Gelenkschmerzen – was steckt dahinter?

Mann mit Gelenkschmerzen © iStock.com/busracavus

Gelenkschmerzen gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen, die eine Einschränkung im Alltag zur Folge haben und damit die Lebensqualität verringern können. Mehr als jeder zweite Deutsche gibt an, im Verlauf eines Jahres unter Schmerzen in mindestens einem Gelenk zu leiden. Häufig betroffen sind das Knie, die Schulter, die Hüfte oder die Finger.

Die Schmerzen können durch eine Vielzahl an Krankheiten ausgelöst werden. Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick über die wichtigsten Ursachen, wie Arthrose oder Rheuma, und zeigt mögliche Behandlungen auf.

Wie entstehen Schmerzen im Gelenk?

Um die verschiedenen Ursachen von Gelenkschmerzen zu verstehen, lohnt es sich, zunächst einen Blick auf die Anatomie der Gelenke zu werfen:

Unsere Gelenke stellen die Verbindungsstelle zwischen den Knochen dar. Sie ermöglichen uns eine größtmögliche Bewegungsfreiheit und fangen Druckstöße und Zugkräfte ab. Damit die freien Knochenenden nicht dauernd gegeneinander reiben, sind diese mit einer dünnen Schicht Hyalinknorpel ausgekleidet.

Zwischen den Knorpelschichten befindet sich der Gelenkspalt, durch den die Gelenksflüssigkeit den Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Dies ist fundamental wichtig, denn Knorpel besitzt keine eigenen Blutgefäße, über die normalerweise die Stoffwechselprodukte ausgetauscht werden. Auch besitzt der Knorpel keine Schmerzrezeptoren. Schmerzen treten erst auf, wenn umliegende Strukturen, wie der Knochen, die Muskeln oder die Sehnen geschädigt sind.

Welche Gelenke können betroffen sein?

Prinzipiell können alle Gelenke Schmerzen verursachen. Am häufigsten betroffen sind dabei:

  • Knie
  • Schulter
  • Hüfte
  • Fußgelenke
  • Handgelenke
  • Ellenbogen
  • Daumen

Dabei gibt es weitere Unterteilungen. So finden sich am Daumen beispielsweise drei Gelenke:

  • das Daumensattelgelenk, das die Basis des Daumens mit der Handwurzel verbindet
  • das Daumengrundgelenk, das sich am Übergang von der Handfläche zum Daumen befindet
  • das Daumenendgelenk, welches das oberste Gelenk am Daumen darstellt

Die restlichen Finger weisen zusätzlich ein Fingermittelgelenk auf, welches sich zwischen dem Grund- und dem Endgelenk befindet.

Fingergelenke (Infografik)

Fingergelenke – © iStock.com/VectorMine

Je nach zugrundeliegender Ursache kann sich bei den auftretenden Gelenkschmerzen ein typisches Befallsmuster ergeben. So sind zum Beispiel die Fingerendgelenke und das Daumensattelgelenk bei der sogenannten Heberden-Arthrose betroffen, während bei der rheumatoiden Arthritis eher die Fingergrund- und -mittelgelenke schmerzhaft verändert sind. Ein weiteres Beispiel ist die Gicht. Zum ersten Mal macht sich diese Erkrankung üblicherweise im Grundgelenk des großen Zehs bemerkbar.

Welche Symptome treten bei Gelenkschmerzen auf?

Da der Gelenkknorpel keine Schmerzrezeptoren besitzt, lösen andere Faktoren die Schmerzen am Gelenk aus. Am häufigsten verursacht eine Gelenkentzündung akute Schmerzen. Dadurch kann es im Rahmen des entzündlichen Prozesses zu einer teils sichtbaren Gelenkschwellung kommen. Ein weiteres Symptom kann eine gerötete, überwärmte Haut über dem Gelenk sein.

Bewegungsmangel ist in der Gesellschaft weit verbreitet und trägt ebenfalls zur Entstehung schmerzender Gelenke bei. Bei länger anhaltendem Bewegungsmangel kann die Gelenksflüssigkeit nicht mehr ausreichend im Gelenkspalt zirkulieren und den Knorpel versorgen. Zudem verkürzen sich die umgebenden Bänder und Muskeln, was zu unspezifischen Muskelschmerzen führen kann, die bis ins Gelenk einstrahlen.

Welche Krankheiten können der Auslöser sein?

Bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Krankheiten können Gelenkschmerzen als Symptom auftreten. Zu den wichtigsten zählen:

Gelenkschmerzen können auch als Nebenwirkung von Medikamenten entstehen, beispielsweise bei der Einnahme von Tamoxifen oder Fluorchinolonen, wie Moxifloxacin. Darüber hinaus können physikalische Ursachen, wie eine Gewichtszunahme (auch im Rahmen einer Schwangerschaft) oder eine Achsenfehlstellung der Gelenke Schmerzen verursachen.

Arthrose – degenerative Zerstörung des Gelenkknorpels

Die Arthrose ist die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen in Deutschland. Über Jahre wird dabei der Gelenkknorpel zerstört, was zunächst zu geringen Einschränkungen führt. Klassischerweise klagen Betroffene in den Anfangsstadien über einen "Anlaufschmerz", der morgens beim ersten Bewegen des Gelenks auftritt, dann aber wieder verschwindet.

Arthrose kann am ganzen Körper auftreten, am häufigsten sind aber die großen Gelenke, wie Knie- und Hüftgelenk, oder die Finger betroffen. Dadurch sind wechselnde Gelenkschmerzen möglich.

Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis klagen Betroffene mit Arthrose über eine Zunahme der Beschwerden bei Kälte. Auch berichten einige von einer "Wetterfühligkeit". Das heißt, je nach Temperatur variieren die Gelenkschmerzen.

Rheumatoide Arthritis – eine entzündliche Autoimmunerkrankung mit variablem Verlauf

Auf dem ersten Blick ähneln sich die rheumatoide Arthritis und die Arthrose hinsichtlich der Symptome. Diese beiden Erkrankungen sind nicht immer leicht auseinander zu halten. Bei der rheumatoiden Arthritis kommt es aus bisher ungeklärten Gründen zu schubweisen Entzündungen im Körper, die insbesondere die Gelenke betreffen. Aber auch andere Organe, wie die Lunge oder die Augen, können betroffen sein.

Auch im Rahmen von anderen Autoimmunerkrankungen, wie der Hashimoto-Thyreoiditis, bei der es zu einer Zerstörung der Schilddrüse kommt, können Gelenkschmerzen auftreten. Die genauen Ursachen hierfür sind noch nicht vollends geklärt.

Gicht – plötzliche, starke Schmerzen in der großen Zehe

Der klassische Fall eines Gichtanfalls würde in etwa so aussehen: Am Abend hat man noch ausgiebig gespeist, meistens Fleisch und Alkohol im Überfluss, und am nächsten Morgen treten sehr starke Gelenkschmerzen, typischerweise in der großen Zehe auf.

Ursache sind Uratkristalle (das Salz der Harnsäure), die sich im Gelenk ablagern und dort zu einer lokalen Entzündung führen. Harnsäure ist ein Abbauprodukt, welches über die Nieren ausgeschieden wird. Bei einem zu hohen Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) liegt die Säure nicht mehr gelöst im Blut vor, sondern es bilden sich daraus Kristalle. Da dies üblicherweise nach dem Verzehr von stark purinhaltigen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Innereien oder Hülsenfrüchten geschieht, wird die Gicht auch zu den Wohlstandserkrankungen gezählt.

Gelenkentzündung nach Magen-Darm-Erkrankung oder Grippe

Gelenkschmerzen können auch infolge einer Gelenkentzündung nach einer Infektion auftreten – man spricht dann von einer postinfektiösen Arthritis. Auslöser sind dabei Prozesse des Immunsystems. So kann es Tage bis Wochen nach einer durchgemachten Magen-Darm-Infektion, zum Beispiel durch Bakterien wie Yersinien, zu einer wandernden Gelenkentzündung kommen. Dabei treten die Schmerzen nacheinander an unterschiedlichen Stellen im Körper auf. Meist sind die Gelenke der Beine und Füße betroffen.

Auch im Rahmen einer Grippe kann es mal zu Gelenkschmerzen kommen. Diese sind aber eher auf die allgemeine Immunreaktion zurückzuführen und nicht auf die postinfektiöse Arthritis.

Was tun bei Gelenkschmerzen?

Die unterschiedlichen Ursachen von Gelenkschmerzen bedingen eine sehr breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten. Sie reichen von konservativen, physiotherapeutischen Maßnahmen, über medikamentöse Entzündungshemmer bis hin zu operativen Verfahren.

Zunächst sollte unterschieden werden, ob es sich um chronische oder akute Gelenkschmerzen handelt. Für die erste Diagnose ist der Hausarzt die beste Anlaufstelle, doch gerade bei komplexeren Krankheitsbildern stellt sich schnell die Frage, welcher Arzt einem weiterhelfen kann. Prinzipiell kümmern sich Orthopäden um die meisten Gelenkbeschwerden. Ist eine Rheumaerkrankung die Ursache, sollte man einen Rheumatologen aufsuchen.

