Kreatinin-Wert: Das verrät er über die Nierenfunktion

Kreatinin-Wert: Arzt zeigt Lunge und Blutprobe
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Steht eine Blutuntersuchung an, wird häufig vom Kreatinin-Wert (auch Creatinin-Wert oder auch kurz dem Krea-Wert) gesprochen. Dieser Wert wird herangezogen, um Aussagen über die Funktionstüchtigkeit der Nieren zu ermöglichen. Doch was ist Kreatinin und was sagt dieser Stoff über die Nierenfunktion aus? Wann ist der Blutwert zu hoch oder zu niedrig? Eine genaue Erklärung zu diesen Fragen sowie eine Erläuterung, was veränderte Kreatinin-Werte für Betroffene bedeuten, finden Sie hier.

Was ist Kreatinin?

Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt, welches sich im Muskelgewebe des menschlichen Körpers bildet. Das Kreatinin fällt konstant als Abbauprodukt der Muskeln an und wird über die Nieren ausgeschieden.

Bis heute ist keine biologische Funktion des Kreatinins selbst bekannt. Kreatinin entsteht aus Phosphokreatin oder Kreatin. Diese Stoffe dienen als Energiequelle der Muskulatur.

Was sagt der Kreatinin-Wert aus?

Der Kreatinin-Wert sagt – vereinfacht erklärt – aus, wie gesund die Nieren eines Menschen sind. Durch seine Bestimmung im Blut-Serum kann ermittelt werden, wie gut die Niere giftige Substanzen aus dem Blut herausfiltert, die dann über den Urin ausgeschieden werden.

Wie funktioniert die Niere?

Wenn Kreatinin als Abbauprodukt im Muskel anfällt, ist es vielleicht erst einmal schwer nachzuvollziehen, warum es Aussagen über die Nierenfunktion erlaubt. Um dies zu verstehen, ist es wichtig, den Aufbau der Niere als Ausscheidungsorgan zu kennen.

Die Niere besteht aus Millionen von Nierenkörperchen (auch Glomerulus beziehungsweise im Plural Glomeruli genannt), die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. Die Glomeruli sind Gefäßknäule, durch die mehrfach am Tag das gesamte Blut des menschlichen Körpers fließt. Die Funktion der Glomeruli ist es, das Blut zu filtern.

Der Filter der Nierenkörperchen besteht aus mehreren Barrieren, die hintereinander liegen. Dieser Aufbau ermöglicht eine optimale Filterung des Blutes. Größere Teilchen passen nur sehr schlecht durch diesen Filter, während kleinere Giftstoffe so ausgeschieden werden. Dieses Filtersystem dient also der Entgiftung des Blutes.

Das gefilterte Blut fließt dann weiter in den Körper, während die zurückbleibenden Substanzen zusammen mit Wasser den sogenannten Primärharn bilden. Der Mensch bildet in etwa 180 Liter Primärharn pro Tag.

Im Tubulussystem, einer Art Rohrsystem, das sich den Nierenkörperchen anschließt, werden viele Substanzen, die der Körper doch gebrauchen kann, wieder zurückgewonnen (resorbiert). Außerdem werden andere giftige Substanzen direkt über dieses Rohrsystem ausgeschieden (sezerniert). So entsteht der Sekundärharn. Der Sekundärharn entspricht dem Endharn, also unserem Urin. Täglich scheidet der Mensch etwa 1,5 bis 2 Liter Harn aus.

Wie hängt das Kreatinin mit der Nierenfunktion zusammen?

Kreatinin ist ein Stoff, der aus mehreren Gründen eine gute Aussagekraft über die Filtrationsfunktion der Niere ermöglicht.

Kreatinin fällt als Abbauprodukt permanent im menschlichen Körper an und die Konzentrationen im Blut sind somit recht gleichmäßig. Zusätzlich wird Kreatinin komplett über das Filtersystem der Nierenkörperchen ausgeschieden. Anschließend wird es weder zurückgewonnen, noch werden nennenswerte Menge in dem Tubulussystem direkt ausgeschieden, was ansonsten den Wert verfälschen könnte.

Diese Faktoren ermöglichen es, dass der Kreatinin-Wert ziemlich genaue Auskunft über die Filtrationsleistung der Nierenkörperchen gibt. Vereinfacht kann diese Filtrationsleistung als die Nierenfunktion verstanden werden.

Wann wird der Kreatinin-Wert bestimmt?

Der Kreatinin-Wert wird oft im Rahmen einer normalen Blutuntersuchung zusätzlich zum Blutbild bestimmt, aber auch bei Verdacht auf eine Erkrankung oder Schädigung der Nieren. Auch vor dem Einsatz eines Kontrastmittels, etwa für eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT), wird die Funktion der Nieren kontrolliert, um die korrekte Ausscheidung des Kontrastmittels sicherzustellen.

Darüber hinaus erfolgt eine regelmäßige Kontrolle, wenn Medikamente eingenommen werden, die die Nieren schädigen können, oder bei Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.

Kreatinin: Welche Laborwerte gibt es?

