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Hämodialyse – bei Juckreiz mit dem Arzt sprechen

Frau mit Juckreiz durch Hämodialyse

Menschen mit Niereninsuffizienz, die eine Hämodialyse erhalten, leiden häufig unter quälendem Juckreiz – etwa 67 Prozent sind von den Beschwerden betroffen.1,2 Der Juckreiz kann dabei solche Ausmaße annehmen, dass er die Lebensqualität massiv einschränkt. Das körperliche Wohlbefinden, die Schlafqualität und sogar soziale Beziehungen können negativ davon beeinflusst werden.1 Dennoch sprechen viele Betroffene das Thema Juckreiz beim Besuch im Dialysezentrum nicht an – aus unterschiedlichen Gründen. Warum es sich aber lohnt, mit dem*der Arzt*Ärztin über die Beschwerden zu reden, was den Juckreiz bei Niereninsuffizienz verursachen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.

Juckreiz bei Niereninsuffizienz: Was ist ein CKD-assoziierter Pruritus?

Der Begriff CKD-assoziierter Pruritus bezeichnet in der Medizin einen Juckreiz (Pruritus), der in Zusammenhang mit einer chronischen Nierenerkrankung (im Englischen "Chronic Kidney Disease", CKD) auftritt. Auch die Bezeichnung "urämischer Pruritus" ist geläufig.

So unterschiedlich wie die Betroffenen selbst sind auch die Ausprägungen des CKD-assoziierten Pruritus. So kann der Juckreiz nur phasenweise auftreten, aber auch chronisch sein. Er kann sich auf bestimmte Stellen wie den Rücken oder den Dialysearm beschränken, aber auch den gesamten Körper betreffen. Auch die Intensität variiert von mild bis schwerwiegend. In einigen Fällen verstärken bestimmte Trigger, wie Hitze, Kälte, Stress oder körperliche Betätigung, die Beschwerden.3

Typisch für den Juckreiz bei Niereninsuffizienz ist aber in allen Fällen, dass er keine äußerlich sichtbaren Hautveränderungen, wie beispielsweise Ausschlag, verursacht. Lediglich durch vermehrtes Kratzen kann es an den betroffenen Stellen zu Rötungen bis hin zu Hautverletzungen kommen.

Welche Ursachen stecken hinter Juckreiz bei Niereninsuffizienz?

Die Ursachen von Juckreiz bei Niereninsuffizienz sind bisher noch nicht eindeutig geklärt. Vermutlich spielen aber mehrere Faktoren bei der Entstehung eine Rolle:

  1. Schmerzsignale: Das Opioidsystem im Körper besteht aus einem neuronalen Netzwerk, welches körpereigene Opioide herstellt und ausschüttet. Diese spielen bei der Schmerzunterdrückung eine Rolle. Bei Niereninsuffizienz kann dieses System gestört sein. Fehlgeleitete Schmerzsignale verursachen dann den Juckreiz.
  2. Immunsystem: Bei einer Niereninsuffizienz kann das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten.3 Dadurch können Entzündungen in der Haut verstärkt werden, was chronischen Juckreiz mit sich bringen kann.3
  3. Signalweiterleitung der Nerven: Bei Niereninsuffizienz können Nervenreize in der Haut fehlgeleitet sein. Konkret bedeutet das, dass entweder ohne auslösenden Reiz Nervensignale von der Haut zum Gehirn gesendet werden oder die Nerven auf Reize3 überreagieren und zu viele Signale senden. Auch dies kann Juckreiz zur Folge haben.
  4. Trockene Haut: Viele Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz leiden an trockener Haut, was wiederum einen Juckreiz mit sich bringen kann.
  5. Dialyse: Ist die Dialyse nicht optimal eingestellt, können sich unter der Haut Giftstoffe (sogenannte Toxine) ansammeln. Diese können dann einen Juckreiz verursachen.3

Besonders häufig sind Menschen von CKD-assoziiertem Pruritus betroffen, die eine Hämodialyse erhalten.

Hämodialyse. Sag, wenn's juckt.

Weitere Informationen für Hämodialyse-Patient*innen mit Juckreiz sowie Tipps, Hilfsangebote und Erfahrungsberichte von Betroffenen finden Sie unter www.sagwennsjuckt.de.

Warum sollte man über den Juckreiz sprechen?

Viele Hämodialyse-Patient*innen sind zwar von chronischem Juckreiz betroffen, suchen diesbezüglich aber keinen ärztlichen Rat. Das kann unterschiedliche Gründe haben. So sind sich viele gar nicht darüber im Klaren, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem störenden Juckreiz und ihrer Niereninsuffizienz geben könnte. Auch kann eine Scheu bestehen, über das "unangenehme" Thema Juckreiz zu sprechen oder das Jucken wird gegenüber den anderen vorliegenden Beschwerden als weniger wichtig empfunden.