Welche Hausmittel helfen gegen Gelenkschmerzen?

Insbesondere bei leichten Gelenkschmerzen können Hausmittel Linderung bewirken:

  • Kohl-Wickel: Die Blätter von dem harten Strunk trennen, waschen und abtrocknen. In ein Tuch wickeln und mit einem Nudelholz platt walzen, sodass der Saft in das Tuch übergeht. Bei Bedarf können die Kohlblätter auch mit einer Wärmflasche angewärmt werden. Das Tuch mit den ausgedrückten Kohlblättern um das entsprechende Gelenk binden und einige Stunden drauf lassen. Die im Kohl enthaltenen Flavonoide wirken lokal entzündungshemmend. Hierbei handelt es sich um eine sehr alte Methode, die bei Arthrose oder Rheuma ihre Anwendung findet.
  • Homöopathie und Phytotherapie: Einige Methoden, die in den Bereich der Homöopathie oder der Phytotherapie fallen, zielen auf die häufig zu findende Entzündung bei Gelenkschmerzen ab. So werden zum Beispiel der Afrikanischen Teufelskralle entzündungshemmende und schmerzstillende Kräfte zugesprochen. Diese Wirkung wurde auch in mehreren Studien bestätigt, bei denen den Probanden Präparate mit 50 mg Harpagosid (die entzündungshemmende Substanz in der Teufelskralle) im Vergleich zu Placebos verabreicht wurden.
  • Ernährung: Die Ernährung kann auf unterschiedliche Weise einen Einfluss auf die Symptome haben. Die offensichtlichste Wirkung kann eine Diät bei Übergewicht haben. Dadurch können die Gelenke entlastet und die Symptome verbessert werden. Des Weiteren liegt gerade bei der rheumatoiden Arthritis ein Zinkmangel vor, der nach Rücksprache mit dem Arzt ausgeglichen werden kann.
  • Weniger Alkohol: Alkohol sollte vermieden werden, da dieser unter anderem einen Gichtanfall hervorrufen kann.

Sprechen Sie darüber hinaus mit Ihrem Arzt, welche Maßnahmen zur Behandlung Ihrer Gelenkschmerzen geeignet sind. So kann zum Beispiel bei akuten Gelenkschmerzen das Kühlen des betroffenen Gelenks helfen. Auch kann in vielen Fällen – etwa bei Arthrose – Bewegung helfen, die Beschwerden zu lindern, da dadurch wieder mehr Gelenksflüssigkeit produziert wird, die den Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Darüber hinaus schützt ein gut trainierter Muskelapparat die Gelenke vor Über- und Fehlbelastung. Gelenkschonende Sportarten sind beispielsweise Radfahren, Walking, Schwimmen oder Wandern.

Was tun bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Die genauen Ursachen für Gelenkschmerzen währen und nach der Menopause sind noch Gegenstand der aktuellen Forschung. Eine mögliche Ursache ist der Östrogenmangel. Östrogen ist unter anderem an der Regulation der Wasserspeicher im Körper beteiligt. Sinken die Östrogenspiegel, wird weniger Gelenksflüssigkeit gebildet und der Knorpel wird schlechter ernährt. Diese Prozesse machen das Gelenk insgesamt anfälliger für Entzündungen. In schweren Fällen kann dann eine Hormonersatztherapie Linderung bewirken.

Medikamente und OP – was hilft bei Gelenkschmerzen?

Sollten die konservativen Therapien nicht ausreichend funktionieren, wird von vielen Ärzten auf Tabletten zurückgegriffen. Die meisten Medikamente zielen dabei auf die Schmerzreduktion ab. Zu den häufigsten verschriebenen Substanzen zählen Ibuprofen oder Diclofenac, welches auch als Salbe aufgetragen werden kann.

Seit einigen Jahren wird auch versucht, mit Spritzen gegen die Gelenkschmerzen vorzugehen. Diese Behandlungen, zu denen zum Beispiel das Spritzen von Hyaluronsäure zählt, bringen allerdings nicht bei allen Patienten die erhoffte Linderung und können zudem mit erheblichen Kosten einhergehen.

Sollten alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, oder das Gelenk so sehr verschleißt sein, dass eine erhebliche Beeinträchtigung im Alltag besteht, kann als letzte Möglichkeit ein künstliches Gelenk eingesetzt werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
M25.5

Aktualisiert: 24.08.2020 - Autor: Yannis Diener, Student der Humanmedizin

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