So wirkt Allopurinol gegen Gicht

Allopurinol bei Gicht am Fuß © istockphoto, ThamKC

Allopurinol wird zur Behandlung von chronischen Gicht-Erkrankungen eingesetzt. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass die Harnsäure-Konzentration im Blut gesenkt wird. Dadurch kann das Mittel einem akuten Gichtanfall vorbeugen. Allopurinol gilt als gut verträglich, trotzdem können während der Einnahme Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Magen-Darm-Probleme sowie allergische Hautreaktionen. Erfahren Sie hier Details über Wirkung, Nebenwirkungen und Dosierung von Allopurinol.

Wirkung von Allopurinol bei Gicht

Bei der Entstehung von Gicht spielt Harnsäure eine entscheidende Rolle. Sie wird beim Abbau von Purinen gebildet. Purine werden zum einen vom Körper selbst hergestellt, zum anderen gelangen sie durch purinreiche Lebensmittel wie Fleisch, bestimmte Fischarten sowie Hülsenfrüchte in den Körper. Liegt zu viel Harnsäure im Körper vor (Hyperurikämie), bilden sich Harnsäurekristalle. Diese sind wasserunlöslich und können sich deswegen im Gewebe ablagern. Dadurch kann es zu den typischen Gicht-Symptomen wie schmerzhaften Verdickungen sowie Entzündungen in den Gelenken kommen.

Allopurinol gehört zu den sogenannten Urikostatika, die den Abbau von Purinen zu Harnsäure hemmen. Dies geschieht, indem der Wirkstoff ein bestimmtes Enzym (Xanthinoxidase) blockiert, das für den Abbau benötigt wird. Können die Purine nicht mehr zu Harnsäure abgebaut werden, sinkt der Harnsäure-Spiegel im Blut. Zudem können vorhandene Ablagerungen im Gewebe abgebaut werden. Statt Harnsäure entsteht durch die Einnahme des Wirkstoffes mehr Xanthin – eine Vorstufe von Harnsäure, die deutlich schneller über die Niere aus dem Organismus ausgeschieden werden kann.

Bei Gicht wird Allopurinol ab einer Harnsäurekonzentration von 8,5 Milligramm/100 Milliliter Blut empfohlen. Neben Gicht wird der Wirkstoff aber auch zur Behandlung von anderen Erkrankungen eingesetzt. So wird er unter anderem bei einer harnsäurebedingten Schädigung der Nieren oder bei einer sekundären Hyperurikämie verwendet. Ebenso wird er zur Behandlung von bestimmten Enzymmangelerkrankungen, die mit erhöhten Harnsäurewerten einhergehen, eingesetzt.

Nebenwirkungen von Allopurinol

Der Wirkstoff gilt allgemein als gut verträglich, trotzdem können während der Einnahme von Allopurinol auch Nebenwirkungen auftreten. So kann zu Beginn der Therapie durch das Medikament ein akuter Gichtanfall ausgelöst werden. Außerdem kann es zu Übelkeit, Brechreiz und Durchfall kommen. Ebenso sind allergische Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötungen und Schwellungen möglich.

Stellen Sie bei sich Hautreaktionen fest, kontaktieren Sie bitte sofort Ihren Arzt und besprechen Sie mit ihm, ob die Einnahme fortgesetzt werden soll. In Einzelfällen kann der Wirkstoff nämlich schwere Hautreaktionen hervorrufen, die mit Hautschuppung und Hautabschälung einher gehen. Diese können Symptome einer lebensbedrohlichen Hautreaktion sein, wie sie beim Stevens-Johnson-Syndrom oder einer epidermalen Nekrolyse auftritt.

In seltenen Fällen können während der Einnahme von Allopurinol weitere Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören Kopfschmerzen, Fieber, Gelenkschmerzen, Krampfanfälle und Nierenentzündungen. Da auch Schwindel, Schläfrigkeit und Bewegungsstörungen zu den möglichen Nebenwirkungen zählen, sollten Sie nach der Einnahme des Wirkstoffes nicht mit dem Auto fahren oder an einer elektrischen Maschine arbeiten. Vermeiden Sie außerdem Tätigkeiten, bei denen Sie keinen festen Halt haben.

