Mikrotherapie bei Bandscheibenvorfall

Mann mit Rückenschmerzen © istockphoto, AntonioGuillem

Bei der Diagnose "Bandscheibenvorfall" denken viele Menschen automatisch an Schmerzen, eine komplizierte Operation an der Wirbelsäule und eine langwierige Reha. Doch dank neuer Behandlungsmethoden wie der Mikrotherapie kann Betroffenen eine OP erspart bleiben. Bei der Mikrotherapie werden mit einer feinen Injektionsnadel Medikamente direkt in den Bandscheibenvorfall gespritzt und somit ein Heilungsprozess direkt im Körper angeregt.

Die Ursache der Schmerzen

Ein Bandscheibenvorfall löst oftmals eine schmerzhafte Entzündung einzelner Nervenwurzeln an der Wirbelsäule aus. Auch eine knöcherne Einengung der Wirbelsäule oder Vernarbungen von vorhergegangenen Bandscheibenoperationen können ähnliche Schmerzen verursachen. Bei vielen Patienten strahlen die Schmerzen der Nervenwurzeln an der Wirbelsäule bis in die Arme und Beine.

Da Mikrotherapien versuchen diese Schmerzen einzudämmen und die Schmerzursache zu beheben, werden sie auch bildgesteuerte Rückenschmerztherapien genannt.

Verringertes Risiko durch die Mikrotherapie

Der Orthopäde Dr. Christian Mauch erklärt den Vorteil der Behandlung: "Während man noch vor wenigen Jahren recht großzügig operiert hat, versucht man heute, eine aufwendige Operation – dank verfeinerter und mikrotherapeutischer Methoden – möglichst zu vermeiden.

Mit der Injektion besteht kaum Gefahr, dass empfindliche Strukturen wie Nerven in der Umgebung der betroffenen Bandscheibe langfristig geschädigt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Mikrotherapie ambulant und lediglich mit einer lokalen Narkose erfolgt. Somit ist ein längerer Krankenhausaufenthalt nicht nötig." 

Bereiche, in denen die Mikrotherapie eingesetzt werden kann

Grundsätzlich können die verschiedenen Mikrotherapien bei allen Patienten angewendet werden, die eine schmerzhafte Reizung der Rückenmarksnerven verspüren.

Beispiele dafür sind:

  • Bandscheibenvorfall oder -vorwölbung 
  • Stenosen (Verengung des Wirbelkanals)
  • akute oder chronische Lendenschmerzen
  • Beschwerden in Bereichen des Ischiasnerves
  • Facettengelenksarthrose (Wirbelgelenkverschleiß)
  • degenerative Wirbelsäulenerkrankungen 
  • Foramenstenosen (knöcherne Einengungen der Wirbelsäule)

Was passiert bei der Mikrotherapie?

Bei dem etwa 20-minütigen Eingriff werden entzündungshemmende Wirkstoffe unter ständiger Kontrolle mit Hilfe der Computertomographie (CT) direkt in die Bandscheibe gespritzt.  Zunächst wird die Hohlnadel, eine millimetergroße Sonde, exakt an den betroffenen Teil der Bandscheibe eingeführt, wo dann die Wirklösung injiziert wird.

Diese Lösung bewirkt ein Abschwellen des Gewebes von Trauben- auf Rosinengröße. Gleichzeitig wird der schmerzende Nerv vorübergehend betäubt und die Schmerz- und Entzündungshormone weggespült. Als Medikamente werden meist Cortison oder der körpereigene Stoff Orthokin® verwendet.

Diese Wirkstoffe sind auch in vergleichsweise geringer Menge durch die lokale Anwendung äußerst wirksam. Da die Nadel sehr dünn ist, ist die Behandlung je nach Schmerzempfinden schmerzarm oder sogar schmerzfrei.

Falls eine Unverträglichkeit für die herkömmlichen Medikamente besteht, ist seit einiger Zeit auch die Mikrotherapie mit Naturheilmitteln möglich.
Alternativ kann mit einer Art Laser das geschädigte Gewebe aufgelöst werden.

Anwendungsbereiche und Arten der Mikrotherapie

Nach Beschädigung der kleinen Wirbelgelenke können diese Behandlungen Anwendung finden:

  • Facettenblockade
  • Facetteninfiltration
  • Facettenkoagulation mit Laser

Diese Nervenwurzelbehandlungen können bei Nervenwurzelschmerzen helfen:

  • periradikuläre Infiltration
  • epidurale Infiltration
  • perkutane Lasernukleotonomie

Zur Behandlung der Verengung von Wirbel- und Nervenkanälen kommen diese Therapien in Frage:

  • periradikuläre Injektion 
  • epidurale Injektion

Dauer der Therapie

Die Behandlungsdauer mit einer Mikrotherapie ist abhängig von der Intensität und Häufigkeit der Beschwerden. In der Regel wird die Methode vier bis sechs Mal im Abstand von zwei bis vier Wochen wiederholt. 

So kann eine deutliche Linderung der Schmerzen oder sogar eine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht werden. Danach sollte in den Abständen von drei, sieben und zwölf Monaten eine Kontroll-MRT durchgeführt werden.

Nebenwirkungen der Mikrotherapie

Komplikationen oder starke Nebenwirkungen sind bei einer Mikrotherapie selten. In einigen Fällen kann es zu minimalen Blutergüssen im Einstichbereich kommen. Gelegentlich kommt es auch zu einem zeitweisen Taubheitsgefühl in Armen und Beinen. Während einer Schwangerschaft oder bei Blutgerinnungsstörungen ist eine Mikrotherapie jedoch nicht ratsam.

Bandscheibenvorfällen vorbeugen

Damit eine Mikrotherapie gar nicht erst erforderlich ist, kann man seinen Bandscheiben regelmäßig etwas Gutes tun. Eine gesunde Bandscheibe zieht sich je nach Belastung zusammen oder dehnt sich aus, wobei wichtige Nährstoffe aufgenommen werden.

Besonders fördernd für eine gesunde Bandscheiben sind deshalb regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von zu starker Belastung der Bandscheiben.

Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse

Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Mikrotherapie vollständig oder mindestens zu großen Teilen. Der Anteil der Kostenübernahme ist in der Regel vom Ausmaß der Bandscheibenveränderung, von der Stärke der Schmerzen und von den Angeboten der jeweiligen Klinik abhängig.

Aktualisiert: 07.04.2017 – Autor: Dr. Christian Mauch, überarbeitet: Lena Kaarow

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?