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Reizmagen – was hilft wirklich?

Frau mit Reizmagen hält schmerzenden Bauch © istockphoto, AndreyPopov

Immer mehr Menschen leiden an einer Erkrankung, für die Ärzte keine Ursache finden können: einem Reizmagen. Diese Erkrankung geht mit unspezifischen Symptomen wie Magenschmerzen, Blähungen oder Übelkeit einher, was die Diagnose erschwert. Aber auch, wenn ein Reizmagen sich nicht einfach diagnostizieren lässt, gibt es zahlreiche Tipps, durch welche die Symptome sich lindern lassen oder sogar verschwinden können. Lesen Sie hier, wie man einen Reizmagen erkennt und was dagegen hilft.

Was ist ein Reizmagen?

Der Reizmagen, oder auch "nicht ulzeröse Dyspepsie" beziehungsweise "funktionelle Dyspepsie", ist ein Sammelbegriff für Oberbauchbeschwerden, für die weder in bildgebenden Verfahren noch mittels Labortests eine Ursache gefunden werden kann.

Das Leitsymptom des Reizmagens sind unbestimmte Beschwerden im mittleren Oberbauch. Dort befindet sich unter anderem der Magen. Die Krankheit wird diagnostiziert, wenn sämtliche Tests auf mögliche andere Erkrankungen negativ ausfallen, also keinen Anhaltspunkt für eine andere Erkrankung geben.

Als Ursache für das Krankheitsbild kommen oft psychische Belastungen und Stresssituationen in Betracht, weshalb man auch von einem "Stressmagen" spricht. Auch psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen, können eine mögliche Ursache sein. 

Oft tritt der "sensible Magen" in Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom auf. Dieses Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Bauchschmerzen und/oder Stuhlunregelmäßigkeiten, für die ebenfalls keine organische Ursache gefunden werden kann.

Die vielfältigen Ursachen des Reizmagensyndroms

Beim Reizmagensyndrom spricht man auch von einem "empfindlichen" oder "nervösen" Magen, weil das Nervensystem des Betroffenen im oberen Magen-Darm-Trakt sowohl auf äußere als auch auf innere Reize empfindlicher reagiert als bei einer gesunden Person.

Vor allem auf die Magensäure kann der Magen dabei sensibel reagieren. Deren Bildung wird zum Beispiel durch Koffein angeregt, weshalb sich Kaffeekonsum negativ auf die Gesundheit der Magenschleimhaut auswirken kann. Auch das Medikament Aspirin® kann der Magenschleimhaut schaden, indem es die Produktion von schleimhautschützenden Hormonen vermindert.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine Störung der Magenbewegung. Durch eine unzureichende Magenbewegung verbleibt die Nahrung länger im Magen und es kann zu den typischen Beschwerden eines Reizmagens kommen.

Auch ein Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori wird diskutiert. Bei diesem handelt es sich um ein Bakterium, das den Magen besiedeln und eine Entzündung in ihm hervorrufen kann.

Welche Symptome hat man beim Reizmagen?

Zu den möglichen Symptomen eines Reizmagens zählen:

  • Oberbauchschmerzen, beziehungsweise Magenschmerzen oder Druck in der Magengegend
  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • vermehrtes Aufstoßen
  • Erbrechen, das Essen bleibt nicht im Magen
  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen
  • Sodbrennen
  • schnelle Sättigung bei Nahrungsaufnahme
  • bohrendes Hungergefühl, gleichzeitig verminderter Appetit
  • fettiges Essen wird nicht mehr vertragen

Die Bauchschmerzen können oft nicht genau lokalisiert werden und können sogar soweit in den Rücken ausstrahlen, dass Betroffene über Rückenschmerzen klagen. 

Das spricht gegen das klassische Reizmagensyndrom 

Während ein Reizmagen nur durch den Ausschluss anderer Krankheiten diagnostiziert werden kann, gibt es umgekehrt auch Symptome, die normalerweise gegen die Diagnose des Reizmagens sprechen. Dazu zählen:

  • Fieber
  • Gewichtsabnahme, trotz gleichbleibender Nahrungszufuhr
  • Nachtschweiß 
  • nächtlicher Durchfall 
  • schwarzer Stuhl ("Teerstuhl", Meläna)

Diese Symptome deuten meist auf andere Erkrankungen hin. Schwarzer Stuhl kann beispielsweise durch eine Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt auftreten, also vor allem im Magen, im Dünndarm oder in der Speiseröhre. Aber auch bei der Einnahme von Eisentabletten färbt sich der Stuhl schwarz.

