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Erste Hilfe – Maßnahmen im Notfall

Erste Hilfe Kurs © rawpixel

Auch wenn die meisten Deutschen zumindest für ihren Führerschein einmal einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, trauen sich viele im Notfall nicht, wiederbelebende Maßnahmen durchzuführen. Doch im Notfall ist schnelle Hilfe entscheidend. Im Folgenden können Sie Ihr Wissen über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Atemstillstand, Bewusstlosigkeit und anderen medizinischen Notfällen wieder auffrischen.

Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit

Wenn jemand bewusstlos ist, erschlafft der ganze Körper. Von einer Bewusstlosigkeit ist auszugehen, wenn der Betroffene auf lautes Ansprechen und vorsichtiges Rütteln an den Schultern nicht reagiert sowie seine Muskulatur erschlafft ist. Bei Rückenlage besteht die Gefahr, dass die Zunge in den Hals zurücksinkt und die Atemwege blockiert.

  1. Hier ist es wichtig, zunächst um Hilfe zu rufen, um Umstehende auf die Situation aufmerksam zu machen, und die Atmung zu überprüfen.
  2. Wenn der Verletzte atmet, bringt man ihn in die stabile Seitenlage. So stellt man sicher, dass der Mund des Betroffenen zum tiefsten Punkt des Körpers wird, damit Erbrochenes und Blut abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangen.
  3. Rufen Sie dann den Notruf. Bewusstlose darf man auf keinen Fall alleine lassen, denn die Atmung kann aussetzen.

Atmung überprüfen, Atemstillstand erkennen

Um die Atmung zu überprüfen, überstreckt man den Kopf des Betroffenen nach hinten, am besten kniet sich ein Helfer in Schulterhöhe seitlich neben ihn. Mit einer Hand fasst man den Bewusstlosen an der Stirn, mit der anderen am Kinn. So kann man den Kopf des Betroffenen vorsichtig Richtung Nacken beugen sowie sein Kinn anheben. Sein Mund kann dann auch leicht geöffnet werden, um ihn gegebenenfalls von sichtbaren Essensresten oder Gebissteilen zu befreien.

Es fällt meist schon bei der ersten genaueren Betrachtung auf, wenn ein Mensch aufhört, zu atmen:

  • Der Brustkorb hebt sich nicht mehr.
  • An Nase und Mund ist keine Atmung mehr sichtbar oder hörbar.
  • Man kann die Hände auf die Brust legen oder die Wange vor Mund und Nase halten und spürt keine Atembewegungen mehr.

Die Kontrolle der Atmung sollte höchstens 10 Sekunden andauern. Wenn man jetzt nicht eingreift, kann es für den Betroffenen zu spät sein. Ist keine Atmung erkennbar, sollte sofort der Notruf gewählt und mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Herzstillstand: Schnelles Handeln ist gefragt

Als Herzstillstand bezeichnet man das Aussetzen der Herztätigkeit, ein Zustand, der zu Kreislaufversagen mit Bewusstlosigkeit, Pulslosigkeit, Atemstillstand und einer blaugrauen Färbung der Haut führt.

Wenn schnell Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden, ist eine Wiederaufnahme der Herzfunktion möglich. Wird nicht eingegriffen, führt der Herzstillstand zum Tod. Bereits nach rund drei Minuten kommt es zur Schädigung des Gehirns, einige Minuten später tritt der Tod ein. Beim Herzinfarkt oder bei einem Schlaganfall kommt es im schlimmsten Fall zum Herzstillstand.

Reanimation: Zuerst 30-mal Herzdruckmassage, dann 2-mal beatmen

Bei einem Betroffenen, der nicht mehr atmet, soll man zunächst auf die Beatmung – auch Atemspende genannt – verzichten. Die frühere ABC-Regel der Reanimation (A: Atemwege freimachen, B: Beatmung, C: Herzmassage, Englisch: Circulation) gilt nicht mehr. Damit soll gewährleistet werden, dass zukünftig mehr Reanimationen erfolgreich verlaufen.

Zunächst sollte man den Bewusstlosen laut ansprechen und zum Beispiel vorsichtig an den Schultern rütteln und anschließend die Atmung überprüfen. Wenn eine Reaktion ausbleibt und keine Atmung feststellbar ist, muss man sofort den Notruf wählen und mit der Herzdruckmassage beginnen.

