Bilirubin: Das verrät der Wert über Leber und Galle

Blutprobe für Bilirubin-Wert © Getty Images/jarun011

Der Bilirubinwert wird häufig zur Abklärung oder Behandlung einer Gelbsucht (Ikterus) sowie zur Untersuchung der Funktion von Leber und Gallenwegen bestimmt. Hierbei können drei verschiedene Bilirubinwerte aus dem Blutserum ermittelt werden, bei deren Erhöhung der*die Arzt*Ärztin auf verschiedene Krankheiten schließen kann. Doch was ist Bilirubin eigentlich und welche Funktion erfüllt es im menschlichen Körper? Wie ist der Normwert und was bedeutet es, wenn der Wert erhöht oder erniedrigt ist? Dies und mehr erfahren Sie im folgenden Artikel.

Was ist Bilirubin?

Der Name Bilirubin kommt von den lateinischen Worten "bilis" für Galle und "ruber" für rot. Hiermit lässt sich schon erahnen, was Bilirubin ist: ein Gallenfarbstoff. Bilirubin entsteht beim Abbau des Hämoglobins. Hämoglobin ist ein eisenhaltiges Protein, das in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) vorkommt und dem Blut seine rote Färbung verleiht sowie für den Sauerstofftransport zuständig ist.

Bei der Zersetzung alter Erythrozyten durch Makrophagen ("Fresszellen") in Milz und Leber entsteht Bilirubin. Da Bilirubin wasserunlöslich (hydrophob) ist, wird es an Albumin (ein Transportprotein) gebunden im Blut zur Leber transportiert. In der Leber wird Bilirubin wasserlöslich gemacht, sodass konjugiertes Bilirubin entsteht. Dieses konjugierte Bilirubin kann dann über die Galle mit dem Stuhl und Urin ausgeschieden werden.

Welche Bilirubinwerte gibt es?

Wie schon erwähnt, können bei Bilirubin drei verschiedene Laborwerte bestimmt werden. Dabei wird zwischen unkonjugiertem und konjugiertem Bilirubin sowie dem Gesamtbilirubin unterschieden:

  • Das unkonjugierte Bilirubin, welches auch als indirektes Bilirubin (I-BIL) bezeichnet wird, ist das primäre Abbauprodukt des Hämoglobins. Es ist lipophil (fettliebend) und wasserunlöslich.
  • Das konjugierte Bilirubin, welches auch als direktes Bilirubin (D-BIL) bezeichnet wird, entsteht in Verbindung mit Glucuronsäure in der Leber und ist demnach wasserlöslich (hydrophil).
  • Indirektes und direktes Bilirubin ergeben gemeinsam das Gesamtbilirubin oder Totalbilirubin (T-BIL).

Bilirubinkreislauf: Wie entsteht Bilirubin?

Unkonjugiertes und konjugiertes Bilirubin sind also zwei verschiedene Formen dieses Stoffes. Da Bilirubin beim Abbau von Hämoglobin entsteht, lohnt es sich, diesen Vorgang genauer anzuschauen, um zu verstehen, wie es zu diesen verschiedenen Formen des Bilirubins kommt. Der Abbau wird in drei Abschnitte unterteilt, nämlich die prä-, intra- und posthepatische Phase.

Prähepatischer Abbau

Die roten Blutkörperchen werden nach etwa 120 Tagen, vor allem in Milz, Leber und Knochenmark, abgebaut. Dabei bleiben Hämoglobin und ein Proteinrest übrig, der zu Aminosäuren weiter abgebaut wird. Das Hämoglobin wird zu Eisen und Biliverdin abgebaut. Aus dem Biliverdin entsteht Bilirubin. Dieses Bilirubin ist das unkonjugierte (indirekte) Bilirubin, welches wasserunlöslich ist. Mithilfe von Albumin wird es zur Leber transportiert.

Intrahepatischer Abbau

Das unkonjugierte Bilirubin wird vor Eintritt in die Leber vom Albumin getrennt und in die Leberzellen aufgenommen. Hier wird an das Bilirubin Glucuronsäure angekoppelt, sodass das wasserlösliche konjugierte (direkte) Bilirubin entsteht. Durch die Gallenkapillaren der Leber – also feinste Verzweigungen der Gefäße – gelangt das direkte Bilirubin in die Gallenflüssigkeit.

Posthepatischer Abbau

Das konjugierte Bilirubin gelangt nun mit der Gallenflüssigkeit über die Gallenblase und die Gallengänge in den Darm. Mithilfe bakterieller Enzyme wird das Bilirubin in farbloses Urobilinogen umgewandelt. Urobilinogen wird wiederum in den goldgelben Stuhlfarbstoff Sterocobilin und Urobilin umgewandelt und mit dem Stuhl ausgeschieden.