Fieber, Gewichtsabnahme und Nachtschweiß lassen sich in der Medizin als "B-Symptomatik" zusammenfassen und können in Zusammenhang mit Infektionen und Krebserkrankungen stehen.

Nächtliche Durchfälle können auf eine chronische Darmentzündung, wie beispielsweise die Mikroskopische Kolitis hinweisen. Diese kann durch die Mikroskopie von Proben diagnostiziert werden, die bei einer Darmspiegelung entnommen werden.

Die Symptome des Reizmagensyndroms sind also vielfältig und bedürfen einer individuellen Diagnose. 

Diagnose des Reizmagens – kein klassischer Test verfügbar 

Der Reizmagen ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass es keinen klassischen Test für die Diagnose der Erkrankung gibt und nur von einem Reizmagensyndrom gesprochen werden kann, wenn eine organische Ursache der Beschwerden ausgeschlossen wurde.

Dazu veranlasst der behandelnde Arzt Untersuchungen, wie beispielsweise die Ultraschalluntersuchung des Bauchs, eine Magenspiegelung, Stuhluntersuchungen und/oder Laboruntersuchungen des Blutes.

Nur, wenn die Symptome über mindestens drei Monate andauern und die vom Arzt durchgeführten Untersuchungen kein Ergebnis liefern, kann die Diagnose eines Reizmagensyndroms gestellt werden. 

Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen 

Weitere mögliche Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, die man jedoch meistens mittels Untersuchungen diagnostizieren kann, sind unter anderem:

  • Magengeschwür (Ulkus)
  • chronische Magenentzündung beziehungsweise Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Reflux 
  • Lebensmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel Zöliakie, Laktoseintoleranz oder Nahrungsmittelallergien)
  • Magen-Darm-Infekt 
  • Krebserkrankungen im oberen Magen-Darm-Trakt (Magenkrebs)

Die richtige Ernährung: Fettfrei und frisch 

Die Therapie eines Reizmagens beinhaltet unter anderem diätetische Maßnahmen. Die Lebensmittel, welche die Beschwerden verstärken (beispielsweise fettige Nahrung), sollten weggelassen werden. Auch wirken sich kleinere und dafür häufigere Mahlzeiten oft positiv auf die Genesung aus.

Eine Umstellung der Essgewohnheiten kann oft helfen, die Beschwerden zu lindern. Dabei sollte man darauf achten, sich möglichst von frisch gekochten Gerichten zu ernähren und somit auf Fertiggerichte, so gut es geht, zu verzichten.

Gegartes Gemüse und mageres Fleisch (beispielsweise Pute und Huhn), gekochter Reis und Nudeln sowie fettarme Wurst, Käse und Fisch können meistens gut vertragen und somit gegessen werden.

Was Essen bei Reizmagen? Die Low-FODMAP-Diät

Eine besondere Diätform, mit der viele Betroffene gute Erfahrungen machen, ist die sogenannte Low-FODMAP-Diät. Bei dieser soll vor allem auf verschiedene, schwer verdauliche, Mehrfachzucker verzichtet werden. Die Low-FODMAP-Diät hat bereits hohe Erfolgsquoten in der Therapie bei einem Reizdarm und kann auch beim Reizmagen weiterhelfen.

Einige Produkte, auf die man während dieser Diät verzichten muss, sind zum Beispiel: 

  • Laktose (in Milchprodukten)
  • Fruktose (in Früchten und vielen Erfrischungsgetränken)
  • einige Getreidesorten
  • Hülsenfrüchte

Sechs bis acht Wochen lang muss komplett auf die schwer verdaulichen Nahrungsmittel verzichtet werden, dann dürfen sie Stück für Stück wieder in die Nahrung eingebaut werden.

Auf was sollte beim Reizmagensyndrom verzichtet werden?

