Depressionen – wenn die Seele "Trauer" trägt

Frau mit Depression © istockphoto, grinvalds

Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen – und viele Betroffene empfinden sie als Makel, dessen man sich schämen müsse. Doch eine Depression ist weder eine Geisteskrankheit noch ein Zeichen persönlicher Schwäche. Sie kann jeden treffen. Eine Depression ist eine Krankheit mit klaren Ursachen, Symptomen und Therapiemöglichkeiten. Sie beeinflusst Gefühle, Gedanken und das Verhalten. Aber auch der Körper reagiert – zum Beispiel mit Magen-Darm-Beschwerden, Rücken- und Kopfschmerzen, Gewichtsschwankungen oder Schlaflosigkeit. Experten gehen davon aus, dass die Depression in der Rangliste der bedeutendsten Krankheiten weiter vorrücken wird.

Ursachen einer Depression

Biologisch lässt sich eine Depression als eine Stoffwechselstörung im Gehirn erklären. Botenstoffe, die als Neurotransmitter die Kommunikation zwischen den vielen Milliarden Nervenzellen steuern, sind aus der Balance geraten und lösen körperliche und psychische Veränderungen aus.

Die Ursachen sind sehr vielfältig. Die Wissenschaft geht von einem Zusammenspiel von genetischen Faktoren und psychischen Belastungen aus. Einschneidende Erlebnisse, ständige Überforderung, schwierige Kindheitsverhältnisse, aber auch Medikamente und Krankheiten können eine Depression auslösen. Viele Mediziner und Psychologen interpretieren dabei eine Depression als einen Schutzmechanismus, der aus dem Unbewussten heraus in ein Leben eingreift, wenn der Betroffene illusionäre Ziele verfolgt und dabei Gesundheit und Integrität aufs Spiel setzt.

Symptome und Anzeichen

Typische seelische Symptome einer Depression sind:

  • Freud- und Hilflosigkeit
  • fehlender Antrieb
  • innere Unruhe und Leere
  • Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • ein Gefühl der Wertlosigkeit, das sich im Extremfall in Selbstmordgedanken ausdrückt

Der Körper reagiert auf eine Depression mit auffälligen Abweichungen von Normalzuständen: Mit zügellosem oder wenig Appetit, mit einer verlangsamten oder aufgeregten Sprache, mit einem gesteigerten oder verminderten Schlafbedürfnis. Eine grundsätzliche Müdigkeit sowie Kopf-, Herz-, Bauch- oder Rückenschmerzen können eine Depression begleiten.

Depression: So erfolgt die Diagnose

Nicht jeder "graue" Tag im Leben eines Menschen ist gleich das Ergebnis einer schwer wiegenden depressiven Störung. Trauer, innere Unruhe oder Schuldgefühle können ganz normale, gesunde Reaktionen und müssen kein Grund zur Besorgnis sein. Wenn die Symptome aber über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen jeden oder zumindest jeden zweiten Tag auftreten und die Leistungsfähigkeit nachhaltig herabsetzen, sollte ein Arzt um Rat gefragt werden.

Eine Depression hat viele Symptome, die für den Arzt manchmal nur schwer zu deuten sind. Entscheidend ist, dass die Patienten ganz offen über körperliche und seelische Beschwerden, über Sorgen und Ängste sprechen. Die Diagnose "Depression" wird nur gestellt, wenn andere Erkrankungen, Medikamente oder Drogen als Ursache für die Symptome ausgeschlossen werden können. Eine vollständige körperliche Untersuchung durch einen Allgemeinmediziner oder Internisten, sowie Laboruntersuchungen sind darum unerlässlich.

Therapie bei einer Depression

Für viele betroffene Menschen ist - nach oft langer Leidenszeit in Ungewissheit – die Diagnose "Depression" eine Erleichterung. Für manche aber auch ein schwerer Schock, weil seelische Krankheiten gesellschaftlich weniger akzeptiert sind und die Möglichkeiten einer erfolgreichen Therapie unterschätzt werden.

