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Haaranalyse – Anwendung in der Praxis

Haaranalysen in der Rechtsmedizin

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Substanzen, die mit einer chemischen Haaranalyse nachgewiesen werden können, stark erhöht. Insbesondere Drogen sind für die Rechtsmediziner interessant – können sie doch die Situation z. B. bei einer Straftat enorm beeinflussen. Die Aussagekraft der Haaranalytik ist so gut, dass Haare als Beweismittel vor Gericht dienen und beispielsweise für Fahreignungstests nach Führerscheinentzug wegen Drogenkonsums eingesetzt werden. Zu den Stoffen, die mehrere Monate und länger nachweisbar sind, gehören Opiate, Kokain, Cannabis, Amphetamine, Halluzinogene, „K.o.-Mittel" und Dopingsubstanzen.

Daneben lassen sich auch Medikamente wie Antidepressiva, Alkoholmarker und Nikotin finden. Aus der Höhe der Konzentration der Substanzen und ihrer Abbauprodukte kann man Rückschlüsse auf das Konsumverhalten ziehen. Das geht soweit, dass für bestimmte Stoffe an einem Haar ähnlich wie bei den Jahresringen an den Bäumen abgelesen werden kann, ob und wie sich Phasen der Einnahme und Abstinenz abwechselten.

Haaranalysen in der Umweltmedizin

Im Haar lassen sich giftige Schwermetalle und essenzielle Spurenelemente nachweisen. Haaranalysen sind gut geeignet, um die Belastung mit Arsen, Blei, Kadmium und Quecksilber in einer größeren Bevölkerungsgruppe zu überprüfen. Die Methode hat den Vorteil, dass es - außer dem möglicherweise psychologisch quälenden Abschneiden eines Haarbüschels - zu keinem schmerzhaften Eingriff kommt. Kinder eignen sich für solche Screeningmethoden besonders gut, da bei ihnen in der Regel die Haare noch nicht kosmetisch behandelt sind. In der Praxis richtet sich das Augenmerk vor allem auf Blei und Quecksilber.

Noch immer sind in Deutschland in bis zu 10 % der Haushalte (außer in Süddeutschland – das ist praktisch „bleifrei“) alte Wasserrohre aus Blei im Einsatz - wird das Trinkwasser aus der Leitung verwendet, kann das insbesondere bei Kindern zu einer erhöhten Belastung mit Störungen im Nervensystem und bei der Blutbildung und zu Symptomen wie Überaktivität führen. Auch Quecksilber kann vor allem bei Kindern zu Krankheitszeichen und Entwicklungsstörungen führen.

Haaranalysen in der Naturheilkunde

In der Alternativen Medizin nimmt die Haaranalytik einen hohen Stellenwert ein. Störungen im Mineralstoffhaushalt des menschlichen Organismus werden als Auslöser für viele Erkrankungen gesehen, ebenso eine Überbelastung mit Schwermetallen. Die Mängel machen sich laut Naturheilkundler häufig zunächst nur unterschwellig bemerkbar. Haaranalysen werden also dann empfohlen, wenn sich Betroffenen nicht richtig krank, aber auch nicht richtig fit fühlen. Bei der Untersuchung werden über 60 Stoffe bestimmt, u. a. Eisen, Chrom, Arsen, Kupfer, Nickel, Mangan, Blei, Kadmium und Quecksilber.

Im Befund stehen Aussagen zu Belastungs- und Mangelzuständen, es werden Schlüsse gezogen zur Krankheitsursache und Empfehlungen zur Ernährungsumstellung und Therapie gegeben. Die Schwierigkeit besteht darin, für die einzelnen Substanzen verbindliche Richtwerte festzulegen, deren Erhöhung oder Erniedrigung krankheitsauslösend ist. Wie weit Mangelerscheinungen wirklich welche sind und deshalb ausgeglichen werden müssen oder wann Belastungen beseitigt werden müssen, darüber sind sich Schulmediziner und Naturheilkundler häufig uneinig. Deshalb ist der Interpretationsspielraum sehr groß.

Die von den Labors gegebenen Therapieempfehlungen beinhalten meist die Einnahme bestimmter Spurenelemente und – zur Prüfung des Erfolgs – die Wiederholung der Analyse nach einigen Monaten. Inwieweit eine teure Behandlung auf der Basis von nicht einheitlich festgelegten Kriterien allerdings sinnvoll ist, bleibt fraglich. Außerdem ist eine Vereinheitlichung der Messmethoden und der Ergebnisse in verschiedenen Labors nicht immer gegeben.

Im Haar nachweisbare Substanzen und ihre häufigsten Aufnahmequellen:

  • Blei: belastetes Trinkwasser, pflanzliche Lebensmittel mit großer Blattoberfläche (z.B. Grünkohl), Innereien; Autoabgase, Batterien, Farben, Töpferwaren
  • Quecksilber: Amalgamfüllungen, Fisch, (v.a. Hai, Heilbutt, Schwertfisch, Stör, Thunfisch, Aal, Barsch, Hecht, Zander), Thermometer
  • Kadmium: Lebensmittel (Innereien, Meeresfrüchte, Wildpilze); Zigarettenrauch, Autoabgase; Farben, Batterien, Düngemittel

Aktualisiert: 21.11.2013 – Autor: Dagmar Reiche

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