Harnstoff: Was der Blutwert aussagt

Blutprobe zur Untersuchung des Harnstoffwerts
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Harnstoff ist ein kleines Molekül, welches die verschiedensten Aufgaben in unserem Körper übernimmt. In der Leber produzierter Harnstoff hilft uns, überschüssigen Stickstoff loszuwerden. Ein erhöhter oder zu niedriger Wert kann daher Aufschluss über die Funktion der Nieren geben. Harnstoff kommt natürlicherweise aber auch in der Haut vor und sorgt hier durch seine flüssigkeitsbindenden Eigenschaften für eine weichere und geschmeidigere Haut. Erfahren Sie mehr darüber, welche Krankheiten mit einem zu hohen Harnstoffspiegel in Verbindung stehen und warum Cremes mit Harnstoff bei trockener Haut helfen können.

Was ist Harnstoff?

Chemisch betrachtet besteht Urea (Lateinisch für Harnstoff) aus einem Kohlenstoffatom, einem Sauerstoffatom und zwei sogenannten Aminogruppen. Diese Aminogruppen enthalten Stickstoff.

Der Stickstoff wird von unserem Körper einerseits für die Synthese (Herstellung) von Proteinen (also Eiweißen) benötigt. Andererseits wird Stickstoff aber auch beim Abbau von Eiweißen wieder freigesetzt und muss von unserem Körper "entsorgt" werden. In diesem Prozess wird der Stickstoff zunächst zu Ammoniak umgewandelt.

Ammoniak ist ein giftiges, stark stechend riechendes, wasserlösliches Gas, welches unsere Zellen zerstört. Damit wir das giftige Ammoniak "entsorgen" können, wird es zunächst an Transportproteine gebunden und über das Blut zur Leber transportiert. Dort wird Ammoniak in den sogenannten Harnstoffzyklus eingespeist. Durch eine komplexe Abfolge aus biochemischen Reaktionen wird aus dem giftigen Ammoniak und Bikarbonat schließlich Harnstoff erzeugt.

Der Harnstoff kann nun zum einen über die Niere in Form von Urin und zum andern über die Haut ausgeschieden werden. Harnstoff ist also ein Produkt, das vor allem dem Abtransport von Stickstoff aus dem Körper dient.

Was bedeutet der Laborwert Harnstoff?

Harnstoff dient unserem Körper also zur Entgiftung von Ammoniak. Ein Großteil des Harnstoffes wird über die Niere ausgeschieden. Aus diesem Grund liefert der Harnstoffwert im Blut Informationen über die Leistung der Niere.

Allerdings ist der Harnstoffwert nicht sehr aussagekräftig, denn der Wert hängt von der zugeführten Menge an Proteinen ab. Ernährt sich jemand also vereinfacht ausgedrückt sehr eiweißarm, wird weniger Ammoniak freigesetzt, das abtransportiert werden muss und es wird weniger Harnstoff benötigt. Zusätzlich erhöht sich der Harnstoffwert erst, wenn die Niere nur noch ungefähr 25 Prozent ihrer Filterfunktion aufbringen kann.

Deshalb haben sich zur Bestimmung der Nierenfunktion andere Parameter etabliert, wie die GFR (glomeruläre Filtrationsrate). Für die Berechnung der GFR gibt es verschiedene Formeln. Normalerweise spielen Körpergröße, Alter, Geschlecht, Gewicht und die Konzentration von Kreatinin im Serum eine wichtige Rolle. Kreatinin wird dem Harnstoff vorgezogen, da es nicht so abhängig von der Ernährung ist.

Übrigens: Harnstoff sollte nicht mit Harnsäure verwechselt werden. Harnstoff entsteht beim Abbau von Proteinen, während Harnsäure beim Abbau von Purinbasen entsteht. Zu hohe Harnsäurewerte können zu einer Gicht führen.

Normalwerte: Wie hoch darf der Harnstoffwert sein?