Dadurch leiden viele Betroffene im Stillen unter den Auswirkungen des Juckreizes. Mögliche Folgen können unter anderem sein:

  • Probleme beim Ein- und Durchschlafen: In einer Studie mit über 18.000 Dialyse-Patient*innen war etwa die Hälfte der Teilnehmenden aufgrund von mäßigem bis starkem Juckreiz von Schlafproblemen betroffen.4
  • Beeinträchtigung des sozialen Lebens: Circa ein Drittel der Betroffenen mit starkem Juckreiz gibt an, dass dieser ihr Sozialleben beeinträchtigt (etwa aufgrund der Angst, sich vor anderen ständig kratzen zu müssen).5
  • Depressive Verstimmungen: Fast 20 Prozent der Dialyse-Patient*innen leidet an Depressionen. Quälender Juckreiz und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Schlafqualität und des sozialen Lebens können diese Beschwerden noch verstärken.6

Alles dies kann dazu führen, dass auf Dauer die Lebensqualität von Hämodialyse-Patient*innen stark beeinträchtigt wird. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, mit denen sich die Beschwerden lindern lassen.

 

Was kann man gegen den Juckreiz tun?

Für Informationen über medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei Juckreiz sollten Sie am besten ärztlichen Rat suchen. Zur Behandlung des Juckreizes können unterschiedliche Medikamente eingesetzt werden – infrage kommen beispielsweise Antihistaminika oder Salben mit Glucocorticoiden. Aktuell
gibt es kein zugelassenes Medikament speziell zur Behandlung von CKD-assoziiertem Pruritus. In Kürze wird es aber eine neue Therapieoption geben, die bei Hämodialyse-Patient*innen direkt im Rahmen der Dialyse-Sitzung eingesetzt werden kann.

Neben der medikamentösen Therapie können die folgenden Tipps und Hausmittel helfen, den Juckreiz zu lindern:

  1. Richtig pflegen: Leiden Sie an Juckreiz, versuchen Sie, möglichst kurz zu baden oder zu duschen, warmes Wasser anstelle von heißem zu verwenden sowie möglichst wenig Duschgel und Seife zu benutzen. Dadurch reduziert sich die zusätzliche Belastung der Haut. Gegen trockene Haut helfen rückfettende Cremes. Meiden Sie bei Pflegeprodukten Konservierungs- und Duftstoffe, die Allergien auslösen können und wählen Sie milde, pH-neutrale Produkte. Suchen Sie bei der Wahl der richtigen Pflegeprodukte ärztlichen Rat oder erkundigen Sie sich beim Fachpersonal in der Apotheke.7
  2. Kühlen: Sind nur einige Körperstellen vom Juckreiz betroffen, hilft es, diese gezielt zu kühlen. Dazu können beispielsweise in ein Küchentuch gewickelte Kühlpacks, ein nasser Waschlappen aus dem Kühlschrank oder eine gekühlte Feuchtigkeitscreme genutzt werden. Vermeiden Sie aber zu starke Kältereize (beispielsweise ein Kühlpack direkt auf der Haut), um Erfrierungen zu vermeiden. Leichte Kleidung und leichte Bettwäsche können helfen, einen Wärmestau auf der Haut und damit eine Verschlimmerung des Juckreizes zu vermeiden.7
  3. Phosphatarme Ernährung: Bei Hämodialyse-Patient*innen können die Nieren nur noch unzureichend den Phosphatspiegel im Blut regulieren. Ein hoher Phosphatspiegel kann aber den Juckreiz verstärken. Ernähren Sie sich deshalb bewusst phosphatarm. Eine Ernährungsberatung für Menschen mit Nierenerkrankungen kann hier weiterhelfen.8,9
  4. Nicht kratzen: Auch wenn es schwerfällt – versuchen Sie, Ihre juckende Haut nicht zu kratzen. Im schlimmsten Fall kann dies zu Hautverletzungen und zu Infektionen an den betroffenen Stellen führen. Reiben oder klopfen Sie die Haut stattdessen ab.7
  5. Reden hilft: Neben ärztlichem Rat sollten Sie auch das Gespräch mit Freund*innen oder Familienangehörigen suchen. Über die Probleme zu sprechen, kann schon vieles einfacher machen. Auch der Austausch mit anderen Hämodialyse-Patient*innen kann helfen, da diese oftmals die gleichen Erfahrungen machen.

Diagnose bei Juckreiz – gute Vorbereitung hilft

Für Hämodialyse-Patient*innen lohnt es sich in jedem Fall, den Juckreiz beim nächsten Arztbesuch zu thematisieren. Auch die Pflegekraft, die die Betreuung während der Hämodialyse-Sitzung übernimmt, kann darauf angesprochen werden.

Als Grundlage für ein solches Gespräch kann es hilfreich sein, ein Juckreiz-Tagebuch zu führen. So kann im Vorfeld des Termins genau dokumentiert werden, wann und wo der Juckreiz auftritt und wie intensiv er wahrgenommen wird. Eine Vorlage für Ihr persönliches Juckreiz-Tagebuch sowie weiteres Infomaterial zum Thema Juckreiz bei Niereninsuffizienz finden Sie hier.

Darüber hinaus gibt es innerhalb der für Dialyse-Patient*innen entwickelten Miku-App die Möglichkeit, ein Juckreiz-Tagebuch zu führen sowie sich weitergehend über das Thema Juckreiz zu informieren.

Nach einem umfassenden Gespräch mit dem*der Arzt*Ärztin zu den vorliegenden Beschwerden werden beispielsweise Bluttests oder Allergietests durchgeführt, um andere Erkrankungen als Ursache des Juckreizes auszuschließen. Anschließend wird die richtige Therapieform für Sie ausgewählt.

DE-NA-2200067

Quellen

Aktualisiert: 19.07.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin