Granatapfel: Heilfrucht mit gesunder Wirkung

Granatäpfel
© Thomas Breher

Der Granatapfel (Punica granatum) gilt als eine der ältesten Heilfrüchte der Menschheit. Er wird seit Jahrhunderten als Nahrungs- und Genussmittel verwendet. Seine gesundheitsfördernden Eigenschaften sind dabei in vielen Kulturen bekannt und werden oft genutzt – besonders Granatapfelsaft (im Handel häufig auch "Muttersaft" genannt) ist aufgrund seiner gesunden Wirkung beliebt, doch auch Granatapfelkerne werden gerne verzehrt. Zu kaum einer anderen Pflanze wurden in den letzten Jahren mehr Studien durchgeführt als zum Granatapfel. Zu welchen Ergebnissen diese Studien kamen, welche Vitamine Granatapfel enthält und wie verträglich er ist, erfahren Sie im Folgenden.

Granatapfel: Gesundheitseffekte durch antioxidative Wirkung

Während bislang vor allem grünem Tee und Rotwein starke antioxidative Wirkungen zugeschrieben wurden, wurde vor einiger Zeit nachgewiesen, dass der Granatapfel neben anderen gesundheitsfördernden Eigenschaften eine vielfach höhere antioxidative Wirkung besitzt. Grund dafür sind die in Granatapfel enthaltenen Polyphenole.

In diesem Zusammenhang werden ihm unter anderem Gesundheitseffekte auf das Herz-Kreislauf-System, den Lipid- und Zuckerstoffwechsel sowie eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben.

Fest steht in jedem Fall, dass oxidativer Stress die Entstehung bestimmter Erkrankungen begünstigen kann. Oxidativer Stress entsteht, wenn im Körper zu viele reaktive Sauerstoffspezies, wie beispielweise freie Radikale, vorhanden sind. Dann kann es zur Schädigung von Zellen kommen.

Granatapfel gegen oxidativen Stress

Zu den Erkrankungen, deren Entstehung und Progression mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden, gehören:

  • Arteriosklerose
  • Krebserkrankungen
  • chronisch-entzündliche Krankheiten wie rheumatische Erkrankungen
  • degenerative und insbesondere neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Katarakt und altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Oxidativer Stress könnte außerdem zur Entstehung von erektiler Dysfunktion sowie Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) beitragen, wobei die Adipositas selbst den oxidativen Stress erhöhen kann. Auch bei der Entstehung von chronischen Lebererkrankungen, insbesondere der Fettleber, spielen oxidative Schädigungen eine entscheidende Rolle, alkoholinduzierte Schäden der Leber eingeschlossen.

Auf die Entstehung und den Verlauf benigner und maligner Tumoren (beispielsweise Karzinomen) und deren Vorstufen sowie von zahlreichen anderen Erkrankungen haben oxidative Schädigungen einen teilweise wesentlichen Einfluss. Das gleiche gilt für vorzeitige Alterungsprozesse oder Schäden am Erbmaterial, etwa durch Umweltgifte.

Wirkung von Granatapfel nicht eindeutig belegt

In den letzten Jahren wurden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zum Granatapfel veröffentlicht, die die Auswirkungen von Granatapfelsaft und -konzentrat auf die Bildung und das Wachstum von Tumoren, den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel sowie Wechseljahresbeschwerden zum Inhalt hatten.

Ein Großteil dieser Studien wies jedoch entweder methodische Mängel auf, wie fehlende Vergleichsbehandlungen oder eine geringe Teilnehmerzahl, oder lieferte lediglich Ergebnisse aus der sogenannten präklinischen Phase – das heißt, die Wirkung des Granatapfels wurde nur an Zellkulturen oder Tieren getestet, nicht jedoch am Menschen.

Am vielversprechendsten wurden Studien in Bezug auf das Wachstum von Prostatakrebs bewertet. Hier zeigten sich positive Effekte auf die PSA-Verdopplungszeit. Dieser Wert gilt als Marker für das Tumorwachstum. Je kürzer die PSA-Verdopplungszeit, desto schneller wächst der Tumor. Der Verzehr von Granatapfel könnte also begleitend zur Standardtherapie bei Prostatakrebs sinnvoll sein. In der aktuellen Leitlinie zur Therapie von Krebserkrankungen wird Granatapfel aufgrund einer nicht ausreichenden Datenlage aber nicht als Behandlungsmethode bei Prostatakrebs empfohlen.