Der Harnstoffwert im Blutserum (auch Urea oder Carbamid) wird in der Regel in mg/dl (Milligramm pro Deziliter) gemessen. Eine Angabe des Blutwerts in mmol/l (Millimol pro Liter) ist ebenfalls möglich. Folgende Werte gelten als normal:

Alter normaler Harnstoffwert
bis 3 Jahre 11 - 36 mg/dl
4 - 13 Jahre 15 - 36 mg/dl
14 - 19 Jahre 18 - 45 mg/dl
19 - 50 Jahre (Männer) 19 - 44 mg/dl
19 - 50 Jahre (Frauen) 15 - 40 mg/dl
ab 50 Jahre (Männer) 18 - 55 mg/dl
ab 50 Jahre (Frauen) 21 - 43 mg/dl

Erhöhte Harnstoffwerte – was kann die Ursache sein?

Die häufigsten Gründe für hohe Harnstoffwerte sind:

Harnstoff ist, im Gegensatz zu Ammoniak, ungiftig. In zu hohen Konzentrationen kann Harnstoff aber auch zu Symptomen wie Müdigkeit, Erbrechen oder starkem Zittern führen.

Was tun wenn der Harnstoff zu hoch ist?

Zunächst sollte bei erhöhten Harnstoffwerten im Blut eine erweiterte Diagnostik durchgeführt werden. Ist die Ursache gefunden, kann diese meistens behoben werden. Im harmlosen Fall einer zu hohen Zufuhr an Eiweiß über die Ernährung, kann die Menge beschränkt werden.

Ist die Niere jedoch stark geschädigt und kann den Harnstoff nicht mehr aus dem Blut in den Urin filtern, kann ein Nierenersatzverfahren (Dialyse) notwendig sein, um die Harnstoffwerte zu senken.

Harnstoffwerte zu niedrig: Was bedeutet das?

Zu niedrige Harnstoffwerte sind in der Regel ungefährlich. Ein solches Defizit lässt sich schnell durch eine eiweißreiche Ernährung wieder ausgleichen. Gute Eiweißquellen können sowohl pflanzlich (Hülsenfrüchte, Nüsse oder Vollkorn) als auch tierisch (Milchprodukte, Fleisch) sein.

Mögliche Ursachen von ernährungsbedingt niedrigen Harnstoffwerten sind beispielsweise eine Mangelernährung oder Zöliakie. Mitunter kann jedoch auch ein schwerer Leberschaden hinter zu niedrigen Harnstoffwerten stecken.

Was passiert mit dem Harnstoff bei einem Leberschaden?

Über den Harnstoffzyklus kann unser Körper giftiges Ammoniak in ungiftigen Harnstoff umwandeln. Ist allerdings die Leber geschädigt (zum Beispiel durch eine Leberzirrhose), ist dieser Stoffwechselprozess beeinträchtigt. Dadurch fällt immer mehr Ammoniak an, welches das Gehirn schädigt. In der Maximalvariante kann es bis zu einem Koma kommen, welches man als "hepatisches Koma" (von der Leber kommend) bezeichnet.

Harnstoff in der Dermatologie

Urea (Harnstoff) wird schon sehr lange bei trockener Haut eingesetzt. Als natürlicher Bestandteil der Haut wirkt Urea auf verschiedene Arten, denn sie:

  • bindet Wasser und erhöht so die Feuchtigkeit der Haut
  • wirkt keratolytisch, das bedeutet, dass die Verbindung zwischen abgestorbenen Hautzellen abgebaut wird
  • glättet die Oberfläche der Haut
  • wirkt antimikrobiell

Urea ist in den verschiedensten Kosmetikprodukten enthalten, von Handcremes, über Lotionen bis zu Salben. Der Anteil an Harnstoff variiert allerdings. Mindestens fünf Prozent sollten es sein, damit ein Effekt nachweisbar ist. Höhere Urea-Werte findet man bei Cremes, die speziell für Neurodermitis entwickelt sind.

Quellen

Aktualisiert: 16.12.2021
Autor*in: Yannis Diener, Student der Humanmedizin

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