Ferritin: Das bedeuten erhöhte oder zu niedrige Werte

Arzt hält Blutprobe für Ferritin-Bestimmung
© Getty Images/utah778

Ferritin ist ein Eiweiß und der mit Abstand wichtigste Eisenspeicher im menschlichen Körper. Durch die Ermittlung des Blutwertes lässt sich bestimmen, wie viel gebundenes Eisen im Körper vorhanden ist. Wie es zu erhöhten oder verringerten Ferritinwerten kommt und welche Krankheiten und Symptome diese Veränderungen hervorrufen können, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist Ferritin?

Das Eiweiß Ferritin dient der Speicherung von Eisen in den Körperzellen. In ungebundener Form ist Eisen giftig für den Körper. Durch die Bindung des Stoffes stellt Ferritin einen wichtigen Schutz für den Körper dar und ist zugleich ein wichtiger Parameter in der Blutdiagnostik.

Eisen wird beispielsweise für den Aufbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin benötigt und transportiert den Sauerstoff im Körper durch die Blutbahn.

Wann und wie wird der Ferritinwert gemessen?

Verschiedene Krankheiten wie ein Eisenmangel oder auch Eisenspeicherkrankheiten lassen sich mithilfe des Ferritinwertes feststellen. Auch bei Entzündungen oder Tumoren kann der Ferritinwert erhöht sein. Wegen seiner Bedeutung im Zusammenhang mit Tumoren wird Ferritin auch als "Tumormarker" bezeichnet. Seine Konzentrationsmessung wird in der Tumordiagnostik standardmäßig angewendet. Die Messung erfolgt im Blutserum, also dem flüssigen Anteil des Blutes.

Weitere wichtige Laborwerte in Zusammenhang mit dem Ferritin sind der Eisenwert im Blut und die Werte für Transferrin, Transferrinsättigung, Hämoglobin sowie die Erythrozyten (roten Blutkörperchen). Je nach vermuteter Erkrankung können auch weitere Laborwerte von Bedeutung sein.

Mittlerweile gibt es sogar Tests für zu Hause, die eine selbständige Kontrolle des Eisen- und Ferritinwertes versprechen (zum Beispiel One+Step® oder Cerascreen®). Tatsächlich funktionieren sie recht gut, für zuverlässigere Ergebnisse empfiehlt sich aber ein Blutbild bei dem*der Hausarzt*Hausärztin.

Wie ist der normale Blutwert von Ferritin?

Der normale Laborwert für Ferritin (Abkürzung: FERR oder FT) im Blut unterscheidet sich je nach Alter und Geschlecht. Die folgende Tabelle liefert einen Überblick über die Normalwerte bei Kindern und Jugendlichen, Frauen und Männern. Die Angabe des Ferritinwerts erfolgt in Mikrogramm pro Liter (µg/l).

Bei erwachsenen Frauen werden zwei verschiedene Ferritinwerte angegeben, weil sich der Normwert mit dem Erreichen der Wechseljahre stark verändert. Denn bis zur sogenannten Menopause verlieren Frauen durch ihre Menstruation jeden Monat Blut und damit auch Eisen. So erhöht sich auch das Ferritin nach der Menopause, da es durch das Ausbleiben des Eisenverlustes nun in erhöhtem Maße zur Eisenspeicherung benötigt wird.

Bitte beachten Sie, dass die Grenzwerte sich von Labor zu Labor unterscheiden und daher abweichen können.

Geschlecht Alter Normwert
weiblich 1-2 Jahre 1-199 µg/l
3-15 Jahre 9-159 µg/l
16-18 Jahre 10-163 µg/l
19-50 Jahre 9-145 µg/l
ab 51 Jahre 17-237 µg/l
männlich 1-2 Jahre 1-199 µg/l
3-15 Jahre 9-159 µg/l
16-18 Jahre 12-178 µg/l
ab 19 Jahre 9-437 µg/l

Wann ist das Ferritin erhöht?