Als schlecht verträglich gelten bei einem Reizmagen:

  • allgemein fettreiche Gerichte
  • Lebensmittel, die zu Blähungen führen können, wie zum Beispiel Knoblauch, Hülsenfrüchte, Zwiebeln und Kohl
  • scharfes Essen
  • Koffein und Aspirin®

Was wirklich hilft, ist individuell verschieden

Von Mensch zu Mensch können unterschiedliche Nahrungsmittel besser oder schlechter vertragen werden.

Um herauszufinden, was persönlich am besten vertragen werden kann, empfiehlt es sich, ein sogenanntes "Symptomtagebuch" zu führen. Dabei sollten täglich die Mahlzeiten und die folgenden Beschwerden dokumentiert werden, um einen Zusammenhang zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und den darauffolgenden Symptomen aufzudecken. 

Durch den anschließenden Verzicht auf die entsprechenden Nahrungsmittel kann der "schwache Magen" gestärkt werden und es so zu einer Verbesserung der Symptome kommen. Um das Reizmagensyndrom loszuwerden, ist also vor allem eine konsequente Umstellung des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten gefragt. 

Was tun bei Reizmagen? Das hilft außerdem!

Neben der Anpassung der Ernährung sollte bei einem Reizmagen auch der Konsum von Nikotin und Alkohol vermieden werden. 

Auch Übergewicht kann das Krankheitsbild des "schwachen Magens" fördern. Deshalb empfiehlt es sich, Sport zu treiben und sich genügend zu bewegen, um sowohl einem möglichen Übergewicht als auch einer etwaigen psychischen Belastung entgegenzuwirken.

Auch ausreichend Schlaf und Entspannungstechniken, wie Yoga, können gegen Stress helfen. Bei einer möglichen psychischen Erkrankung empfiehlt sich eine Psychotherapie.

Welche Hausmittel können helfen?

Tee zählt zu den Hausmitteln, die helfen können. Doch welcher Tee ist beim Reizmagensyndrom am besten geeignet? Vor allem Kamillentee, Pfefferminztee, Fencheltee oder Salbeitee können helfen, den Magen zu beruhigen und Krämpfe zu lösen.

Auch eine Wärmflasche oder eine leichte Bauchmassage können bei akuten Beschwerden helfen.

Welche Medikamente beim Reizmagen?

Der Einsatz von Medikamenten richtet sich nach den individuellen Beschwerden. Folgende Medikamente können bei einem Reizmagen helfen:

  • Bei krampfartigen Beschwerden können krampflösende Medikamente, wie Buscopan®, eingesetzt werden. 
  • Bei Beschwerden, die während und nach dem Essen auftreten, empfehlen sich Medikamente, die die Magenbewegung fördern (Prokinetika wie Metoclopramid).  
  • Bei Sodbrennen können Säurehemmer hilfreich sein (Protonenpumpeninhibitoren wie Pantoprazol oder Omeprazol).
  • Ein Medikament, das mehrere Probleme des Reizmagens gleichzeitig bekämpft, ist Iberogast®. Es wirkt sowohl fördernd auf die Magenbewegung als auch krampflösend und verbessert gleichzeitig den Schutz der Magenschleimhaut. 

Wie lange dauert das Reizmagensyndrom?

Die Beschwerden des Reizmagensyndroms verschwinden oder verbessern sich nach ein bis zwei Monaten bei über der Hälfte der Patienten, wenn eine Diät eingehalten und eventuell verschriebene Medikamente eingenommen werden.

Jedoch kann es nach dem Absetzen der Medikamente zu einem Wiederkehren der Beschwerden kommen. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden unter Behandlung nicht vollständig, sie verbessern sich jedoch deutlich.

Allgemein ist die Prognose der Erkrankung günstig, da in der Regel keine ernsten Folgeerkrankungen oder Komplikationen auftreten. 

Wenn die Ernährungsumstellung konsequent eingehalten wird und ein stressfreier Lebensstil erzielt werden kann, kann sich ein Reizmagen innerhalb von einigen Monaten also stark verbessern, ohne weitere Konsequenzen mit sich zu ziehen. 

Quellen und weiterführende Informationen

Aktualisiert: 11.10.2019 – Autor: Silvana Schönit

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