9 Ursachen von Schulterschmerzen

Hände massieren Frau mit Schulterschmerzen
© Angelo Esslinger

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers: Als Kugelgelenk, das größtenteils von Muskeln und Sehnen stabilisiert wird, ermöglicht es einen großen Bewegungsspielraum. Allerdings ist die Schulter dadurch auch anfällig für Verletzungen und Verschleißerkrankungen – Schulterschmerzen sind daher ein häufiges Symptom bei Menschen jeden Alters. Neben Ursachen im Schultergelenk selbst können jedoch auch Erkrankungen der Halswirbelsäule und des Nackens Beschwerden in der Schulter verursachen. Wir haben für Sie die neun häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen zusammengestellt und erklären, mit welchen Methoden die Diagnose gestellt wird.

1. Akute Schmerzen bei Überlastung und Verletzung

Nach einem Unfall oder einer akuten Überlastung – beispielsweise beim Bankdrücken – kann es zu plötzlichen Schmerzen in der Schulter kommen. Meist liegt dann eine Überdehnung oder ein Einriss der Gelenkkapsel oder einer Sehne vor.

Bei einer Ausrenkung der Schulter (Luxiation) kommt es zu einem Kapsel- und Bänderriss, weshalb der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne heraustritt. Dadurch kommt es zu plötzlichen, starken Schmerzen, das Gelenk federt. Auch Schwellungen und Blutergüsse können auftreten.

Auch ein Bruch des Schlüsselbeins oder des Oberarmkopfes äußern sich in der Regel durch sehr starke Schmerzen. Eine Bewegung des betroffenen Armes ist dann meist nahezu unmöglich, weshalb der Arm in einer Schonhaltung am Körper gehalten wird.

Bei einer sogenannten Schultereckgelenksprengung reißen die Bänder zwischen Schlüsselbein und Schulterdach ganz oder teilweise ein – häufig in Folge eines Sturzes. Neben starken Schulterschmerzen tritt dann unter Umständen ein sogenanntes Klaviertastenphänomen auf: Das äußere Ende des Schlüsselbeins steht nach oben und lässt sich wie eine Klaviertaste nach unten drücken.

2. Rotatorenmanschettenriss durch Verletzung oder Verschleiß

Häufige Ursache für Schulterschmerzen sind Schäden an der sogenannten Rotatorenmanschette. Darunter versteht man die Sehnen von vier Muskeln, die vom Schulterblatt zum Oberarmkopf verlaufen und für Drehbewegungen im Schultergelenk sowie für das seitliche Anheben des Armes verantwortlich sind. Zudem stabilisieren sie den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne.

Eine Schädigung von Sehnen der Rotatorenmanschette kann entweder im Rahmen einer akuten Verletzung oder durch allmähliche Abnutzung entstehen. Typische Symptome sind stechende Schmerzen in der Schulter sowie Oberarmschmerzen, die je nach betroffener Sehne besonders bei der Innendrehung, Außendrehung oder bei seitlichem Anheben des Armes auftreten. Liegt ein vollständiger Riss einer oder mehrerer Sehnen vor, kann außerdem eine Kraftlosigkeit bei den beschriebenen Bewegungen auftreten.

3. Impingement-Syndrom: Enge im Schultergelenk

Einer verschleißbedingten Schädigung der Rotatorenmanschette liegt oftmals ein sogenanntes Impingement-Syndrom (Schulterengpasssyndrom) zugrunde. Dabei ist zu wenig Platz zwischen Oberarmkopf und Schulterdach, wodurch es zu einer Einengung der Sehnen kommt.

Besonders häufig ist die Sehne des Supraspinatus-Muskels betroffen, da sie durch die engste Stelle des Gelenks führt. Ein Impingement-Syndrom äußert sich meist durch Schulterschmerzen, die vor allem beim seitlichen Anheben des Armes zwischen 60 und 120 Grad auftreten, da bei dieser Bewegung der Raum unter dem Schulterdach am engsten ist.

