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Kortison als Medikament

Mit der erfolgreichen Behandlung der jungen Amerikanerin war Kortison schnell als Arzneimittel etabliert. In den 50er Jahren wurde das neue Medikament vor allem innerlich zur Behandlung des Rheumas mit großem Erfolg eingesetzt. Und auch in der Dermatologie setzte sich Kortison schnell durch. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nämlich zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen kein Mittel, das so schnell und derart wirksam war.

Die Wirkung von Kortison als Wirkstoff

Inzwischen ist bekannt, dass Kortison verschiedene Wirkungen hat und entsprechend unterschiedlich eingesetzt werden kann, denn es:

  • hemmt Entzündungen
  • unterdrückt immunologische/allergische Reaktionen
  • verlangsamt eine beschleunigte Zellteilung
  • kann Hirnödeme verkleinern
  • verhindert Erbrechen nach der Einnahme bestimmter Krebsmittel

Diese Wirkungen beruhen darauf, dass das Hormon im Zellkern die Bildung bestimmter Eiweißkörper auslöst, die dann ihrerseits Reaktionen erzeugen. Daher tritt die Wirkung des Medikamentes frühestens nach 30 Minuten ein. Diese Wirkung wird aber nur erreicht, wenn das Hormon in einer höheren Dosierung als im Körper vorhanden verabreicht wird.

Bei extrem hohen Dosierungen lagert sich das Hormon direkt in die Zellwände ein und kann dann sofort wirken. Diesen Mechanismus machen sich Ärzte zunutze, wenn zum Beispiel Schwellungszustände im Gewebe die Atmung behindern oder auch Schockzustände das Leben des Patienten akut bedrohen.

Vielfalt der Kortison-Präparate

Das ursprüngliche Kortison wird noch immer bei Patienten mit eingeschränkter Nebennierenrinde eingesetzt. Für andere therapeutische Zwecke wurden durch chemische Veränderungen verschiedene Kortison-Präparate entwickelt, die zwar alle die gleiche Wirkung im Körper haben, sich aber durch die Wirkungsstärke und ihr Verhalten im Organismus unterscheiden.

Besonders die kortisonhaltigen Salben, die bei Hauterkrankungen eingesetzt werden, haben von der Medikamentenforschung der letzten Jahre profitiert. Heute gibt es eine Reihe von Salben und Cremes, die auch bei längerem Einsatz auf der Haut keine Auswirkungen auf den Gesamtorganismus haben, sondern ihre Wirkung nur lokal auf der Haut entfalten.

Auch Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, Asthma oder entzündlich-rheumatischen Krankheiten haben von dieser Entwicklung profitiert.

Abkömmlinge des Kortisons

Inzwischen gibt es zahlreiche synthetisch hergestellte Abkömmlinge des Kortisons wie Betamethason, Triamcinolon, Dexamethason, Prednisolon, Prednison, Mometason und Fluticason. Zum Einsatz kommt der Wirkstoff in:

  • Asthma- und Nasensprays
  • Augentropfen
  • Flüssigkeit zum Spritzen (Injektionen)
  • Salben
  • Cremes
  • Zäpfchen
  • Tabletten

Für die Dauerbehandlung chronischer Erkrankungen können sie sehr niedrig dosiert beziehungsweise gezielt angewendet werden und verursachen daher kaum noch Probleme.

Innerliche Anwendung von Kortison

Entzündungsreaktionen sind Symptome vieler Krankheiten wie zum Beispiel Asthma, chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD), Rheuma oder Nierenkrankheiten. Kortison und seine Abkömmlinge sind unverzichtbar für die Therapie, da sie nach wie vor die wirksamsten Entzündungshemmer sind, die die Medizin kennt.

Allergische Erkrankungen gehen ebenfalls häufig mit der Entzündung der betroffenen Organe einher. Hier kommen ebenfalls Kortikoide zum Einsatz, um die Entzündungsreaktionen einzudämmen.

Die Symptome lassen sich mit dieser Therapie vermindern oder verschwinden teilweise ganz. Kortison-Präparate können außerdem einem sogenannten Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum chronischen Asthma vorbeugen.

Hier sind 3 Regeln bei der innerlichen Anwendung von Kortison:

  1. Da die Nebennierenrinde morgens das meiste Kortison ausschüttet, sollte man die gesamte Tagesdosis vor 8 Uhr einnehmen. So ahmt man den natürlichen Tagesrhythmus des Körpers nach.
  2. Um zu verhindern, dass bei einem plötzlichen Absetzen der Medikamentes die Symptome verstärkt auftreten (Rebound-Effekt), müssen Kortikoide allmählich abgesetzt werden. Man spricht dann von einem Ausschleichen der Therapie.
  3. Die systemische, also die innerliche Anwendung von Kortikoiden darf nicht ohne ärztliche Kontrolle über längere Zeit (länger als 3 bis 4 Wochen) und in hoher Dosis (mehr als 10 Milligramm/Tag) erfolgen, sonst drohen tatsächlich die bekannten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Wassereinlagerung im Gewebe, Osteoporose oder eine Störung des Zuckerstoffwechsels.

Äußerliche Anwendung von Kortison

Gegen entzündliche Hauterkrankungen wirken Kortikoide besonders gut die typischen Anzeichen wie Rötung, Schwellung, Erwärmung und Schmerz vergehen rasch. Vor allem der Juckreiz, das klassische Symptom zum Beispiel von Neurodermitis, lässt sich mit einer Kortison-Therapie schnell in den Griff bekommen.

Werden Kortisonsalben jedoch falsch (zum Beispiel über einen langen Zeitraum) angewendet, können sie die Haut dünner machen und letztendlich dazu führen, dass die Haut schneller zu Infektionen neigt. Daher sollte man folgende Regeln beachten:

  • Solange die Erkrankung akut ist, das Medikament so oft wie nötig auftragen.
  • Wenn die Beschwerden abklingen, so wenig wie nötig auftragen.
  • In der chronischen Phase so selten wie möglich benutzen.

Aktualisiert: 28.02.2019 – Autor: Dagmar Reiche

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