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Wie viel Depression ist normal?

Depressive Frau © istockphoto, South_agency

Trauer bei Verlusterlebnissen oder eine depressive Stimmung bei schwierigen Lebensumständen gehören zum Auf und Ab des Lebens und stellen eine gesunde Reaktion auf die manchmal bitteren Seiten des Lebens dar. Doch wo hört die depressive Verstimmung auf und wo fängt eine behandlungsbedürftige Depression an? Um von einer depressiven Erkrankung sprechen zu können, muss eine Reihe weiterer Krankheitszeichen hinzukommen. Außerdem müssen diese mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen bestehen bleiben. Wichtig ist, eine Depression wie andere Erkrankungen auch ernst zu nehmen und konsequent zu behandeln.

Depression oder depressive Verstimmung?

Depressiv im umgangssprachlichen Sinne ist jeder einmal. Fachleute nennen das "depressive Verstimmung" – und die gehört zum Leben dazu wie Glücksgefühle oder "Schmetterlinge im Bauch". Die Grenzziehung zwischen einer depressiven Verstimmung und einer behandlungsbedürftigen Depression ist wichtig, denn wird diese nicht getroffen, werden an einer Depression erkrankte Menschen in ihrem Leiden nicht ernst genommen.

"Depression ist eine ernsthafte, nicht selten auch lebensbedrohliche Erkrankung, die mit einem größeren Leidensdruck einhergeht als die meisten anderen Erkrankungen. Für viele Betroffene ist der Zustand so unerträglich, dass sie sich wünschen, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Aus ihrer Verzweiflung heraus tragen sie sich nicht selten mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen" gibt Prof. Ulrich Hegerl, Psychiater an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Suizidalität zu bedenken.

Wann liegt eine behandlungsbedürftigen Depression vor?

An das Vorliegen einer behandlungsbedürftigen Depression sollte man denken, wenn neben der depressiven Stimmung zudem folgende Anzeichen vorliegen:

  • eine bleierne Schwere und Kraftlosigkeit, die dazu führt, dass sich schwer Erkrankte nicht mehr selbst versorgen können
  • Appetitstörungen mit Gewichtsverlust
  • hartnäckige Schlafstörungen
  • Grübelneigung
  • eine tiefsitzende Unfähigkeit, irgendwelche Freude zu empfinden.

Viele Erkrankte erleben sich innerlich wie versteinert und sind in tiefer Hoffnungslosigkeit gefangen. Manche entwickeln völlig übertrieben wirkende Schuldgefühle oder die Überzeugung, unheilbar erkrankt zu sein.

Depressionen müssen behandelt werden

Anhand derartiger Krankheitszeichen ist es für den Arzt meist sehr sicher möglich, eine depressive Erkrankung von einer nachvollziehbaren depressiven Stimmung bei schweren Umständen zu unterscheiden. Da Depressionen mithilfe von Psychotherapie und/oder Antidepressiva gut behandelbar sind, ist es wichtig, dass die Diagnose "Depression" nicht übersehen wird.

Der Hausarzt, ein Facharzt (Psychiater oder Nervenarzt) oder ein psychologischer Psychotherapeut sind die richtigen Ansprechpartner. Eine erste grobe Einschätzung kann auch ein Selbsttest zum Thema Depression liefern. Ist die Diagnose gestellt, ist es empfehlenswert, sich näher über die Erkrankung und ihre Behandlung zu informieren.

Aktualisiert: 09.04.2019 – Autor: Kompetenznetz Depression

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