Alkoholvergiftung: Symptome und Behandlung

Junger Mann mit Alkoholvergiftung schläft auf Tresen
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Alkohol gehört für viele Menschen zu einem gemütlichen Essen oder einer fröhlichen Party dazu. Schnell wird das ein oder andere Glas zu viel getrunken. Das kann zu Symptomen wie Sprachstörungen, Schwindel und Übelkeit führen. Es stellt sich dann die Frage: Ist man betrunken oder ist das schon eine Alkoholvergiftung? Was ist der Unterschied? Ab wieviel Promille spricht man von einer Alkoholvergiftung und was sind die Symptome? Wie Sie die Anzeichen einer Alkoholvergiftung erkennen, welche Stadien es gibt und wann man besser den Krankenwagen rufen sollte – dies und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Alkohol – ein Nervengift

Als Alkohol wird umgangssprachlich der berauschende Bestandteil alkoholischer Getränke bezeichnet. Genau genommen handelt es sich beim Trinkalkohol um Ethanol, eine bestimmte Form des Alkohols.

Alkohol ist ein starkes Zellgift, das über den Dünndarm in den Blutkreislauf gelangt und so im gesamten Körper verteilt wird. In stark durchblutete Organe wie die Leber oder das Gehirn gelangt der Alkohol am schnellsten.

Das Gehirn reagiert besonders empfindlich auf das Nervengift. Dort beeinflusst der Alkohol verschiedene Botenstoffe, die für die Übertragung von Informationen über die Nervenzellen zuständig sind. Aber nicht nur das: Geringe Mengen Alkohol sprechen auch das Belohnungssystem im Gehirn an. Das kann zu Entspannung und Angstfreiheit führen.

90 Prozent des aufgenommenen Alkohols wird in der Leber abgebaut. Ein geringer Teil wird ausgeatmet oder über Haut oder Nieren ausgeschieden.

Wirkung von Alkohol – nicht bei jedem gleich

Wie schnell und wie stark eine bestimmte Alkoholmenge betrunken macht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen:

  • Ist die Person sehr groß oder klein, jung oder alt, schlank oder eher übergewichtig?
  • Wann wurde der Alkohol getrunken, beispielsweise vor oder nach dem Essen?
  • Werden gleichzeitig Medikamente eingenommen?
  • Wie häufig wird normalerweise Alkohol getrunken: täglich, selten oder fast nie?

Menschen mit einem geringen Körpergewicht, dazu zählen vor allem Kinder und Jugendliche, wird oft schon nach ein paar Schlucken Alkohol schwindelig. Ein kleiner Körper hat ein geringeres Blutvolumen als ein großer Körper und schon wenig Alkohol zeigt schnell seine Wirkung. Aber auch auf nüchternen Magen zeigt Alkohol eine schnellere und deutlichere Wirkung als nach einem opulenten Mahl.

Daneben verändern manche Medikamente die Wirkung des Alkohols – oder der Alkohol verändert die Wirkung der Medikamente. Zudem können bei Personen, die sonst nie Alkohol trinken und das Nervengift nicht gewöhnt sind, schon sehr geringe Mengen einen Rausch nach sich ziehen. Regelmäßiger Alkoholkonsum hingegen bringt einen gewissen Gewöhnungseffekt mit sich, sodass größere Mengen Alkohol benötigt werden, um eine Wirkung zu spüren.

Das heißt aber nicht, dass die Menge an Alkohol im Blut eine geringere ist, nur weil manche Menschen nicht so schnell einen "Schwips" bekommen. Und das ist auch das Gefährliche daran: Der Alkohol gelangt trotzdem ins Blut und es kann zu einer Alkoholvergiftung kommen, wenn man seine Grenzen nicht kennt.

Was passiert bei einer Alkoholvergiftung?

Wird dem Körper mehr Alkohol zugeführt, als er abbauen kann, dann reichert sich der Alkohol im Blut an. Das führt ab einer bestimmten Menge Alkohol zu einer Alkoholvergiftung (Alkoholintoxikation). Da der Alkohol auch ins Gehirn gelangt, kann er dort die Nerven- und Gehirnfunktionen stören.

