übertragen.

Dabei ist die Borreliose die am häufigsten vorkommende Erkrankung durch Zeckenstiche beim Menschen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 200-mal so viele Menschen an Borreliose wie an FSME.

Seltene durch Zecken übertragene Krankheiten

Daneben gibt es noch weitere durch Zecken übertragbare Krankheiten, die hierzulande aber extrem selten sind. Sie sind vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich. Zu den Erkrankungen gehören unter anderem:

  • Anaplasmose: Anaplasmen sind Bakterien, die unter anderem durch den gemeinen Holzbock übertragen werden und die die Granulozyten (eine Sorte der weißen Blutkörperchen) befallen. Oft verläuft die Infektion ohne Symptome. In manchen Fällen kommt es zur humanen granulozytären Anaplasmose, einer fiebrigen Krankheit, die unbehandelt tödlich verlaufen kann.
  • Neoehrlichiose: Die Krankheit wird ebenfalls durch Bakterien verursacht und ähnelt der Anaplasmose. Sie kann grippeähnliche Symptome mit langandauerndem hohem Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und einen Gewichtsverlust verursachen.
  • Rickettsiosen: Hierbei handelt es sich um eine Gruppe verschiedener Krankheiten, die durch als Rickettsien bezeichnete Bakterien ausgelöst werden (Zeckenstichfieber-Gruppe). Sie verursachen unterschiedliche Krankheiten, etwa das Rocky-Mountain-Fleckfieber oder das Mittelmeer-Zeckenstichfieber.
  • Babesiose: Babesien, die Erreger der Babesiose, werden beispielsweise durch Auwaldzecken übertragen. Sie können die roten Blutkörperchen angreifen und Symptome auslösen, die einer Grippe oder Malaria ähneln.
  • Tularämie: Die auch als Hasenpest bekannte bakterielle Infektionskrankheit kann mit einem Geschwür an der Stichstelle, einer Lymphknotenentzündung und Fieber einhergehen.

Daneben gibt es viele weitere Krankheiten, die in seltenen Fällen durch Zecken übertragen werden können. So kann beispielsweise die vor allem in Asien und Afrika verbreitete Hyalomma-Zecke, die seit 2007 auch vereinzelt in Deutschland gesichtet wird, das gefährliche Krim-Kongo-Fieber-Virus in sich tragen.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose oder Borreliose wird von Bakterien, den sogenannten Borrelien, ausgelöst. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung. Das Risiko, an Borreliose zu erkranken, gibt es grundsätzlich überall, wo es auch Zecken gibt. Einen Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose gibt es in Europa nicht, da hier verschiedene Subtypen vorkommen.

Symptome der Lyme-Borreliose

In vielen Fällen verursacht eine Infektion mit Borrelien keine Symptome. Ein typisches Symptom der Borreliose ist jedoch die Wanderröte: Um den Zeckenstich herum bildet sich dann nach ein paar Tagen oder Wochen eine sich vergrößernde, kreisförmige Rötung, die in der Mitte wieder verblasst. Wer solche Symptome bemerkt, muss sofort ärztliche Hilfe suchen, damit ein Antibiotikum verschrieben werden kann. Dies ist wichtig, damit die Erkrankung nicht chronifiziert und langfristige Schäden entstehen können.

Allerdings kann eine Borreliose auch ohne Wanderröte auftreten. Mögliche Symptome sind dann unspezifische Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Muskel- und Kopfschmerzen, Schwellungen der Lymphknoten oder Fieber. In einem späteren Stadium können Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen (häufig im Gesicht), Herzrhythmusstörungen oder Schmerzen auftreten. Chronische Gelenkentzündungen und Schäden der Haut und des Nervensystems gehören zu den möglichen Spätfolgen.

Ausführliche Informationen über Borreliose finden Sie hier.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Viruserkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zu Beginn der Erkrankung kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Meistens heilt die Krankheit dann von selbst ab. Bei ungefähr zehn Prozent der Erkrankten kommt es jedoch nach einer fieberfreien Zeit zu einer zweiten, gefährlichen Phase der Erkrankung, die zu Nervenentzündungen und einer Gehirnhautentzündung führt.