In der Medizin gibt es verschiedene Laborwerte, die die Nierenfunktion bemessen. Zu den wichtigsten Markern zählen:

  • der Kreatinin-Wert im Blut-Serum
  • der Kreatinin-Wert im Urin
  • die Kreatinin-Clearance
  • die GFR

Zusätzlich zum Kreatinin-Wert wird bei einer Blutuntersuchung auch häufig die sogenannte GFR (glomeruläre Filtrationsrate) oder die Kreatinin-Clearance angegeben. Der Kreatinin-Wert im Urin dient hingegen vor allem dazu, die Kreatinin-Clearance zu berechnen.

Kreatinin-Clearance: Was ist das?

Ursprünglich musste die Kreatinin-Clearance aus dem Verhältnis der Kreatinin-Konzentration im Blut zu der Kreatinin-Konzentration im Harn (über 24 Stunden gesammelt) berechnet werden. Das Verhältnis dieser Werte ist die Clearance – sie beschreibt, wie viel Blut in einem bestimmten Zeitraum vom Kreatinin befreit ("gecleared") wurde. Je höher die Clearance, desto stärker wurde das Blut vom Kreatinin befreit und desto besser ist die Nierenfunktion.

Potenziell kann man die Clearance nicht nur für Kreatinin, sondern für alle Stoffe, die mit dem Harn ausgeschieden werden, ermitteln, um die Nierenfunktion zu beurteilen. Kreatinin ist dafür allerdings besonders gut geeignet. Grund dafür ist der bereits beschriebene Vorteil, dass der Stoff nur in den Nierenkörperchen filtriert wird und danach weder resorbiert noch sezerniert wird.

Dementsprechend erlaubt die Ermittlung der Kreatinin-Clearance eine spezifische Überprüfung der Glomeruli-Funktion. Die Kreatinin-Clearance zeigt also, wie gut die Nierenkörperchen ihre Filtrationsfunktion erfüllen. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften von Kreatinin kann man die Kreatinin-Clearance in etwa mit der glomerulären Filtrationsrate (GFR) gleichsetzen, sodass eine Ermittlung der Kreatinin-Clearance mithilfe des 24-Stunden-Harns heute nur noch selten angewendet wird.

Berechnung der GFR per Formel

Für die Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate, die mit GFR abgekürzt wird, ist eine Ermittlung der Kreatinin-Konzentration im Urin nicht mehr nötig, da sie anhand einer Formel berechnet wird. Die Cockcroft-Gault-Formel braucht zur Berechnung lediglich die Angabe

  • des Serum-Kreatinin-Werts
  • des Alters
  • des Körpergewichts
  • des Geschlechts

Durch Einsetzen dieser Werte in die Formel kann dann einfach die GFR eines jeden Menschen berechnet werden.

Dieser GFR-Wert wird häufig auch als eGFR bezeichnet, da lediglich die Kreatinin-Konzentration im Blut und nicht im Urin bestimmt wird. Das e steht für das englische Wort "estimated", was auf Deutsch "geschätzt" bedeutet. Das heißt, die eGFR ist keine hundertprozentig genaue Angabe, zudem können verschiedene Störfaktoren zu fälschlicherweise hohen oder niedrigen Werten führen.

Was beeinflusst den Kreatinin-Wert?

Es gibt mehrere Faktoren, die den Kreatinin-Wert beeinflussen können. Diese Einflussfaktoren können dazu führen, dass die Nierenfunktion besser oder schlechter eingeschätzt wird, als sie in der Realität ist.

Eine zu hohe Einschätzung des Kreatinin-Wertes kann entstehen bei Menschen mit viel Muskelmasse, schwer körperlich arbeitenden Menschen und bei Menschen, die eine große Menge an Proteinen zu sich nehmen. Auch Verletzungen oder Injektionen in die Muskulatur, wie beispielsweise nach einer Impfung, können den Kreatinin-Wert erhöhen. In all diesen Fällen wird die Nierenfunktion dann schlechter eingeschätzt, als es wirklich der Fall ist.

Falsch niedrige, also zu niedrig eingeschätzte Werte entstehen häufig bei Menschen mit einer geringen Muskelmasse und bei Menschen, die an Untergewicht leiden. Diese Faktoren können dazu führen, dass die Nierenfunktion der Betroffenen besser eingeschätzt wird, als es in der Realität der Fall ist.

Zusätzlich existiert bei der Einschätzung der Nierenfunktion durch den Kreatinin-Wert ein sogenannter blinder Bereich. Konkret bedeutet das, dass erst ab einem Abfall der Nierenfunktion auf 50 Prozent des Ausgangszustandes ein Anstieg des Kreatinin-Wertes im Blut messbar ist, bei einer kleineren Beeinträchtigung aber nicht. Dementsprechend kann es dazu kommen, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion erst spät entdeckt wird.

Wie hoch ist der normale Kreatinin-Wert?

