Tigermücke auf einer Hand
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Tigermücke in Deutschland: Wie gefährlich ist ihr Stich?

Von: Jasmin Rauch (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 02.06.2022 - 16:58 Uhr

Die Asiatische Tigermücke ist seit Ende der 1970er Jahre auch in Europa heimisch, in Deutschland wurde 2007 erstmals ein Exemplar nachgewiesen. Der Stich der Tigermücke kann gefährlich werden, da das Insekt potenziell schwere Krankheiten übertragen kann. Wie hoch ist das Risiko einer Infektion tatsächlich und wann sollte man nach einem Stich ärztlichen Rat suchen? Wie kann man die Tigermücke erkennen und muss ihre Sichtung gemeldet werden? Das und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Asiatische Tigermücke: Herkunft und Verbreitung

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt, wie der Name schon andeutet, ursprünglich aus Südostasien. Durch Warenhandel und Tourismus hat sich das Insekt mittlerweile weit verbreitet und ist neben Asien und Europa auch in Nord- und Südamerika sowie in Afrika zu finden.

Dabei unterscheidet man zwischen vereinzelten Nachweisen und einer festen Etablierung der Art. In Europa hat sich die Tigermücke unter anderem in Italien, Frankreich und Spanien etabliert, aber auch in Teilen Deutschlands treten mittlerweile größere Populationen auf.

Wo gibt es die Tigermücke in Deutschland?

Der erste Nachweis einer Tigermücke in Deutschland erfolgte 2007 auf einem Parkplatz an der Autobahn 5 in der Nähe der Schweizer Grenze. Während es bis 2013 zunächst nur einzelne Sichtungsmeldungen gab, haben sich seit 2014 auch größere Bestände der Tigermücke in Deutschland etabliert. Insbesondere Bayern und Baden-Württemberg sind davon betroffen, aber auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen wurden bereits Exemplare gesichtet.

Hausmittel gegen Mückenstiche

Wie erkennt man Tigermücken?

Die Asiatische Tigermücke weist eine verhältnismäßig geringe Körpergröße auf. Sie wird maximal 0,5 bis 0,9 Zentimeter groß und ist damit kleiner als eine Ein-Cent-Münze. Zum Vergleich: Die in Deutschland besonders häufige Gemeine Stechmücke kann eine Größe von bis zu 1,5 Zentimeter erreichen.

Besonders auffällig ist die Färbung: Die Tigermücke ist schwarz mit charakteristischen, leicht durchbrochenen weißen Streifen. Vom Hinterkopf bis zum Ansatz der Flügel weist sie zudem eine weiße Linie auf. Die Flügel tragen kein Muster und sind transparent. An den langen Hinterbeinen zeigen sich bei der Tigermücke insgesamt fünf weiße Streifen. Befindet sich Blut in ihrem Magen, erscheint ihr Bauch dunkelrot.

Im Unterschied zu anderen Mückenarten sind Tigermücken weniger in der Nacht aktiv: Sie stechen vor allem in der Dämmerung, aber auch tagsüber.

Tigermücken: Verwechslung möglich

Trotz ihres recht charakteristischen Aussehens kann es auch bei der Tigermücke zu Verwechslungen mit heimischen und anderen invasiven, also eingewanderten, Stechmückenarten kommen. Die wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Verwechslung sind die Ringelschnake und die Asiatische Buschmücke.

Die einheimische Ringelschnake, auch Ringelmücke genannt, weist ebenfalls ein streifenförmiges Muster auf. Sie wird aber bis zu 1,3 Zentimeter groß, während die Tigermücke maximal 0,9 Zentimeter erreicht. Zudem ist ihre Färbung grau-braun und weiß, die der Tigermücke schwarz-weiß.

Die Asiatische Buschmücke ähnelt der Tigermücke stark. Sie ist ebenfalls schwarz-weiß gestreift. Auf dem Rücken weist sie jedoch drei weiße Linien auf anstatt einer. Die Mücke kann ebenfalls Viren übertragen, die beispielsweise eine Hirnhautentzündung oder das West-Nil-Fieber auslösen können. Sie ist mittlerweile mit Ausnahme von Sachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in ganz Deutschland verbreitet.

Wie sieht der Stich der Tigermücke aus?

Der Stich der Tigermücke unterscheidet sich optisch nicht von dem der in Deutschland üblichen Stechmückenarten. Durch den Stich wird die Haut verletzt und bestimmte Speichelproteine der Mücke gelangen in den Körper. Als Reaktion darauf wird der Botenstoff Histamin freigesetzt, die betroffene Stelle schwillt an und rötet sich. Durch die Aktivierung bestimmter Nervenfasern kommt es zudem zu Juckreiz. Auch die durch den Stich hervorgerufenen Symptome sind also meist genau wie bei anderen Mückenstichen.

Wie gefährlich ist der Stich der Tigermücke?

Der Stich der Tigermücke ist zwar lästig, jedoch für sich genommen nicht gefährlich. Dass die Asiatische Tigermücke dennoch einen schlechten Ruf hat, liegt insbesondere daran, dass sie in bestimmten Fällen Krankheitserreger übertragen kann. In Südostasien und anderen tropischen Gegenden trägt sie damit deutlich zur Weiterverbreitung von Erkrankungen bei.

Für folgende Erkrankungen kann die Tigermücke unter anderem als Überträger dienen:

Die Übertragung erfolgt dabei nur unter bestimmten Bedingungen: Das Insekt muss vorher einen Menschen gestochen haben, der bereits mit den Erregern einer der oben genannten Krankheiten infiziert war. Die Tigermücke an sich trägt die Viren nicht in sich.