Schutz des Herz-Kreislauf-Systems?

Die antiarteriosklerotischen Wirkungen von Granatapfelsaft werden überwiegend in Zusammenhang mit der ausgeprägten antioxidativen Wirkung gebracht.

Ein leicht blutdrucksenkender Effekt von Granatapfel konnte in einigen Studien nachgewiesen werden, in anderen wiederum gab es für diese Wirkung keine Belege. 2016 analysierten britische Forschende acht Studien, die eine blutdrucksenkende Wirkung von Granatapfel untersucht hatten. Bereits 50 Milliliter Granatapfelsaft sollten einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben.

Die Ergebnisse dieser Studien waren jedoch nicht eindeutig. Zudem wiesen sieben der acht Studien methodische Mängel bei der Durchführung auf. Die einzige dieser Studien, die nicht fehlerhaft durchgeführt wurde, wies mit 45 Proband*innen eine sehr geringe Zahl an Teilnehmenden auf.
Ob der Verzehr von Granatapfel oder Nahrungsergänzungsmitteln mit Granatapfel einen positiven Effekt auf den Blutdruck hat, ist wissenschaftlich also noch nicht geklärt.

Positive Effekte auf den Lipid- und Zuckerstoffwechsel?

Bei Menschen mit Diabetes treten endotheliale Dysfunktion und atherosklerotische Gefäßveränderungen in Form von Mikro- und Makroangiopathien besonders früh auf und verlaufen beschleunigt. Oxidativer Stress ist dabei ein patho-physiologischer Schlüsselmechanismus. Aus diesem Grund wird ein positiver Effekt von Granatäpfeln bei Diabetes vermutet. Diese Wirkung wurde bisher aber nicht wissenschaftlich belegt. Zudem weist Granatapfel einen hohen Gehalt an Fruchtzucker auf.

Granatapfel bei Wechseljahresbeschwerden?

Auch in den Wechseljahren soll die Frucht helfen können, auftretende Beschwerden zu lindern. Allerdings ist auch hier die Datenlage nicht eindeutig. Fest steht, dass Granatapfelkerne östrogenähnliche Inhaltsstoffe enthalten, die gegebenenfalls zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden beitragen könnten. In einer Studie der Universität Wien, an der jedoch lediglich 81 Frauen teilnahmen, konnte durch die Einnahme von Präparaten mit Granatapfelkernöl keine Verbesserung von Hitzewallungen festgestellt werden, es trat jedoch eine Verbesserung von vegetativen Beschwerden (wie Schlafstörungen) auf.

Ist Granatapfel dennoch gesund?

Auch wenn viele der gesundheitlichen Effekte, die mit Granatapfel häufig in Verbindung gebracht werden, bisher nicht eindeutig wissenschaftlich belegt wurden, kann der Granatapfel dennoch als gesunde Frucht gelten. Dafür sorgen zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe sowie wertvolle Pflanzenstoffe.

Folgende Mineralstoffe und Vitamine stecken in Granatapfel:

Zudem enthält Granatapfel sekundäre Pflanzenstoffe, die eine antioxidative Wirkung haben. Dazu gehören Polyphenole, wie Ellagsäure, sowie Gerbstoffe, wie Punicalgin und Punicalin.

Das Wirkungsspektrum des Granatapfels ist jedoch nicht mit einem einzelnen Inhaltsstoff assoziiert. Daher ist eine hochkonzentrierte Anwendung isolierter Inhaltsstoffe des Granatapfels – wie bei den meisten Pflanzen – nicht sinnvoll. Vielmehr liegt die gesunde Wirkung des Granatapfels gerade im besonderen Zusammenspiel der zahlreichen Inhaltsstoffe.

