Estragon - der "Kleine Drache"

Estragon © Silke Hamann

Der mit dem gemeinen Beifuß und dem Wermut verwandte Estragon (Artemisia dracunculus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, vermutlich stammt er aus Sibirien, Nordamerika und China. Ab dem frühen Mittelalter würzten auch die Araber ihre Speisen mit Estragon.

Wahrscheinlich liegt der Ursprung der Bezeichnung "Estragon" in einem Lehnwort aus der griechischen Sprache, hier bedeutet drakon "Drache" oder "Schlange". Auch die botanische Benennung des Estragons in Form des lateinischen "dracunculus" (kleiner Drache) weist darauf hin. Anscheinend wurde der Estragon dank seines verschlungen wachsenden Wurzelstocks mit Drachen assoziiert.

Verwendung von Estragon

Solange die Blütenknospen noch geschlossen sind, werden die oberen Zweige des Estragons abgeschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Estragon wird heute überwiegend als Würzmittel genutzt.

In der Schulmedizin wird er nicht mehr zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dies ist auf den Inhaltsstoff Estragol zurückzuführen, von dem man vermutet, dass er erbgutschädigend und krebserzeugend ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat daher im Jahr 2002 eine entsprechende Warnung herausgegeben. In der Volksheilkunde findet Estragon aber weiterhin Anwendung.

Estragon: Wirkstoffe

Der Inhaltsstoff Estragol ist im Estragon zusammen mit Anethol für den unverwechselbaren, anisartigen Geschmack verantwortlich. Insgesamt enthält der Deutsche bzw. Französische Estragon drei Prozent ätherische Öle, außer den bereits erwähnten noch Terpene wie Ocimen und Terpineol. Daneben sind im Estragon auch noch folgende Wirkstoffe vorhanden:

  • Zimtsäurederivate
  • Phellandren
  • Pinen
  • Camphen
  • Eugenol
  • Limonen

Im Russischen Estragon sind dagegen nur ein Prozent ätherische Öle enthalten. Das Estragol fehlt hier völlig, dafür kommen Sabinen und Elemicin sowie Ocimen- und Eugenolderivate vor.

Für den herben Geschmack des Estragons sind Flavonoide wie Quercetin oder Patuletin verantwortlich.

Die Heilwirkung des Estragons

In der Volksheilkunde wird Estragon eine heilende Wirkung auf die Verdauung nachgesagt. Da er viele Bitterstoffe enthält, die die Produktion von Magensaft anregen, hilft er die Verdauung zu stärken. Deswegen ist er bei den verschiedensten Verdauungsproblemen wie beispielsweise Blähungen oder Darmstörungen hilfreich. Darüber hinaus hat das Gewürz auch eine lindernde Wirkung bei Magenkrämpfen, da Estragon krampflösend wirkt.

Außerdem wirken die ätherischen Öle des Estragon erwärmend und durchblutungsfördernd, wenn sie äußerlich aufgetragen werden. So kann Estragon gemeinsam mit anderen Ölen auch Abhilfe bei rheumatischen Schmerzen schaffen.

Darüber hinaus sollten nach mittelalterlichem Aberglauben auch Schlangenbisse mittels Estragon geheilt werden. Diese Theorie hat sich jedoch nicht bestätigt. Deutsche Bezeichnungen für Estragon wie zum Beispiel Schlangenkraut erinnern aber noch an diese Funktion.

Estragon als Küchenkraut

Die jungen Triebe des Estragons können sparsam dosiert zur Aromatisierung von Essig und Senf verwendet werden. Darüber hinaus eignen sie sich auch zum Würzen von Geflügel, Kartoffel- und Nudelgerichten, Reis, gekochtem Fisch und eingelegten Gurken. In Salaten kommt der bekannte Estragon-Essig zur Anwendung.

Estragon ist außerdem zur Verfeinerung vieler Soßen unentbehrlich. So verfeinert er in der französischen Küche zum Beispiel den Geschmack der Sauce Bérnaise, Sauce Hollandaise und der Vinaigrette.

Anbau von Estragon

Im Garten liebt der winterharte Estragon einen sonnigen bis halbschattigen Platz in einem humusreichen, feuchten Boden. Der Russische Estragon kann im April ausgesät werden, der Deutsche Estragon wird durch Wurzelausläufer vermehrt. An den verästelten Stängeln wachsen schmale, längliche Blätter. Im Juli erscheinen die rispenförmigen Blütenstände mit kleinen, grün-gelben Blütenköpfchen. 

Der Geschmack und Geruch der Pflanze erinnert an Anis, Fenchel und Süßdolde oder Süßholz. Der Russische Estragon hingegen ist fast geruchlos und schmeckt leicht herb. Leider ist der Russische Estragon die einzige Sorte, welche durch Samen vermehrt werden kann, weshalb er in Gärtnereien bevorzugt angeboten wird.

Aktualisiert: 13.06.2016 – Autor: Anke Dorl

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