Wissenswertes über Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs ist die Nr.1 der Europäischen Krebscharts. Europaweit erkranken jedes Jahr 279.000 Menschen neu an Darmkrebs. Allein in Deutschland sind es jährlich 66.000. Davon sterben 29.000 Menschen jedes Jahr an den Folgen dieser Erkrankung. Hier einige interessante und nützliche Informationen rund um das Thema Darm, Darmkrebs und Vorsorge.

Wussten Sie, dass...


... 70% der menschlichen Abwehrzellen im Darm sitzen? Der Darm ist das Zentrum unseres Immunsystems. Eine gesunde Darmflora bietet daher auch einen wirksamen Schutz gegen schädliche Mikroorganismen.


… Darmkrebs der einzige Krebs ist, der durch Früherkennung zu fast 100% vermeidbar bzw. heilbar ist? Das liegt daran, dass dieser Krebs Vorstufen (so genannte Polypen) bildet. Nur aus diesen Polypen, die im Frühstadium noch kein Krebs sind, können bösartige Adenome entstehen. Werden diese Polypen im Frühstadium (z.B. bei einer Darmspiegelung) entdeckt, können sie während der Untersuchung (ohne OP) direkt entfernt werden und der Untersuchte kann sicher sein, die nächsten Jahre keinen Darmkrebs zu bekommen.


… Darmkrebs erblich ist? Experten schätzen, dass ca. 30% aller Darmkrebsfälle auf eine familiäre Disposition bzw. auf genetische Ursachen zurückzuführen sind. Menschen, in deren Familien Darmkrebs oder dessen Vorstufen (Polypen) bei Familienmitgliedern bekannt sind, sollten sich frühzeitig über Darmkrebsfrüherkennung beraten lassen und bereits in jungen Jahren zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Bei einer familiären Disposition zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die kurative Koloskopie (Darmspiegelung) auch altersunabhängig.


… eine Darmspiegelung nur alle 10 Jahre notwendig ist? In der Zwischenzeit können Sie sicher sein, diesen Krebs nicht zu bekommen. Dies gilt allerdings nur, wenn bei der vorhergehenden Spiegelung der Befund negativ ist. Für Menschen, bei denen Polypen gefunden und entfernt wurden, sowie bei Menschen mit einem erblichen Risiko sind die Untersuchungszeiträume kürzer. Diese können, je nach vorliegender Diagnose, zwischen 2 – 6 Jahren variieren.
… der Stuhlbluttest jährlich einmal durchgeführt werden sollte? Dieser Test erkennt verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl. Polypen, die Vorstufen von Darmkrebs sein können, bluten in Intervallen, d.h. nicht kontinuierlich. Deshalb muss auch jeder positive Stuhlbluttest durch eine Koloskopie abgeklärt werden, um sicher zu sein, dass keine Polypen oder andere Erkrankungen vorliegen. Eine mehrmalige Testung, z.B. so lange bis ein negatives Ergebnis vorliegt, darf auf keinen Fall geschehen. Dies ist explizit in den ärztlichen Richtlinien festgeschrieben.


… die gesetzlichen Krankenkassen den Stuhlbluttest für Versicherte ab dem 50. Lebensjahr jährlich kostenlos anbieten und die präventive Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr von der GKV erstattet wird? Für Menschen, die akute Beschwerden haben (Blut im Stuhl, Schmerzen) oder auch bei Versicherten mit Darmkrebsfällen in der Familie, gilt diese Regelung nicht. Sie bekommen die sowohl den Test, als auch die Koloskopie altersunabhängig erstattet. Der Stuhlbluttest ist zudem rezeptfrei in der Apotheke zur Selbstauswertung oder Einsendung in ein Labor für ca. 15 Euro erhältlich.


… Sie Ihr Darmkrebsrisiko mit einem gesunden Lebensstil erheblich reduzieren können? Gesunde Ernährung und regelmäßiger Ausdauersport senken das Darmkrebsrisiko nachweislich; teilweise um bis zu 40%. Allerdings gilt dies nur für Menschen, die keiner der o.g. Risikogruppen angehören. Für diese ist der regelmäßige Darm-Check unerlässlich.


… die virtuelle Koloskopie (z.B. Computertomografie- oder Magnetresonanzverfahren) z. Zt. die konventionelle Koloskopie noch nicht ersetzen kann? Wird beim CT oder MR ein Polyp entdeckt, kann dieser nur mittels einer konventionellen Darmspiegelung entfernt werden.