Deshalb sollte man lieber Granatapfelkerne oder -saft genießen, anstatt Nahrungsergänzungsmittel mit Granatapfelextrakt zu kaufen. Bei Granatapfelsaft lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste: Laut Verbraucherzentrale ist der Saft häufig mit Trauben-, Kirsch- oder Apfelsaft "gestreckt".

In 100 Gramm Granatapfel sind 74 Kilokalorien beziehungsweise 304 Kilojoule enthalten.

5 Fakten über Granatäpfel (Infografik)

5 Fakten über Granatäpfel – © iStock.com/Lecic

Einnahme: Wie viel Granatapfelextrakt pro Tag?

Sowohl Nahrungsergänzungsmittel mit Granatapfelschale als auch mit Granatapfelrinde werden zu den neuartigen Lebensmitteln und zu Arzneistoffen gezählt. Die Dosierungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation beträgt bei Mitteln mit Granatapfelschale für Erwachsene 2,5 bis maximal 4,6 Gramm pro Tag, bei Präparaten mit Rinde drei bis höchstens neun Gramm pro Tag.

Vorsicht vor Wechselwirkungen

Ähnlich wie beim Verzehr von Grapefruits kann es auch beim Konsum von Granatapfel zu Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten kommen. Da im Granatapfel enthaltene Stoffe die Tätigkeit von Enzymen hemmen, die im Darm für den Abbau von einigen Wirkstoffen zuständig sind, sollte beispielsweise bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente mit den Wirkstoffen Phenprocoumon oder Warfarin auf den Genuss verzichtet werden. Auch mit dem Wirkstoff Sildenafil, welcher beispielsweise in Viagra® enthalten ist, kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Zudem kann Granatapfelsaft bei Menschen, die Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels einnehmen (Statine) das Risiko zur Entstehung einer Rhabdomyolyse (Zersetzung von Muskelzellen) erhöhen.

Im Zweifelsfall sollten Sie vor dem Verzehr ärztlichen Rat suchen oder das Fachpersonal in der Apotheke um Rat bitten.

Verträglichkeit von Granatapfel

Der aus der Frucht gepresste Granatapfelsaft wird seit Jahrhunderten als gut verträgliches Nahrungsmittel geschätzt. Nebenwirkungen treten nur selten auf. Im Rahmen einer Studie mit Prostatakrebspatienten kam es durch die Einnahme von Granatapfelextrakt zum Teil zu Verstopfung, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Zahnverfärbungen. Auch Allergien gegen Granatapfel können auftreten.

Zudem ist der Fruchtsaft zucker- und kalorienhaltig und deshalb für Menschen mit Diabetes nur bedingt geeignet. 100 Milliliter Granatapfelsaft enthalten circa 12 Gramm Fruchtzucker. Die empfohlene Aufnahme von Zucker pro Tag liegt für einen gesunden Erwachsenen bei höchstens 25 Gramm.

Der Saft ist außerdem säurehaltig, weshalb – wie bei anderen säurehaltigen Fruchtsäften – auf den Schutz des Zahnschmelzes geachtet werden sollte (eine Stunde Abstand zum Zähneputzen).

Granatapfel schneiden und entkernen

Neben Granatapfelsaft erfreuen sich Granatapfelkerne großer Beliebtheit. Sie dienen als leckere und dekorative Garnitur, beispielsweise im Joghurt, Salat oder in Getränken. Die Schale und das helle, dünne Fruchtfleisch des Granatapfels schmecken bitter.

Um an die Kerne zu gelangen, kann man den Granatapfel zum einen quer halbieren und die beiden Hälften anschließend mit der Schnittseite nach unten über eine Schüssel halten. Dann mit einem Löffel auf die Rückseite der Hälften schlagen. So lösen sich die Kerne und fallen in die Schüssel.

Zum anderen kann auch der obere Teil des Granatapfels abgeschnitten werden. Anschließen die Frucht vierteln, die Viertel aber nicht komplett durchschneiden, sondern die Stücke nur anritzen und dann auseinanderbrechen. Dann können die Kerne mit den Fingern oder einem Löffel aus dem Granatapfel gelöst werden.

Aktualisiert: 19.11.2021 - Autor: Dr. med. S. Grabhorn; überarbeitet: Kristina Klement, Jasmin Rauch

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