In der Labormedizin werden für die meisten Werte Spannweiten angegeben, innerhalb derer die Werte als normal gelten. Diese Normwerte können sich von Labor zu Labor leicht unterscheiden. Zudem spielen das Geschlecht und das Alter eine große Rolle, um zu bestimmen, was als normal gilt. Eine leichte Verschlechterung der Nierenfunktion mit jedem Lebensjahr ist natürlich und wird somit in die Normangaben einbezogen.

Die untenstehende Tabelle gibt die Normalwerte je nach Alter und Geschlecht sowie in unterschiedlichen Maßeinheiten an. Meist erfolgt die Angabe der Blutwerte in mg/dl, also Milligramm pro Deziliter, mitunter aber auch in Mikromol pro Liter (µmol/l).

Alter und Geschlecht Krea-Wert in mg/dl Krea-Wert in µmol/l
Babys (bis 4 Wochen) 0,5 - 1,2 44,2 - 106
Babys und Kleinkinder (1 Monat - 3 Jahre) 0,4 - 0,7 35,4 - 61,9
Kinder (4 - 6 Jahre) 0,5 - 0,8 44,2 - 70,7
Kinder (7 - 9 Jahre) 0,6 - 0,9 53 - 79,6
Kinder (10 - 12 Jahre) 0,6 - 1 53 - 88,4
Jugendliche (13 - 15 Jahre) 0,6 - 1,2 53 - 106
Jugendliche (16 - 18 Jahre) 0,8 - 1,4 70,7 - 124
Frauen 0,66 - 1,09 58,35 - 96,37
Männer unter 50 Jahre 0,84 - 1,25 74,26 - 110,51
Männer über 50 Jahre 0,81 - 1,44 71,61 - 127,31

Als normaler Kreatinin-Wert im Urin gilt bei Frauen 260 bis 2170 mg/l in einer morgendlichen Urinprobe, bei Männern gilt ein Wert von 390 bis 2590 mg/l als normal. Im 24-Stunden-Urin beträgt der Normwert bei Frauen 1,0 - 1,3 g/24h und bei Männern 1,5 - 2,5 g/24h.

Erhöhte Kreatinin-Werte – was sind Ursachen und Symptome?

Erhöhte Kreatinin-Werte weisen auf eine Funktionsstörung der Niere hin. Durch eine abnehmende Filterfunktion der Nierenkörperchen bleibt mehr Kreatinin im Blut zurück.

Eine Erhöhung kann entweder chronisch oder akut auftreten. Das heißt: Entweder bildet sich die Nierenfunktion sehr langsam über die Jahre zurück oder es kommt zu einer akuten Erkrankung, welche die Nieren schädigt.

Bei einer chronisch fortschreitenden Niereninsuffizienz bemerken die Betroffenen insbesondere zu Beginn der Erkrankung meist nicht, dass ihre Nierenfunktion abnimmt und somit ihr Kreatinin ansteigt. Aus diesem Grund ist auch die regelmäßige Kontrolle des Serum-Kreatinins bei der*dem Hausärztin*Hausarzt sinnvoll. Dies geschieht im Rahmen der normalen Gesundheitsvorsorge und ist ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre möglich. Für diese Blutentnahme zur Bestimmung des Kreatinin-Wertes muss man nicht nüchtern sein. Mögliche Ursachen einer chronischen Nierenschädigung sind vor allem der Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Eine akute Nierenschädigung führt zu einem raschen Kreatinin-Anstieg. Symptome sind meist eine erniedrigte Urinproduktion bis zum kompletten Verlust der Urinproduktion. Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu einer akuten Niereninsuffizienz führen können. Dazu zählen beispielsweise Verletzungen oder Infektion, aber auch ein gestörter Harnabfluss kann eine akute Niereninsuffizienz zur Folge haben. Wichtig ist es, dass Menschen, die bereits an einer chronischen Niereninsuffizienz leiden, bestimmte Medikamente und Kontrastmittel nicht bekommen, um die Nierenfunktion nicht weiter zu verschlechtern und um zu verhindern, dass es zu einer akuten Nierenschädigung kommt.

Auch die Einnahme von Kreatin als Nahrungsergänzungsmittel kann bewirken, dass der Kreatinin-Wert zu hoch ist. Kreatin wird vor allem von Sportlern zum Muskelaufbau eingesetzt.

Zusätzlich kann der Kreatinin-Wert erhöht sein durch zu wenig trinken. Diese Ursache ist leicht zu beheben. Sinkt der Kreatinin-Wert nach längerer Zeit mit erhöhter Trinkzufuhr allerdings nicht, ist vermutlich eine weitergehende Nierenfunktionsstörung die Ursache der Kreatinin-Wert-Erhöhung. Abgesehen von der Trinkmenge gibt es keine Lebensmittel oder anderen Hausmittel, um den Kreatinin-Wert natürlich zu senken.

Erniedrigte Kreatinin-Werte – was bedeuten sie?

Erniedrigte Kreatinin-Werte haben in der Medizin keine Bedeutung. Sie kommen immer wieder vor, beispielsweise bei Schwangeren oder Kindern, haben aber keine gesundheitliche Relevanz.

Quellen

Aktualisiert: 16.04.2021 - Autor: Sophia Jäger, Studentin der Humanmedizin

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