… in der Darminnenwand rund 100 Millionen Nervenzellen zu einem Netz verflochten sind? Das sind mehr Zellen, als das gesamte Rückenmark besitzt. Dies erklärt, warum der Darm sehr sensibel auf äußere und psychosomatische Einflüsse reagiert.
… das menschliche Verdauungsorgan etwa 8 m lang ist? Das entspricht der Länge einer ausgewachsenen Riesenschlange.

Risikogruppe für Darmkrebs

Darmkrebs ist eine Erkrankung, die vererbt werden kann. Das Vorliegen einer erblichen Darmkrebserkrankung bedeutet für direkte Verwandte der Erkrankten (Eltern, Geschwister und Kinder), dass sie unter Umständen schon im frühen Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung haben. Bei den meisten Formen von erblichem Darmkrebs lässt sich das Erkrankungsrisiko durch Befolgen entsprechender Vorsorgeregeln sehr deutlich reduzieren.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr persönliches Darmkrebsrisiko und nehmen Sie die Chance, die die Darmkrebsvorsorge Ihnen bietet, wahr! Darmkrebs ist die einzige Krebserkrankung, die sich nahezu hundertprozentig verhindern lässt. Mit den folgenden Fragen können Sie selbst herausfinden, ob in Ihrer Familie ein erhöhtes Risiko für eine Darmkrebserkrankung vorliegt.

Wichtige Fragen zur Darmkrebsvorsorge

Wichtig ist, dass Sie möglichst genau in Erfahrung bringen, wer in der Familie Darmkrebs oder Darmpolypen hat oder hatte und in welchem Alter diese Erkrankungen aufgetreten sind.

  • In meiner Familie ist ein direkter Verwandter (Eltern, Geschwister oder Kinder) an Darmkrebs erkrankt. (ja/nein)
  • In meiner Familie ist ein direkter Verwandter (Eltern, Geschwister oder Kinder) vor dem Alter von 45 Jahren an Darmkrebs erkrankt. (ja/nein)
  • In meiner Familie wurde bei einem direkten Verwandten (Eltern, Geschwister oder Kinder) ein Darmpolyp (Adenom) vor dem Alter von 40 Jahren erkannt. (ja/nein)
  • In meiner Familie sind drei oder mehr Verwandte an Darmkrebs, Magenkrebs, Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs, Nierenbecken- oder Harnleiterkrebs erkrankt. (ja/nein)

Vorsorgeempfehlungen

Falls Sie alle Fragen mit Nein beantwortet haben, besteht in Ihrer Familie kein erhöhtes Risiko für eine Darmkrebserkrankung. Es reicht, wenn alle Familienmitglieder im Alter von 50 Jahren mit der Darmkrebs-vorsorge beginnen. Die Krankenkassen zahlen einen jährlichen Stuhlbluttest ab 50 Jahren und eine Darmspiegelung ab 55 Jahren.

Falls Sie ausschließlich Frage 1 mit Ja beantwortet haben, könnte in Ihrer Familie ein erhöhtes Risiko für eine Darmkrebserkrankung vorliegen. Alle direkten Verwandten (Eltern, Geschwister und Kinder) der an Darmkrebs erkrankten Person sollten sich dann vom Hausarzt oder Gastroenterologen beraten lassen, ob zusätzliche Vorsorgemaßnahmen notwendig sind.

Falls Sie eine oder mehrere der Fragen 2 bis 4 mit Ja beantwortet haben, könnte in Ihrer Familie eine erbliche Form von Darmkrebs vorliegen. Alle direkten Verwandten (Eltern, Geschwister und Kinder) der an Darmkrebs erkrankten Personen haben dann ein stark erhöhtes Risiko für eine Darmkrebserkrankung und sollten sich unbedingt vom Hausarzt, Gastroenterologen oder ggf. Humangenetiker über geeignete Vorsorgemaßnahmen beraten lassen.

Humangenetische Beratungsstellen

Einige Universitätskliniken haben spezielle Beratungsstellen für Personen mit Verdacht auf erblichen Darmkrebs eingerichtet: Bochum, Tel.: 0234-299-3464; Bonn, Tel.: 0228-287-5489; Dresden, Tel.: 0351-796-5744; Düsseldorf, Tel.: 0211-81 13960; Heidelberg, Tel.: 06221-56-36493; München, Tel: 089-54308-511; Regensburg, Tel.: 0941-944-7010.

Aktualisiert: 30.05.2012 – Autor: Darmkrebsmonat

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