Jedoch werden während dieses Kreislaufs zehn bis 15 Prozent des Urobilinogens durch die Zellen der Darmwand rückresorbiert und zum Abbau wieder in die Leber transportiert. Ein sehr kleiner Teil des Urobilinogens gelangt dabei in den großen Blutkreislauf und wird über die Niere durch den Urin ausgeschieden.

Wann und wie wird der Bilirubinwert bestimmt?

Der Bilirubinwert wird mittels Blutentnahme bestimmt, um eine Gelbsucht (Ikterus) und deren Ursachen festzustellen oder um während einer bereits bestehenden Therapie den Erfolg dieser nachzuweisen.

Wichtig ist hierbei, dass das Untersuchungsmaterial lichtgeschützt bleibt. Außerdem wichtig zu wissen: Messbar sind lediglich das Gesamtbilirubin/Totalbilirubin (T-BIL) und das direkte Bilirubin (D-BIL). Das indirekte Bilirubin muss berechnet werden. Daher sollte das direkte Bilirubin immer zusammen mit dem Gesamtbilirubin bestimmt werden.

Urobilinogen und Bilirubin können mithilfe von Teststreifen auch im Urin nachgewiesen werden.

Normalwerte: Wie viel Bilirubin ist normal?

Der Bilirubinwert wird in mg/dl (Milligramm pro Deziliter) angegeben. Die folgende Tabelle zeigt die Normwerte für das Gesamtbilirubin im Serum unabhängig vom Geschlecht:

Alter Normwert Bilirubin (gesamt)
2 Monate bis 17 Jahre 0,2-1,0 mg/dl
ab 18 Jahre 0,3-1,2 mg/dl

Bei Babys kann der Blutwert in den ersten Tagen nach der Geburt erheblich höher liegen. Bis zu 12,6 md/dl gelten beispielsweise bei einem drei Tage alten Neugeborenen als normal.

Der Wert für Bilirubin (direkt) sollte unterhalb von 0,2 mg/dl liegen.

Zu beachten ist, dass diese Normwerte je nach Labor etwas abweichen können.

Kann man einen zu niedrigen Bilirubinwert haben?

Störungen, die eine Bilirubinverminderung verursachen, sind nicht bekannt. Ist der Bilirubinwert zu niedrig und liegt unterhalb des Normalwertes, hat dies keine medizinische Bedeutung.

Was bedeuten erhöhte Bilirubinwerte?

Eine Erhöhung der Werte deutet auf eine Störung im Bilirubinkreislauf hin. Welcher Abschnitt des Hämoglobin-Abbaus gestört ist, bestimmt, welcher Bilirubinwert erhöht ist. Hiermit liefert der hohe Bilirubinwert entscheidende Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung.

Ein erhöhter Bilirubinwert äußert sich als Gelbsucht (Ikterus). Diese verursacht typische Symptome, die sich als Gelbfärbung der Haut und Lederhaut (Sklera) der Augen sowie der Schleimhäute und inneren Organe zeigt. Welche Ursache genau hinter der Gelbsucht steckt, muss unbedingt mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin besprochen werden. Abhängig von der Ursache werden verschiedene Formen des Ikterus unterschieden.

Prähepatischer Ikterus – Gesamt- und indirektes Bilirubin erhöht

Beim prähepatischen Ikterus (hämolytischen Ikterus) werden vermehrt rote Blutkörperchen abgebaut, sodass die Leber mit der Weiterverarbeitung des Bilirubins überfordert ist. Das indirekte wasserunlösliche Bilirubin kann nicht zur Genüge aufgenommen und zu direktem Bilirubin umgewandelt werden, wodurch es zu einer Zunahme von indirektem Bilirubin im Blutserum kommt. Da der gesamte Kreislauf überfordert ist, nimmt das Urobilinogen sowohl im Stuhl als auch Urin zu.

Die Ursachen für den prähepatischen Ikterus sind Hämolysen, also die Auflösung der roten Blutkörperchen. Verschiedenste Ursachen können zum übermäßigen Abbau von Erythrozyten führen:

  • Ineffektive Erythropoese, also gestörte Bildung der Erythrozyten (zum Beispiel durch periniziöse Anämie, Sichelzellanämie, Thalassämie, Kugelzellanämie)
  • Autoimmun-Hämolyse (Angriff auf Erythrozyten durch Leukozyten aufgrund einer Autoimmunerkrankung oder Bluttransfusion)
  • Infektionen (zum Beispiel Malaria)
  • Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Physiologischer Ikterus (Ikterus neonatorum) bei Neugeborenen

Bei 60 Prozent der Neugeborenen kommt ein leicht erhöhter Bilirubinspiegel vor. Dies liegt daran, dass das Baby vor der Geburt mit der Plazenta der Mutter verbunden ist und über diese das Bilirubin ausscheidet. Die Leber des Neugeborenen ist erst einige Tagen nach der Geburt in der Lage, diese Aufgabe komplett alleine zu übernehmen. Daher ist dieser erhöhte Bilirubinwert normal (physiologisch).

