Von Herzklopfen bis Panikattacke: Wenn Angst zur Krankheit wird

Stellen Sie sich vor, Sie gehen nachts allein durch ein menschenleeres Parkhaus. Mit mulmigem Gefühl im Bauch werden die Schritte schneller und Sie sind froh, wenn Sie im Auto sitzen. Aber sind Sie deshalb schon ein krankhaft ängstlicher Mensch? Keinesfalls. Diese Reaktion ist völlig normal, wie Diplom-Psychologe Frank Meiners erklärt: "Meistens empfinden Menschen Angst in Situationen, die sie als bedrohlich, ungewiss und unkontrollierbar einschätzen. Angst ist ein Schutzmechanismus des Körpers, um in gefährlichen Situationen entsprechend schnell reagieren zu können."

Angst als biologische Reaktion

Dabei läuft eine biologische Reaktion ab: Herzschlag und Blutdruck steigen, die Muskeln spannen sich an und die Bronchien weiten sich. Zudem wird Blutzucker ausgeschüttet, um schnell Energie bereitzustellen. Die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol sorgen für maximale Leistungsbereitschaft.

Jetzt kann der Körper auf die bedrohliche Situation reagieren – entweder in Form von Flucht oder von Kampfbereitschaft. So gesehen sichert die Angst auch das Überleben.

Wann wird die Angst zur Krankheit?

Problematisch wird es allerdings, wenn die Ängste über das normale Maß hinausgehen. Sie werden zur Krankheit, wenn sie:

  • unangemessen stark auftreten,
  • häufig vorkommen,
  • zu lange andauern,
  • und mit dem Gefühl verbunden sind, keine Kontrolle mehr über das Auftreten und Andauern zu haben.

Angststörungen im Überblick

Bei Angsterkrankungen unterscheiden Ärzte und Diplom-Psychologen zwischen Panikstörung, Phobien und generalisierter Angststörung. Bei der Panikstörung treten die Attacken plötzlich, wie aus heiterem Himmel auf – ganz im Gegensatz zur generalisierten Angststörung, die durch eine ständige Sorge um alles und jeden gekennzeichnet ist. Die Phobien sind noch einmal unterteilt: Agoraphobie beschreibt die Angst, sich auf öffentlichen Plätzen oder in engen, überfüllten Räumen aufzuhalten. Dazu gehört auch die Angst, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder einkaufen zu gehen. Bei der sozialen Phobie fürchten die Betroffenen den Umgang mit anderen Leuten – insbesondere, von diesen abgewertet zu werden. Und wer unter einer spezifischen Phobie leidet, bekommt Panik beim Anblick von Spinnen, Zahnarzt-Bohrern, in Prüfungen oder im Flugzeug.

Großer Leidensdruck

So unterschiedlich die verschiedenen Angststörungen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Die Betroffenen verspüren einen erheblichen Leidensdruck. Sie versuchen, die als unerträglich empfundene angstauslösende Situation zu vermeiden. Dadurch sind sie in ihren täglichen Aktivitäten derart eingeschränkt, dass die Angst schließlich das Leben bestimmt.

Aktualisiert: 13.04.2016

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