Die Chancen auf Heilung sind heute groß. Die Genesung nimmt aber in der Regel etwas Zeit in Anspruch. Die Behandlung stützt sich im Wesentlichen auf zwei sich ergänzende therapeutische Ansätze: die Psychotherapie (Gesprächstherapie) und die medikamentöse Therapie. Welche Behandlungsmethode für den jeweiligen Patienten am besten ist oder ob sie kombiniert angewendet werden, entscheiden Patient und Arzt in der Regel gemeinsam.

Die Psychotherapie

Eine Psychotherapie ist ein Lern- und Erkenntnisprozess. Sie betreibt Ursachenforschung und entwickelt Strategien, die dem Patienten helfen, mit den Problemen des Lebens besser fertig zu werden. Eine Gesprächstherapie dauert in der Regel drei bis sechs Monate.

  • Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) unterstützt den Patienten dabei, eigene negative Denkmuster und destruktive Verhaltensweisen zu erkennen und durch lebensbejahende Muster zu ersetzen, die zu Persönlichkeit und Lebensumständen passen.
  • Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) konzentriert sich auf die Bearbeitung gestörter persönlicher und sozialer Beziehungen. Der depressive Mensch lernt mit anderen effektiver in Beziehung zu treten, um Konflikte zu verringern und die Unterstützung von Familie und Freunden zu gewinnen.
  • Die Psychodynamische Therapie ermöglicht dem Patienten einen Blick in sein Innerstes. Sie deckt emotionale Konflikte oder ungelöste Kindheitsprobleme als Ursache einer Depression auf.

Die medikamentöse Therapie

Eine Gesprächstherapie reicht oft aus, Menschen mit leichteren Formen der Depression wirkungsvoll zu helfen. Bei Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Depression ergänzen Medikamente die Psychotherapie. Antidepressiva haben die Aufgabe, die Krankheitssymptome unter Kontrolle zu bringen und so gute Voraussetzungen für eine effektive Gesprächstherapie zu schaffen. Biologisch betrachtet, korrigieren Antidepressiva das Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn. Die Medikamente dürfen aber nicht mit Sedativa, Rausch-, Beruhigungs- oder Suchtmitteln verwechselt werden. Antidepressiva haben auf Menschen, die nicht an einer Depression leiden, in der Regel keine anregende Wirkung. Wichtig: Die therapeutische Wirkung tritt erst nach regelmäßiger Einnahme über eine längere Zeit ein.

Zur medikamentösen Therapie der Depression stehen heute über 20 unterschiedliche Antidepressiva zur Verfügung, die alle im Prinzip zur Behandlung angezeigt sind. Allerdings haben sich die Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Statt der trizyklischen Antidepressiva (TZAs), deren Nebenwirkungen ihren Gebrauch in der klinischen Praxis einschränken, werden heute vermehrt die moderneren SSRIs eingesetzt, also Antidepressiva, die nur auf das serotonerge System einwirken. Eine weitere Therapiemöglichkeit wurde erzielt, in dem es der Forschung gelang, eine selektive Substanz mit dualer Wirkung auf das serotonerge wie auch noradrenerge System (sSNRI) zu entwickeln.

Patienten und Ärzte bestätigten, dass eine medikamentöse Therapie kombiniert mit einer Gesprächstherapie zu besseren Ergebnissen geführt hat als eine Therapieform alleine. Der Erfolg jeder Therapie hängt maßgeblich von der Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit ab. Die Unterstützung der Angehörigen und Freunde kann dabei von großer Bedeutung sein. Wenn sie die schwierige Situation des Erkrankten akzeptieren, sowie ohne Bevormundung die Eigeninitiative und Selbstverantwortung stärken, tragen sie maßgeblich zur Genesung bei.

Aktualisiert: 10.03.2017 - Autor: Wyeth Pharma

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