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Harninkontinenz: Untersuchungsmethoden

Wenn Harninkontinenz-Betroffene einen Arzt aufsuchen, wird dieser zuerst in einem Gespräch die Vorgeschichte (Anamnese) der Blasenschwäche erheben, eine körperliche Untersuchung durchführen und dann, falls nötig weitere diagnostische Maßnahmen durchführen oder veranlassen.

Erkennung und Untersuchungen bei Harninkontinenz

Im Arztgespräch wird der Arzt vermutlich diese Fragen stellen:

  • Seit wann leiden Sie unter Blasenschwäche?
  • Wie oft verlieren Sie Harn, ohne es zu wollen? Wie viel Harn verlieren Sie?
  • Tritt der Harnverlust in bestimmten Situationen auf, zum Beispiel bei körperlichen Belastungen?
  • Spüren Sie oft einen starken Harndrang?
  • Wie oft am Tag und in der Nacht müssen Sie zur Toilette?
  • Haben Sie das Gefühl, Ihre Blase nicht vollständig entleeren zu können?
  • Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?
  • Ist der Urin blutig?
  • Sind Sie in der Zeit vor der Blasenschwäche operiert worden?
  • Leiden Sie gegenwärtig an anderen Erkrankungen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja, welche?

Die körperliche Untersuchung

Nach der Anamnese macht sich der Arzt ein orientierendes Bild durch eine allgemeine körperliche Untersuchung. Dazu gehören vor allem das Abtasten und Abgrenzen der Blase und der umgebenden Organe. Bei Frauen ist eine Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur, bei Männer der Prostata nötig.

Eine Urinprobe wird im Labor auf Bakterien, Eiweiß, rote oder weiße Blutkörperchen untersucht. Liegen andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Blasenentzündung vor, müssen diese zuerst behandelt werden. Ein Blasenkrebs darf nicht übersehen werden.

Ultraschalluntersuchung bei Harninkontinenz

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist eine inzwischen zur Routine gehörende schmerzlose und nebenwirkungsfreie Untersuchungstechnik, mit der innere Organe auf einem Monitor sichtbar gemacht werden. Hier können die Lage der Niere und der ableitenden Harnwege, Befunde wie Nieren- oder Blasensteine, Tumoren oder angeborene Fehlbildungen festgestellt werden. Auch die Entleerungsfunktion der Blase ist mithilfe des Ultraschalls leicht kontrollierbar.

Die Abbildung der gefüllten und danach der entleerten Blase gibt Auskunft über das Füllvolumen und über die eventuelle Restharnmenge; aber auch über die Blasenkontur, einschließlich eventueller Unregelmäßigkeiten (Blasenkrebs). Auch eine Untersuchung der Prostata ist mit einer Ultraschalluntersuchung durch den Enddarm gut möglich.

Harnflussmessung

Bei der Harnflussmessung entleert der Patient seine Blase in einen Messtrichter oder auf einem speziellen Toilettensitz. Angeschlossene Messgeräte registrieren die ausgeschiedene Harnmenge pro Sekunde und ermitteln eine Harnflusskurve. An der Form dieser Kurve erkennt der Arzt Blasenentleerungsstörungen oder Abflussbehinderungen durch Harnröhrenverengungen oder Prostatavergrößerungen.

Blasen- und Schließmuskelfunktionsdiagnostik (Urodynamik)

Durch gleichzeitige Messung des Druckes in der Blase über einen Blasenkatheter und des Harnflusses in Abhängigkeit von der Blasenfüllung können Blasenaktivität und Schließmuskelfunktion gemessen und dokumentiert werden. Diese Untersuchung ist unumgänglich, wenn eine eindeutige Unterscheidung zwischen Stress- und Dranginkontinenz mit den einfachen klinischen Untersuchungen nicht möglich ist oder wenn eine Operation geplant ist.

Röntgenuntersuchung (selten notwendig)

Zur Darstellung der Nieren, der Blase und der ableitenden Harnwege im Röntgenbild ist ein Kontrastmittel erforderlich. Dieses kann je nach Fragestellung über die Venen in die Blutbahn geleitet, über einen Katheter in die Blase oder auch über die Harnleiter bis ins Nierenbecken gefüllt werden.

Blasenspiegelung bei Harninkontinenz

Eine Blasenspiegelung ermöglicht durch ein durch die Harnröhre eingeführtes Endoskop die Betrachtung der Blase und Prostata von innen. Auf diesem Weg beurteilt der Arzt den Zustand der Blasenschleimhaut (Entzündungen) und stellt fest, ob Steine, Tumoren oder Anomalien vorliegen. Die Entscheidung über die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung sollte ein Facharzt (Urologe) treffen; bei Verdacht auf Blasenkrebs ist sie unumgänglich.

Aktualisiert: 08.07.2019

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