Zusätzlich müssen sich die Viren vor der Übertragung im Körper der Mücke vermehren. Dies wird durch konstant höhere Außentemperaturen beschleunigt, bei kälteren Temperaturen kann es einige Wochen dauern. Die Lebensdauer einer Tigermücke beträgt maximal 30 Tage.

In seltenen Fällen kann auch eine Übertragung zwischen infizierten Tieren und Menschen erfolgen, wenn eine Tigermücke zuvor ein Tier gestochen hat, das die Erreger in sich trägt. In Deutschland kommen dafür beispielsweise Zugvögel infrage.

Infektionsrisiko durch Tigermücken in Deutschland

Infektionen über eine Tigermücke mit einer der genannten Virus-Erkrankungen sind in Deutschland aktuell sehr selten, wenn auch nicht ausgeschlossen. Sollten die deutschlandweiten Temperaturen im Zuge des Klimawandels langfristig steigen, könnte sich auch das Ansteckungsrisiko über Tigermücken erhöhen.

Mit Blick auf mögliche Infektionen mit den genannten Erkrankungen im Ausland – und damit das "Mitbringen" von Krankheiten nach Deutschland, die hier durch die Mücken verbreitet werden können – wird das Vorkommen der Tigermücke durch das Umweltbundesamt als potenzielles Risiko für die Gesundheit angesehen. Dass eine Infektion mit einer der genannten Erkrankungen durch den Stich einer Tigermücke in Deutschland erfolgt ist, wurde bisher aber noch nicht nachgewiesen. In Spanien, Italien, Frankreich und Kroatien sind aber solche Fälle bekannt.

Laboruntersuchungen weisen darauf hin, dass auch einheimische Stechmückenarten, wie Gemeine Stechmücken, potenzielle Überträger des West-Nil-Virus sein könnten. Bisher wurde in Deutschland aber noch keine Infektion mit dem West-Nil-Fieber über die Gemeine Stechmücke nachgewiesen. Auch hier gelten aber die bereits genannten Voraussetzungen für eine Infektion.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Kommt es in zeitlichem Zusammenhang mit einem Mückenstich zu Symptomen wie Fieber und grippeähnlichen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost oder Muskel- und Gliederschmerzen, sollten Sie sicherheitshalber ärztlichen Rat suchen. Auch Symptome wie Übelkeit, eine Bindehautentzündung oder ein Hautausschlag können Warnzeichen sein.

Die genannten Erkrankungen können folgenlos ausheilen, aber auch schwere Verläufe nehmen. Infektionen mit dem Zika-Virus können in der Schwangerschaft zudem zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen.

Gelangen Keime durch Aufkratzen oder über den Speichel der Mücke in die Wunde, kann zudem eine Entzündung entstehen, was im schlimmsten Fall eine Sepsis (Blutvergiftung) zur Folge haben kann.

Im Zweifelsfall sollten Sie bei Beschwerden nach einem Stich also ärztlichen Rat suchen. Der*die Hausarzt*Hausärztin ist hier zunächst die richtige Ansprechperson.

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Besteht bei Sichtung einer Tigermücke Meldepflicht?

In Deutschland besteht bei Sichtung oder Fang einer Tigermücke keine Meldepflicht. Allerdings weisen die Umwelt- und Gesundheitsministerien der Länder darauf hin, dass eine Meldung von Tigermücken dabei helfen kann, die Ausbreitung dieser Art möglichst einzudämmen – und damit auch das Risiko einer möglichen Übertragung von Krankheiten zu verhindern.

Hat man eine Mücke gefangen und den Verdacht, dass es sich dabei um eine Tigermücke handelt, kann man das gut erhaltene, tote Exemplar oder ein entsprechendes Foto an offizielle Meldestellen schicken, wie sie beispielsweise die einzelnen Bundesländer teilweise anbieten. Zudem existieren als bundesweite Meldeplattform die Webseite "Mückenatlas" sowie das gesamteuropäische "Tiger-Projekt".

Ausbreitung der Tigermücke verhindern und Stiche vermeiden

Ähnlich wie andere Stechmückenarten auch nutzt die Tigermücke stehende Gewässer zur Ablage ihrer Eier und als Brutstätte. Dazu reichen ihr bereits kleinere Wasseransammlungen, wie Vogeltränken, Regentonnen oder Wasserreste in Blumentöpfen oder -vasen. Vermeiden Sie es deshalb, solche Behältnisse länger unbedeckt stehen zu lassen und tauschen sie beispielsweise in Vogeltränken das Wasser regelmäßig aus. Kupfer (etwa eine Kupfermünze) oder Nelkenöl im Wasser kann die Larven abtöten. Je nach der sonstigen Verwendung des Wassers können dies also wirksame Mittel gegen die Larven der Tigermücken sein.

Auch in Teichen können sich Stechmückenlarven vermehren, wobei in naturbelassenen Gewässern in der Regel natürliche Fressfeinde, wie Libellenlarven oder Wasserkäfer, für eine Eindämmung des Bestands sorgen.

Ein Biozid zur Bekämpfung der Stechmückenlarven ist zudem Bti (Bacillus thuringiensis israelensis). Dieses Insektizid wirkt jedoch auch für andere Insekten tödlich und sollte deshalb nur als letztes Mittel und ausschließlich unter fachkundiger Anleitung verwendet werden.

Zur Vorbeugung der Stiche helfen die üblichen Schutzmaßnahmen, wie lange Kleidung, Insektenschutzsprays oder Fliegengitter.

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