Die Herzdruckmassage wird jeweils 30-mal im Wechsel mit 2-mal Beatmen durchgeführt. Die Beatmung ist dabei jedoch zweitrangig, entscheidend ist die Herzdruckmassage. Wer sich vor der Mund-zu-Mund-Beatmung ekelt oder unsicher ist, wie diese durchzuführen ist, sollte in jedem Fall die Herzdruckmassage durchführen.

Herzdruckmassage: So geht's!

Wenn das Herz aussetzt oder nicht mehr effektiv schlägt, bricht innerhalb von kurzer Zeit der Kreislauf zusammen. Um dies zu verhindern, wird eine Herzdruckmassage durchgeführt. Dabei sorgt das Zusammendrücken des Herzmuskels zwischen Brustbein und Wirbelsäule für eine gewisse Blutzirkulation. Auch verändert sich beim Pressen der Druck im gesamten Brustkorb, was den Blutkreislauf durch eine Sogwirkung zusätzlich antreibt.

Die Herzdruckmassage sollte nach folgender Anleitung durchgeführt werden:

  1. Der Betroffene muss mit dem Rücken flach auf einer harten Unterlage liegen, am besten den Fußboden, dann entfernt man die Kleidung über dem Brustkorb.
  2. Der richtige Druckpunkt: Anhaltspunkt ist das untere Ende des knöchernen Brustbeins. Am einfachsten ist es, wenn man sich mit dem Finger entlang der untersten Rippe bis zur Körpermitte vortastet. Der richtige Druckpunkt liegt dann exakt in der Mitte des Brustkorbs etwa drei Querfinger (fünf bis sieben Zentimeter) oberhalb des unteren Endes des Brustbeins. Um ihn rasch wiederzufinden, ist es sinnvoll, ihn mit dem Fingernagel oder einem Stift zu markieren.
  3. Nun kniet der Helfer seitlich neben dem Betroffenen, setzt den Handballen der einen Hand genau auf diesen Punkt, die zweite Hand wird parallel oder über Kreuz auf die am Druckpunkt platzierte gelegt. Seine Schultern sind über den Druckpunkt gebeugt, seine Arme durchgestreckt, sodass der Druck senkrecht von oben nach unten ausgeübt werden kann. Nur so bringt man genügend Kraft auf, denn bei einem Erwachsenen muss das Brustbein mindestens fünf Zentimeter (maximal sechs Zentimeter) eingedrückt werden. In der Entlastungsphase ist es wichtig, den Druck ganz nachzulassen, damit der Brustkorb wieder in seine Ausgangslage zurückkehren kann. Die Handballen bleiben dabei am Druckpunkt.
  4. Etwa 100 Mal pro Minute sollte gedrückt und wieder entlastet werden. Dies kostet viel Kraft, sodass man sich am besten mit einem anderen Helfer abwechselt.

Manchmal fängt das Herz auch von selbst wieder an, zu schlagen. Ist das nicht der Fall, sollte die Herzdruckmassage auf jeden Fall so lange fortgesetzt werden, bis der Arzt oder der Rettungssanitäter eintrifft und sich um den Betroffenen kümmert.

Tipp: Um den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage zu finden, kann es helfen, sich am Rhythmus eines der folgenden Lieder zu orientieren:

 
  • Stayin' Alive (Bee Gees)
  • Atemlos (Helene Fischer)
  • Dancing Queen (ABBA)

Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung

Eine Atemspende soll erst nach der begonnenen Herzdruckmassage gegeben werden. Dabei soll bei Atem- und Kreislaufstillstand das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung 30:2 betragen: 30 Kompressionen des Brustkorbs pro zwei Atemstöße durch Mund-zu-Mund- oder alternativ Mund-zu-Nase-Beatmung.

  • Mund-zu-Nase-Beatmung: Dabei kniet der Helfer auf Schulterhöhe seitlich neben dem auf dem Rücken liegenden Bewusstlosen. Eine Hand fasst an die Stirn, die andere unter das Kinn. Jetzt wird der Kopf nach hinten überstreckt, der Unterkiefer vorgeschoben und der Mund durch Druck mit dem Daumen auf den Bereich zwischen Unterlippe und Kinn verschlossen. Anschließend umschließt man die Nase des Betroffenen mit den Lippen und atmet Luft hinein.
  • Mund-zu-Mund-Beatmung: Wieder wird der Kopf des Patienten überstreckt, man öffnet aber mit dem oberhalb der Kinnspitze liegenden Daumen den Mund. Daumen und Zeigefinger der anderen Hand verschließen die Nase. Der eigene Mund wird dann möglichst dicht über den des Patienten gelegt und die Luft wie bei der Mund-Nase-Technik eingeblasen.