Für einen erhöhten Ferritinwert kommen verschiedene Ursachen infrage. In manchen Fällen ist er relativ unbedenklich, allerdings kann er auch auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen.

Die häufigste Ursache eines zu hohen Ferritinwertes liegt in Entzündungen im Körper. Ferritin gehört zu den sogenannten "Akute-Phase-Proteinen" und steigt schon bei leichten Gewebeverletzungen, aber auch bei Infektionen an. So kann bereits eine Erkältung oder eine Influenza (Grippe) zu erhöhtem Ferritin führen.

Auch Tumoren gehen in aller Regel mit einem erhöhten Ferritinwert einher, da sie im Körper unspezifische Entzündungsreaktionen hervorrufen. Insbesondere Lebertumoren führen auch auf direktem Weg zu einem Anstieg des Ferritins. Denn die Leberzellen dienen als primärer Speicherort des Ferritins, sodass sich dieses bei einer Schädigung der Leberzellen in großem Ausmaß im Blut anreichern kann.

Übermäßiger Alkoholkonsum hat eine ähnliche Wirkung wie Tumoren, denn durch die resultierende Leberschädigungen wird ebenfalls eine große Menge an Ferritin freigesetzt, weshalb der Ferritinwert zu hoch ist. Außerdem erhöht der regelmäßige Konsum von Alkohol die Eisenüberladung der Leber, sodass vermehrt Ferritin zur Bindung und Speicherung benötigt wird.

Auch ein Eisenüberschuss (Hämochromatose) kann den Ferritinwert in die Höhe treiben. Die Eisenspeicherkrankheit zeichnet sich durch eine erhöhte Eisenaufnahme im oberen Dünndarm aus, die im Verlauf mehrerer Jahre zur Schädigung zahlreicher Organe, insbesondere der Bauchspeicheldrüse, der Milz, der Schilddrüse, aber auch der Haut und Gelenke führen kann. Vor allem die Leber ist bedroht: Das Risiko eines Leberzellkarzinoms wird durch eine Hämochromatose deutlich erhöht.

Weitere mögliche Ursachen eines Ferritinüberschusses sind:

  • Hämolytische Anämie (Blutarmut durch vorzeitige Zerstörung der Zellmembran der roten Blutkörperchen und einen damit einhergehenden Untergang der Erythrozyten)
  • Überdosierung von Eisentabletten
  • Häufige Bluttransfusionen

Da die Ursachen eines erhöhten Ferritinwertes sehr unterschiedlich sein können, ist eine genaue ärztliche Diagnostik unerlässlich. Insbesondere Tumoren müssen schnell erkannt werden, damit eine effektive Behandlung möglich ist. Ein Ferritinwert über 500 weist zudem auf eine akute Leberzellschädigung hin, die ebenfalls eine dringende Therapie erfordert.

Was sind die Symptome eines Ferritinüberschusses?

Da der Ferritinwert eng mit dem Eisenwert gekoppelt ist und ein erhöhter Ferritinwert meist auch einen hohen Eisenwert anzeigt, sind die Symptome denen einer Eisenüberladung sehr ähnlich. So fallen häufige Müdigkeit und allgemeine Schwäche auf, die auch durch Erholung und Schlaf nur unzureichend beseitigt werden können. Hinzu kommen Gelenkschmerzen und mit der Zeit eine Bronzefärbung der Haut durch Eisenablagerungen.

Die Symptome sind generell denen einer Blutarmut (Anämie) sehr ähnlich. Mit einem Blutbild lässt sich Klarheit schaffen, welche Ursachen zugrunde liegen.

Was bedeutet zu wenig Ferritin?

Die möglichen Ursachen eines erniedrigten Ferritinwertes sind ähnlich zahlreich wie bei einem Überschuss und hängen ebenfalls stark mit dem Eisenwert zusammen.

