Borretsch & Borretschöl – wie gesund ist das Gurkenkraut?

Borretsch, Blüten, Samen und Borretschöl
© Getty Images/Madeleine_Steinbach

Die auffallend leuchtend blauen Blüten des Borretsch ziehen ab Juni nicht nur Bienen an, sondern auch die Blicke des Betrachters auf sich. Der auch als Gurkenkraut bezeichnete Borretsch wird gerne als Blütenstaude oder als Kräutergewächs im Garten angepflanzt. Verwendung finden vor allem die Blätter und das Öl aus den Samen der attraktiven Pflanze. Beides kann als Zutat im Essen genutzt werden. Außerdem wird Borretsch und dem daraus gewonnenen Borretschöl eine Heilwirkung bei verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden nachgesagt. Aber wie gesund ist Borretsch wirklich? Oder ist er sogar giftig? Erfahren Sie im folgenden Artikel mehr über die Inhaltstoffe, die Verwendung und die Wirkung von Borretsch und Borretschöl.

Was ist Borretsch?

Borretsch (Borago officinalis) ist eine Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse und wird zu den Küchen- und Heilkräutern gezählt. Er wird auch als Gurkenkraut bezeichnet, was auf den gurkenähnlichen Geschmack seiner Blätter zurückzuführen ist. Aufgrund seiner Blütenform trägt Borretsch auch den Namen "Himmelsstern".

Inhaltsstoffe von Borretsch

Die Borretschpflanze enthält zahlreiche Inhaltsstoffe in Blüten, Kraut und Samen. Dazu zählen unter anderem:

  • ätherische Öle
  • Gerbstoffe
  • Kieselsäure
  • Saponine
  • Schleimstoffe
  • Allantoin
  • Fettsäuren
  • Vitamin C
  • Pyrrolizidinalkaloide

Heilwirkung von Borretsch

Schon im Mittelalter wurde Borretsch als Heilpflanze genutzt. Zubereitungen aus Blättern und Blüten galten damals als wirksames Mittel gegen Melancholie und Schwermut. Außerdem wird Borretsch eine fiebersenkende, blutreinigende, schleimlösende und harntreibende Wirkung nachgesagt. Auch heute noch werden alle Pflanzenteile – Blüten, Kraut und Samen – zu Heilzwecken genutzt.

Borretsch wird vorwiegend in Form von Tee, Aufgüssen oder Öl eingesetzt bei:

Anwendung von Borretschtee

Ein Tee aus frischen oder getrockneten Blättern oder Blüten des Borretsch wird unter anderem bei Unruhe, Fieber und Erkältungen eingesetzt. In Teemischungen gegen Blasenentzündungen und Schlafstörungen kann Borretsch ebenfalls enthalten sein.

Zur äußerlichen Anwendung bei Ausschlag, Entzündungen und Ekzemen wird ein mit einem Borretschaufguss oder Borretschtee getränktes Tuch auf die betroffenen Hautstellen gelegt.

Borretschöl für gesunde Haut

Borretschöl wird aus den Samen der Borretschpflanze gewonnen. Dieses besondere Öl ist sehr reich an Gamma-Linolensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure. Diese ist für eine gesunde Hautbarriere und eine glatte Haut wichtig. Wegen ihrer hautglättenden Wirkung soll Borretschöl gegen Falten helfen.

Borretschöl kann sowohl äußerlich auf trockene, schuppende und juckende Hautstellen aufgetragen, als auch innerlich angewendet werden. So soll das Öl auch die Heilung bei Verbrennungen beschleunigen können. Zudem gilt die Fettsäure als entzündungshemmend und wird daher manchmal zur Hautpflege bei Neurodermitis oder Schuppenflechte empfohlen. Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit des Öls bei diesen Hautkrankheiten gibt es jedoch nicht.

Weitere Wirkungen von Borretschöl

Die Einnahme von Borretschöl soll außerdem das Immunsystem stärken und einen positiven Einfluss auf verschiedenste andere Körperfunktionen haben. Es wird oft mit Nachtkerzenöl verglichen und findet daher in ähnlichen Fällen Anwendung. Folgende Effekte werden dem Öl außerdem nachgesagt:

  • positive Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt
  • stimmungsaufhellender Effekt
  • Linderung bei Allergien
  • blutdrucksenkende Wirkung
  • Regulierung des Cholesterinspiegels
  • lindernde Wirkung bei rheumatischen Beschwerden

Zu beachten ist jedoch, dass diese positiven Effekte wissenschaftlich nicht belegt sind. Daher sollte die Anwendung von Borretschöl niemals eine Behandlung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen. Gegebenenfalls ist vor der Anwendung medizinische Rücksprache empfehlenswert.

Borretschöl kann man abgefüllt in Flaschen oder als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln kaufen.

Ist Borretsch giftig?

Neben wertvollen und gesunden Inhaltstoffen enthält Borretsch giftige Alkaloide in den Blättern und Blüten, insbesondere Pyrrolizidinalkaloide. Natürlicherweise dienen Alkaloide der Pflanze dazu, Fressfeinde abzuwehren. In großer Menge aufgenommen, können Alkaloide beim Menschen Leberschäden verursachen und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Der Verzehr von Borretsch sollte aus diesem Grund nur gelegentlich und maßvoll erfolgen.

