Darmkrebs

Frau mit Darmkrebs im Krankenhaus © istockphoto, AlexRaths

Bösartige Darmtumoren nehmen in den Industrieländern eine unrühmliche Spitzenposition ein: Bei den Krebsarten stehen sie bei Männern und Frauen an 2. Stelle. Fast 70.000 Menschen erkranken jährlich neu und noch immer erliegt jeder Vierte diesem Leiden. Fast alle bösartigen Neubildungen gehen vom Drüsengewebe der Dickdarmschleimhaut (Adenokarzinom) aus, Krebs im Bereich des Dünndarms ist sehr selten.

Wo genau entsteht der Krebs?

Mit Abstand am häufigsten tritt Darmkrebs als kolorektales Karzinom auf – Krebs im Bereich des Grimmdarms (Kolonkarzinom) und/oder Mastdarms (Rektumkarzinom). Da zum einen zum Dickdarm nicht nur der Grimmdarm (Kolon), sondern auch der Blinddarm mit seinem Wurmfortsatz gehört, zum anderen der Mastdarm (Rektum) bis hin zum After wiederum ein eigenständiger Abschnitt hinter dem Dickdarm ist, sind die gängigen Bezeichnungen Dickdarmkrebs oder Darmkrebs eigentlich ungenau.

Wie entsteht Dickdarmkrebs?

Die überwiegende Mehrzahl der Karzinome geht aus gutartigen Schleimhautwucherungen (Adenome, Polypen) hervor. Die Entartungswahrscheinlichkeit ist abhängig vom histologischen Aufbau und von der Größe (ab einem Zentimeter) der gutartigen Wucherung.

Durch zunehmende Mutationen unterscheiden sich die Zellen dermaßen stark von der ursprünglichen Struktur, dass sie ein ungeregeltes und unkontrolliertes Wachstum entwickeln. Sie verlieren den Kontakt zu anderen Darmzellen, verlassen den Zellverband und durchdringen das umliegende Gewebe. Gelangen sie in Blut- oder Lymphbahnen, können sie in den gesamten Körper verschleppt werden und Metastasen bilden. Am häufigsten entsteht entartetes Gewebe im Enddarm (Rektum). Je weiter man im Dickdarm hinaufgeht, umso seltener ist es anzutreffen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können Ableger vor allem in der Leber und bei tiefer Lokalisation des Karzinoms (im unteren Rektum) auch in der Lunge entstehen. Von diesen Organen aus kann eine weitere Streuung in den gesamten Organismus stattfinden. Menschen, die aufgrund der genetischen Konstitution dazu neigen, Darmpolypen zu bilden, sind besonders gefährdet, an Darmkrebs zu erkranken. So existieren gewisse genetische Erkrankungen (familiäre adenomatöse Polyposis = FAP), die unbehandelt in jedem Fall zu Darmkrebs führen.

Ernährungsbedingte Einflüsse

Daneben kennt man ernährungsbedingte Einflüsse: Fleisch- und fettreiche, ballaststoffarme Kost und Übergewicht sind wesentliche Risikofaktoren. Sie führen dazu, dass der Stuhl längere Zeit im Darm verweilt und damit die Kontaktzeit mit der Schleimhaut verlängert ist. Dies reizt die Darmschleimhaut führt dazu, dass vermehrt Giftstoffe in die Darmzellen gelangen – und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich unkontrolliert vermehren.

Zusätzlich begünstigt Zigarettenrauchen – wie bei fast allen Krebsarten – auch hier die bösartige Wucherung. Gewisse Operationen im Dickdarmbereich (zum Beispiel die Verbindung der Harnleiter mit dem Dickdarm) oder chronische Entzündungen der Verdauungsorgane (Colitis ulcerosa) sind ebenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden.

Häufigkeit von Dickdarmkrebs

Der Dickdarmkrebs ist in unseren Breiten eine häufige Erkrankung – mit steigender Tendenz. Im Verlauf von wenigen Jahrzehnten ist das kolorektale Karzinom bei uns zur zweithäufigsten Krebsart bei Mann und Frau avanciert. Zu 90 Prozent sind Personen über 50 Jahre betroffen – Frauen und Männer etwa zu gleichen Teilen. Für die Normalbevölkerung liegt das statistische Risiko, an einem Dickdarmkrebs zu erkranken, bei rund 6 %, bei Risikogruppen (zum Beispiel erbliche Anfälligkeit) zum Teil weit darüber.

Ein wesentlicher Grund für die Zunahme und die Diskrepanz zu anderen Regionen der Erde (zum Beispiel Afrika) ist einerseits die steigende Lebenserwartung und andererseits der Wohlstand in der westlichen Welt. Eine mengen- und kalorienmäßig viel zu große Nahrungszufuhr, verbunden mit hohem Anteil tierischer Fette und niedrigem Fasergehalt ist bei uns ebenso verbreitet wie Bewegungsarmut und Übergewicht.

Aktualisiert: 07.08.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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