Unbehandelt kann ein Impingement-Syndrom zu einer Entzündung oder einem Riss der Supraspinatus-Sehne führen, da die Sehne dauerhaft am Schulterdach scheuert. In diesem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es auch in Ruhe und nachts zu Schulterschmerzen kommen. Auch bei Kälte oder unter verstärkter Belastung kann es zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen.

4. Schleimbeutelentzündung: Schulterschmerzen und Schwellung

Eine Entzündung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach (Bursitis subacrominalis) kann sowohl Ursache als auch Folge des Impingement-Syndroms sein. Denn eine Schleimbeutelentzündung wird häufig durch dauerhafte mechanische Reizung verursacht, wie sie beim Impingement-Syndrom besteht. Auch auch unter anderen Umständen kann eine solche Reizung entstehen, beispielsweise beim Sport oder bei ständigem "Über Kopf"-Arbeiten.

Außerdem können folgende Ursachen zu einer Schleimbeutelentzündung der Schulter führen:

Umgekehrt kann die entzündungsbedingte Schwellung des Schleimbeutels die Rotatorenmanschette einengen und dadurch zu einem Impingement-Syndrom führen. Symptome einer Schleimbeutelentzündung sind neben Schulterschmerzen und einer Einschränkung der Beweglichkeit eine Schwellung und Überwärmung der Schulter.

5. Bizepssehne: Schmerzen durch Bodybuilding

Die lange Sehne des Bizeps-Muskels gehört zwar nicht zur Rotatorenmanschette, sie entspringt jedoch am Oberrand der Schultergelenkpfanne und kann im Falle einer Reizung, einer Entzündung oder eines Risses Schulterschmerzen verursachen. Ursache ist häufig falsches oder zu intensives Training beim Bodybuilding, wenn verschiedene Muskelgruppen ungleichmäßig trainiert werden.

Ähnlich wie bei einer Schleimbeutelentzündung kann eine Verletzung der langen Bizepssehne auch durch "Über-Kopf"-Arbeiten oder -Sportarten, wie Streichen oder Volleyball, verursacht werden, wenn diese Tätigkeiten länger ausgeübt werden und es so zu einem Verschleiß der Sehne kommt.

Bei einer Reizung oder Entzündung der Bizepssehne treten die Schmerzen meist vorne an der Schulter auf und können in den Oberarm ausstrahlen. Ein vollständiger Riss der Bizepssehne äußert sich oftmals zusätzlich durch Kraftlosigkeit bei der Armbeugung – unter Umständen kann auch ein ''wulstiger'' Muskelbauch sichtbar sein. Weitere mögliche Symptome sind Hämatome an der betroffenen Stelle sowie Druckschmerzen.

6. Kalkschulter durch Abnutzung

Bei einer Kalkschulter (Tendinitis calcarea) kommt zu Einlagerungen von Kalziumkristallen in eine Sehne der Rotatorenmanschette – meist ist die Supraspinatus-Sehne betroffen. Ursache ist eine verschleißbedingte Mangeldurchblutung der Sehne.

Symptome einer Kalkschulter sind Schulterschmerzen beim Anheben des Armes sowie ein Druckschmerz an der Vorderseite des Oberarmkopfes. Die Schmerzen verschlimmern sich im Laufe der Erkrankung. In der Regel treten jedoch keine Anzeichen einer Entzündung – wie eine Schwellung oder eine Überwärmung des Gelenks – auf. Brechen die Kristalle in den Schleimbeutel oder in das Gelenk ein, kann es zu einer plötzlichen Verschlimmerung der Beschwerden kommen.

7. Frozen shoulder: Nächtliche Schmerzen und Einsteifung

''Frozen shoulder'' bedeutet ''eingefrorene Schulter'' und bezeichnet eine Erkrankung, bei der es entzündungsbedingt zu einer Verklebung und Verdickung der Gelenkkapsel und dadurch zu einer vorübergehenden Versteifung der Schulter kommt.