FSME-Risikogebiete

In Deutschland sind die Hauptrisikogebiete in Süddeutschland zu finden. Vor allem Baden-Württemberg, Bayern sowie der Süden von Thüringen, Sachsen und Hessen sind betroffen. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht eine regelmäßig aktualisierte Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland. Im europäischen Ausland sind unter anderem die baltischen und viele osteuropäische Regionen betroffen. Auch in der Schweiz und Österreich sowie in Schweden, Finnland, Dänemark, Griechenland, Russland und vielen weiteren Ländern gibt es FSME-Fälle.

Impfung gegen FSME

Einen wirksamen Schutz vor FSME bietet die rechtzeitige Impfung. Diese besteht aus drei Teilimpfungen, die je nach Impfstoff im Abstand von ein bis drei Monaten und nach weiteren fünf beziehungsweise neun bis zwölf Monaten verabreicht werden. Der Körper entwickelt dann im Regelfall Abwehrstoffe gegen das FSME-Virus und ist so geschützt gegen den Stich einer infizierten Zecke. Schon kurze Zeit nach der zweiten Teilimpfung besteht ein vorläufiger Infektionsschutz. Eine Auffrischimpfung ist alle drei bis fünf Jahre notwendig.

Ausführliche Informationen über FSME finden Sie hier.

Borreliose und FSME: Erkrankungen im Vergleich

Erkrankung Lyme-Borreliose FSME
Krankheits­erreger Bakterium: Borrelia Burgdorferi Virus: FSME-Virus
Wo kommen die Erreger vor? Bis zu einem Drittel der Zecken tragen das Bakterium in sich –unabhängig von Risiko­gebieten Süden Deutschlands, Teile Osteuropas, baltische Länder
Impfung nein ja
Antibiotika­behandlung? ja nein
Wie kann man die Krank­heit erkennen? Kreisrunde Rötung um den Stich (Wanderröte), unspezifische Beschwerden, später sind Lähmungen, Schmerzen und Gelenksentzündungen möglich Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, bei schwerem Verlauf sind Lähmungen, Nackenstarre und Krampfanfälle möglich
Welche Organe können betroffen sein? Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz Gehirn, Rückenmark, Nervensystem

Wie groß ist das Risiko, zu erkranken?

Nicht jede Zecke beherbergt die gleichen Erreger: Etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken in FSME-Risikogebieten tragen das FSME-Virus in sich. Je nach Verbreitungsgebiet können hingegen bis zu 30 Prozent der Zecken die Borreliose-Bakterien übertragen – daher kommt diese Krankheit auch weitaus häufiger vor. Doch nur ein kleiner Teil der gestochenen Personen erkrankt: Symptome treten laut einer Studie nur bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche auf.

Während FSME-Viren bei einem Zeckenstich sofort übertragen werden können, geht man davon aus, dass das Risiko einer Übertragung von Borrelien in den ersten zwölf Stunden geringer ist. Wer also frühzeitig die Zecke entfernen kann, senkt das Risiko einer Infektion. Wichtig ist aber, dass das Tier dabei nicht (etwa durch Quetschen) dazu gebracht wird, sich in die Wunde zu erbrechen, da sonst erst recht Krankheitserreger in die Stichstelle gelangen.

Unbedingt beachten sollte man, dass Zecken nicht nur in Süddeutschland gefährlich sind, wo die Haupt-Risikogebiete für FSME liegen. Denn das Virus breitet sich seit Längerem auch in nördlicheren Gebieten aus. Außerdem geht die weitaus größere Bedrohung von den Borreliose-Bakterien aus, die von Zecken überall in Deutschland übertragen werden können. Zecken können also überall in Deutschland und auch im Ausland gefährlich sein.

Am größten ist die Gefahr von Zeckenbissen vom Frühling bis zum Herbst, denn die Tiere werden erst ab circa acht Grad Celsius aktiv. Doch auch in milden Wintern sind Zeckenstiche möglich. Am besten ist es stets, Zeckenstichen durch geeignete Schutzmaßnahmen vorzubeugen – etwa durch lange Bekleidung oder insektenabweisende Mittel sowie ein gründliches Absuchen nach einem Aufenthalt in Wiesen oder im Unterholz.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
A69.2, A84.-, A77.-

Aktualisiert: 04.08.2021 - Autor: überarbeitet: Silke Hamann

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