Blutvergiftung (Sepsis)

Symptome einer Blutvergiftung nach Verletzung am Finger © istockphoto, anukool

Der Volksmund spricht von Blutvergiftung – eine recht treffende Bezeichnung für das Krankheitsbild der Sepsis. Am Anfang steht immer eine lokale Infektion, meist mit Bakterien. Von diesem Krankheitsherd – zum Beispiel von einer Wunde am Bein, einer entzündeten Zahnwurzel oder einer Lungenentzündung – breiten sich die Erreger und ihre Gifte über die Blutbahn in den gesamten Körper aus. Der Organismus reagiert mit einer Entzündung, die nach und nach alle Organe erfasst. Der Verlauf ist meist akut, kann aber auch chronisch sein.

Blutvergiftung als Reaktion auf eine Infektion

Der menschliche Organismus verfügt über ein ganzes Arsenal an Strategien, um gefährlichen Situationen gegenüberzutreten. Manchmal allerdings sind die schädigenden Wirkungen so groß, dass die Abwehrmaßnahmen nicht nur versagen, sondern sich ins Gegenteil verkehren und gegen den Körper selbst richten.

Auch heute noch endet das zum Beispiel bei einer Blutvergiftung (Sepsis) in vielen Fällen tödlich. Der ursprüngliche Auslöser einer Blutvergiftung kann jede Art von Infektion sein, beispielsweise:

  • eine kleine Verletzung am Finger
  • ein Insektenstich am Arm
  • ein entzündeter Zahn
  • eine Pilzinfektion
  • eine Lungenentzündung (Pneumonie)
  • eine infizierte Wunde nach einer OP
  • eine Hirnhautentzündung (Meningitis)

Blutvergiftung: Ursachen einer Sepsis

Meist gelingt es dem Körper, eine Infektion auf ihren Ursprungsort zu begrenzen. Dazu dient die Entzündungsreaktion, ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Reaktionen von Gefäßen und Gewebe, Ausschüttung körpereigener Stoffe und Einwanderung bestimmter Zellen. Das führt zu den klassischen Entzündungszeichen wie Rötung, Überwärmung Schwellung und Schmerz.

Ist der Körper aber geschwächt, zum Beispiel im Rahmen einer anderen Erkrankung, oder sind die Erreger besonders aggressiv, kann sich die Infektion und damit die Entzündungsreaktion auf den ganzen Organismus ausbreiten. Nacheinander werden in einem schnellen Verlauf die Organe befallen und deshalb nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Je mehr lebenswichtige Funktionen ausfallen, desto schwerer fällt es dem Körper, die Krankheit aufzuhalten. Wie bei einer Kettenreaktion können so innerhalb weniger Stunden Kreislauf, Nieren, Lunge, Leber und die anderen Körperorgane versagen ("septischer Schock"), was bis zum Tod führt.

Wie häufig ist die Sepsis?

Die Blutvergiftung ist häufiger als Brustkrebs, Aids oder Darmkrebs. Man schätzt, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen an den Folgen stirbt, vergleichbar also mit der Sterblichkeitsrate beim akuten Herzinfarkt. Auf chirurgischen Intensivstationen ist die Sepsis die häufigste Todesursache.

5 Fakten über Blutvergiftungen (Infografik)

5 Fakten über Blutvergiftungen – © Qimono

Anzeichen einer Blutvergiftung: So erkennen Sie die Symptome

Am Infektionsherd – sofern äußerlich sichtbar – zeigen sich Entzündungszeichen:

  • Rötung
  • Überwärmung
  • Schwellung
  • Schmerz

Die Blutvergiftung selbst ist vor allem am Anfang nicht leicht zu erkennen, da die Krankheitszeichen nicht sehr spezifisch sind, also auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Dazu gehören:

  • hohes Fieber oder Fieberschübe mit Schüttelfrost
  • Verwirrtheit
  • Beschleunigung von Atmung und Herzschlag
  • Blutdruckabfall
  • verminderte Ausscheidung von Urin

Roter Strich als Symptom einer Sepsis?

Oft wird angenommen, dass ein roter, schmerzhafter Strang, der von einer Wunde aus in Richtung des Herzens fortschreitet, ein untrügliches Anzeichen einer Sepsis ist. Dies ist jedoch ein Irrglaube.

Ein solcher roter Strich deutet vielmehr auf eine örtliche Entzündung der Lymphgefäße (Lymphangitis) hin. Dabei wandern Bakterien von einer Wunde aus unter der Haut in Richtung der Lymphknoten. Von dort aus kann die Entzündung sich allerdings auf den ganzen Körper ausbreiten und sich so in seltenen Fällen tatsächlich zu einer Sepsis entwickeln. Wer einen roten Streifen auf der Haut bemerkt, sollte daher in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Blutvergiftung: Diagnose und Diagnostik

Im Blut zeigen sich Entzündungszeichen und ein Abfall der roten Blutkörperchen und Gerinnungsstörungen. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis von Erregern in der Blutkultur. Im Ultraschall sind meist eine Vergrößerung von Leber und Milz sichtbar.

Derzeit versuchen Forscher, Gene zu identifizieren, deren Aktivität zur Diagnose- oder Prognosestellung benutzt werden können. Bis zur Praxisreife wird allerdings sicher noch einige Zeit vergehen.

Blutvergiftung: Behandlung einer Sepsis

Da der Betroffene schwer krank ist, erfolgt die Therapie einer Sepsis auf der Intensivstation. Wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall sind die Heilungsaussichten für den Patienten besser, je früher die Behandlung einsetzt. Im Zentrum steht die Therapie mit Antibiotika. Je nach Krankheitsstadium sollte – wenn möglich – der Infektionsherd entfernt werden (zum Beispiel die Gallenblase).

Daneben wird versucht, durch die Behandlung die Schocksituation zu bessern und das Organversagen aufzuhalten beziehungsweise rückgängig zu machen. Dazu gehören: 

  • Infusionstherapie
  • künstliche Beatmung
  • Nierenersatzverfahren
  • künstliche Ernährung
  • Ersatz körpereigener Zellen (zum Beispiel rote Blutkörperchen) und Stoffe wie Insulin und Kortison

In letzter Zeit gibt es die Entwicklung spezifischer Medikamente, die die Immunantwort des Patienten stärken sollen und in verschiedenen Studien die Sterblichkeitsrate gesenkt haben.

Aktualisiert: 05.06.2018 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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