Die Ursachen für eine ''Frozen shoulder'' sind ungeklärt – es scheint jedoch einen Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus zu geben. Zudem kann eine ''Frozen shoulder'' nach Verletzungen oder Operationen an der Schulter auftreten.

Die Erkrankung verläuft in drei Phasen: Zunächst kommt es zu Schulterschmerzen, die insbesondere nachts auftreten. Wenn die Schmerzen nach einigen Wochen oder Monaten nachlassen, tritt eine Bewegungseinschränkung – insbesondere bei Drehbewegungen und Seitwärtsheben des Armes – in den Vordergrund. Bis zu sechs Monate kann diese Schulterversteifung anhalten, die Schultermuskulatur nimmt durch die eingeschränkte Beweglichkeit ab.

In der dritten Phase klingen die Beschwerden schließlich von alleine ab. Diese Phase kann bis zu zwei Jahre dauern.

8. Arthrose der Schulter eher selten

Eine Arthrose der Schulter im eigentlichen Sinne einer Abnutzung des Gelenkknorpels kommt eher selten vor, da auf der Schulter (im Gegensatz zu Knie oder Hüfte) für gewöhnlich keine großen Gewichte lasten. Ein Gelenkverschleiß an der Schulter tritt daher meist nur in Folge einer Verletzung – etwa einem Bruch des Oberarmkopfes – oder einer Infektion des Gelenks auf. Außerdem können Schäden an der Rotatorenmanschette die Entstehung einer Arthrose der Schulter begünstigen.

9. Schulterschmerzen links: Herzinfarkt nicht ausschließen

Treten Schulterschmerzen auf der linken Seite plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf, sollte immer auch an einen Herzinfarkt gedacht werden – insbesondere wenn Übelkeit, Atemnot, Angst oder allgemeines Unwohlsein hinzukommen.

Denn teilweise äußert sich ein Herzinfarkt nicht durch Brustschmerzen, sondern durch unspezifische Beschwerden. Schmerzen im Brustraum können unter Umständen in Bauch, Rücken oder Schulter ausstrahlen. In diesem Fall sollten Sie umgehend eine*n Ärztin*Arzt oder eine Notaufnahme aufsuchen.

Wurde eine kardiovaskuläre oder sonstige organische Ursache ärztlich ausgeschlossen, können auch Muskelverspannungen im Schulter- und Brustbereich für die Schulterschmerzen beim Atmen verantwortlich sein. Diese Verspannungen entstehen durch langes Sitzen und verschlimmern sich durch die Bewegung des Brustkorbs beim Atmen.

Diagnostik: Ultraschall hilfreich

Um eine Erkrankung der Schulter zu diagnostizieren, wird zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um die Gelenkfunktion zu überprüfen. In vielen Fällen lässt sich dann bereits aufgrund der geschilderten Beschwerden und der Funktionstests eine Verdachtsdiagnose stellen.

Zur Sicherung der Diagnose ist häufig ein Ultraschall der Schulter hilfreich. Damit lässt sich beispielsweise der Zustand der Rotatorenmanschette beurteilen oder ein Gelenkerguss als Hinweis auf eine Entzündung feststellen. Auf einem Röntgenbild lassen sich hingegen vor allem die Knochen gut beurteilen – beispielsweise zur Feststellung von Arthrose oder zum Ausschließen eines Bruchs oder eines Knochentumors.

Arthroskopie bei unklarer Ursache

Eine Kernspintomografie (MRT) stellt die Weichteile des Gelenks detailliert dar und wird daher oft zur Diagnose unklarer Schulterschmerzen eingesetzt. Lässt sich dennoch keine Ursache finden, kann unter Umständen eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) der Schulter durchgeführt werden. Dabei kann dann auch gleich eine Behandlung – etwa das Nähen einer gerissenen Sehne – durchgeführt werden.

Aktualisiert: 03.09.2021 - Autor: Dr. med. Jana Wittkowski, Ärztin

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