Abführmittel: Hilfe bei Verstopfungen

Abführmittel bei Verstopfungen © istockphoto, andriano_cz

Unter Abführmittel (Laxantien) werden alle Substanzen verstanden, die die Stuhlentleerung beschleunigen und somit bei Verstopfungen (Obstipation) helfen können. Von einer Verstopfung spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum eine Stuhlentleerung höchstens dreimal pro Woche erfolgt und nur unter starkem Pressen möglich ist.
Neben chemischen Abführmitteln können bei Verstopfungen auch natürliche Hausmittel helfen. Im Vergleich zu Abführmitteln sind sie in der Regel besser verträglich und haben weniger Nebenwirkungen. Abführmittel sollten übrigens in jedem Fall lediglich zur Behandlung von Verstopfungen und nicht zum Abnehmen eingesetzt werden.

So wirken Abführmittel

Abführmittel sind bereits seit Jahrtausenden bekannt. So wurden schon im alten Ägypten Verstopfungen mit Rizinusöl behandelt. Auch heute werden Abführmittel noch häufig verwendet, etwa neun Millionen Deutsche nehmen regelmäßig Abführmittel ein, etwa ein Drittel greift sogar täglich auf Abführmittel zurück.

Bei der Verdauung wird dem recht flüssigen Stuhl im Dickdarm nach und nach Wasser entzogen. Dadurch dickt der Stuhl ein und wird fester. Die meisten Abführmittel setzen an dieser Stelle an: Sie sorgen entweder dafür, dass der Entzug von Wasser aus dem Stuhl behindert wird oder dass die Wasserausscheidung in den Stuhl gefördert wird. Dadurch wird dieser weicher, gewinnt an Volumen und kann leichter ausgeschieden werden.

Anwendung von Abführmitteln

Abführmittel können entweder oral eingenommen oder direkt in den Darm eingeführt werden. Wird ein Zäpfchen oder ein Einlauf verwendet, wirken die Abführmittel in der Regel sehr schnell. Bei einer oralen Einnahme dauert es dagegen deutlich länger, bevor die Wirkung einsetzt: Am besten wird die Tablette abends vor dem Schlafen eingenommen, da der Effekt je nach Abführmittel erst nach sechs bis zehn Stunden einsetzt.

Wenn Sie ein Abführmittel erstmalig einnehmen, sollten Sie bedenken, dass es nach einer vollständigen Entleerung des Darms länger als gewöhnlich dauern kann, bis der nächste Stuhlreiz einsetzt. Häufig wird nach der ersten Einnahme jedoch irrtümlicherweise geglaubt, dass der Darm noch immer verstopft sei und ein weiteres Mal zu einem Abführmittel gegriffen.

Wie genau ein Abführmittel angewendet wird und welche Risiken und Nebenwirkungen es hat, hängt auch davon ab, um was für eine Art von Abführmitteln es sich handelt. Allgemein werden Abführmittel in die folgenden Kategorien unterteilt:

  • Quell- und Füllstoffe
  • Osmotisch wirkende Abführmittel
  • Hydragoge Abführmittel
  • Gleitmittel

Im Folgenden finden Sie genauere Informationen zu den einzelnen Abführmittelarten.

Quell- und Füllstoffe

Zu den Quell- und Füllstoffen gehören beispielsweise Weizenkleie, Leinsamen, Agar-Agar oder Flohsamen. Sie sind allesamt pflanzlichen Ursprungs. Quellmittel nehmen im Darm Wasser auf und quellen auf. Dadurch vergrößert sich die Stuhlmenge und der Stuhl wird weicher. Damit die Quellmittel genügend Wasser aufnehmen können, ist es besonders wichtig, genügend zu trinken. Denn wenn im Verdauungstrakt zu wenig Wasser vorliegt, kann es im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss kommen.

Quellstoffe bieten den Vorteil, dass sie lokal im Darm wirken und kaum Nebenwirkungen haben. Allerdings kann es durch die Einnahme der Quellstoffe zu Blähungen kommen. Zudem zeigen sie bei organischen Erkrankungen des Darms keine Wirkung. Quellmittel können ausschließlich oral eingenommen werden.

Osmotisch wirkende Abführmittel

Zur Gruppe der osmotisch wirkenden Abführmittel gehören unter anderem Milchzucker, Lactulose, Bittersalz, Glaubersalz und Sorbit. Sie machen den Stuhl weicher, indem sie Wasser im Darm binden. Durch das größere Stuhlvolumen wird der Stuhlreiz ausgelöst. Zudem kann der Stuhl aufgrund der weicheren Konsistenz besser ausgeschieden werden. Genau wie bei der Einnahme von Quell- und Füllstoffen ist auch bei den osmotisch wirkenden Abführmitteln eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig.

Osmotisch wirkende Abführmittel können sowohl oral eingenommen als auch direkt in den Darm eingeführt werden. Sie werden häufig vor Operationen eingesetzt, da sie zu einer völligen Entleerung des Darms führen.

Nachteilig ist, dass es beim Einsatz von osmotisch wirkenden Abführmitteln häufig auch zu einem erhöhten Mineralstoff- und Vitaminverlust kommt. Dies kann mit der Zeit zu Mangelerscheinungen führen. Zudem dürfen bei Bluthochdruck einige osmotisch wirkende Abführmittel wie Glaubersalz nicht eingenommen werden, da sich der Bluthochdruck ansonsten verschlechtern kann. Darüber hinaus kann es mit bestimmten Medikamenten, wie beispielsweise der Anti-Baby-Pille, zu Wechselwirkungen kommen.

Hydragoge Abführmittel

Zu den hydragogen Abführmitteln gehören pflanzliche Wirkstoffe wie Aloe, Rhabarber, Faulbaumrinde und Sennesblätter, aber auch synthetische Abführmittel wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat. Auch das stark abführende Rizinusöl ist dieser Gruppe der darmreizenden Abführmittel zuzuordnen.

Hydragoge Abführmittel verhindern die Eindickung des Stuhls im Dickdarm, indem sie den Einstrom von Wasser aus der Darmwand in den Darm fördern. Einige Abführmittel dieser Gruppe tragen außerdem auch dazu bei, dass sich die Eigenbewegung des Darms verbessert, so dass der Stuhl leichter weiterbefördert werden kann.

Anthrachinonhaltige Abführmittel (Sennesblätter, Faulbaumrinde, Aloe und Rhabarber) erzeugen häufig Durchfall und haben somit einen hohen Wasser- und Elektrolytverlust zur Folge. Zudem reizen sie den Darm stark und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Auch bei den synthetischen Abführmitteln können Durchfall und Krämpfe auftreten. Zudem führen sie mit der Zeit zur Gewöhnung.

Gleitmittel

Gleitmittel müssen direkt in den Darm eingeführt werden. Sie sorgen dafür, dass verhärtete Stuhlanteile besser entleert werden können, indem sie die Darmwände gleitfähig und den Stuhl weicher machen. Zu den Gleitmitteln zählen Abführmittel wie Paraffinöl oder Glycerin.

Durch die Einnahme von Abführmitteln mit Glycerin können starke Reizungen der Darmschleimhaut auftreten. Bei Mitteln mit Paraffinöl können der Kalium- sowie der Kalziumspiegel stark absinken. Zudem können bei einer langfristigen Anwendung Schäden im Analbereich auftreten und es kann sich Paraffin im Körper ablagern. Durch die Fremdkörper können im Körper chronische Entzündungen hervorgerufen werden, die langfristig eine Entartung von Zellen und somit Krebs zur Folge haben können.

Aktualisiert: 30.03.2012 – Autor: Kathrin Mehner

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