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Tramadol bekämpft starke Schmerzen

Tramadol gegen Schmerzen am Knie © istockphoto, Wavebreakmedia

Tramadol ist ein Schmerzmittel, das zur Bekämpfung von mittleren und starken Schmerzen eingesetzt wird. Der Wirkstoff bekämpft jedoch nur die Symptome, nicht aber die Ursache der Schmerzen. Tramadol gibt es sowohl in Form von Tabletten, Tropfen und Zäpfchen, aber auch als Injektionen und Infusionen. Genau wie andere Schmerzmittel hat auch Tramadol Nebenwirkungen: Besonders beachten sollte man, - auch wenn diese Nebenwirkung relativ selten ist - dass die regelmäßige Einnahme von Tramadol zur Abhängigkeit führen kann.

Tramadol: Wirkung gegen Schmerzen

Tramadol gehört zur Gruppe der opioiden Schmerzmittel. Der Hauptwirkstoff dieser Gruppe ist Morphin. Opioide Schmerzmittel werden zur Behandlung von mittelstarken und starken Schmerzen eingesetzt - schwächere Schmerzen werden dagegen mit nicht-opioiden Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure behandelt.

Bei mittelstarken Schmerzen kommen schwächere opioide Wirkstoffe wie Tramadol oder Tilidin zum Einsatz. Bei starken Schmerzen werden dagegen stärkere Opioide wie Morphin, Burprenorphin und Fentanyl verwendet. Im Vergleich zu Morphin ist die Wirkung von Tramadol rund viermal schwächer – allerdings ist die Wirkweise der beiden Stoffe sehr ähnlich.

Nach der Einnahme entfaltet Tramadol seine Wirkung im Gehirn, indem es dort an den Opioid-Rezeptoren andockt. An diesen Rezeptoren wirken normalerweise körpereigene Botenstoffe, die die Schmerzwahrnehmung hemmen. Tramadol ähnelt in seiner Struktur diesen Botenstoffen und kann sich dadurch auch an die Opioid-Rezeptoren binden. Deswegen werden nach der Einnahme selbst relativ starke Schmerzen nur noch als gering empfunden.

Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung

Darüber hinaus verfügt Tramadol aber noch über einen zweiten Wirkungsmechanismus: Der Wirkstoff hemmt im Gehirn nämlich auch die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin und nimmt auf diese Weise Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung. In dieser Hinsicht ähnelt Tramadol einigen Antidepressiva, wie beispielweise den trizyklischen Antidepressiva.

Die Wirkung von Tramadol setzt circa 30 Minuten nach der Einnahme des Schmerzmittels ein. Je nach eingenommener Dosis sowie der Stärke der Schmerzen hält die schmerzstillende Wirkung zwischen zwei und sieben Stunden an. Die individuelle Dosierung von Tramadol wird vom behandelnden Arzt in Abhängigkeit von Faktoren wie dem Krankheitsgrad, der empfundenen Schmerzstärke sowie dem Alter und dem Gewicht berechnet.

Nebenwirkungen von Tramadol

Wie bei den anderen Wirkstoffen aus der Gruppe der opioiden Schmerzmittel ist auch die Einnahme von Tramadol mit Nebenwirkungen verbunden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Übelkeit und Schwindel. Ebenso kann es nach der Einnahme öfters zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Mundtrockenheit, Erbrechen, Verstopfungen und Schwitzen kommen.

Gelegentlich hat das Schmerzmittel auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System: Es können Nebenwirkungen wie Herzklopfen, beschleunigter Herzschlag, Kreislaufschwankungen oder Kreislaufzusammenbruch auftreten. Ebenso kann es gelegentlich zu Durchfall, Hautausschlag und Juckreiz kommen. Nur selten treten nach der Verwendung von Tramadol dagegen Nebenwirkungen wie Störungen der Atmung, Blutdruckanstieg, Wahnvorstellungen, Verwirrtheit sowie Appetitveränderungen auf.