Bei einigen Kindern kann es jedoch aufgrund zusätzlicher Risikofaktoren wie einer Frühgeburt oder bakterieller Infektionen dazu kommen, dass ein kritischer Wert überschritten wird. Ein zu hoher Bilirubinwert kann dazu führen, dass die Blut-Hirn-Schranke überwunden wird und beim Neugeborenen zu irreversiblen Gehirnschäden führt.

In diesem Fall besteht die Behandlung darin, das Neugeborene mit einem speziellen blauen Licht zu bestrahlen. Dank dieses Lichtes wird das Bilirubin in das wasserlösliche Photobilirubin gespalten und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Bei besonders schweren Fällen kann auch ein Blutaustausch notwendig werden.

Hepatischer Ikterus – Erhöhung von Gesamt- und direktem Bilirubin

Falls die Vorgänge in der Leber gestört sind, handelt es sich um den hepatischen Ikterus. Hierbei kann entweder die Aufnahme des indirekten Bilirubins in die Leberzellen, die Umwandlung in direktes Bilirubin oder die Ausscheidung in die Gallenwege betroffen sein. Je nachdem, welcher Schritt betroffen ist, können unterschiedliche Laborwerte für D-BIL und I-BIL messbar sein. Oftmals ist vor allem das direkte Bilirubin erhöht, aber es kann auch das indirekte Bilirubin zu hoch sein:

  • Störung der Bilirubinaufnahme (aufgrund einer Medikamentennebenwirkung) führt zu einem erhöhten I-BIL-Wert.
  • Störung der Bilirubinaufnahme und -konjugation durch das Gilbertsyndrom (Morbus Meulengracht): Dies betrifft fünf Prozent der Bevölkerung, wobei die Erkrankung meistens harmlos ist, also keinen Krankheitswert hat. Die Aufnahme des indirekten Bilirubins in die Leber ist gestört, sodass es zu einer Erhöhung des I-BIL-Wertes kommt. Zudem lässt sich auch kein Bilirubin im Urin nachweisen. Der Wert für D-BIL ist nicht erhöht.
  • Weitere Erkrankungen, die den indirekten und direkten Bilirubingehalt erhöhen, sind das Dubin-Johnson-Syndrom, das Rotor-Syndrom und Lebererkrankungen wie zum Beispiel Leberzirrhose, Virus-Hepatitis, Alkoholhepatitis, Leberentzündungen, Vergiftungen und einige andere.

Posthepatischer Ikterus – Gesamt- und direktes Bilirubin zu hoch

Beim posthepatischen Ikterus kommt es zur Abflussbehinderung der Galle, wodurch das direkte Bilirubin nicht ausreichend ausgeschieden wird. Verantwortlich hierfür können Gallensteine, Entzündungen der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse sowie Tumoren sein. Dieser Rückstau führt zum Anstieg von Bilirubin im Blut. Falls dieser Zustand zu lange andauert, können die Leberzellen geschädigt werden. Dadurch kann auch das indirekte Bilirubin auch ansteigen.

Zur Diagnose, weshalb es zu einem Bilirubinanstieg gekommen ist, werden zusätzlich zu den Bilirubinwerten noch leberspezifische Enzyme und das Urobilinogen im Urin untersucht.

Was tun gegen zu hohe Bilirubinwerte?

Besonders bei Neugeborenen kann man selbst einige Maßnahmen ergreifen, die den Bilirubinwert senken können. So können regelmäßige Mahlzeiten und Stillen dazu beitragen, dass durch die erhöhte Darmaktivität mehr Bilirubin ausgeschieden wird. Zusätzlich hilft eiweißreiche Ernährung durch Muttermilch oder eine Formula-Nahrung, denn eiweißreiche Ernährung wirkt der Rückresorption von Bilirubin im Darm entgegen.

Auch Erwachsene mit einem erhöhten Bilirubinwert können durch die Vermeidung von Alkohol, Rauchen und langem Hungern versuchen, den Wert zu senken. Jedoch sollte bei auffälligen Bilirubinwerten stets mit ärztlicher Hilfe nach der Ursache gesucht werden.

Aktualisiert: 01.07.2021 - Autor: Yasemin Yenilmez, Studentin der Humanmedizin

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