Abführmittel: Medikamente & natürliche Hausmittel

Rizinusöl als Abführmittel
© Getty Images/Amawasri

Unter Abführmitteln (Laxantien, auch: Laxativa oder Laxanzien) werden alle Substanzen verstanden, die die Stuhlentleerung beschleunigen und somit bei (Obstipation) helfen können. Von einer Verstopfung spricht man, wenn der Kot verhärtet ist und eine Stuhlentleerung deutlich seltener als normal erfolgt und nur unter starkem Pressen möglich ist. Neben chemischen Arzneimitteln und Medikamenten auf pflanzlicher Basis können bei Verstopfungen auch natürliche Hausmittel helfen. Welche Möglichkeiten es gibt, um den Darm wieder in Schwung zu bringen und wie bedenklich die Einnahme von Abführmitteln zum Abnehmen ist, lesen Sie hier.

So wirken Abführmittel

Bei der Verdauung wird dem recht flüssigen Stuhl im Dickdarm nach und nach Wasser entzogen. Dadurch dickt der Kot ein und wird fester. Die meisten Abführmittel setzen an dieser Stelle an: Sie sorgen entweder dafür, dass der Entzug von Wasser aus dem Stuhl behindert wird oder dass die Wasserausscheidung in den Stuhl gefördert wird. Dadurch wird dieser weicher, gewinnt an Volumen und kann leichter ausgeschieden werden. Auch die Darmbewegung wird durch Abführmittel angeregt.

Wann sollte man Abführmittel einnehmen?

Aus medizinischer Sicht sollten Abführmittel nur zur Behandlung von Verstopfungen sowie in einigen anderen Situationen eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise eine Darmspiegelung oder eine Operation, schmerzhafter Stuhlgang aufgrund einer Analfissur oder von Hämorrhoiden sowie nach einem Herzinfarkt oder bei Bluthochdruck. Hier werden Laxantien eingesetzt, um ein zu starkes Pressen zu verhindern.

Anwendung von Abführmitteln

Die meisten Abführmittel sind rezeptfrei in der Apotheke oder in einigen Fällen sogar im Drogeriemarkt erhältlich. Eine Ausnahme sind Medikamente mit dem Wirkstoff Prucaloprid, der bei schweren chronischen Verstopfungen verschrieben wird.

Abführmittel können entweder oral eingenommen oder direkt in den Darm eingeführt werden. Wird ein Zäpfchen oder ein Einlauf (mittels eines Klistiers) verwendet, setzt die Wirkung in der Regel sehr schnell ein. Bei einer oralen Einnahme dauert es dagegen deutlich länger, bevor die Wirkung einsetzt: So entfaltet beispielsweise der Wirkstoff Bisacodyl seine abführende Wirkung nach Einführung eines Zäpfchens innerhalb von 15 bis 30 Minuten, nach Einnahme in Tablettenform hingegen erst nach sechs bis zwölf Stunden. Dies liegt daran, dass Am besten werden Abführmittel in oraler Form deshalb abends vor dem Schlafen eingenommen. Für Zäpfchen empfiehlt sich die Anwendung kurz vor einer Mahlzeit, also beispielsweise kurz vor dem Frühstück.

Wenn Sie ein Abführmittel einnehmen, sollten Sie bedenken, dass es nach einer vollständigen Entleerung des Darms länger als gewöhnlich dauern kann, bis der nächste Stuhlreiz einsetzt. Häufig wird nach der ersten Anwendung jedoch irrtümlicherweise geglaubt, dass der Darm noch immer verstopft sei und ein weiteres Mal zu einem Abführmittel gegriffen.

Arten von Abführmitteln

Wie genau ein Abführmittel angewendet wird und welche Risiken und Nebenwirkungen es hat, hängt auch davon ab, um was für eine Art es sich handelt.

Allgemein werden Abführmittel in die folgenden Kategorien unterteilt:

  • Quell- und Füllstoffe
  • osmotisch wirkende Abführmittel
  • hydragoge und antiresorptive Abführmittel
  • Gleitmittel

Im Folgenden finden Sie genauere Informationen zu den einzelnen Abführmittelarten.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu den Nebenwirkungen bei Abführmitteln.