Tipps zur Atemspende

Folgende Tipps für die Atemspende sollten Sie beachten:

  • Der Helfer atmet normal ein und setzt den Mund über den Nasenöffnungen oder dem Mund des Bewusstlosen so auf, dass seine Lippen rund um die Nase oder den Mund des Betroffenen fest und luftdicht abschließen. Dann bläst er seine Ausatemluft mit sanftem Druck in die Nase beziehungsweise den Mund, setzt ab, atmet erneut ein und wiederholt die Atemspende etwa in einem Rhythmus von 10 bis 15 Mal in der Minute. Als Faustregel gilt: Atmen Sie etwa eine Sekunde lang gleichmäßig Luft in den Mund oder die Nase hinein.
  • Dass die Luft auch in der Lunge ankommt, lässt sich daran erkennen, dass der Brustkorb des Patienten sich hebt. Da das nicht immer sofort funktioniert, darf man nicht aufgeben. Vielmehr sollte man dann den Kopf etwas weiter überstrecken und den Beatmungsdruck vorsichtig erhöhen.

Die Atemspende sollte auf jeden Fall so lange fortgesetzt werden, bis der Arzt oder ein Sanitäter übernimmt.

Oft fangen die Patienten auch wieder selbständig an zu atmen. Auch dann darf man sie auf keinen Fall allein lassen, sondern sollte dabei bleiben und die Atmung regelmäßig kontrollieren. Am besten wird der Betroffene dazu in die stabile Seitenlage gelegt.

Defibrillator richtig einsetzen

Eine empfehlenswerte wiederbelebende Maßnahme ist zudem der Einsatz eines Defibrillators (AED-Gerät). Ein Defibrillator dient dazu, dem Herz, beispielsweise bei lebensbedrohlichem Kammerflimmern, einen Stromstoß zu geben, damit dieses wieder in seinem normalen Rhythmus schlagen kann.

Diese Geräte sind oft in öffentlichen Gebäuden zu finden und für Ersthelfer sehr einfach zu bedienen, da sie vollautomatisch funktionieren und Sprachanweisungen zur richtigen Bedienung geben.

Bei einem Herzstillstand sollte die Herzdruckmassage jedoch an erster Stelle stehen. Vergeuden Sie nicht wertvolle Zeit damit, stattdessen nach einem Defibrillator zu suchen, sondern beginnen Sie sofort mit der Reanimation. Sind weitere Helfer zugegen, können diese sich währenddessen auf die Suche nach einem Defibrillator machen.

Herzinfarkt: Was tun?

Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland weiterhin die häufigste Todesursache. Ganz weit vorne in der Statistik finden sich der Herzinfarkt und der Schlaganfall.

Die Ursache für einen Herzinfarkt ist der plötzliche Verschluss einer Herzkranzarterie (Koronararterie). Der Herzmuskel wird über diese Gefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Symptome: Starke Schmerzen hinter dem Brustbein, oft in den linken Arm, die Schulter oder den Oberbauch ausstrahlende Schmerzen. Die Betroffenen haben Angst. Das Gesicht ist blass-grau, manchmal schweißnass. Übelkeit, manchmal mit Erbrechen, kann hinzukommen. Nicht selten kommt es zu einem Kollaps des Herz-Kreislauf-Systems. Die meisten Betroffenen haben Angst davor, allein zu sein. Man sollte alles vermeiden, was den Betroffenen aufregt.

Wichtig: Sofort den Rettungsdienst verständigen und einen Notarzt anfordern. Den Patienten darf man zu keinem Zeitpunkt unbeaufsichtigt lassen, er muss beruhigt werden. Wenn der Patient bei Bewusstsein ist, sollte er schonend mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden.

Schlaganfall: Erste Hilfe

Der Schlaganfall ist in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Beim Apoplex, so lautet der medizinische Fachbegriff, treten Durchblutungsstörungen des Gehirns mit akut auftretenden Funktionsstörungen des Nervensystems auf. Die Gehirnzellen sind im besonderen Maße von einer unterbrechungsfreien Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen abhängig. Sauerstoff und Nährstoffe werden über das Blutsystem zu den Gehirnzellen transportiert.