Die häufigste Ursache eines zu niedrigen Ferritins ist ein Eisenmangel. Steht weniger Eisen zur Verfügung, wird weniger Ferritin zur Bindung und Speicherung benötigt. Zu einem Eisenmangel kommt es meist durch chronische Blutungen, zum Beispiel durch ein Magengeschwür, Schleimhautentzündungen des Dünn- oder Dickdarms, Blutungen des Harntraktes oder auch Erkrankungen der Gebärmutter. Bei Frauen kommt es außerdem im Rahmen der Regelblutung zu einem Blutverlust. Labortechnisch zeigt sich bei einem Eisenmangel außerdem eine erhöhte Konzentration des Transferrins, des Transportproteins des Eisens.

Auch Verdauungsstörungen, die mit einer verringerten oder ganz ausbleibenden Aufnahme von Eisen aus der Nahrung im Darm einhergehen, sogenannte Malabsorptionsstörungen, können über die Verringerung des Eisens einen Ferritinmangel hervorrufen. Durch Entzündungen des Dünndarms oder das Fehlen bestimmter Enzyme ist die Eisenaufnahme unzureichend. Ein bekanntes Beispiel ist die Zöliakie (Sprue), eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten, die zu starken Entzündungen führen kann. Da Entzündungen das Ferritin wiederum erhöhen, machen sie einen eigentlich erniedrigten Spiegel oft unkenntlich, sodass normale oder sogar erhöhte Spiegel vorliegen.

Weitere bekannte Ursachen für zu wenig Ferritin sind die Folgenden:

  • Eiweißverlust (kann auf Nierenerkrankungen hinweisen)
  • Mangelernährung (zum Beispiel Verzicht auf tierische Lebensmittel ohne adäquaten Ersatz)
  • Starke Wachstumsphase bei Kindern und Jugendlichen
  • Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf der Frau deutlich erhöht, sodass es zu erniedrigten Ferritinwerten kommen kann. Dies ist normal, bei einem ausgeprägten Mangel empfiehlt sich aber nach ärztlicher Rücksprache die Gabe von Eisenpräparaten.

Welche Symptome zeigen sich bei einem Ferritinmangel?

Die Symptome eines Ferritinmangels sind identisch mit denen eines Eisenmangels. Teilweise treten bei einem Ferritinüberschuss ähnliche Symptome auf, zum Beispiel allgemeine Schwäche und Müdigkeit.

Typische Mangelsymptome sind außerdem die Folgenden:

  • Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit
  • Körperliche Schwäche und Kurzatmigkeit
  • Blässe
  • Haarausfall und brüchige Finger- und Fußnägel
  • Schlafstörungen
  • Anfälligkeit für Infekte
  • Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung bis hin zur Depression
  • Kopfschmerzen

Wie kann man seinen Ferritinwert erhöhen?

Eine Verminderung des Ferritinwerts ist fast ausnahmslos die Folge eines Eisenmangels. Daher sollten zuallererst die Eisenspeicher wiederaufgefüllt werden, um so den Ferritinwert zu erhöhen. Dies gelingt nach ärztlicher Empfehlung mit Eisenpräparaten in Tablettenform oder als Infusion, bei sehr starkem und akutem Mangel kann auch eine Bluttransfusion erforderlich werden.

Darüber hinaus kann eine Veränderung der Nahrungsgewohnheiten ratsam sein. Eine eisenreiche Ernährung kann zügig zu einer Stabilisierung der Ferritinwerte beitragen. Dabei gilt, dass tierisches Eisen in Fleisch besser als pflanzliches Eisen aufgenommen werden kann. Eisenreiche Lebensmittel sind neben Fleisch, insbesondere Leber, auch Haferflocken, Weizenkleie und grünes Gemüse, wie zum Beispiel Mangold.

Außerdem ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 und Vitamin C wichtig, denn beide fördern nachweislich die Eisenaufnahme. Vitamin B12 kommt vor allem in Fleisch und Fisch vor, während Vitamin C vor allem in Obst und Gemüse enthalten ist.

Aktualisiert: 28.05.2021 - Autor: Andreas Willett, Student der Humanmedizin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?