Quell- und Füllstoffe

Zu den Quell- und Füllstoffen gehören beispielsweise Weizenkleie, Leinsamen, Agar-Agar oder Flohsamen. Sie sind allesamt pflanzlichen Ursprungs und dienen aufgrund ihrer schonenden Wirkung eher als leichte Abführmittel. Natürliche Quellmittel nehmen im Darm Wasser auf und quellen auf. Dadurch vergrößert sich die Stuhlmenge und der Kot wird weicher. Damit die Quellmittel genügend Wasser aufnehmen können, ist es besonders wichtig, genügend zu trinken. Denn wenn im Verdauungstrakt zu wenig Wasser vorliegt, kann es im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss kommen.

Quellmittel können ausschließlich oral eingenommen werden.

Osmotisch wirkende Abführmittel

Zur Gruppe der osmotisch wirkenden Abführmittel gehören unter anderem Milchzucker (Lactose), Lactulose, Bittersalz, Glaubersalz und Polyethylenglykol (PEG), auch Macrogol genannt.

Osmotische Mittel wirken, indem sie den osmotischen Druck im Darm erhöhen. Das heißt, sie verändern dort die Zusammensetzung von Molekülen, sodass ein Druckunterschied entsteht, durch den Wasser aus dem Blut durch die durchlässige Darmwand in den Darm gelangt. Die Menge an Kot wird durch die zusätzliche Aufnahme von Wasser erhöht und dieser wird weicher. Durch das größere Stuhlvolumen werden die Darmbewegung angeregt und der Stuhlreiz ausgelöst. Zudem kann der Kot aufgrund der weicheren Konsistenz besser ausgeschieden werden. Genau wie bei der Verwendung von Quell- und Füllstoffen ist auch bei den osmotisch wirkenden Mitteln eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig.

Osmotisch wirkende Laxantien können sowohl oral eingenommen als auch direkt in den Darm eingeführt werden. Sie werden häufig vor Operationen eingesetzt, da sie zu einer völligen Entleerung des Darms führen.

Hydragoge und antiresorptive Abführmittel

Zu den hydragog und antiresorptiv wirkenden Abführmitteln gehören pflanzliche Wirkstoffe wie Aloe, Rhabarber, Faulbaumrinde und Sennesblätter, aber auch synthetische Medikamente wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat. Auch das heftig und schnell abführende Rizinusöl ist dieser Gruppe der darmreizenden Abführmittel zuzuordnen.

Hydragog bedeutet, die Wirkstoffe verhindern die Eindickung des Stuhls im Dickdarm, indem sie den Einstrom von Wasser und Elektrolyten aus der Darmwand in den Darm fördern. Antiresorptiv heißt wiederum, dass der Ausstrom von Wasser und Natrium aus dem Darm ins Blut gehemmt wird. Einige Abführmittel dieser Gruppe tragen außerdem auch dazu bei, dass sich die Darmbewegung verbessert, sodass der Stuhl leichter weiterbefördert werden kann. Auch wenn pflanzliche Wirkstoffe häufig als schonender angesehen werden, können auch diese vermeintlich natürlichen Abführmittel teils starke Nebenwirkungen mit sich bringen.

Gleitmittel

Gleitmittel müssen direkt in den Darm eingeführt werden. Sie sorgen dafür, dass verhärtete Stuhlanteile besser entleert werden können, indem sie die Darmwände gleitfähig und den Kot weicher machen. Zu den Gleitmitteln zählen Abführmittel wie Paraffinöl oder Glycerin, aber auch pflanzliche Öle.

Abnehmen mit Abführmitteln ist gefährlich

Abführmittel gehören zu den am häufigsten missbrauchten nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Vor allem zum Abnehmen werden sie eingesetzt. Dabei wird fälschlicherweise angenommen, dass durch die Einnahme des Abführmittels die Verdauung beschleunigt wird und dem Körper deswegen die Zeit fehlt, die Kalorien aus der Nahrung aufzunehmen. Dadurch soll sich mit der Zeit ein Gewichtsverlust einstellen.

Tatsächlich ist es jedoch nicht möglich, mithilfe von Abführmitteln abzunehmen. Denn durch die Anwendung wird zwar die Verdauung beschleunigt, allerdings nur im Dickdarm. Die Aufnahme von Nährstoffen, also auch Fetten und Kohlenhydraten, erfolgt aber größtenteils bereits im Dünndarm. Die aufgenommene Energiemenge wird also durch die Anwendung der Mittel nicht reduziert.

