Mirtazapin

Mirtazapin: Frau mit Symptomen einer Depression © istockphoto, Wavebreakmedia

Innere Unruhe und Schlafstörungen sind Symptome einer Depression. Mirtazapin kann diese lindern: Es hilft dabei, zur Ruhe zu kommen und wieder erholsam durchzuschlafen. Daher kommt dieses Antidepressivum vor allem bei Depressiven mit nächtlicher Ruhelosigkeit (Agitiertheit) zum Einsatz. Da es schlaffördernd wirkt, nimmt man das Medikament meist vor dem Zubettgehen. Einschlafstörungen mit Gedankenkreisen und sehr frühzeitiges Erwachen werden dadurch vermindert. Dennoch sind Nebenwirkungen zu beachten.

Wirkung von Mirtazapin

Mirtazapin gehört zur Klasse der dualen Antidepressiva: Es beeinflusst insbesondere die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin. Deshalb wird es als NaSSA-Antidepressivum (Noradrenerges spezifisch serotonerges Antidepressivum) bezeichnet. Es gehört zu der sogenannten neuen Generation der Antidepressiva, einer noch recht jungen, aber bewährten Medikamentengruppe.

Mirtazapin verstärkt die Wirkung der beiden Signalgeber Serotonin und Noradrenalin im Gehirn, indem es an alpha2-Rezeptoren bindet. Diese blockiert das Medikament und wirkt dabei antagonistisch, also entgegengesetzt zu der Wirkung der Stoffe, die dort normalerweise ansetzen.

Normalerweise beziehungsweise ohne die Aktivität von Mirtazapin würde der Signalweg über die alpha2-Rezeptoren die Ausschüttung von Serotonin und Noradrenalin hemmen. Durch die Wirkung von Mirtazapin kommt es also, wie bei den meisten anderen Antidepressiva, zu einem erhöhten Angebot der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin. Ein Mangel dieser Stoffe wird unter anderem für die Symptome und Entstehung von Depressionen verantwortlich gemacht.

Mirtazapin hilft bei Depression

Von Psychiatern wird das Antidepressivum Mirtazapin häufig eingesetzt, weil es in verschiedenen internationalen Studien gut abgeschnitten hat. So hat zum Beispiel eine Metaanalyse zwölf verschiedene Antidepressiva im Hinblick auf ihre Wirkung und Verträglichkeit verglichen und zeigte, dass Mirtazapin vor allem eine gute Wirksamkeit aufwies und von den meisten Patienten relativ gut vertragen wurde.

Ebenfalls gute Ergebnisse erzielte Citalopram, ein Antidepressivum, das für eine andere Form der Depression als Medikament mit wiederum anderen Nebenwirkungen in Frage kommt. Es wird aufgrund seiner antriebssteigernden Wirkung bei solchen Depressionen verabreicht, die in erster Linie von Traurigkeit und Antriebsarmut gekennzeichnet sind.

Dosierung von Mirtazapin

Das Medikament Mirtazapin wird üblicherweise oral in Form von Schmelztabletten eingenommen. Alternativ ist es in Lösung zur Verabreichung in Tropfenform und als Konzentrat für intravenöse Infusionen auf dem Markt.

Vorzugsweise sollte man das Antidepressivum spät abends einnehmen, da Mirtazapin schlafanstoßend wirkt. Das Präparat ist in Deutschland apotheken- und verschreibungspflichtig. Die Tagesdosis zur Erhaltungstherapie bei Depression liegt bei 30 bis 45 Milligramm pro Tag.

Nebenwirkungen von Mirtazapin

Die wichtigsten und häufigsten Nebenwirkungen von Mirtazapin sind:

Unter der Einnahme des Medikaments kann es allgemein zu einem Gefühl von leichter Benommenheit kommen, was mitunter an der antihistaminergen Aktivität von Mirtazapin liegt. Ebenfalls häufig führt es zu Nebenwirkungen wie einem verstärkten Appetit und einer Gewichtszunahme sowie Wassereinlagerungen (Ödemen).

Selten kommt es bei Patienten mit entsprechender Veranlagung zu Nebenwirkungen wie

  • Kreislaufbeschwerden mit niedrigem Blutdruck
  • unwillkürlichem Zittern (Tremor)
  • Hautausschlägen (Exanthem)
  • Krampfanfällen
  • Muskel- und Gelenksschmerzen
  • einer verminderten Blutbildung
  • Erhöhung der Leberwerte
  • Albträume

Wechselwirkungen von Mirtazapin

Allgemein bestehen bei Mirtazapin kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

In Kombination mit dem ebenfalls antidepressiv wirkenden Lithium kann es aber zu einer Verstärkung der Wirkungen sowie der Nebenwirkungen kommen. Außerdem kann Mirtazapin die schlafanstoßende Wirkung von anderen gleichzeitig eingenommenen Arzneien wie Benzodiazepinen oder auch Alkohol intensivieren.

In Kombination mit Carbamazepin und Phenytoin kann es zu einem beschleunigten Abbau von Mirtazapin im Körper kommen und eine eventuelle Dosisanpassung kann nötig sein.

Hinweise zum Wirkstoff Mirtazapin

Im Folgenden finden Sie einige allgemeine Hinweise, die Sie bei der Anwendung von Mirtazapin beachten sollten.

  • Gut wirksames Antidepressivum, dennoch müssen Dosierung und Anwendung mit einem Psychiater besprochen werden.
  • Bei einer Besserung der Symptome darf das Medikament nicht selbstständig abgesetzt werden.
  • Die empfohlene Höchstmenge von Mirtazapin sollte nicht überschritten werden.
  • Verwenden Sie Mirtazapin nicht in Kombination mit MAO-Hemmern und bei bekannter Unverträglichkeit.
  • Relative Kontraindikationen zur Anwendung sind schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Harnverhalt und ein Grüner Star (Glaukom).
  • Bei längerer Einnahme ist es ratsam, regelmäßige Blutbildkontrollen beim Arzt durchführen lassen, um Störungen der Blutbildung frühzeitig erfassen zu können.

Aktualisiert: 15.10.2018 – Autor: Dr. med. Julia Völker

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