Gerinnungshemmer Heparin

Heparin-Spritze als Gerinnungshemmer © istockphoto, dml5050

Heparin gehört zur Wirkstoffklasse der Antikoagulantien – darunter sind Stoffe zu verstehen, die die Blutgerinnung hemmen. Aufgrund dieser Wirkung wird der Wirkstoff zur Vorbeugung und Therapie von Thrombosen, aber auch zur Behandlung von Blutergüssen verwendet. Je nach Behandlungsziel wird er entweder in Form von Salben und Gels aufgetragen oder als Lösung gespritzt. Wie jeder andere Wirkstoff hat auch Heparin Nebenwirkungen, allerdings gilt die Substanz generell als gut verträglich.

Wirkung von Heparin

Heparin sorgt in unserem Körper dafür, dass die Blutgerinnung gehemmt wird. Dies geschieht in erster Linie dadurch, dass sich der Wirkstoff an das Enzym Antithrombin III bindet. Gemeinsam schalten die beiden Stoffe dann im Blut aktivierte Gerinnungsfaktoren aus. Daneben bindet er aber auch Kalzium-Ionen – je geringer deren Konzentration im Blut ist, desto schwerer gerinnt das Blut.

Aufgrund seiner gerinnungshemmenden Wirkung wird Heparin in erster Linie zur Vorbeugung von Embolien und Thrombosen verwendet. Häufig wird es außerdem bei bereits bestehenden Thrombosen zur Behandlung eingesetzt. Daneben wird der Wirkstoff aber auch noch in anderen Situationen benutzt:

  • Zur Therapie eines Herzinfarktes oder einer Angina pectoris
  • Gemeinsam mit Zink zur Bekämpfung von Herpes-Viren
  • In Arztpraxen und Krankenhäusern, um die Gerinnung von Blutproben zu verhindern

Äußerlich wird Heparin zur Behandlung von oberflächlichen Venenentzündungen sowie zur Verringerung der Schwellung bei Blutergüssen und Prellungen verwendet. Bei Schwellungen fördert der Wirkstoff die Durchblutung und somit den Rückstrom des Blutes zum Herzen. Dadurch wird die Wasseransammlung in den benachbarten Gefäßen reduziert und die Schwellung lässt nach. Darüber hinaus kann Heparin auch dafür sorgen, dass sich Blutpfropfen in den unmittelbar unter der Haut liegenden Gefäßen auflösen.

Heparin in Salben und Cremes

Heparin gibt es in verschiedenen Darreichungsformen: Der Wirkstoff kommt in Salben und Gels vor, es gibt aber auch Heparinlösungen, die per Spritze injiziert werden müssen. In Salben und Cremes wird der Wirkstoff in der Regel zur Behandlung von Blutergüssen und Prellungen angewendet. Falls nicht anders verordnet, sollten die Salben äußerlich zwei- bis dreimal täglich verwendet werden. Beim Auftragen sollte darauf geachtet werden, dass die Salbe nicht auf offene Wunden, entzündete Hautpartien sowie auf die Schleimhäute gelangt.

Heparinspritzen werden dagegen beispielsweise nach Operationen eingesetzt, um das Risiko für eine Thrombose zu senken. Wer nach einer OP in seiner Beweglichkeit über einen längeren Zeitraum eingeschränkt ist, muss sich Heparin nach Ende des Krankenhausaufenthaltes häufig weiterhin selbst spritzen. Der Wirkstoff kann entweder in ein venöses Blutgefäß oder ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden – fragen Sie bei Ihrem behandelnden Arzt nach, welche Möglichkeiten für Ihr Medikament bestehen.

Gegenanzeigen beachten

Während Heparin in Salben und Cremes bis auf wenige Ausnahmen, die Sie dem Beipackzettel Ihres Medikamentes entnehmen können, bedenkenlos äußerlich angewendet werden kann, gibt es für den Gebrauch von Injektionslösungen einige Gegenanzeigen. So darf der Wirkstoff nicht injiziert werden, wenn eine Thrombozytopenie – ein Blutplättchenmangel – des Typs II oder schwerer Bluthochdruck besteht. Daneben darf er aber auch in einigen anderen Fällen nicht verwendet werden:

  • Bei Verdacht auf eine Hirnblutung
  • Unmittelbar nach einem Schwangerschaftsabbruch
  • Gemeinsam mit Betäubungsspritzen ins Rückenmark und Punktionen des Rückenmarks
  • Bei Harnleiter- und Nierensteinen
  • Bei Alkoholmissbrauch

Allgemein darf Heparin bei allen Krankheiten, die mit einer erhöhten Blutungsneigung einher gehen, nur mit äußerster Vorsicht und nach Rücksprache mit einem Arzt eingesetzt werden. Patienten, die eine geschädigte Niere oder Leber haben, müssen während der Behandlung regelmäßig vom behandelnden Arzt kontrolliert werden.

Wechselwirkungen

Werden während der Behandlung mit Heparin weitere gerinnungshemmende Mittel – beispielsweise andere Antikoagulantien oder Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure – verwendet, kann dadurch die Blutungsneigung zunehmen. Wird der Wirkstoff zusammen mit Propranolol eingenommen, kann eine Verstärkung der Wirkung des Betablockers die Folge sein.

Bei der gemeinsamen Einnahme mit bestimmten anderen Medikamenten kann es darüber hinaus auch zu einer Abschwächung der Heparin-Wirkung kommen. Zu diesen Mitteln zählen bestimmte Allergie-Medikamente (H1-Antihistaminika), Antibiotika (Tetrazyklinen) sowie herzstärkende Mittel (Herzglykoside). Auch Nikotin und Vitamin C können einen solchen Effekt haben.

Eine ausführliche Liste der Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen entnehmen Sie bitte dem Beickpackzettel Ihres Medikamentes.

Heparin in der Schwangerschaft und Stillzeit

Heparin kann sowohl während der Schwangerschaft als auch während der Stillzeit verwendet werden, da es nicht plazentagängig ist und auch nicht in die Muttermilch übergeht. Wird der Wirkstoff während der Schwangerschaft über mehrere Monate innerlich angewendet, kann dies allerdings zu einem Anstieg des Osteoporose-Risikos führen. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch eine innerliche Anwendung die Wahrscheinlichkeit für eine Fehl- oder Totgeburt erhöht wird. Während der Stillzeit kann Heparin dagegen ohne Bedenken verwendet werden.

Wird Heparin äußerlich aufgetragen, bestehen die oben genannten Risiken nicht. Bei einer sehr hohen Dosierung des Wirkstoffes kann in der Folge jedoch die Blutungsneigung steigen. In solchen Fällen ist eine Periduralanästhesie während der Geburt nicht möglich.

Aktualisiert: 06.06.2013 – Autor: Kathrin Mehner

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