Um durch Abführmittel abzunehmen, werden die Mittel oftmals hochdosiert eingenommen, sodass schwere Nebenwirkungen auftreten können. Durch die Überdosierung kann es zu starken Durchfällen kommen, durch die der Körper vor allem Flüssigkeit und Mineralstoffe verliert. Auf Dauer können dadurch Störungen im Elektrolythaushalt – insbesondere im Kaliumhaushalt – auftreten. Sinkt der Kaliumspiegel ab, kann dies zu einer Störung der Herzfunktion sowie zu Muskelschwäche führen. Zudem können die ständigen Durchfälle eine Reizung der Darmschleimhaut zur Folge haben.

Nimmt man Abführmittel ohne Verstopfung ein oder ohne, dass ein anderer medizinisch notwendiger Grund besteht, ist in seltenen Fällen eine weitere mögliche Folge die Gewöhnung des Darms an die Wirkung der Mittel. Dies hat zur Folge, dass der Dickdarm und damit auch die Darmentleerung nur noch reibungslos funktionieren, wenn entsprechende Medikamente eingenommen werden.

Hausmittel und natürliche Abführmittel

Wer an Verstopfungen leidet, sollte nicht gleich zu einem chemischen Abführmittel greifen, sondern zunächst lieber versuchen, die Verdauung auf eine natürliche Art und Weise wieder in Schwung zu bringen. Generell hilft es, das eigene Verhalten mit Blick auf Ernährung und Sport unter die Lupe zu nehmen. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie eine Verstopfung auch ohne chemische Hilfsmittel wieder loswerden können und verraten, welche Lebensmittel und welches Verhalten als "natürliches Abführmittel" wirkt.

  1. Achten Sie bewusst auf Ihre Ernährung: Versuchen Sie, möglichst Lebensmittel zu konsumieren, die viele Ballaststoffe enthalten. Bei Ballaststoffen handelt es sich um unverdauliche Nahrungsbestandteile, die im Darm aufquellen und dadurch die Verdauung ankurbeln. Besonders viele Ballaststoffe sind in Vollkornprodukten enthalten. Daneben kommen sie aber auch in Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten in größeren Mengen vor. Ein Tipp aus Omas Trickkiste: Trockenpflaumen oder andere Sorten Trockenobst sind ein wirkungsvolles Mittel bei Verstopfung.
  2. Lebensmittel mit Füll- und Quellstoffen, wie Lein- und Flohsamen oder Weizenkleie, wirken besonders anregend auf die Verdauung und haben wenige Nebenwirkungen.
  3. Überprüfen Sie, ob Sie genügend trinken. Pro Tag sollten Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit – am besten Wasser – zu sich nehmen. Wenn Sie zu wenig trinken, kann dies dazu führen, dass der Stuhl besonders hart ist und nur schwer ausgeschieden werden kann.
  4. Werden Sie sportlich aktiv: Gehen Sie Joggen, Schwimmen, Walken oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Bewegung ist wie eine Massage für den Darm und hilft somit, die Verdauung anzukurbeln.
  5. Neben einer Umstellung der Ernährung kann bei Verstopfungen auch eine leichte Bauchmassage helfen: Massieren Sie Ihren Bauch mehrmals pro Tag rund um den Bauchnabel. Wichtig ist, die kreisenden Bewegungen mit dem Uhrzeigersinn auszuführen.

Auch das Trinken von Salzwasser soll angeblich als natürliches Abführmittel wirken. Doch das Gegenteil ist der Fall: Durch die verstärkte Aufnahme von Salz wird dem Körper zusätzlich Wasser entzogen. Die Folge: Der Stuhl wird eher härter und die Verstopfung verschlimmert sich. Auch kann bei der gleichzeitigen Anwendung von abführenden Arzneimitteln der Flüssigkeitsverlust durch das Trinken von Salzwasser verstärkt werden. Von diesem Mittel zum Abführen ist also in jedem Fall abzuraten. Nicht zu verwechseln ist dies mit Lösungen auf Basis von Macrogol, die im Vorfeld einer Darmspiegelung getrunken werden und die ebenfalls salzig schmecken.

Aktualisiert: 27.01.2023
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?