Atemtests: Arten und Anwendung

Wann welcher Atemtest?

In der folgenden Tabelle finden Sie einen Überblick, bei welchen Fragestellungen welche Atemtests eingesetzt werden. Nicht alle Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

13C-Atemtests

Es lassen sich vor allem Funktionsstörungen im Bereich des Magens identifizieren; zur Therapiekontrolle bei Infektionen mit Helicobacter pylori (die Erstdiagnose erfolgt mittels einer bei der Endoskopie gewonnenen Biopsie), bei Kindern auch zur Diagnostik. 13C-Oktansäure-bzw. 13C-Acetat-Atemtest Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von Magenentleerungsstörungen, insbesondere der Magenlähmung (Gastroparese); Prüfung der Wirksamkeit bestimmter Medikamente, die die Magenbeweglichkeit fördern.

H2-Atemtests

Es lassen sich Störungen der Verdauung bestimmter Nahrungsbestandteile im Dünndarm und dessen bakterielle Fehlbesiedlung nachweisen. Außerdem lässt sich die Zeit bestimmen, die der Nahrungsbrei braucht, um den Dünndarm zu passieren. Deshalb werden diese Untersuchungen bei Patienten mit Verdauungsstörungen wie Durchfälle, Blähungen und Übelkeit eingesetzt.

Laktose-H2-Atemtest Wird durchgeführt bei unklaren Durchfällen oder Blähungen, insbesondere bei Verdacht auf Laktose-Intoleranz. Dabei fehlt im Dünndarm ein Enzym, mit der die Laktose (Milchzucker) gespalten wird. Deshalb kann sie nicht aufgenommen werden, gelangt in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien zersetzt. Das führt zu den Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Die – ungefährliche – Störung ist mit 10-15 % Betroffenen in Westeuropa weit verbreitet und bessert sich durch entsprechende (laktosearme) Ernährung.

Fruktose-H2-Atemtest Wird durchgeführt bei unklaren Durchfällen, Blähungen, Luft im Bauch, Völlegefühl, Übelkeit und anderen uncharakteristischen Bauchbeschwerden, insbesondere bei Verdacht auf Fruktose-Intoleranz. Fruktose (Fruchtzucker) ist häufiger Bestandteil unserer Ernährung, der im Haushaltszucker, Obst und Honig vorkommt. Bei manchen Menschen ist die Aufnahme aus dem Dünndarm durch einen schlecht funktionierenden Transportmechanismus vermindert. Wie bei der Laktulose-Intoleranz gelangt die Fruktose dann in den Dickdarm und führt zu Beschwerden. Auch hier hilft eine entsprechende Diät.

Saccharose-H2-Atemtest Wird als Ergänzung zum Laktose-Test durchgeführt, wenn dieser grenzwertig ist und der Verdacht besteht, dass nicht nur die Verdauung von Milchzucker, sondern die aller Doppeltzucker (Disacchariden) gestört ist.

Glukose-H2-Atemtest Normalerweise wird Glukose (Traubenzucker) im Dünndarm vollständig aufgenommen. Haben sich dort Bakterien niedergelassen, wandeln sie vorher einen Teil der Glukose in Wasserstoff um, der im Test gemessen werden kann. Die Beschwerden bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung (z. B. als Folge einer Antibiotikatherapie) sind unspezifisch, insbesondere Durchfälle, Blähsucht und Völlegefühl nach dem Essen gehören dazu.

Xylose-H2-Atemtest Er wird ähnlich eingesetzt wie der Laktose-Test. Er zeigt unspezifisch krankhafte Werte bei allen Resorptionsstörungen im oberen Magen-Darm-Trakt.

Laktulose-H2-Atemtest Da Laktulose nicht resorbiert wird, wandert sie auch bei gesunden Menschen immer in den Dickdarm, wo sie von Bakterien zu (Wasserstoff) H2 zersetzt wird. Bei immerhin 10 % der Bevölkerung produziert die Darmflora allerdings keinen Wasserstoff. Dieser Test dient vor allem dazu, solche Menschen herauszufiltern, da bei ihnen die H2-Tests nicht aussagekräftig sind. Außerdem lässt sich damit auch die Passagezeit durch den Dünndarm bestimmen.

Aktualisiert: 05.01.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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