Allopurinol richtig dosieren

Allopurinol wird in Form von Tabletten eingenommen. Die Tabletten enthalten entweder 100 oder 300 Milligramm Allopurinol. Meist wird mit 100 Milligramm begonnen und die Dosis bei Bedarf anschließend langsam gesteigert. In Einzelfällen kann die tägliche Dosis auf 600 bis 800 Milligramm angehoben werden.

Die Tabletten sollten unzerkaut mit viel Flüssigkeit nach dem Essen eingenommen werden. Nehmen Sie mehr als 300 Milligramm ein oder treten Magen-Darm-Beschwerden auf, sollten Sie die Dosis über den Tag verteilt einnehmen. Wichtig ist, dass der Harnsäurespiegel während der Behandlung regelmäßig kontrolliert und die Dosis eventuell angepasst wird.

Bei Kindern liegt die maximale tägliche Dosis bei 400 Milligramm. Generell sollten Kinder pro Tag nicht mehr als 10 Milligramm Allopurinol pro Kilogramm Körpergewicht einnehmen. Dabei wird die Gesamtdosis in drei Einzeldosen aufgeteilt, die morgens, mittags und abends eingenommen werden.

Gegenanzeigen: Nichts für Schwangere

Allopurinol ist zwar gut verträglich, trotzdem dürfen Sie den Wirkstoff unter bestimmten Umständen nicht anwenden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt. Ebenso sollten schwangere Frauen auf die Einnahme verzichten, da es für sie bislang nicht genügend Erfahrungen gibt. Auch während der Stillzeit ist der Wirkstoff kontraindiziert, da er in die Muttermilch übergeht.

Liegen bei Ihnen bestimmte Erkrankungen vor, müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden: So müssen bei einer Blutbildungsstörung regelmäßige Kontrollen des Blutbildes erfolgen. Bei einer Nierenerkrankung muss dagegen die eingenommene Dosis verringert werden. Dies liegt daran, dass Allopurinol über die Nieren ausgeschieden wird und sich die Verweildauer im Körper bei einer Nierenerkrankung verlängert. Auch bei einer eingeschränkten Leberfunktion muss die Dosis eventuell angepasst werden.

Achtung: Bitte beachten Sie, dass Allopurinol nur zur Vorbeugung eines Gichtanfalls, nicht aber zu dessen akuter Behandlung geeignet ist! Wird Allopurinol während eines Gichtanfalls eingenommen, kann es passieren, dass noch mehr Harnsäurekristalle gebildet werden. Dadurch kann der Anfall verlängert oder verschlimmert werden.

Wechselwirkungen

Wird Allopurinol zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten eingenommen, können Wechselwirkungen auftreten. So wird die Wirkung des Gichtmittels durch Wirkstoffe wie Benzbromaron, Etacrynsäure, Probenecid, Sulfinpyrazon und Thiazinen herabgesetzt. Chlorpropamid, Ciclosporin, Phenytoin und Theophyllin verstärken dagegen ebenso wie Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ die Wirkung von Allopurinol.

Allopurinol selbst nimmt ebenfalls Einfluss auf andere Medikamente. So verstärkt bzw. verlängert es die Wirkung von Medikamenten mit Chlorpropamid, Phenprocoumon, Salicylsäure, Theophyllin und Vidarabin. Auch Antikoagulantien können in ihrer Wirkung verstärkt werden. Dagegen verlangsamt Allopurinol die Ausscheidung von Probenecid.

Der Wirkstoff sollte ebenfalls nicht gemeinsam mit Antibiotika wie Ampicillin oder Amoxicillin eingenommen werden. Ansonsten können Hautausschläge auftreten. Auch mit Zytostatika sollte das Gichtmittel nicht kombiniert werden, da es sonst zu Blutbildveränderungen kommen kann. Müssen Zytostatika eingenommen werden, ist meist eine deutliche Reduzierung der Dosis nötig.

Eine ausführliche Aufstellung aller Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von und mit Allopurinol finden Sie in der Packungsbeilage Ihres Medikamentes.

Hinweise zur Einnahme von Allopurinol

Durch die folgenden Verhaltensweisen können Sie die Therapie mit Allopurinol unterstützen:

  • Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund. Verzichten Sie auf purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Hülsenfrüchte, Fisch oder Alkohol.
  • Trinken Sie viel, am besten Wasser oder Kräutertees
  • Versuchen Sie Ihr Gewicht ein wenig zu reduzieren, falls Sie übergewichtig sind.

Aktualisiert: 02.07.2014 – Autor: Kathrin Mehner

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