Dabei ist der Übergang von einem kleinen Rausch, der gerne auch als Schwips bezeichnet wird, zu einer leichten Alkoholvergiftung fließend. Geschieht die Alkoholaufnahme sehr schnell oder werden größere Mengen alkoholischer Getränke über einen längeren Zeitraum konsumiert, nimmt der Alkoholgehalt im Blut – und damit die Schwere der Alkoholvergiftung – stark zu. Im schlimmsten Fall führt eine Alkoholvergiftung zum Tod durch Atemstillstand.

Alkoholvergiftung – ab wieviel Promille?

Die Alkoholkonzentration im Blut (Blutalkoholgehalt) wird in der Regel in Promille (1 Promille = 0,1 Prozent) angegeben. Dieser Wert sagt aus, wieviel Alkohol sich im Blut befindet.

Dabei gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei gleicher Menge getrunkenen Alkohols ist der Blutalkoholgehalt von Frauen um etwa ein Fünftel höher. Der Grund dafür: Der weibliche Körper hat natürlicherweise einen geringeren Anteil Körperflüssigkeit. Zudem ist das Körpergewicht von Frauen in der Regel geringer als das der Männer.

Spätestens ab einem Blutalkoholgehalt von ein bis zwei Promille spricht man in der Medizin von einer Alkoholvergiftung.

Symptome: Anzeichen einer Alkoholvergiftung erkennen

Mit steigendem Alkoholgehalt im Blut treten immer mehr körperliche und psychische Veränderungen auf. Schon ab 0,1 Promille lassen sich erste Symptome beobachten, die auf den Alkoholkonsum zurückzuführen sind, wie beispielsweise eine gelöste Stimmung und zunehmende Redseligkeit. Der Zustand ab 0,3 Promille kann schon als beginnende, leichte Alkoholvergiftung bezeichnet werden.

Symptome ab 0,3 Promille

Es kommt es zu einer Beeinträchtigung insbesondere der kognitiven Fähigkeiten. Das hat beispielsweise zur Folge:

  • verminderte Aufmerksamkeit
  • mangelndes Konzentrationsvermögen
  • verlängerte Reaktionszeit
  • verringerte Sehfähigkeit

Zusätzlich nimmt die Risikobereitschaft zu.

Symptome ab 0,8 Promille

Die Einschränkungen der oben genannten Sinnesleistungen nehmen zu. Zusätzlich sind unter anderem zu beobachten:

  • verstärkte Selbstüberschätzung
  • begrenztes Gesichtsfeld (Tunnelblick)
  • enthemmtes Verhalten
  • leicht undeutliche Sprache

Hinzu kommen nun auch Anzeichen körperlicher Störungen. Dazu gehören vor allem Gleichgewichts- und Gangstörungen.

Symptome ab 1 Promille

Je höher der Alkoholspiegel im Blut steigt, desto umfangreicher und stärker sind die Beeinträchtigungen zahlreicher Körper- und Sinnesfunktionen. Es zeigen sich Symptome wie:

  • stärkere Gleichgewichts- und Gangstörungen wie Torkeln oder Schwanken
  • deutliche Sprachstörungen wie Lallen oder Nuscheln
  • gesteigerte Enthemmung und Aggressionsbereitschaft
  • weiter verminderte Sehfähigkeit und eingeschränktes räumliches Sehen

Symptome ab 2 Promille

Die Ausfallerscheinungen nehmen weiter zu. Schlafen Betrunkene in diesem Zustand ein, dann kann man sie noch wecken. Kennzeichnende Symptome sind neben anderen:

  • häufiges Erbrechen
  • Verwirrtheit bis hin zum sogenannten "Filmriss"
  • kaum Reaktionsvermögen
  • starke Gleichgewichtsstörungen
  • geringe Muskelspannung

Symptome ab 3 Promille

Oft kommt es jetzt zur Bewusstlosigkeit und es besteht die Gefahr der Unterkühlung. Der Körper befindet sich im Schockzustand, der sich zum Beispiel durch folgende Anzeichen bemerkbar macht:

  • schwache Atmung
  • keine Reflexe
  • kein Schmerzempfinden
  • unkontrollierter Stuhl- und Urinabgang

Symptome ab 4 Promille

Die Pupillen sind sehr weit und reagieren nicht mehr auf Lichtreize. Es kommt zu:

  • Lähmungserscheinungen
  • Schockzustand
  • Atemaussetzern

Spätestens jetzt besteht akute Lebensgefahr durch einen tödlichen Atemstillstand oder Kreislaufversagen!