Bei einer Durchblutungsstörung des Gehirns sterben die Nervenzellen des Gehirns sehr schnell ab. Hierzu genügt bereits eine Unterbrechung der Blutzufuhr von wenigen Minuten.

Symptome, die auf einen Schlaganfall deuten, sind etwa halbseitige Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle, herabhängende Mundwinkel, Sprach- und Sprechstörungen oder Sehstörungen wie halbseitige Blindheit oder Gesichtsfeldausfälle.

Wichtig: Bis der Arzt kommt, muss man Erste Hilfe leisten: Sofern der Patient atmen kann und bei Bewusstsein ist, legt man ihn flach auf den Boden und stützt seinen Kopf. Ist er bewusstlos, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit kein Mageninhalt in die Lunge gelangt.

Wann benötigt man die stabile Seitenlage?

Die stabile Seitenlage kommt dann zum Einsatz, wenn der Betroffene bewusstlos ist, aber ausreichend atmet, sodass keine Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich sind. Sie soll dem Bewusstlosen die Atmung erleichtern, sodass er nicht an Blut, Erbrochenem oder an seiner Zunge ersticken kann, denn in der Bewusstlosigkeiten funktionieren Reflexe nicht, die uns in solchen Fällen sonst unwillkürlich husten lassen. Daher müssen die Atemwege freigehalten werden und der Mund der tiefste Punkt des Körpers sein.

Stabile Seitenlage: Anleitung

Stabile Seitenlage (Anleitung in 4 Schritten)

Stabile Seitenlage (Anleitung) – © istockphoto, lukaves

Um eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage zu bringen, gehen Sie nach folgender Anleitung vor:

  1. Knien Sie seitlich neben dem Bewusstlosen und strecken Sie dessen Beine aus.
  2. Der Ihnen zugewandte Arm der Person wird mit nach oben angewinkeltem Ellbogen, rechtwinklig zum Körper, abgelegt (mit der Handfläche nach oben).
  3. Greifen Sie den Ihnen abgewandten Arm am Handgelenk, führen Sie den Arm quer über den Brustkorb und platzieren Sie den Handrücken an der Ihnen zugewandten Wange des Betroffenen (zum Beispiel rechte Hand an linker Wange). Halten Sie die Hand dort fest (Abbildung 1).
  4. Greifen Sie den Ihnen abgewandten Oberschenkel des Betroffenen, um das Bein anzuwinkeln (Abbildung 2).
  5. Ziehen Sie den Betroffenen nun zu sich herüber in die Seitenlage. Das oben liegende Bein ist so angewinkelt, dass der Oberschenkel einen rechten Winkel zur Hüfte bildet.
  6. Überstrecken Sie den Hals (Kopf nackenwärts gebeugt), um die Atemwege freizulegen und öffnen Sie den Mund des Bewusstlosen. Die an der Wange liegende Hand soll diese Position stabilisieren, sodass der Mund der tiefste Punkt ist (Abbildung 3).
  7. Der Bewusstlose liegt nun in der stabilen Seitenlage. Kontrollieren Sie immer wieder Atmung, Bewusstsein und Lebenszeichen und lassen Sie den Betroffenen nicht unbeaufsichtigt (Abbildung 4).

Erste Hilfe ist entscheidend

Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind die einfachen wiederbelebenden Maßnahmen in den ersten Minuten die entscheidenden, weil sonst alle weiteren Bemühungen des Rettungsdienstes und im Krankenhaus erfolglos bleiben können. Mit jeder Minute ohne Behandlung sinken die Überlebenschancen von Betroffenen um zehn Prozent.

Dabei steht die Herzdruckmassage immer an erster Stelle – die Atemspende sollte nach Möglichkeit ergänzend erfolgen, ist aber nicht zwingend erforderlich. Wer vor der Mund-zu-Mund-Beatmung zurückscheut, kann diese also auch weglassen. Auch die Angst davor, dem Betroffenen bei der Herzdruckmassage die Rippen zu brechen, sollte Sie nicht davon abhalten, wiederbelebende Maßnahmen zu ergreifen und Erste Hilfe zu leisten: Gebrochene Rippen heilen wieder.

Aktualisiert: 18.11.2019 – Autor: bo; überarbeitet: Silke Hamann

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