Die Anwendung von Zubereitungen aus den Blättern und Blüten des Borretschs zu Heilzwecken wird aufgrund des hohen Gehalts an Alkaloiden unterschiedlich diskutiert. Da Borretsch über keine wissenschaftlich belegte Wirkung verfügt, wird immer wieder von der regelmäßigen Anwendung zu Heilzwecken abgeraten. In den Samen sind jedoch nach aktuellem Wissensstand keine Pyrrolizidinalkaloide enthalten, weshalb Borretschöl als frei davon gilt.

Borretsch als Küchenkraut: Wofür kann man ihn verwenden?

Alle Teile des Borretschs – Blätter, Blüten und Stängel – sind essbar. Am häufigsten werden junge Borretschblätter verwendet, denn diese sind besonders zart und lassen sich auch roh essen. Sie schmecken frisch nach Gurke und können als Zutat unter anderem in Salat, Quark, Rührei oder in der Suppe verwendet werden. Traditionell gehört Borretsch neben Kerbel, Pimpernelle, Sauerampfer, Petersilie, Schnittlauch und Kresse zu den sieben Kräutern, die für die Frankfurter Grüne Soße verwendet werden.

Der Geschmack von Borretschöl ist recht mild, manchmal etwas bitter. Zum Braten ist es ungeeignet, das Öl kann aber kalt in Salatdressing oder Pesto zum Einsatz kommen. Lagern Sie das Öl kühl und lichtgeschützt und verbrauchen Sie es innerhalb einiger Monate.

Borretsch einfrieren oder trocknen?

Frischen Borretsch kann man bundweise zur Saison – von Mai bis Oktober – auf dem Wochenmarkt oder im gut sortierten Gemüseladen kaufen. Wenn Borretsch jedoch im eigenen Garten wächst und wuchert, dann weiß man oft gar nicht, wohin mit einer größeren Menge. Möchte oder kann man den Borretsch nicht auf einmal verbrauchen, dann bietet es sich an, die Blätter des Borretsch zu trocknen. Zum Einfrieren ist Borretsch weniger gut geeignet, da die Blätter beim Auftauen matschig werden und an Geschmack verlieren.

Die Blätter sollten immer direkt nach dem Pflücken verarbeitet werden. Dafür diese zunächst unter fließendem Wasser abspülen, trockenschütteln und nach Belieben schneiden oder hacken. Anschließend können die Blätter an einem luftigen Ort ausgebreitet auf einem Tablett getrocknet werden.

Rezept: Gurkensalat mit Borretsch

Dieser leichte Sommersalat eignet sich gut zum Abendessen oder als Snack an heißen Tagen. Als Zutaten für vier kleinere oder zwei größere Portionen benötigen Sie:

  • 1 Gurke
  • 100 Milliliter Milch
  • 2 Esslöffel Zitronensaft
  • 100 Gramm Naturjoghurt
  • 6 Blätter Borretsch
  • ½ Bund Schnittlauch
  • 1 Teelöffel Zucker
  • Salz
  • Pfeffer

So erfolgt die Zubereitung:

  1. Zunächst Milch mit dem Zitronensaft verrühren und 15 Minuten stehen lassen. Die Milch gerinnt durch die Säure des Zitronensafts und flockt aus.
  2. Die Gurke gründlich waschen und abtrocknen. Anschließend in dünne Scheiben hobeln, mit etwas Salz bestreuen, mischen und in einem Sieb abtropfen lassen.
  3. Die Milch mit Joghurt, Salz, Pfeffer und Zucker verrühren.
  4. Borretschblätter fein hacken, Schnittlauch in feine Röllchen schneiden und mit dem Dressing vermengen.
  5. Zuletzt die Gurken mit den Händen gut ausdrücken, zum Dressing hinzugeben und vorsichtig vermischen. Nach Belieben mit Borretschblättchen oder -blüten dekorieren.

Wie sieht Borretsch aus?

Die einjährige, krautige Pflanze wächst aufrecht und kann eine Höhe von gut einem halben bis einem Meter erreichen. Die sternförmigen Blüten sind zunächst rosa und färben sich später blau bis violett. Die eiförmigen, dunkelgrünen Blätter und auch die Stängel des Borretsch sind mit kleinen, steifen Härchen bedeckt und fühlen sich dadurch rau an.

Die Blätter des Borretsch sehen den Blättern des Fingerhuts (Digitalis) in gewisser Weise ähnlich. Beide sind von sattgrüner Farbe, haben eine ovale Form und sind mit kleinen Härchen bedeckt. Vor allem im sehr jungen Alter, wenn sich die Wuchsform noch nicht eindeutig zeigt und die Blüten noch nicht sichtbar sind, besteht bei diesen beiden Pflanzen Verwechslungsgefahr. In der Vergangenheit wurde in Gärtnereien sogar schon Fingerhut als Borretsch verkauft. Dies kann beim Verzehr gefährlich werden, denn Fingerhut ist hochgiftig.

Aktualisiert: 16.07.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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