Alkoholvergiftung – vier Stadien

In der Medizin teilt man die Alkoholvergiftung in verschiedene Stadien ein:

  • Stadium 1 (Exzitation): 1 bis 2 Promille
  • Stadium 2 (Hypnose): 2 bis 2,5 Promille
  • Stadium 3 (Narkose): 2,5 bis 4 Promille
  • Stadium 4 (Asphyxie): mehr als 4 Promille

Wie lange eine Alkoholvergiftung anhält, hängt maßgeblich von der konsumierten Alkoholmenge und der körperlichen Verfassung ab. Je mehr Alkohol sich im Blut befindet, desto länger dauert es, bis dieser abgebaut ist. Die Dauer kann demnach sehr unterschiedlich sein.

Alkoholvergiftung: Was tun?

Normalerweise können sich die Menschen, die eine deutliche Alkoholvergiftung haben, nicht selbst helfen. Daher ist es umso wichtiger, dass Personen in der Umgebung die betroffene Person bei Verdacht auf eine Alkoholvergiftung unterstützen. Am wichtigsten ist es, die Person nicht alleine zu lassen. Folgendes kann man je nach Situation tun, solange noch keine Bewusstlosigkeit eingetreten ist:

  • weiteren Alkoholkonsum stoppen
  • Wasser zu trinken geben
  • wenn nötig, beim Erbrechen helfen
  • nach Hause bringen, warm zudecken und schlafen lassen

Alkoholvergiftung: Wann den Krankenwagen rufen?

Grundsätzlich gilt: Im Zweifel lieber einmal zu viel den Krankenwagen rufen als einmal zu wenig. Denn eine Alkoholvergiftung ist gefährlich und darf nicht unterschätzt werden. Spätestens, wenn es wiederholt zum Erbrechen kommt oder die Alkoholvergiftung zu Bewusstlosigkeit führt, sollten Erste-Hilfe-Maßnahmen (stabile Seitenlage, Atem kontrollieren) eingeleitet und der notärztliche Hilfe unter der Notrufnummer 112 gerufen werden.

Therapie einer Alkoholintoxikation

Im Krankenhaus richtet sich die Behandlung nach den auftretenden Symptomen. Es werden Atmung, Herzschlag und Kreislauf überwacht. Oftmals wird dem Körper Flüssigkeit über eine Infusion zugeführt. Wenn keine Komplikationen auftreten, kann das Krankenhaus meist nach einer Dauer von ungefähr 12 bis 14 Stunden wieder verlassen werden.

Alkoholvergiftung: Symptome am nächsten Tag

Die Nachwirkungen einer Alkoholvergiftung am nächsten Tag sind häufig unangenehm, verschwinden jedoch meist von alleine wieder. Zu den häufigsten Symptomen zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Zittern

Dieser Zustand wird umgangssprachlich auch als Kater, Katzenjammer oder Hangover bezeichnet. Was jetzt gegen die Symptome hilft, ist individuell unterschiedlich. Traditionell gehört zur Behandlung zu Hause:

  • viel Wasser oder Tee trinken
  • ausgiebig schlafen
  • nach Bedarf eine Schmerztablette einnehmen
  • je nach Geschmack ein Katerfrühstück mit Rollmops und sauren Gurken zu sich nehmen
  • einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft machen

Alkoholvergiftung: Langzeitfolgen

Normalerweise verursacht eine Alkoholvergiftung keine bleibenden Schäden. Sie heilt nach ein paar Tagen aus. Aber es ist zu bedenken, dass eine wiederholte und schwere Alkoholvergiftung Schäden an verschiedenen Organen verursachen kann, vor allem an Gehirn, Nieren, Leber und Herz. Zudem erhöht sich bei regelmäßigem Alkoholkonsum die Gefahr der krankhaften Abhängigkeit. Eine Alkoholsucht kann die Folge sein.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
F10.0

Aktualisiert: 23.12.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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