Risiko der Abhängigkeit gering

Ebenfalls selten sind die Fälle, in denen die Einnahme von Tramadol zur Abhängigkeit führt. Zu einer Abhängigkeit kommt es vor allem dann, wenn der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Allerdings ist auch nach einer längeren Einnahme das Risiko, abhängig zu werden, relativ gering. Liegt eine Abhängigkeit vor, können nach dem Ende der Behandlung Entzugserscheinungen wie Schwitzen und Frieren sowie Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Vor der Einnahme des Schmerzmittels sollten Sie sich in jedem Fall von Ihrem behandelnden Arzt oder einem Apotheker über mögliche Nebenwirkungen informieren lassen und die Packungsbeilage genau lesen.

Tramadol: Kontraindikatoren und Wechselwirkungen

Ebenso wie alle anderen Wirkstoffe darf auch Tramadol nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen die Substanz vorliegt. Darüber hinaus darf das Schmermittel auch dann nicht verwendet werden, wenn zuvor Alkohol, Psychopharmaka, Schlafmitteln oder andere Schmerzmitteln eingenommen wurden, da sich die Substanzen in ihrer Wirkweise gegenseitig verstärken können. Eine weitere Kontraindikation stellt zudem die Einnahme von MAO-Hemmern innerhalb der vergangenen zwei Wochen dar, da es ansonsten zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen kommen kann.

Bei Epilepsie sollte - vor allem, wenn die Erkrankung nicht unter Kontrolle ist - auf die Einnahme von Tramadol verzichtet werden. Denn regelmäßig und in höheren Dosen eingenommen, kann der Wirkstoff das Risiko für einen Epilepsieanfall erhöhen. Zudem ist zu beachten, dass das Epilepsie-Medikament Carbamazepin die Wirksamkeit von Tramadol herabsetzt.

Darüber hinaus sollte Tramadol auch nicht mit Wirkstoffen, die die Schwelle für epileptische Anfälle herabsetzen, kombiniert werden. Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem trizyklische Antidepepressiva sowie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. In Kombination mit letzteren kann in seltenen Fällen auch ein Serotonin-Syndrom auftreten.

Vorsicht bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion

Ebenso sollte Tramadol nicht eingesetzt werden, wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden, denn der Wirkstoff hat auch einen Einfluss auf die Blutgerinnung. Auch bei der Einnahme des Pilzmittels Ketoconazol sowie des Makrolid-Antibiotikums Erythromycin sollte auf die Einnahme von Tramadol verzichtet werden.

Liegt eine eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion vor, sollte Tramadol nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Gleiches gilt bei Bewusstseinsstörungen, bei Störungen der Atmung, bei Schockzuständen sowie bei Erkrankungen des Gehirns und einem erhöhten Hirndruck.

Bei Patienten, bei denen eine Überempfindlichkeit gegen Opioide vorliegt oder die zu Medikamentenmissbrauch neigen, sollte Tramadol ebenfalls erst nach einer ausführlichen Beratung durch den behandelten Arzt angewendet werden. Nicht geeignet ist das Schmerzmittel als Ersatzdroge für Personen, die von Opiaten abhängig sind, da es die Entzugssyndrome nicht überdecken kann.

Tramadol in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sollte Tramadol möglichst nicht verwendet werden. Vor allem, wenn das Schmerzmittel regelmäßig eingenommen wird, kann es beim Neugeborenen zu Entzugserscheinungen kommen. Sollte während der Schwangerschaft eine Behandlung mit opioiden Schmerzmitteln unumgänglich sein, sollte diese auf einzelne Einnahmen von Tramadol beschränkt sein.

Auch während der Stillzeit sollte der Wirkstoff möglichst nicht eingenommen werden. Da aber nur sehr geringe Mengen des Schmerzmittels in die Muttermilch übergehen, kann nach einer einmaligen Einnahme von Tramadol trotzdem weiterhin gestillt werden.

Bei Kindern unter zwölf Jahren sollte Tramadol nur in Form von Tropfen verwendet werden, da in dieser Form auch eine niedrige Dosis verabreicht werden kann. Tabletten werden erst für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen, Zäpfchen sind sogar erst für Kinder ab 14 Jahren geeignet.

Aktualisiert: 06.06.2013 – Autor: Kathrin Mehner

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